von 1918 bis 1933: Die Weimarer Republik

15.10.2025

Als Weimarer Republik (zeitgenössisch auch Deutsche Republik) wird der Abschnitt der deutschen Geschichte von 1918 bis 1933 bezeichnet, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich bestand. 

Die Weimarer Republik

(amtlich: DEUTSCHES REICH)

In aller Kürze...

STAAT:

Diese Epoche löste die konstitutionelle Monarchie der Kaiserzeit ab und begann mit der Ausrufung der Republik am 9. November 1918. 

Sie endete de facto mit der Machtergreifung der NSDAP infolge der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. In neun Wochen wurden die demokratischen Strukturen durch Verordnungen des Reichspräsidenten vom 4. Februar und 28. Februar sowie mit Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes am 24. März 1933 beseitigt. Es folgte der NS-Staat.

Die Weimarer Republik entstand im Zuge der Novemberrevolution. 

Diese Bezeichnung der ersten auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichten deutschen Republik ist auf den ersten Tagungsort der Verfassunggebenden Nationalversammlung, die Stadt Weimar, zurückzuführen. Der amtliche Staatsname Deutsches Reich wurde jedoch beibehalten.

Nachdem zunächst der Rat der Volksbeauftragten die Regierungsgewalt ausgeübt hatte, wurde auf Beschluss des Reichsrätekongresses am 19. Januar 1919 die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung abgehalten. 

Am 11. Februar wählte die Nationalversammlung Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten, der am 13. Februar das Kabinett Scheidemann ernannte. 

Die Weimarer Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Sie konstituierte das Deutsche Reich als Bundesstaat. 

Staatsoberhaupt war der für eine Amtszeit von sieben Jahren direkt vom Volk gewählte Reichspräsident, der als Teil der Exekutive über weitreichende Befugnisse verfügte. Die Regierung führte der vom Reichspräsidenten zu ernennende und zu entlassende Reichskanzler, der dem Reichstag gegenüber verantwortlich war. Als Volksvertretung mit umfassenden Gesetzgebungs-, Budget- und Kontrollrechten wurde der Reichstag für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. 

Die Länder vertrat der Reichsrat. Die Parlamente auf Landesebene nannten sich Landtage, im Januar 1919 bildete sich der erste im Freistaat Mecklenburg-Strelitz.

Die Geschichte der Weimarer Republik lässt sich nach der Gründungsphase in drei Abschnitte gliedern. In den Krisenjahren von 1919 bis 1923 hatte die Republik mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, einer Hyperinflation sowie zahlreichen Umsturzversuchen und politischen Morden zu kämpfen. In den Jahren von 1924 bis 1929 erlebte sie eine Zeit relativer Stabilität, wirtschaftlicher Erholung sowie außenpolitischer Anerkennung und Wertschätzung. Die Weltwirtschaftskrise ab Ende 1929, die Präsidialkabinette nach dem Bruch der Großen Koalition am 27. März 1930 und der Aufstieg der Nationalsozialisten mündeten schließlich in ihren Untergang.

KULTUR:

Kulturell war die Weimarer Republik geprägt durch den ersten Durchbruch der Massenkultur in Deutschland (Rundfunk, Kino, Unterhaltungsmusik usw.) sowie von avantgardistischen Strömungen in den Künsten, die zum Teil bereits in der Vorkriegszeit angelegt waren.

Das Erbe aus der Kaiserzeit:

Die Republik hatte mehrere Strukturprobleme aus der Kaiserzeit geerbt, so die Wirtschafts- und Sozialordnung sowie die konfessionell geprägte Schulpolitik. Dazu kamen Phänomene, die das Scheitern der Weimarer Demokratie direkt beeinflussten:

Reichspräsident - Friedrich Ebert: ...schweres Erbe eines Demokraten 

  • Der Erste Weltkrieg hinterließ schwere ökonomische und soziale Lasten. Insbesondere die faktische Enteignung vieler Bürger durch die Große Inflation, die in der Hyperinflation von 1923 gipfelte, und die nach dem Versailler Vertrag geforderten Reparationen erwiesen sich als – nicht zuletzt psychologische – Belastung und wurden von den Gegnern der Republik für ihre Agitation gegen die "Erfüllungspolitik" genutzt.
  • Da die demokratischen Politiker im Kaiserreich von der Führung der Staatsgeschäfte ausgeschlossen gewesen waren, stützten sie sich in Militär, Verwaltung und Justiz weiterhin auf das vorhandene Personal, das die republikanische Staatsform und die Demokratie jedoch weitgehend ablehnte. Mit Ausnahme Preußens fand keine grundlegende Demokratisierung der Beamtenschaft statt. Symptomatisch dafür waren die vielfach politisch motivierten Urteile der Justiz: Rechte Straftäter wurden vielfach mit wesentlich milderen Urteilen belegt als linke.
  • Auch große Teile der Bevölkerung lehnten bürgerliche Demokratie und Republik ab: Konservative und Rechtsextreme verbreiteten die Dolchstoßlegende, nach der nicht die kaiserliche, sondern die neue demokratische Regierung für die Kriegsniederlage und den als demütigend empfundenen Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gewesen sei. Auf der Linken hatten die Kämpfe während der Novemberrevolution zu einer unversöhnlichen Haltung der Kommunisten gegenüber den Sozialdemokraten geführt, die sie von einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Feinde der Republik abhielten.

Die Weimarer Verfassung galt zu ihrer Zeit als eine der fortschrittlichsten überhaupt. Sie war nach der Märzrevolution von 1848 der zweite – und erste erfolgreiche – Versuch, eine liberale Demokratie in Deutschland zu etablieren.

Die schon unter Zeitgenossen verbreitete These, der Staat von Weimar sei eine...

"Demokratie ohne Demokraten"

...gewesen, ist nur bedingt richtig, weist aber auf ein wesentliches Problem hin: Es gab keinen tragfähigen Verfassungskonsens, der alle Teile des politischen Spektrums von rechts bis links eingebunden hätte. 

Parteienspektrum

Die politischen Parteien stammten größtenteils noch aus der Kaiserzeit, auch wenn die meisten ihren Namen geändert hatten. 

Entgegen einer weitverbreiteten Irrmeinung ist die Zahl der im Parlament vertretenen Parteien ungefähr gleich geblieben: Unter dem absoluten Mehrheitswahlrecht der Kaiserzeit waren es durchschnittlich 13,8 Parteien, in der Weimarer Republik 14,4. Zwar gab es beispielsweise im Reichstag keine Parteien von Polen, Dänen und Elsässern mehr, aber weiterhin eine hannoversche, zusätzlich eine oder zwei bayerische Parteien sowie Splitterparteien des Mittelstands wie die Wirtschaftspartei.

Bereits im Kaiserreich hatten die Parteien, über die Gesetzgebung des Reichstages, einen großen Einfluss auf die Politik gehabt. Aber in der Weimarer Zeit mussten sie zusätzlich in der Lage sein, Koalitionsregierungen zu bilden (und Kandidaten für die Reichspräsidentschaft zu stellen); das wäre ihnen bereits im Kaiserreich schwergefallen und hat tatsächlich die Durchsetzung des parlamentarischen Regierungssystems vor 1918 verhindert.

Anders als in vielen nach 1945 entstandenen Verfassungen gab es damals noch keinen verfassungspolitischen Auftrag der Parteien und auch kein Parteiengesetz. Parteien waren rechtlich gesehen Vereine. Geht man im Parteienspektrum von links nach rechts, gab es in der Weimarer Zeit folgende Parteien von Bedeutung:

  • Kommunistische Partei Deutschlands (KPD, ab 1918)
  • Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD, bis 1922 – formal bis 1931)
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
  • Deutsche Demokratische Partei (DDP), ab 1930 Deutsche Staatspartei
  • Deutsche Zentrumspartei (Zentrum)
  • Bayerische Volkspartei (BVP)
  • Deutsche Volkspartei (DVP)
  • Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
  • Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)

und eine Reihe kleinerer Parteien:

  • Bayerischer Bauernbund (BB)
  • Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei (CNBL, auch Landvolk)
  • Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei, kurz WP)
  • Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung (Volksrechtpartei, kurz VRP)
  • Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP)
  • Freiland, Freigeld, Freiwirtschaft (FFF) – Partei der Freiwirtschaftsbewegung Silvio Gesells
  • Christlich-Sozialer Volksdienst (evangelische Bewegung) (CSVD, 1929–1933)
  • Deutsch-Hannoversche Partei (DHP, auch Welfen genannt)
  • Deutsche Bauernpartei (DBP, 1928 bis 1933)
  • Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF)
  • Deutschsoziale Partei (DS bzw. DtSP, DSoP oder auch DsP)
  • Deutschsozialistische Partei (DSP)
  • Konservative Volkspartei (KVP)
  • Wendische Volkspartei (Volksminderheitenpartei der Wenden und Sorben) (sorb. Serbska ludowa strona)
  • Christlich-Soziale Reichspartei (CSRP)

Siehe auch: Reichsregierungen der Weimarer Republik

Reichspräsident

Der erste Reichspräsident, Friedrich Ebert, amtierte von 1919 bis 1925. Er war zunächst von der Nationalversammlung eingesetzt worden, danach wurde sein Mandat mehrmals verlängert. Die erste verfassungsmäßige Wahl zum Reichspräsidenten fand 1925 statt, gewählt wurde der parteilose Weltkriegsfeldmarschall Paul von Hindenburg. 1932 wurde er wiedergewählt; er starb am 2. August 1934.

Reichskanzler

Die Reichskanzler im Kaiserreich hatten noch keiner Partei angehört; erstmals wurde 1917 ein Vertreter der Zentrumspartei Kanzler. Vom November 1918 bis zur Reichstagswahl 1920 gehörten die Regierungschefs der SPD an. Von 1920 bis 1932 stellte das Zentrum fast alle Reichskanzler, mit Ausnahme eines Sozialdemokraten, eines Liberalen und zweier Parteiloser. Das Ende der Weimarer Republik wird zumeist mit der Ernennung von Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 angegeben.

  • 9. November 1918 bis 13. Februar 1919 Friedrich Ebert, SPD (kein verfassungsmäßiger Reichskanzler, aber Mitglied im Rat der Volksbeauftragten)
  • 13. Februar bis 20. Juni 1919 Philipp Scheidemann, SPD (Ministerpräsident)
  • 21. Juni 1919 bis 26. März 1920 Gustav Bauer, SPD (bis 14. August 1919 Ministerpräsident)
  • 27. März bis 8. Juni 1920 Hermann Müller, SPD
  • 25. Juni 1920 bis 4. Mai 1921 Constantin Fehrenbach, Zentrum
  • 10. Mai 1921 bis 14. November 1922 Joseph Wirth, Zentrum
  • 22. November 1922 bis 12. August 1923 Wilhelm Cuno, parteilos
  • 13. August bis 23. November 1923 Gustav Stresemann, DVP
  • 30. November 1923 bis 15. Januar 1925 Wilhelm Marx, Zentrum
  • 15. Januar 1925 bis 16. Mai 1926 Hans Luther, parteilos
  • 16. Mai 1926 bis 28. Juni 1928 Wilhelm Marx, Zentrum
  • 28. Juni 1928 bis 30. März 1930 Hermann Müller, SPD
  • 30. März 1930 bis 31. Mai 1932 Heinrich Brüning, Zentrum
  • 1. Juni bis 1. Dezember 1932 Franz von Papen, parteilos (bis 3. Juni Zentrum)
  • 3. Dezember 1932 bis 28. Januar 1933 Kurt von Schleicher, parteilos.

Reichspräsident - Paul von Hindenburg: ...Kritiker Der Republik

Nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten, des SPD-Politikers Friedrich Ebert, wurde 1925 mit Paul von Hindenburg ein konservativer Nachfolger gewählt, der der republikanischen Staatsform betont kritisch gegenüberstand.

Die meisten politischen Parteien zur Zeit der Weimarer Republik hatten ihre ideologische Ausrichtung von ihren unmittelbaren Vorgängern im Kaiserreich übernommen und vertraten weitgehend die Interessen ihrer jeweiligen Klientel. Waren deren Interessen gefährdet, ging die jeweilige Partei eher aus der Regierung, als sich zu Kompromissen herbeizulassen. Auch die Wähler belohnten eher Opposition als Regierungsarbeit, ein Dilemma insbesondere für die Sozialdemokraten, die sich nur ausnahmsweise zur Koalitionsbildung mit der DVP bereitfanden, weil sie von der Partei der Schwerindustrie keinen Zugewinn an sozialen Leistungen erwarteten, sondern vielmehr deren Abbau.

Nur 3 Jahre Sozialdemokraten:

So waren die Sozialdemokraten nur gut dreieinhalb von 14 Jahren in Regierungen der Weimarer Republik vertreten.

Sie dienten in außenpolitischen Fragen zwar oft als Mehrheitsbeschaffer, hielten sich von der Gestaltung der Regierungspolitik aber fern. Zu einem für die Stabilisierung der Weimarer Republik nötigen Bündnis zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum kam es auf diese Weise nicht. Im Reichstag, dem Parlament, waren zeitweise bis zu 17 und selten weniger als 11 verschiedene Parteien vertreten. In 14 Jahren gab es 20 Kabinettswechsel. Elf Minderheitskabinette waren von der Duldung durch Parteien abhängig, die nicht zur Regierungskoalition gehörten.

Schwarzer Donnerstag der New Yorker Börse 1929

Die relative Stabilisierung der Weimarer Republik nach dem Ende der Großen Inflation endete mit den wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, die dem Schwarzen Donnerstag der New Yorker Börse 1929 gerade in Deutschland folgten. Der Abzug von kurzfristigen Krediten amerikanischer Investoren, die einen zwischenzeitlichen Aufschwung gespeist hatten, trug zu der einsetzenden Wirtschaftsdepression wesentlich bei: stockender Warenabsatz, rückläufige Produktion, Massenentlassungen und -arbeitslosigkeit samt schwindender Kaufkraft bewirkten eine Abwärtsspirale ungekannten Ausmaßes, der die im Aufbau befindlichen sozialen Sicherungssysteme nicht gewachsen waren.

Seit März 1930 keine Reichstagsmehrheit

Da es seit März 1930 keine von der Reichstagsmehrheit getragene Regierung mehr gab, regierten Reichspräsident Hindenburg und die von ihm ernannten Reichskanzler von da an vor allem mit Hilfe von Notverordnungen. Die Reichstagswahlen 1930 zeitigten den Aufstieg der rechtsradikalen NSDAP zu einer bedeutenden Kraft im Weimarer Parteienspektrum. Seit dem Sommer 1932 verfügten die republik- und demokratiefeindlichen Parteien, neben der NSDAP die rechtskonservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die linksradikale Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), zusammen über eine negative Mehrheit im Reichstag. Mit der DNVP und anderen rechtskonservativen Kräften bildete sich um Adolf Hitler als Parteiführer der Nationalsozialisten Anfang 1933 eine neue, zur Macht drängende Kräftekonstellation.

Reichskanzler - Adolf Hitler : ...der Anfang vom Ende

Am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt, gelang es Hitler in kurzer Zeit, die demokratischen, rechtsstaatlichen und föderalen Strukturen der Republik zu zerstören und seine Diktatur durchzusetzen.

"Von Vorn" - Geschichte ...der Weimarer Republik

Gründungsphase:

Gründung einer Republik (1918/1919)

Die gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die zur Entstehung der Weimarer Republik führten, wurden wesentlich von den am Ende des Ersten Weltkriegs in Deutschland eingetretenen innen- und außenpolitischen Konstellationen und Kräfteverhältnissen bestimmt. Bedeutsame Wirkungsfaktoren dabei waren

  1. das überraschende Eingeständnis der militärischen Niederlage durch die Oberste Heeresleitung (OHL),
  2. die dadurch energisch beschleunigte Umwandlung des Herrschaftssystems in eine parlamentarische Monarchie im Laufe des Oktobers 1918 (Oktoberreform),
  3. die von den gegen weitere Kriegseinsätze meuternden Matrosen in Gang gesetzte revolutionäre Bewegung der Soldaten und Arbeiter im November 1918 und
  4. die von Seiten der Mehrheitssozialdemokratie breit befürwortete und durch den Reichsrätekongress im Dezember 1918 beschlossene Errichtung einer parlamentarischen Demokratie.

Weimar: Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung

Dass die Verfassunggebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar zusammentrat, war auf die anhaltend unruhige Lage in Berlin zurückzuführen; doch warb Ebert für diesen Tagungsort auch mit der Begründung, es werde wohl in der ganzen Welt als angenehm empfunden...

"wenn man den Geist von Weimar mit dem Aufbau des neuen Deutschen Reiches verbindet".

Februar 1919: ... Wahl des Reichspräsidenten Friedrich Ebert

Die Aufgaben der Weimarer Nationalversammlung gingen von Anbeginn über die Rolle des Verfassungsgebers vielfältig hinaus, denn sie hatte zusätzlich alle Aufgaben eines Parlaments zu erfüllen. Dazu gehörten bereits im Februar 1919 die Wahl des Reichspräsidenten Friedrich Ebert und die Regierungsbildung.

1ter Reichskanzler: ...Philipp Scheidemann

...lehnt Versailler Vertrag ab:

Hierbei konnte an die Reichstagskonstellationen noch zu Zeiten der Oktoberreform 1918 angeknüpft werden, da die Wahlen zur Nationalversammlung den Parteien MSPD, DDP und Zentrum, die nun die Weimarer Koalition bildeten, mit 329 von insgesamt 421 Abgeordneten zunächst eine äußerst komfortable Mehrheit verschafften. Auf dieser Basis wurde Philipp Scheidemann erster Regierungschef der Weimarer Republik.

Scheidemann selbst aber stellte diese Mehrheit auf eine harte Probe, als er sich im Mai und Juni 1919 kategorisch gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrags aussprach:

..."Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in diese Fessel legt?"

Als sich abzeichnete, dass unter dem Druck des Ultimatums der Siegermächte eine Mehrheit auch der sozialdemokratischen Abgeordneten für die Vertragsannahme votieren würde, trat er zurück.

2ter Reichskanzler: ...Gustav Bauer

... und die Regierungskoalition (MSPD, DDP und Zentrum) beugen sich dem Ultimatum der Siegermächte:

Sein Nachfolger wurde Gustav Bauer. Der Versailler Vertrag wurde in der Nationalversammlung am 22. Juni 1919 mit 237 gegen 138 Stimmen bei 6 Enthaltungen angenommen.

Annahme der Verfassung am 31. Juli 1919

Mit der Schlussabstimmung über die Annahme der Verfassung am 31. Juli 1919 und ihrem Inkrafttreten am 14. August endete die Gründungsphase der Weimarer Republik.

Nach bis zuletzt schwierigen Verhandlungen und Kompromissen hatten sich 265 Abgeordnete für die Weimarer Verfassung ausgesprochen und 75 dagegen; 86 Mitglieder der Nationalversammlung blieben der Abstimmung fern, überwiegend aus den Reihen der Weimarer Koalition.

1te Phase der Republik:

"Die goldenen Jahre" - 1920–1922

Wirtschaftlich waren die frühen Jahre der Weimarer Republik nach einer kurzen Rezession von einer Hochkonjunktur gekennzeichnet. Während alle anderen Industrieländer von 1920 bis 1922 unter einer empfindlichen Depression litten, wuchs die deutsche Industrieproduktion in diesen Jahren um 20 %.

Der Kapp-Putsch - 1920 

Der Kapp-Putsch vom März 1920 stellte die Republik auf eine erste Bewährungsprobe. Freikorps, deren Auflösung der Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) gemäß Versailler Vertrag angeordnet hatte, besetzten unter der Führung von General von Lüttwitz das Berliner Regierungsviertel und erklärten den ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler

Die legale Regierung zog sich zunächst nach Dresden und anschließend nach Stuttgart zurück und rief von dort aus zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Der Putsch scheiterte rasch, nicht zuletzt an der Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten. Die Reichswehr hingegen hatte sich als unzuverlässig erwiesen und abwartend verhalten gemäß der vom Chef des Truppenamtes Hans von Seeckt vertretenen Devise, dass Reichswehr nicht auf Reichswehr bzw. Truppe nicht auf Truppe schieße.

Teile der Arbeiterschaft beließen es im Zuge des Kapp-Putsches nicht bei passivem Widerstand, sondern bewaffneten sich gegen die Putschisten. Speziell im Ruhrgebiet, wo die Unzufriedenheit über ausgebliebene Sozialisierungsmaßnahmen besonders hoch war, bildeten sich erneut Räte, die eine lokale Machtübernahme anstrebten. Im sogenannten Ruhraufstand kam es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der "Roten Ruhrarmee" und Einheiten der Putschisten und nach dem Scheitern des Bielefelder Abkommens zur blutigen Niederschlagung des Aufstands durch entsandte Reichswehreinheiten und Freikorps. 

Abwahl der Weimarer Koalition - 1920

In Bayern dagegen führte der Kapp-Putsch zu einer antirepublikanischen Regierungsumbildung, die den Freistaat auf Dauer zur autoritären "Ordnungszelle" innerhalb des Weimarer Gesamtstaates und zum Sammelbecken der rechtskonservativen und reaktionären Kräfte machte. Die instabilen politischen Verhältnisse in der Frühphase der Weimarer Republik zeigten sich auch in der Reichstagswahl 1920, in der die bis dahin mit einer Dreiviertelmehrheit regierende Weimarer Koalition abgewählt wurde.

Morde an "Erfüllungspolitikern"

Ausdruck der eingetretenen scharfen politischen Polarisierung waren insbesondere die rechtsradikal motivierten Morde von Mitgliedern der Organisation Consul an wichtigen Repräsentanten der jungen Republik: an Finanzminister Matthias Erzberger im August 1921 und an Außenminister Walther Rathenau im Juni 1922, die man als willfährige "Erfüllungspolitiker" in Bezug auf den Versailler Vertrag diffamiert hatte. Während Erzberger für die Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens 1918 angefeindet wurde, war Rathenau als Außenminister unter anderem für die Reparationsproblematik zuständig. Er hatte zudem durch den mit der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik geschlossenen Vertrag von Rapallo die äußere Isolierung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg aufzubrechen gesucht. Doch auch als Jude zog er rechtsextremistischen Hass auf sich. 

"Republikschutzgesetz" 

Die in Trauerzügen für die Ermordeten massenhaft bekundete Solidarität zum einen und die Verabschiedung eines "Republikschutzgesetzes" zum anderen sollten den rechten Feinden der Weimarer Republik Einhalt gebieten. Doch die kaiserzeitlich-konservativ geprägte Richterschaft trug mit milden Urteilen gegen rechtsradikale Staatsverbrecher dazu bei, dass diese sich von ihrem Treiben nicht dauerhaft abhalten ließen.

"Erst Brot, dann Reparationen!" 

Die politischen Weichen, die die Weimarer Republik 1923 an den Rand des Zusammenbruchs brachten, wurden sowohl in der deutschen wie in der französischen Politik gestellt. Die von den Sozialdemokraten geduldete Minderheitsregierung des parteilosen Reichskanzlers Wilhelm Cuno (Kabinett Cuno 22. November 1922 bis 12. August 1923) zielte in demonstrativer Fortsetzung des Kurses "Erst Brot, dann Reparationen!" trotz anderer Möglichkeiten auf ein Zugeständnis der Alliierten, dass die deutsche Leistungsfähigkeit bei den Reparationen bereits überschritten war.

1923 - Französischen und belgischen Truppen besetzten das Rheinland!

Während der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré die Nichterfüllung der deutschen Reparationslieferungen als Hebel ansah, um die von englischer Seite in Versailles verweigerte Abtrennung des Rheinlands (Ruhrgebiet) vom Deutschen Reich doch noch zu erreichen.

Nach der Feststellung unzureichender deutscher Kohlelieferungen durch die Reparationskommission marschierten am 11. Januar 1923 französische und belgische Truppen ins Rheinland ein. 

"Sturm der Entrüstung" in der Republik  

In Deutschland löste der Einmarsch einen parteiübergreifenden Sturm der Entrüstung aus. Die Reichsregierung unter Wilhelm Cuno ermutigte die Bevölkerung im Ruhrgebiet zu passivem Widerstand, wobei das Reich ohne produktiven Gegenwert sämtliche Ausfallkosten für die Unternehmen des besetzten Gebietes und deren Beschäftigte übernahm.

Beamten wurde verboten, Befehle der Besatzer zu befolgen. Da die Bevölkerung in beeindruckender Geschlossenheit passiven Widerstand leistete, wiesen die Besatzungsbehörden zwischen 120.000 und 150.000 Menschen aus dem Ruhrgebiet sowie aus dem seit 1919 besetzten Rheinland in das "unbesetzte" Deutschland aus. 

Auch der aktive Widerstand nahm während der Ruhrbesetzung kontinuierlich zu. Nationalisten und Kommunisten verübten gemeinsam Sabotage- und Sprengstoffanschläge gegen die feindlichen Besatzer. Zum Tode verurteilte Saboteure wie der Nationalsozialist Albert Schlageter fielen in Deutschland Märtyrerrollen zu.

Streiks, wirtschaftliche Absperrung des Ruhrgebiets und Produktionsausfälle ruinierten die deutsche Wirtschaft 1923. Die Kosten des passiven Widerstands überstiegen die Reichsfinanzen bei weitem, die Inflation und die Ernährungslage nahmen erschreckende Ausmaße an. 

Inflation... als Folge der Finanzierung des passiven Ruhrwiderstands

Die deutsche Finanznot wurde im Laufe des Jahres 1923 immer dramatischer. Die Finanzierung des Ruhrkampfes und die Kompensation der dadurch bedingten Produktionsausfälle und Steuereinnahmenverluste allein durch Drucken neuer Banknoten führten zu einer dramatisch beschleunigten Inflation, in der schließlich die Papiermark binnen eines Tages mehr als die Hälfte an Kaufkraft verlor. 

Gustav Stresemann: ...beendet den passiven Ruhrwiderstand zugunsten der Währungsreform

Angesichts der massiven Wirtschafts- und Ernährungsprobleme sowie der rasenden Hyperinflation gab die Reichsregierung unter dem neuen Reichskanzler Gustav Stresemann den passiven Widerstand im September 1923 auf. 

Die Regierung musste aufhören, die Löhne der nicht arbeitenden Arbeiter zu bezahlen, da dies die Geldentwertung massiv beschleunigte.

  • Anlass: Die Lohnzahlungen für die nicht arbeitenden Arbeiter im Ruhrgebiet hatten die Hyperinflation weiter angeheizt und das Geld praktisch wertlos gemacht.
  • Grund für das Ende: Stresemann musste die unhaltbare wirtschaftliche Lage beenden, um eine Stabilisierung zu ermöglichen.
  • Konsequenz: Durch die Beendigung des Widerstands konnte die Regierung die Lohnfortzahlungen einstellen, was eine Voraussetzung für die Währungsreform und die Einführung der Rentenmark Mitte November war. 

Zum Umstellungsdatum am 15. November 1923 (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark bei 4,20 Rentenmark für den Dollar) war der Staat inflationsbedingt praktisch schuldenfrei, hauptsächlich auf Kosten seiner sparfreudigen Bürger. Zu den Inflationsgewinnern gehörten Sachwertbesitzer und diejenigen, die selbst hohe Schulden aufgenommen hatten: Sie konnten ihre Kredite mit entwertetem Geld bequem zurückzahlen.

Bayern wirft Stresemann "Landesverrat" vor...

Von der nationalistischen Rechten vor allem in Bayern wurde der Abbruch des Ruhrwiderstands als Landesverrat gebrandmarkt. 

Unter Bruch der Weimarer Verfassung wurde für Bayern der Ausnahmezustand ausgerufen und die vollziehende Gewalt auf Gustav Ritter von Kahr als Generalstaatskommissar übertragen. 

Die Reichswehr unter dem Chef der Heeresleitung General Hans von Seeckt, der in dieser Lage eigene, gegen die Linksparteien und den Weimarer Parlamentarismus gerichtete Regierungsambitionen entwickelte, verhielt sich nur zu eigenen Bedingungen der Regierung Stresemann gegenüber loyal: 

Gegen die kommunistischen Regierungsbeteiligungen in Sachsen und Thüringen, die auf einen "Deutschen Oktober" zielten, wurde eine "Reichsexekution" (Art. 48 Abs. 1) vollzogen. 

- Der Begriff Deutscher Oktober bezeichnet den Plan des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI), die Staatskrise der Weimarer Republik auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1923 für einen bewaffneten Umsturz in Deutschland auszunutzen. Nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution von 1917 wollten die Kommunisten die Macht an sich reißen und damit das Signal zur Revolution in Mitteleuropa geben.

- Die Reichsexekution ist ein Mittel, mit dem ein Staatenbund oder Bundesstaat seine Gliedstaaten dazu anhält, ihre Pflichten zu erfüllen. Gemeint ist durchaus (auch) eine militärische Maßnahme.

Hitler-Putsch am 9. November 1923 scheitert...

Gegen Bayern aber war man nicht bereit vorzugehen. Hier wurde durch Kahr im Zusammenwirken mit dem bayerischen Wehrkreiskommandeur Otto von Lossow eine auf den Sturz der Reichsregierung zielende militärische Aktion vorbereitet. Der NSDAP-Führer Adolf Hitler, der nach dem Vorbild der italienischen Faschisten unter Benito Mussolini die eigene Hauptrolle für einen "Marsch auf Berlin" beanspruchte, suchte sich die Rivalen in einem Gewaltstreich zu unterwerfen, scheiterte aber mit dem Hitler-Putsch am 9. November 1923

Mit diesem Zerwürfnis der rechtsgerichteten Kräfte untereinander war die von Bayern ausgehende Bedrohung der Republik insgesamt vorerst entschärft und der Weg frei für eine Währungsreform, die dem Weimarer Staat neue Chancen eröffnen sollte.

Ende der Ruhrbesetzung: ...Abzug der französischen und belgischen Truppen im Juli 1925

Eine Expertenkommission wurde am 30. November 1923 von der Reparationskommission einberufen. 

Unter dem Vorsitz des Amerikaners Charles G. Dawes erarbeitete sie vom 14. Januar bis zum 9. April 1924 den nach diesem benannten Dawes-Plan, der im August 1924 von der Londoner Konferenz angenommen wurde. 

Seitdem erhielten Frankreich und die anderen Gläubiger erstmals regelmäßig Einnahmen aus den deutschen Reparationen. 

Im Gegenzug wurden die innerhalb des besetzten Ruhrgebiets am weitesten östlich gelegenen Städte Hörde und Dortmund bereits im Oktober 1924 geräumt; die französisch-belgische Truppenstärke nahm im übrigen Besatzungsgebiet von da an schrittweise ab. Die Besetzung des Ruhrgebiets endete im Juli und August 1925.

2te Phase der Republik:

Relative Stabilisierung (1924–1929)

Auf die Ende 1923 abgewendete Katastrophe der Weimarer Republik folgte annähernd ein halbes Jahrzehnt der inneren Konsolidierung und der außenpolitischen Verständigung, allerdings ohne dass ein tragfähiges Fundament für diese grundsätzlich parlamentarische Demokratie zustande kam. 

Mit der Anerkennung der Reparationsverpflichtung wurde zwar die Reintegration Deutschlands in das damalige Staatensystem und in die Weltmärkte gefördert, aber auch eine starke Abhängigkeit vom Zufluss amerikanischen Kapitals begründet: eine teils geborgte und nur scheinbare Stabilität.

Neuregelung der Reparationsfrage durch den Dawes-Plan:

Eine wesentliche Grundlage der relativen Stabilisierung war die Neuregelung der Reparationsfrage durch den Dawes-Plan.

In ihm wurden ohne Festsetzung einer endgültigen Gesamtsumme die künftigen jährlichen Zahlungen im Hinblick auf Umfang, Zusammensetzung und Transfersicherung geregelt. Letztere sollte der amerikanische Finanzexperte Parker Gilbert als Reparationsagent gewährleisten, der in dieser Funktion zur Sicherung der Währungsstabilität auch auf die deutsche Steuer- und Finanzpolitik unmittelbar Einfluss nehmen konnte. 

Skepsis im Reichstag:

Die Akzeptanz des Dawes-Plans im Reichstag war zunächst ungewiss – 

Teile der Rechten sprachen von...

neuer Versklavung des deutschen Volkes

...die KPD 

von der Versklavung nicht nur des deutschen Proletariats

Dawes-Plan in Aktion: ...Wiederaufbauhilfe

Nach dem Zustandekommen des Dawes-Plans brachte er der Weimarer Republik einen Zustrom amerikanischer Kredite aus Staatsmitteln wie auch von Privatanlegern, der einerseits als Anschubfinanzierung für die Reparationsdienste, andererseits als wirtschaftliche Wiederbelebungshilfe diente.

Insgesamte nahmen deutsche Unternehmen und die öffentliche Hand in den Jahren 1924 bis 1929 Auslandskredite in Höhe von 20 Milliarden Reichsmark auf. Das entsprach 40 % des jährlichen Sozialprodukts. 

Verschuldung - aber auch Zahlungsfähigkeit:

Zusammen mit den Reparationsverpflichtungen betrug die Auslandsverschuldung der Weimarer Republik 1929 90 % des Sozialprodukts. Diese Kredite wurden in US-Dollar, Pfund Sterling und anderen ausländischen Währungen gewährt und von der Reichsbank in Reichsmark umgetauscht.

Dadurch standen bis 1931 immer genug Devisen für den Transfer der Reparationen zur Verfügung. 

Alliierte tilgen ihre Kriegsschulden:

Mit ihren Reparationseinnahmen tilgten die europäischen Siegermächte ihre interalliierten Kriegsschulden bei den USA, sodass sich ein scheinbarer Kreislauf der internationalen Verschuldung ergab. 

"Konjunktur auf Pump" 

Doch auch für die Weimarer Republik war der Kapitalimport nicht nur positiv. Bereits vielen Zeitgenossen erschien die Wirtschaftslage als "Konjunktur auf Pump", der Historiker Hagen Schulze schreibt von der "Scheinblüte der Goldenen Zwanziger", zumal Bedingung des Kapitalexports ein sehr hohes Zinsniveau war. Ein weiteres Problem war, dass die Hälfte der Auslandsverschuldung aus kurzfristigen Krediten bestand, die jederzeit innerhalb weniger Monate abgezogen werden konnten.

Verlierer der Konjunktur: ...Lohnarbeiterschaft und wirtschaftlicher Mittelstand 

Die ökonomische Konsolidierung nach der Hyperinflation ging zudem großteils zu Lasten von Lohnarbeiterschaft und wirtschaftlichem Mittelstand. 

  • Der Achtstundentag als eine soziale Haupterrungenschaft der Revolution 1918/19 wurde vielfach aufgeweicht und aufgegeben; 
  • die Beamtenschaft war von massiven Stelleneinsparungen und Gehaltskürzungen betroffen; 
  • Rationalisierung und Konzentrationsprozesse im großindustriellen Bereich wurden fortgesetzt und entzogen vielen kleinen und mittleren Betrieben die Existenzgrundlage. 
  • Die inflationsgeschädigten Sparer und Gläubiger blieben faktisch ohne nennenswerte Entschädigung.

Soziale Absicherung:

Die in der Weimarer Verfassung enthaltenen sozialstaatlichen Garantieerklärungen standen zu den vielfachen Erfahrungen sozialen Abstiegs in auffälligem Kontrast und entfalteten nur eingeschränkte Wirkung

Staatlich organisierte Sozialfürsorge: 

Immerhin konnten die als Kleinsparer durch die Inflation Verarmten oder wirtschaftlich Ruinierten ab 1924 eine staatlich organisierte Sozialfürsorge in Anspruch nehmen, die die vormalige Armenhilfe ablöste. 

Das neue System war allerdings gekennzeichnet durch "kleinliche Bedürftigkeitsprüfungen einer anonymen Sozialbürokratie" und durch nur das Existenzminimum sichernde Zuwendungen. 

Arbeitslosenversicherung:

In der kurzen Hochphase der gesamtwirtschaftlichen Erholung und des konjunkturellen Optimismus wurde 1927 die Arbeitslosenversicherung eingeführt, in mancher Hinsicht der "Höhepunkt des sozialen Ausbaus der Republik", wenn auch nur einem Teil der Arbeitnehmer zugute kommend und Dauerarbeitslosigkeit nicht erfassend.

Kultur: ...Amerikanisierung und ...die goldenen Zwanziger

in den 1920er Jahren ausbildenden konsum- und freizeitorientierten Massenkultur, als deren Triebkräfte neue Medien wirkten: 


...Schallplatte, Film und Rundfunk. Ins Kino gingen – bzw. vor dem Radio saßen – bald Menschen aller Klassen und Schichten.

Die Massenkultur wies in Richtung Demokratisierung, was man von konservativer Seite als geistige Verflachung und Wertverfall auslegte. Gleichwohl wurden die Klassenfronten durch die Massenkultur allmählich aufgelockert: eine "Klassengesellschaft im Übergang" also.

Kunst:

Das Bild von den "Goldenen zwanziger Jahren" reflektiert weniger den sich anbahnenden sozialen Wandel oder gar die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu Zeiten der Weimarer Republik, sondern eine neue Inspiriertheit und Freiheit in Kunst und Kultur. Unter dem Einfluss der expressionistischen Bewegung entfalteten sich eine faszinierende Vielfalt der Stile und ein "enormer Reichtum an Ideen und Fähigkeiten": ...

Die Künstler versuchten sich in diversen avantgardistischen Stilen wie dem etwa 1906 entstandenen Kubismus, dem 1909 proklamierten Futurismus oder dem im Ersten Weltkrieg entstandenen Dadaismus "an Radikalität und Experimentierfreude gegenseitig zu überbieten".

Großstadtleben:

Eine Sonderstellung in dem sich rasant entwickelnden Großstadtleben hatte Berlin, das sich innerhalb einer Generation in eine der modernsten Städte der Welt verwandelt hatte.

Es schien aus seinen Kontrasten und Widersprüchen heraus ständig am Brodeln und Hervorbringen neuer politischer Bewegungen und Theorien, künstlerischer Umbrüche, technischer Weltneuheiten und exaltierter Moden.

Zugleich stand es für die in den 1920er Jahren besonders trendige "Amerikanisierung" mit der Unterhaltungsindustrie als Mittelpunkt. Wichtigstes Freizeitvergnügen stellte das Kino dar. Das "Tanzfieber" erfasste die Anhänger diverser Modetänze wie Foxtrott und Charleston. Etwa 30 Millionen Schallplatten wurden allein 1929 in Deutschland verkauft. Täglich mehr als 10.000 Zuschauer besuchten die Berliner Revuetheater mit ihren Revuegirls in den zwanziger Jahren.

"Die 'überflüssigen' Nachkriegsgenerationen":

Die ebenfalls auf Kaiserreich und Jahrhundertwende zurückgehende Entwicklung einer spezifischen Jugendbewegung und Jugendkultur ging vor dem Hintergrund von Weltkriegserfahrung und Revolution 1918/19 in eine neue Phase über: "Der 'verlorenen Kriegsgeneration' folgten die 'überflüssigen' Nachkriegsgenerationen" mit einem Geburtsjahr ab etwa 1900 (da die Wehrpflicht in Deutschland im Ersten Weltkrieg ab 17 Jahren bestand).

Arbeitslosigkeit und Ungeschütztheit:

Die Menschen der "überflüssigen" Generationen teilten die Erfahrung schwierigster Bedingungen beim Einstieg in das Erwerbsleben, überdurchschnittlich häufiger Arbeitslosigkeit und besonderer Ungeschütztheit in sozialfürsorgerischer Hinsicht, was nicht zuletzt den akademischen Nachwuchs betraf.

Schwieriger als vordem stellte sich für Teile der geburtenstarken Jahrgänge um 1900 der Zugang zum Arbeitsmarkt dar, wo viele keine Anstellung fanden.

Jugendarbeitslosigkeit wurde zu einem bis dahin ungekannten, neuen Phänomen der industriegesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Befürchtungen einer "verwahrlosten" Jugend kursierten;

...mit der Sozialpädagogik entstand eine auf Abhilfen bei den daraus resultierenden Problemen angelegte eigene akademische Disziplin.

Rebellion gegen Bürgerlichkeit und "Amerikanisierung":

Neben der Rebellion gegen die ritualisierte Bürgerlichkeit der wilhelminisch geprägten Elternhäuser wandten sich viele Jugendliche auch gegen die in den 1920er Jahren Einzug haltende "Amerikanisierung" des Alltagslebens.

Romantik:

Der romantischen Hinwendung zu Naturerlebnissen entsprach jedoch nicht notwendig eine reaktionäre Gesinnung.

In der sozialdemokratischen Jugend ging man ebenso "auf Fahrt" wie im bürgerlichen Wandervogel und sang zur Klampfe Lieder aus dem "Zupfgeigenhansl".

"Aus der Jugendbewegung führten Wege in mehr als ein politisches Lager und in mehr als eine Zukunft."

Rolle der Frauen:

An der gesellschaftlichen Rolle von Frauen änderte sich für den Großteil von ihnen trotz des erlangten allgemeinen Wahlrechts und der Gleichstellung der Geschlechter in der Weimarer Verfassung nur wenig.

Den Typus der "Neuen Frau" verkörperten hauptsächlich weibliche Angestellte, etwa als Verkäuferinnen, Bürogehilfinnen oder Stenotypistinnen mit allerdings vielfach gerade mal existenzsicherndem Einkommen.

Neu war ein verändertes Erscheinungsbild von Frauen mit kurzen Haaren, knielangen Kleidern und schlanken, sportlichen Figuren, modisch geschminkt und mit Schmuck ausgestattet, wie es der zunehmenden Mode-Reklame entsprach.

Ebenfalls häufiger wurden neue Spielarten weiblichen Auftretens in der Öffentlichkeit: Frauen trieben Sport, gingen zum Skilaufen und Tennisspielen, fuhren Auto und Fahrrad.

Stabilisierungsphase der Republik ab 1924

Die Stabilisierungsphase der Republik ab 1924 wurde zur Ära der Neuen Sachlichkeit, deren Stil besonders von Vorstellungen und Erzeugnissen der Bauhaus-Kultur geprägt wurde. Der damit verbundene Trend zur "unpathetischen Gebrauchskunst", die ihre Produkte ohne mäzenatische Förderung in einer demokratischen Gesellschaft zu vermarkten hatte, zeugte von einer "Versachlichung" des gesamten Kunstbetriebs.

Diese wirkte besonders im öffentlichen Wohnungsbau, der bei nun reichlicher zur Verfügung stehenden Finanzierungsmitteln in der Aufschwungphase nach Mitte der 1920er Jahre vor allem in manchen Großstädten mit Reihenhäusern oder Zeilenbauten in die industrielle Serienherstellung überging: "bevorzugt wurden Stahl, Beton, Glas, Flachdächer und Weiß als Leitfarbe."

Reichspräsident Ebert stirbt überraschend:

Als Reichspräsident Ebert Anfang 1925 als 54-Jähriger infolge einer verschleppten Blinddarmentzündung verstarb, unterlag in der Reichspräsidentenwahl 1925 der Kandidat der die Republik tragenden Parteien Wilhelm Marx knapp gegen den Kandidaten der nationalistischen Rechten Paul von Hindenburg.

Paul von Hindenburg: ...rückwärts ins "wilhelminische Zeitalter"...

Zwar erklärte dieser vorab, das Amt gemäß der Weimarer Verfassung führen zu wollen, und hätte damit unter günstigen Umständen die Akzeptanz der Republik im rechten Lager erhöhen können; doch zeigte sein Wahlerfolg andererseits, wie weit die Rechtsverschiebung des Wählerverhaltens seit den Weimarer Anfängen bereits fortgeschritten war.

So waren auch die beiden Reichstagswahlen im Mai und im Dezember 1924 für die 1919 so komfortabel gestartete Weimarer Koalition, die sich als "Bollwerk der Demokratie" nur mehr in Preußen behauptete, neuerliche Misserfolge.

Schwäche des Reichstags: Konservative oder Proletarische Revolution?

Nur drei von sieben Regierungen in den Jahren 1924 bis 1929 hatten eine Mehrheit im Reichstag.

Das begünstigte jenes staatsautoritäre und republikfeindliche Denken, das von parlamentarischer Demokratie ohnehin nichts hielt und entweder im Geiste einer Konservativen Revolution obrigkeitsstaatliche Lösungen anstrebte oder das Weimarer System durch eine Proletarische Revolution zu beseitigen trachtete.

Außerparlamentarischen Kampfbünde: ...Stahlhelm, SA, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und Rotfrontkämpferbund

Die Schwäche des Reichstags verschaffte zudem den außerparlamentarischen Kampfbünden eine anhaltende Bedeutung und politische Funktion, die neben der Reichswehr fortbestanden. Als wichtigste paramilitärische Formation dieser Art entwickelte sich der Stahlhelm, neben dem in den späteren Jahren die nationalsozialistische SA an Bedeutung zunahm. Um den rechten Wehrverbänden für ihre Machtdemonstrationen die Straßen und Säle nicht allein zu überlassen, schufen die republiktreuen Parteien aus ihren Reihen das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als Kampfbund-Gegengewicht. Auf der äußersten Linken stand der Rotfrontkämpferbund.

- Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, kurz Reichsbanner, war während der Weimarer Republik ein politischer Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik, der in veränderter Form bis heute besteht. Anfang der 1930er-Jahre war das Reichsbanner mit nach eigenen Angaben ca. drei Millionen Mitgliedern die größte demokratische Massenorganisation in der Weimarer Republik.

Die Reichstagswahl 1928: ... Mehrheit der Demokraten ....neue Hoffnung für die Republik?

Zu einer Stabilisierung der Weimarer Republik auf parlamentarischer Grundlage hätte nach der Reichstagswahl 1928 die Bildung der Großen Koalition unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD) führen können, die von einer Reichstagsmehrheit getragen wurde.

Dass es dazu nicht kam, lag nur zum Teil an den von vornherein stark divergierenden Positionen von SPD und DVP etwa in der Panzerkreuzer-Debatte. Es waren letztlich die von der hereinbrechenden Weltwirtschaftskrise hervorgerufenen Finanzierungsprobleme des sozialen Sicherungssystems, bei denen die Gegensätze unüberbrückbar wurden.

- Die Bezeichnung Panzerkreuzer kam mit den um 1930 gebauten Panzerschiffen der Deutschland-Klasse nochmals in Gebrauch. Diese Schiffe wurden aufgrund der Auflagen aus dem Versailler Vertrag entworfen, die den Bau von echten Großkampfschiffen untersagten. Der Streit darum, ob sich die krisengeschüttelte Weimarer Republik den Bau neuer größerer Kampfschiffe überhaupt leisten könne, wurde 1928 als sogenannte Panzerkreuzer-Debatte im Reichstag ausgetragen und führte zu einer Regierungskrise.

Stresemanns Außenpolitik: ...Stein in der Brandung"

Bei allen zwischen 1923 und 1928 häufigen Personenwechseln im Reichskanzleramt und in den Regierungskabinetten gab es dennoch in Außenminister Gustav Stresemann eine wirkungsmächtige personelle Konstante, bis auch dieser sich wie vor ihm Ebert im Amt gesundheitlich aufgerieben hatte und 1929 starb. Mit dem von ihm selbst bezeugten Wandel vom "Herzensmonarchisten" zum "Vernunftrepublikaner" übte Stresemann nicht nur als Reichskanzler 1923, sondern während der gesamten Dauer seiner Regierungsmitwirkung einen stabilisierenden Einfluss auf die politische Entwicklung der Republik aus.

Die Revision des Versailler Vertrages war ein Ziel, auf das sich bei aller Zerrissenheit alle Parteien der Weimarer Republik einigen konnten. Der Historiker Michael Salewski konstatiert ein regelrechtes "Weimarer Revisionssyndrom". Stresemann strebte diese Revision mit ausschließlich friedlichen Mitteln auf dem Wege der Verständigung mit den Westmächten an. Indem er 1925 die Initiative zu den Locarno-Verträgen ergriff, die Verständigung mit Frankreich erreichte und Deutschland 1926 eine gleichberechtigte Stellung im Völkerbund sicherte, führte er die Weimarer Republik aus der Isolation. 

Mit dem Berliner Vertrag wurde aber auch für ein weiterhin unbelastetes Verhältnis zur Sowjetunion gesorgt. Bereits seit 1925 gab es eine geheime und illegale Kooperation zwischen der Reichswehr und der Roten Armee, bei der in der Sowjetunion Waffen erprobt wurden, die Deutschland vom Versailler Vertrag verboten worden waren: Flugzeuge, Panzer und Giftgas.

Die Locarno-Politik trug noch 1925 zur Räumung der ersten Rheinlandzone bei; die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen wurden durch Abkommen ausgebaut; und die Interalliierte Militär-Kontrollkommission zur Überwachung der deutschen Abrüstung verließ 1927 Deutschland. Dennoch waren Stresemann und die deutsche Öffentlichkeit enttäuscht, dass Locarno nicht noch weitere "Rückwirkungen" hatte, worunter namentlich eine vollständige Räumung des besetzten Rheinlands verstanden wurde. Weil er als Ursache den französischen Ministerpräsidenten Raymond Poincaré vermutete, subventionierte Stresemann im Geheimen die innenpolitischen und publizistischen Gegner Poincarés, doch konnte er damit den Wahlsieg der bürgerlichen Rechten bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1928 (Frankreich) nicht verhindern.

DER YOUNG-PLAN:

Als 1928/29 erstmals die Dawes-Plan-Reparationsrate in voller Höhe belastend anstand, kam es zu neuen Verhandlungen. In dem daraus entstandenen Young-Plan wurde die Frage einer möglichen Erleichterung verbunden mit dem Vorhaben einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage. Statt der im Dawes-Plan vorgesehenen Annuität von 2,5 Milliarden Reichsmark sollten nun in den folgenden 59 Jahren durchschnittlich 2 Milliarden gezahlt werden, zu Anfang 1,7 Milliarden. 

Frankreich "dankt" mit Rückzug aus dem Rheinland:

Mit der Aussicht auf einen, wie man meinte, endgültigen Reparationsplan und angesichts der deutschen Bereitschaft, eine Dauerbelastung bis 1988 zu akzeptieren, gestand Frankreich in Parallelverhandlungen einen gegenüber dem Versailler Vertrag um fünf Jahre vorverlegten Truppenabzug aus dem besetzten Rheinland zu. 

Mit dem Young-Plan verlor die nationalistische Rechte in Deutschland propagandistischer Zündstoff in ihrer Agitation gegen die Weimarer Republik. In ihrer Agitation gegen die Republik profitierte die nationalistische Rechte in Deutschland vor allem von der, die sich über Generationen hinstreckende Dauerbelastung durch die Besetzung des Rheinlands. DNVP und NSDAP führten ein knapp erfolgreiches Volksbegehren und einen an der Abstimmungsbeteiligung überdeutlich scheiternden Volksentscheid gegen den Young-Plan durch, mit dem die Nationalsozialisten sich allerdings propagandistisch landesweit in Szene setzen und am rechten Rand des politischen Parteienspektrums profilieren konnten.

Stresemann will kein "Ost-Locarno"...

Anders als gegenüber den Westmächten betrieb die Weimarer Republik gegenüber Polen und der Tschechoslowakei keine Verständigungspolitik. 

Ein "Ost-Locarno", wie es verschiedentlich gefordert wurde, also die internationale Garantie der gemeinsamen Grenze mit den östlichen Nachbarn, lehnte Stresemann stets ab.

In Locarno war er allenfalls bereit, mit ihnen Schiedsverträge abzuschließen, die aber weder obligatorisch waren noch von den Westmächten garantiert wurden. Damit waren sie, wie der Historiker Eberhard Kolb schreibt, "wenig bedeutsam".

In einem Brief, den er am 7. September 1925 an den ehemaligen Kronprinzen schrieb, ...

bekannte sich Stresemann zum Ziel einer: ..."Wiedergewinnung von Danzig, vom polnischen Korridor und eine[r] Korrektur der Grenze in Oberschlesien". Voraussetzung sei, den "Würger erst vom Halse" zu haben... das heißt ein Ende der Rheinlandbesetzung.

Ob diese Äußerungen als Indiz für ein "Doppelleben" Stresemanns gewertet werden müssen oder als Versuch, "die Kritik von rechts zu entschärfen", ist in der Forschung umstritten.

Die Weltwirtschaftskrise:

Nach der Großen Inflation 1923 bewirkte wenige Jahre später die Weltwirtschaftskrise die zweite existenzielle Krise der Weimarer Demokratie.

"Black Thursday" in Amerika:

USA - Die Illusion: ...ewigen Wohlstand durch Gewinne an der Börse

Der Weltwirtschaftskrise vorausgegangen war eine Spekulationsblase

In den 1920er Jahren hatte eine unaufhaltsam scheinende Hausse (anhaltend steigende Kurse) den Dow Jones auf bis zu 331 Punkte getrieben – 1923 lag er noch bei ungefähr 100. 

Man sprach von einer eternal prosperity – einem ewigen Wohlstand. 

In dieser Fehleinschätzung der Lage spekulierten nicht nur Großanleger und Firmen, auch zahlreiche Kleinanleger riskierten viel; Millionen nahmen kurzfristig hohe Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen (oft galten allein die Aktien als Sicherheit), in der Hoffnung, diese mit den Gewinnen zurückzahlen zu können. 

Als der Dow Jones im Oktober 1929 deutlich verlor, brach Nervosität aus: Viele begannen zu bemerken, wie hoch das Risiko war, das sie eingegangen waren. Bis zum 19. Oktober hatte der Dow Jones 15 Prozent verloren; Banken und Investmentfirmen begannen mit Stützungskäufen.

Ohne klar erkennbaren Auslöser: ...Panik Verkäufe und Sturzflug des "Dow Jones"  - Die Spekulationsblase platzt!

Als der Dow Jones im Oktober 1929 deutlich verlor, brach Nervosität aus: Viele begannen zu bemerken, wie hoch das Risiko war, das sie eingegangen waren. Bis zum 19. Oktober hatte der Dow Jones 15 Prozent verloren; Banken und Investmentfirmen begannen mit Stützungskäufen. 

Die Kleinanleger wurden sich Mitte Oktober vage der Gefahr bewusst. Die Kurse lagen zwar noch auf hohem Niveau, aber sie stagnierten. Viele erkannten, dass sie so ihre Kredite nicht würden zurückzahlen können. 

Am 24. Oktober 1929 lagen die Nerven vieler Händler blank. Dennoch begann der Handel ruhig. Gegen 11 Uhr änderte sich das schlagartig – ohne klar erkennbaren Auslöser. Ein möglicher Auslöser war allerdings der Bankrott des Londoner Spekulanten Clarence Hatry, weil seinetwegen britische Kapitalien von der Wall Street zurückgezogen wurden. 

Massive Verkäufe brachten die Kurse in den Sturzflug. In Panik wurden viele Händler angewiesen, zu jedem Preis zu verkaufen, der Handel brach mehrfach zusammen. Zwei Stunden später war der Gesamtwert der börsennotierten Unternehmen um 11 Milliarden US-Dollar gefallen, ungefähr 1,5 % des damaligen Jahres-Bruttosozialproduktes der USA.

Endgültiger Börsen-Crash...

Endgültig brach der Markt erst am darauffolgenden Dienstag zusammen. Die Kurse waren zu weit gefallen, um die Kredite noch decken zu können – die Banken forderten nun ihr Geld zurück und zwangen oft die Anleger, ihre als Sicherheit hinterlegten Aktien zu verkaufen. Dies sorgte nun für massive Verkäufe zu jedem Preis, das Handelsvolumen stieg immer weiter, der Dow Jones fiel auf 260 Punkte. Die Kurse trudelten weiter nach unten, und der Kurswert der Unternehmen fiel um weitere 14 Milliarden Dollar. Am darauf folgenden Dienstag wuchs das Handelsvolumen sogar auf 16,5 Millionen, einige Aktien waren um 99 % gefallen.

Die Kurse fielen noch weitere drei Wochen. 

Plateau des Sturzflugs: ...Dow Jones von 331 auf 41 Punkte!

Erst am 15. November stellte sich eine Seitwärtsbewegung ein, der Dow Jones stand bei ca. 180 Punkten. Einige glaubten nun, der Tiefpunkt sei erreicht, und kauften wieder mit hohem Risiko die vermeintlich billigen Aktien. 

Aber die Kurse fielen weiter, erst im Sommer 1932 war der Boden bei 41 Punkten erreicht – der gleiche Wert wie am 26. Mai 1896, der Erstpublizierung des Dow-Jones-Index.

Die USA nach dem "Börsen-Crash"

Viele Anleger blieben hochverschuldet zurück, dabei auch viele Firmen, die nun Bankrott anmelden mussten. Andere Firmen hatten Kredite mit ihren eigenen Aktien gedeckt und gerieten ebenfalls in Probleme. 

Dies führte zu Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit griff um sich. Die akuten Kapitalverluste, vor allem aber auch der Vertrauensverlust bei den Anlegern, machte eine Erholung der Wirtschaft schwierig.

Die im Anschluss an den Schwarzen Donnerstag durch die Fed veranlasste Geldverknappung um über 30 % führte zu einer weiteren Verschärfung der Krise und wird von Ökonomen, wie z. B. dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreisträger für Wirtschaftswissenschaften Milton Friedman, als Katalysator für die sich anschließende Depression analysiert.

- Das Federal Reserve System, oft auch Federal Reserve oder kurz Fed genannt, ist das Zentralbank-System und die Notenbank der Vereinigten Staaten von Amerika.

Aus der Erfahrung des Schwarzen Donnerstags erließen alle Börsen später Regeln, die bei extremem Kursverfall den Handel zeitweise aussetzen, um somit die entstehende Panik zu bändigen. Hinzu kamen weitere Restriktionen, zum Beispiel zur Kreditfinanzierung von Aktiengeschäften.  

Nachfolgende Börsencrashs waren daher weniger dramatisch als der Schwarze Donnerstag.  

"Schwarzer Freitag" in Europa:

In folge des "US-Börsencrashs"  brachen die Aktienmärkte In Europa ebenfalls zusammen.

Etliche Vermögen wurden zerstört und Unternehmen mussten aufgeben. 

Die meisten europäischen Länder hatten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges noch Schulden in den USA, die nun ihr Geld zurückzogen. 

Die Weltwirtschaftskrise: ...die Weimarer Republik wird erschüttert 

Die Weimarer Republik, noch hoch verschuldet aus dem Ersten Weltkrieg und stark belastet durch die im Vertrag von Versailles festgelegten Reparationszahlungen, wurde von den Börsen-Crashs und der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise (nach den USA) am zweithärtesten getroffen. 

Die Regierung Heinrich Brünings setzte auf harte Sparpolitik; die Nachfrage brach zusammen und eine Deflation entstand. 

Heinrich Aloysius Maria Elisabeth Brüning (* 26. November 1885 in Münster; † 30. März 1970 in Norwich, Vermont, USA) war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei und vom 30. März 1930 bis zum 30. Mai 1932 Reichskanzler.

Die Arbeitslosigkeit wuchs bis 1933 auf über 30 %, mehr als die Vereinigten Staaten in der Krise hinzunehmen hatten. 

Nach der gerade überwundenen Hyperinflation (siehe Deutsche Inflation 1914 bis 1923) war wieder eine schwere Krise eingetreten, extremistische Parteien errangen Wahlerfolge

Die Weltwirtschaftskrise galt erst im Jahr 1933 als überwunden, als Adolf Hitler bereits an der Macht war.

Die deutsche Bankenkrise: ..."die Weltwirtschaftskrise in der Republik".

Da Deutschland die Kredite der Wall-Street-Banken, mit denen es seine Reparationen bezahlte, seit 1931 nicht mehr bedienen konnte, spricht der amerikanische Historiker Stephen A. Schuker von "amerikanischen 'Reparationen' an Deutschland".

__________________________

Als Deutsche Bankenkrise werden die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen der Bankenkrise nach dem Zusammenbrechen der Dresdner Bank, der Danat-Bank und folgender Bankzusammenbrüche im Jahr 1931 bezeichnet.

Sie war ein bedeutender Aspekt der Weltwirtschaftskrise in Deutschland.

Kredite wurden im Juli 1931 von ausländischen Gläubigern gekündigt und die deutschen Banken mussten aufgrund der daraus resultierenden Finanzkrise schließen. Als Reaktion darauf wurden die deutschen Reparationszahlungen durch das Hoover-Moratorium (eine einjährige Aussetzung) vorübergehend ausgesetzt, bis sie schließlich mit den Pariser Verträgen ganz gestrichen wurden. Kontext des Zusammenbruchs 1931

  • Auslösung der Krise: Die deutsche Bankenkrise begann im Juli 1931, als das deutsche Bankensystem aufgrund der Weltwirtschaftskrise zusammenbrach.
  • Kreditkündigungen: Angesichts des Vertrauensverlusts in die deutsche Wirtschaft und Kreditwürdigkeit zogen ausländische Gläubiger ihre Gelder ab und kündigten die Kredite.
  • Bankfeiertage: Um den Panik-Abhebungen entgegenzuwirken, wurden die Banken für mehrere Tage geschlossen, was die wirtschaftliche Lage weiter verschärfte.
  • Hoover-Moratorium: Als Reaktion darauf setzte die US-Regierung die deutschen Reparationszahlungen und alle anderen internationalen Kriegsschulden für ein Jahr aus. Dieses Moratorium, das am 6. Juli 1931 in Kraft trat, gab Deutschland eine Atempause.

Die Folgen und die Streichung der Reparationen

  • Streit über Reparationen: Das Moratorium wurde aufgrund von Problemen im internationalen Finanzsystem wieder aufgehoben, aber es war die Grundlage für die endgültige Streichung der Reparationen.
  • Pariser Konferenz: Auf der Pariser Konferenz von 1931 wurde schließlich eine Einigung erzielt, dass Deutschland keine Reparationen mehr zahlen müsse.

Vor dem Ende der Weimarer Republik: Die Ära der Präsidialkabinette (1930–1933) 

Mitentscheidend war die zunehmende Blockade des parlamentarischen Systems, das ab den 1930er Jahren von sich gegenseitig bekämpfenden verfassungsfeindlichen Parteien dominiert wurde. 

Reichspräsident - Paul von Hindenburg ...Auflösungen von Minderheitsregierungen:  bis zur Mehrheit der Koalition: NSDAP und DNVP

Die Kernkompetenzen des Reichstags – Regierungsbildung und Gesetzgebung – wurden überlagert und ersetzt durch Befugnisse des Reichspräsidenten

Mitunter wird die Auffassung vertreten, dass die "eigentliche" Weimarer Republik bereits 1930 mit dem Übergang von der parlamentarischen Regierungsweise zum System der Präsidialkabinette endete.

Die Präsidialkabinette: ...Minderheitsregierungen im Reichstag - alle Macht dem des Reichspräsidenten

Die Präsidialkabinette der Weimarer Republik waren die Regierungen zwischen 1930 und 1933, die ohne parlamentarische Mehrheit agierten und vom Reichspräsidenten (Paul von Hindenburg) abhängig waren. 

Der Reichspräsident konnte diese Minderheitsregierungen mit Notverordnungen gemäß Artikel 48 der Verfassung einsetzen und die Gesetzgebung des Reichstags umgehen. 

Hauptmerkmale

  • Keine parlamentarische Mehrheit: Diese Regierungen hatten keine eigene Mehrheit im Reichstag und waren somit auf das Vertrauen des Reichspräsidenten angewiesen.
  • Regierung durch Notverordnungen: Reichspräsident Paul von Hindenburg nutzte Artikel 48 der Weimarer Verfassung, um Notverordnungen zu erlassen und so Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments durchzusetzen.
  • Schwächung des Parlaments: Durch die Kombination von Notverordnungen (Art. 48) und der Möglichkeit zur Auflösung des Reichstags (Art. 25) konnte die Minderheits-Regierungen (vom Reichspräsidenten eingesetzt und bemächtigt und daher trotz Minderheit im Reichstag entscheidungsfähig) vom Reichspräsidenten bemächtig de facto unabhängig von der Mehrheit der Opposition im Parlament regieren.

Die Kabinette

  • Kabinett Brüning (1930–1932): Heinrich Brüning vom Zentrum bildete die erste Regierung dieser Art nach dem Bruch der letzten Großen Koalition. Seine Politik war von Sparmaßnahmen und erhöhten Steuern geprägt, was ihm den Namen "Hungerkanzler" einbrachte.
  • Kabinett von Papen (1932): Der parteilose Franz von Papen folgte auf Brüning und versuchte eine Verfassungsreform hin zu einer präsidialen Republik. Sein Kabinett wurde als "Kabinett der Barone" bezeichnet.
  • Kabinett von Schleicher (1932–1933): Kurt von Schleicher war der letzte Kanzler vor Hitlers Ernennung. Auch seine Regierung hatte keine parlamentarische Unterstützung.

Die Kabinette Brüning I und Brüning II (Zentrum): ... der "Hungerkanzler"

Die Kabinette Brüning I und II waren "bürgerliche" Präsidialkabinette unter Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) in der Weimarer Republik, die von 1930 bis 1932 regierten. Brünings Regierungsprogramm war ein striktes Spar- und Austeritätsprogramm (Begrenzung der Staatsverschuldung und des Haushaltsdefizits), das er mit Notverordnungen (des Reichspäsidenten Hindenburg) gegen den Willen des Parlaments durchsetzte, was die politische Polarisierung verstärkte. 

Kabinett Brüning I (31. März 1930 – 9. Oktober 1931)

  • Erstes Präsidialkabinett der Weimarer Republik, geführt von Heinrich Brüning (Zentrum).
  • Das Kabinett Brüning I bestand aus Politikern des Zentrums, der DDP, der DVP und der DNVP
  • Erstmals eine Regierung ohne parlamentarische Mehrheit, die von Reichspräsident Paul von Hindenburg durch Notverordnungen gestützt wurde.
  • Implementierte ein Sparprogramm zur Senkung der Staatsausgaben, was zu einem scharfen Rückgang der Staatsausgaben führte.

Kabinett Brüning II (Oktober 1931 – Mai 1932)

  • Nachdem das Kabinett Brüning I im Oktober 1931 zurücktrat (Hintergrund: gescheiterte deutsch-österreichische Zollunion), beauftragte ihn Reichspräsident Hindenburg gleichzeitig mit der Neubildung der Regierung, wodurch das Kabinett Brüning II entstand.
  • Die Regierung Brüning II setzte die Politik des Kabinetts Brüning I fort, die auf Sparen und Ausgabenkürzungen basierte.
  • Brüning war angesichts der wachsenden politischen Instabilität und des Aufstiegs der extremen Parteien zunehmend unter Druck.

Auswirkungen

  • Die Notverordnungen und das Sparprogramm verschärften die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und trugen zur politischen Polarisierung bei.

Rücktritt:

Das Kabinett Brüning II trat am 30. Mai 1932 zurück, weil Reichspräsident Hindenburg die Unterstützung entzog, insbesondere wegen des geplanten Osthilfegesetzes, mit dem er bankrotte Großgrundbesitzer zwangsversteigern wollte. Weitere Gründe waren Brünings Abhängigkeit von der Tolerierung durch die SPD, der gescheiterte Versuch, die NSDAP in die Regierung einzubinden, und eine Intrige von General von Schleicher, der eine andere politische Konstellation anstrebte.

  • Verlust der Unterstützung Hindenburgs: Reichspräsident Paul von Hindenburg war gegen das geplante Osthilfegesetz, das die Zwangsversteigerung von bankrotten Gütern vorsah. Auch die Tolerierung durch die SPD-Fraktion missfiel ihm zunehmend.
  • Scheitern bei der Einbindung der NSDAP: Brüning konnte die NSDAP nicht in die Regierung integrieren, da Hitler nur als Reichskanzler in eine Regierung eintreten wollte.
  • Intrige: General von Schleicher inszenierte einen politischen Machenschaften, der glaubte, die NSDAP durch eine Aufhebung des SA-Verbots zur Duldung einer neuen Regierung bewegen zu können. Diese Intrige führte letztlich zum Sturz Brünings.
  • Rücktritt: Brüning trat nach einer Aussprache mit Hindenburg zurück, da dieser ihm die Erlaubnis zur Erlassung neuer Notverordnungen verweigerte. 

Das Kabinett Papen: 

Das Kabinett Papen war die 19. Regierung der Weimarer Republik, die vom 1. Juni bis zum 3. Dezember 1932 unter Reichskanzler Franz von Papen amtiert hat. Es war ein Präsidialkabinett, das ohne parlamentarische Mehrheit mit Notverordnungen des Reichspräsidenten von Hindenburg regierte. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten die Auflösung der Preußischen Regierung (was die Absetzung der letzten sozialdemokratisch geführten Regierung bedeutete) und die Einleitung einer wirtschaftlichen Belebung.

  • Kontext: Nach dem Rücktritt des Kabinetts Brüning setzte Reichspräsident Paul von Hindenburg den unabhängigen Franz von Papen als Reichskanzler ein, um die Regierung ohne die Unterstützung des Reichstags zu führen.
  • Zusammensetzung: Das Kabinett bestand aus konservativen Unabhängigen und Mitgliedern der Deutschen Nationalen Volkspartei (DNVP).
  • Regierungsstil: Die Regierung regierte durch Notverordnungen des Reichspräsidenten, die den Reichstag umgingen.
  • Wichtige Entscheidungen:
    • Ein wichtiger Schritt war die Entmachtung der gewählten Regierung von Preußen durch Hindenburg, was die demokratischen Grundlagen der Republik weiter untergrub.
    • Wirtschaftspolitisch versuchte Papen, eine Konjunkturbelebung einzuleiten, was zu einem langsamen Rückgang der Arbeitslosigkeit führte.
  • Ende des Kabinetts: Nach den Reichstagswahlen im November 1932 verlor Papen (schwere parlamentarische Niederlage) das Vertrauen Hindenburgs. Sein Kabinett trat formell am 17. November zurück, blieb aber geschäftsführend im Amt, bis es am 3. Dezember durch das Kabinett Schleicher abgelöst wurde: Papen verlor im September 1932 die Unterstützung im Reichstag und wurde durch einen Misstrauensantrag gestürzt

Das Kabinett Schleicher:

Am 3. Dezember 1932 wurde Kurt von Schleicher zum Reichskanzler ernannt, nachdem Reichspräsident von Hindenburg den bisherigen Amtsinhaber Franz von Papen entlassen hatte. Die Ernennung von Schleicher markierte den Beginn des Kabinetts Schleicher, das die letzte Regierung vor dem Ende der Weimarer Republik war.

Der Reichspräsident hatte Anfang Dezember 1932 den von ihm sehr geschätzten Papen nur deshalb entlassen und den ihm eher unsympathischen Schleicher berufen, weil dieser ihm versprochen hatte, mit verfassungsgemäßen Mehrheit regieren zu können

Schleichers politisches Konzept:

Reichspräsident von Hindenburg ernannte Schleicher, der zu diesem Zeitpunkt Reichswehrminister war. Schleichers politisches Konzept sah vor ...

Hitler und die NSDAP durch die Einbindung in die Regierung zu "zähmen"...und die Partei zu spalten.
Ende des Kabinetts:

Das Kabinett Schleicher war nur bis zum 28. Januar 1933 im Amt und trat zurück, weil Hindenburg Schleichers Antrag auf eine Auflösung des Reichstags ablehnte

Ein wesentlicher Grund war auch eine Intrige von Franz von Papen, die eine Einigung zwischen Hitler und anderen einflussreichen Persönlichkeiten ermöglichte, was schließlich zur Bildung des Kabinetts Hitler am 30. Januar 1933 führte.

Ende - durch die nationalsozialistische Machtübernahme (1933) 

Die Nationalsozialisten kamen am 30. Januar 1933 an die Macht, als Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde.

Dies war der Beginn der Umwandlung der Weimarer Republik in eine Diktatur, die sich durch die Einschränkung der Rechte des Parlaments, die Unterdrückung politischer Gegner und den Aufbau des NS-Staates in den folgenden Monaten und Jahren vollzog.

  • 30. Januar 1933: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt. Das Kabinett wird als "Kabinett der nationalen Konzentration" gebildet, obwohl die NSDAP nur eine Minderheit der Minister stellt.
  • Februar 1933: Der Reichstag wird aufgelöst und für den 5. März 1933 werden Neuwahlen angesetzt.
  • 5. März 1933: Die NSDAP wird bei den Wahlen stärkste Kraft, erreicht aber keine absolute Mehrheit.
  • 24. März 1933: Das Ermächtigungsgesetz wird verabschiedet, das der Regierung die legislative Gewalt entzieht und die parlamentarische Demokratie faktisch beendet.
  • Sommer 1934: Mit der Ernennung Hitlers zum "Führer und Reichskanzler" durch Hindenburg und dessen Tod wird die Macht im "Führerstaat" konsolidiert und die Demokratie endgültig zerstört

Papen beruhigt Hindenburg: ... "Hitler ist keine Gefahr"

Plan: Koalitionsregierung aus Deutschnationalen (DNVP) und NSDAP 

Das Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder am 4. Januar 1933 in Köln gilt als die "Geburtsstunde des Dritten Reiches" (Karl Dietrich Bracher). Unter der Vermittlung des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder einigten sich hier Franz von Papen und Adolf Hitler auf die Reichskanzlerschaft Hitlers. 

Dem Treffen Papens mit Hitler im Haus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder folgten weitere, zuletzt in Anwesenheit Otto Meißners, des Staatssekretärs des Reichspräsidenten, sowie Oskar von Hindenburgs, der als Sohn des Reichspräsidenten ebenfalls zu den Beratern in der Kamarilla um Hindenburg gehörte. 

Unter Kamarilla oder Camarilla (spanisch, metonymisch aus camarilla "Kämmerchen", "Privatkabinett des Königs"; Diminutiv von cámara "Kammer") versteht man eine Günstlingspartei, die nicht den offiziellen Regierungsorganen angehört, aber ohne Befugnis und Verantwortung Einfluss auf die Entscheidungen eines Herrschers ausübt.  

Man vereinbarte eine Koalitionsregierung aus Deutschnationalen und NSDAP, der außer Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten, nämlich Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich (und kommissarischer preußischer Innenminister), angehören sollten. 

Papen selbst war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.

"Kamilla" beruhigt Hindenburg: ... "Hitler ist keine Gefahr"

Der 86-jährige Reichspräsident, der sich lange gegen eine Kanzlerschaft des "böhmischen Gefreiten" Hitler gesträubt hatte, wurde zuletzt mit dem Hinweis beruhigt, ...

...dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit "eingerahmter" NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute.

Für diesen Versuch sprach aber aus Sicht Hindenburgs nach allem auch die formale Verfassungskonformität der nunmehrigen Berufung Hitlers zum Reichskanzler. 

Das Ende der Weimarer Republik

Die Annahme allerdings, Hitler und die Nationalsozialisten in dieser Regierungskonstellation in Schach halten zu können, sollte sich als folgenschwere Fehleinschätzung erweisen. 

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bewirkte in Verbindung mit den weiteren Maßnahmen der sogenannten Machtergreifung faktisch das Ende der Weimarer Republik.