
von 1871 - 1918: Das Deutsche Reich ... und Wilhelm II. - 1ter Weltkrieg
Deutsches Kaiserreich ist die nachträgliche Bezeichnung des Deutschen Reiches für die Epoche von seiner Gründung 1871 bis zum Ende der Monarchie in der Novemberrevolution von 1918. ,,,
Das Deutsche Kaiserreich
Der erste deutsche Nationalstaat
Der erste deutsche Nationalstaat war eine föderale, konstitutionelle Monarchie und nach seiner Verfassung ein "ewiger Bund" der deutschen Fürsten und der Senate der Freien Städte.
1ter "Deutscher Kaiser": Wilhelm I.
Als Staatsoberhaupt nahm der Wilhelm - König von Preußen - den Titel "Deutscher Kaiser": Wilhelm I. an.
Reichskanzler Bismarck
Otto von Bismarck, Ministerpräsident von Preußen und treibende Kraft hinter der Reichsgründung, war wie die meisten seiner Nachfolger zugleich Reichskanzler.
Berlin: Hauptstadt des Kaiserreichs
Berlin, die Hauptstadt Preußens, war auch die des Kaiserreichs.
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1871 - Reichsgründung
Noch während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 traten die süddeutschen Länder Bayern, Württemberg und Baden sowie der südlich des Mains gelegene Teil von Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei. Mit dem Inkrafttreten der neuen Bundesverfassung entstand am 1. Januar 1871 das Kaiserreich. Die Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser erfolgte am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles.
Nach dem Krieg gegen Frankreich, der zu diesem Zeitpunkt noch andauerte, wurde Elsaß-Lothringen dem Deutschen Reich angegliedert und als Reichsland direkt dem Kaiser unterstellt.
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Das Kaiserreich im Inneren:
Wirtschaft und Soziales
Zur Zeit des Kaiserreichs war Deutschland wirtschafts- und sozialgeschichtlich geprägt durch die Hochindustrialisierung. Ökonomisch und sozial wandelte es sich insbesondere seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert vom Agrar- zum Industrieland.
Mit dem Ausbau von Handel und Bankwesen wuchs auch die Bedeutung des Dienstleistungssektors. Das auch durch die französischen Kriegsreparationen nach 1871 verstärkte Wirtschaftswachstum wurde durch den sogenannten Gründerkrach von 1873 und die ihm folgende langjährige Konjunkturkrise zeitweilig gebremst. Trotz erheblicher politischer Folgen änderte dies nichts an der strukturellen Entwicklung hin zum Industriestaat.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks und der Landwirtschaft – bezogen auf deren Beiträge zum Volkseinkommen – ging zurück.
Gesellschaftlicher Wandel
Kennzeichnend für den gesellschaftlichen Wandel war eine stark international orientierte Reformbewegung...:
- ...die soziale Frage mit Armutsskandalisierung und -bekämpfung wurde vorangetrieben
- Frauen forderten verbesserte Bildungschancen und das Wahlrecht.
Strukturelle Grundlage dieser Veränderungen waren neben der Massenpolitisierung ein rapides Bevölkerungswachstum, Binnenwanderung und Urbanisierung.
- Binnenwanderung ist die Bewegung von Menschen innerhalb der Grenzen eines Staates, im Gegensatz zur internationalen Migration.
Die Gesellschaftsstruktur wurde durch die Zunahme der städtischen Arbeiterbevölkerung und – vor allem in den Jahren ab etwa 1890 – auch des neuen Mittelstandes aus Technikern, Angestellten sowie kleinen und mittleren Beamten wesentlich verändert.
Das Kaiserreich: ...und der Reichskanzler
Bismarck regiert...
Die innen- und außenpolitische Entwicklung des Reichs wurde von 1871 bis 1890 von seinem ersten und am längsten amtierenden Kanzler, Otto von Bismarck, bestimmt.
Innenpolitik
Seine Regierungszeit lässt sich in eine relativ liberale Phase, geprägt von innenpolitischen Reformen und vom Kulturkampf, und eine eher konservativ geprägte Zeit nach 1878/79 einteilen. Als Zäsur gelten der Übergang zum Staatsinterventionismus (Schutzzoll, Sozialversicherung) sowie das Sozialistengesetz.
Außenpolitik: ...Absicherung des Reiches
Bismarck versuchte außenpolitisch, das Reich durch ein komplexes Bündnissystem abzusichern (z. B. Zweibund mit Österreich-Ungarn 1879).
Das Reich wird Kolonialmacht:
..."Der Platz an der Sonne"
Ab 1884 begann der – später intensivierte – Einstieg in den überseeischen Imperialismus. Es folgten internationale Interessenkonflikte mit anderen Kolonialmächten, insbesondere der Weltmacht Großbritannien.
Ab 1884 erwarb das Deutsche Kaiserreich Kolonien in Afrika und im Pazifik, darunter Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia), Kamerun, Togo, Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda, Burundi), Deutsch-Neuguinea (heute Papua-Neuguinea), Deutsch-Samoa und einige Pazifikinseln wie die Karolinen, Marianen und Marshallinseln.
Afrika
- Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia): War die einzige Kolonie mit einer nennenswerten Anzahl deutscher Siedler und wurde 1915 von Südafrika erobert.
- Togo (heute Teile von Togo und Ghana): Wurde im Juli 1884 zum Schutzgebiet.
- Kamerun (heute Teile von Kamerun, Gabun, Tschad etc.): Kam ebenfalls 1884 unter deutschen Schutz und Verwaltung.
- Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda, Burundi): Erwarb die Deutsche Kolonialgesellschaft für Ostafrika 1885 ein Gebiet, das später unter direkte Reichskolonialverwaltung kam.
Pazifik
- Deutsch-Neuguinea: Umfasste Gebiete wie den Bismarck-Archipel, Neuguinea und die Salomonen.
- Deutsch-Samoa: Eine weitere wichtige Kolonie im Pazifik.
- Marianen, Marshall-Inseln, Karolinen und Palau: Eine Reihe kleinerer Inseln in diesem Gebiet wurden ebenfalls Teil des deutschen Kolonialreichs.
Asia
- Kiautschou: Ein Marine-Stützpunkt in Nordchina, der ebenfalls zu den deutschen Kolonien zählte.
Das Reich im "Wilhelminisches Zeitalter":
Die Phase nach Bismarck ...
Die Phase nach der Ära Bismarck wird oft als Wilhelminisches Zeitalter bezeichnet, weil Kaiser Wilhelm II. (ab 1888) nach der Entlassung Bismarcks persönlich in erheblichem Umfang Einfluss auf die Tagespolitik ausübte. Daneben spielten auch andere, teilweise konkurrierende Akteure eine wichtige Rolle. Sie beeinflussten die Entscheidungen des Kaisers und ließen sie oft widersprüchlich und unberechenbar erscheinen.
- Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen (* 27. Januar 1859 in Berlin; † 4. Juni 1941 in Doorn, Niederlande), aus dem Haus Hohenzollern war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen. Im sogenannten Dreikaiserjahr folgte der 29-jährige Wilhelm II. seinem nur 99 Tage herrschenden, 56-jährigen Vater Friedrich III. und seinem 90-jährigen Großvater Wilhelm I. auf den Thron Preußens und des Deutschen Reiches. Durch seine Mutter Victoria von Großbritannien und Irland war er Enkel der britischen Königin Victoria.
- Bismarcks Entlassung: erfolgte am 20. März 1890, als Kaiser Wilhelm II. ihn als Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten entließ. Grund waren tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten zwischen dem jungen Kaiser, der selbstständig regieren wollte, und dem alternden Kanzler, dessen Einfluss Wilhelm II. nicht mehr duldete. Bismarck zog sich daraufhin nach Friedrichsruh zurück und kommentierte fortan die Politik mit herber Kritik.
Die öffentliche Meinung gewinnt an Gewicht
Durch den Aufstieg von Massenverbänden und -parteien sowie die wachsende Bedeutung der Presse gewann zudem die öffentliche Meinung an Gewicht. Nicht zuletzt darum versuchte die Regierung mit einer imperialistischen Weltpolitik, einer antisozialdemokratischen Sammlungspolitik und einer populären Flottenrüstung (siehe Flottengesetze) ihren Rückhalt in der Bevölkerung zu erhöhen.
Außenpolitische Isolation: ..."Wilhelms Weltmachtstreben"
Außenpolitisch führte Wilhelms Weltmachtstreben jedoch in die Isolation; durch diese Politik trug das Reich dazu bei, die Gefahr des Ausbruchs eines großen Krieges zu erhöhen. Als dieser Erste Weltkrieg schließlich 1914 ausgelöst wurde, war das Reich in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt. Auch in der Innenpolitik gewann das Militär an Einfluss. Mit der zunehmenden Anzahl von Kriegstoten an den Fronten und der sozialen Not in der Heimat (gefördert durch alliierte Seeblockaden) begann die Monarchie an Rückhalt zu verlieren.
Der 1. Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg war ein bewaffneter Konflikt, der von 1914 bis 1918 in Europa, Vorderasien, Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt wurde.
Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben, wobei die Schätzungen mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Etwa 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen.
Beteiligte Staaten
Die wichtigsten Kriegsbeteiligten waren Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich einerseits (Kriegsverlierer) sowie Frankreich, Großbritannien und sein Britisches Weltreich, Italien und die USA andererseits (Kriegsgewinner) sowie Russland (vorzeitig ausgeschieden).
Der 1. Weltkrieg: ...Ursachen:
JULI-KRISE: "Österreich" fordert Krieg gegen Serbien... und Kaiser Wilhelm II. "applaudiert"
Hintergrund: Beim Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, bei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Bewegung Mlada Bosna (Junges Bosnien), ermordet. Das von der serbischen Geheimgesellschaft Schwarze Hand geplante Attentat in der bosnischen Hauptstadt löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte.
"Österreich" fordert Krieg gegen Serbien:
In Wien traten nur Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf und Finanzminister Leon Biliński – unterstützt jedoch von großen Teilen der Presse – für die sofortige Mobilmachung gegen Serbien ein.
Von Hötzendorf machte dabei den Krieg in einer Unterredung mit Außenminister Leopold Berchtold am 1. Juli abhängig von der Frage, ob Deutschland "uns den Rücken gegen Russland deckt oder nicht".
Das deutsche Auswärtige Amt wollte den Krieg zwischen Österreich und Serbien zunächst vermeiden, da es richtig den "Weltkrieg" als Konsequenz voraussah. Das Auswärtige Amt vertrat noch bis 4. Juli die Meinung, dass Österreich keine demütigenden Forderungen an Serbien stellen solle.
Kaiser Wilhelm II. will mit den Serben aufräumen:
Soweit bekannt, führte maßgeblich ein Statement von Kaiser Wilhelm II. ("Mit den Serben muss aufgeräumt werden und zwar bald.") vom 4. Juli dazu, dass das Auswärtige Amt umgehend die gegenteilige Haltung einnahm.
Der Blankocheck für Österreich: Krieg gegen Serbien... je früher desto besser
Deshalb wurde am 5. Juli dem nach Berlin entsandten Legationsrat im k.u.k. Außenministerium Alexander Hoyos (Mission Hoyos) die Unterstützung des Kriegskurses zugesagt und allgemein ein frühzeitiges Losschlagen empfohlen. Tags darauf übergab der Reichskanzler dem Gesandten Hoyos und Botschafter Szögyény die offizielle, gleichlautende Antwort, die später als ein in "äußerster Fahrlässigkeit" ausgestellter Blankoscheck interpretiert wurde.
Die "Reichstaktik":
Die Motive der Reichsleitung lagen laut den Tagebucheinträgen Kurt Riezlers von den Besprechungen mit Reichskanzler Bethmann Hollweg (7./8. Juli 1914) in der Überlegung...:
... dass ein Krieg aufgrund des wachsenden militärischen und verkehrstechnischen Potenzials Russlands eher 1914 als später zu gewinnen sei.
Wenn Österreich nicht unterstützt werde, bestehe die Gefahr, dass es sich der Entente zuwende.
- Die Triple Entente war ein informelles Bündnis zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Russland.
Obwohl die Gefahr des Weltkrieges gesehen wurde, hoffte die deutsche Reichsleitung auf eine Lokalisierung und sah die Situation günstig:
"Kommt der Krieg aus dem Osten (Russland), so dass wir also für Oesterreich-Ungarn und nicht Oesterreich-Ungarn für uns zu Felde zieht, so haben wir Aussicht, ihn zu gewinnen.
Kommt der Krieg nicht, will der Zar nicht oder rät das bestürzte Frankreich zum Frieden, so haben wir doch noch Aussicht, die Entente über diese Aktion auseinander zu manoeuvrieren."
Österreichisch-Ungarn: ...das Ultimatum
Am Tag nach der Rückkehr Hoyos (7. Juli) und dem "Blankocheck" beschloss der österreichisch-ungarische Ministerrat, Serbien ein unannehmbares Ultimatum zu stellen und bei dessen zu erwartender Ablehnung militärische Schritte einzuleiten.
Wegen logistischer Überlegungen der eigenen Mobilisierung wollte man mit dem Ultimatum bis nach dem 23. Juli warten und damit auch Implikationen auf den geplanten französischen Staatsbesuch beim Zaren vermeiden.
Die Eröffnung der Julikrise im engeren Sinne bildete das Ultimatum, das durch den k. u. k. Außenminister Graf Berchtold an Serbien am 23. Juli 1914 mit einer Frist von 48 Stunden ausgestellt wurde.
Die "Entente": ..."Serbien ist Unschuldig"
Vom 20. bis 23. Juli besuchten Frankreichs Staatspräsident Raymond Poincaré und Ministerpräsident René Viviani die russische Hauptstadt St. Petersburg und sicherten den Gastgebern ihre volle Unterstützung zu.
Es herrschte die einvernehmliche Auffassung, dass Serbien für die Morde keine Verantwortung trage, die (im Prinzip schon bekannten) Forderungen an Belgrad illegitim seien und die Entente gegen die Mittelmächte standhaft bleiben werde.
Russland: ... "mit Serbien in den Krieg"
Durch die Gesprächsergebnisse beim französischen Regierungsbesuch bestärkt, beschloss der russische Ministerrat am 24. Juli, Serbien zu unterstützen und gegebenenfalls die Mobilmachung einzuleiten.
Serbien reagiert auf das Ultimatum
Das entsprechende Telegramm (Russkands) traf am 25. Juli noch rechtzeitig vor der serbischen Antwort auf das Ultimatum in Belgrad ein.
Inwieweit es die serbische Ablehnung der Kernpunkte des Ultimatums beeinflusst hat, ist nicht geklärt.
Die Antwort an Wien war zum Teil einlenkend, teilweise ausweichend.
Die Teilnahme österreichischer Beamter bei der Strafverfolgung verdächtiger Personen in Serbien wurde jedoch rundweg mit der Begründung abgelehnt, dass dies gegen die serbische Verfassung verstoße.
Außenminister Nikola Pašić übergab persönlich die Antwort kurz vor Ablauf der Frist der österreichischen Gesandtschaft. Botschafter Giesl überflog den Text und reiste umgehend mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal ab.
Staaten der Entente: ...verdächtigten das Deutsche Reich
In den Staaten der Entente wurden Zweifel laut, dass Österreich-Ungarn die treibende Kraft hinter den Ereignissen sei, sie verdächtigten zunehmend das bedeutend stärkere Deutschland.
Russland: ...Vorbereitung auf möglichen Krieg
Russland begann am 26. Juli mit ersten Mobilisierungsmaßnahmen (der sog. Vorbereitungszeit vor dem Krieg), die möglicherweise lediglich als Vorsichtsmaßnahme oder Abschreckungssignal gedacht waren, dem bislang aber trotz der Drohungen diplomatisch ausgetragenem Konflikt eine militärische Note verliehen und ihn eskalierten, da die österreichische und deutsche Seite von den Maßnahmen fast sofort erfuhren.
Am 29. Juli erfolgte – trotz einer Warnung Bethmann Hollwegs, dass die Fortsetzung der russischen Vorbereitungen Deutschlands Mobilisierung und vermutlichen Kriegseintritt zur Folge haben würden – die Teilmobilmachung der russischen Armee.
Wilhelm II. verordnete den Kriegszustand
Wilhelm II. verordnete am 31. Juli 1914 den Kriegszustand (bekanntgegeben als Zustand der drohenden Kriegsgefahr) nach Art. 68 der Reichsverfassung.
Österreich-Ungarn: Kaiser Franz Joseph entwirft die Kriegserklärung an Serbien
Am 26. Juli 1914 unterschrieb Kaiser Franz Joseph in seiner Sommerresidenz in Bad Ischl den Entwurf der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien (Endfassung per Telegramm übermittelt am 28. Juli) und am 28. Juli das Manifest An Meine Völker!.
Zuvor hatte die deutsche Regierung den Bündnispartner seit dem 25. Juli nochmals massiv zu "umgehender Aussprache" gedrängt.
Der "Schießkrieg" beginnt...
Wien wollte die Kriegserklärung erst nach dem Abschluss der Mobilmachung und damit um den 12. August aussprechen.
Da der Angriff bei Temes Kubin (angeblicher Feuerüberfall der Serben am 26. Juli) eine Propagandaerfindung und ein vorgeblicher Kriegsgrund (ähnlich dem Flugzeug von Nürnberg) war, begann der "Schießkrieg" am 29. Juli kurz nach 2 Uhr mit der Beschießung von Belgrad durch die Binnenkriegsschiffe S.M.S Temes, Bodrog und Szamos.
Russland macht "mobil"
Am 29. Juli erfolgte – trotz einer Warnung des Reichskanzlers Bethmann Hollweg, dass die Fortsetzung der russischen Vorbereitungen Deutschlands Mobilisierung und vermutlichen Kriegseintritt zur Folge haben würden – die Teilmobilmachung der russischen Armee.
Das Deutsche Reich "taktiert" mit Großbritannien
Am 29. Juli eröffnete Reichskanzler Bethmann Hollweg dem britischen Botschafter Edward Goschen, dass Deutschland unter Brechung der belgischen Neutralität Frankreich angreifen werde.
Das Deutsche Reich würde im Falle der britische Neutralität...
...die Wiederherstellung der territorialen Souveränität von Frankreich und Belgien nach dem Krieg anbieten (– nicht jedoch die ihrer Kolonien –).
Die britische Seite – die den Reichskanzler für eine Wien mäßigende Kraft gehalten hatte und bis dahin zurückhaltend aufgetreten war – reagierte entgegen seiner Erwartung mit scharfer Ablehnung und gab zu verstehen, dass das für Großbritannien einen Kriegsgrund darstellen würde.
"Halt-in-Belgrad"-Plan
Daraufhin versuchte der Reichskanzler den Eskalationsprozess wieder einzufangen und – gemeinsam mit dem Kaiser – Wien zu einem "Halt-in-Belgrad"-Plan zu bewegen, d. h. sich mit der Besetzung des grenznahen Belgrads als Pfand zu begnügen.
Moltke konterkarierte Bethmann Hollwegs Bemühungen, indem er Conrad von Hötzendorf zu einem Aufmarsch gegen Serbien und das Russische Reich anhielt.
- Helmuth Johannes Ludwig von Moltke, genannt Moltke der Jüngere (d. J.) (* 25. Mai 1848 in Gersdorf; † 18. Juni 1916 in Berlin), war ein preußischer Generaloberst und in der ersten Phase des Ersten Weltkrieges Chef des Großen Generalstabes (1906 bis 1914).
Wien lehnt ab:
Wien lehnte zudem den Plan einer zeitweiligen Besetzung dazu ab, weil es nur eine Teillösung seines serbischen Problems gewesen wäre. Mehr Zeit hätte an der österreichischen Positionierung möglicherweise etwas geändert, aber gerade die lief ab; die Eskalation war bereits in vollem Gange.
Das Deutsche Reich erklärt Russland den Krieg
Zar Nikolaus II. billigte am 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee, die am nächsten Morgen (31. Juli) veröffentlicht wurde.
Das Deutsche Reich forderte daraufhin in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung (bis 1. August, 12 Uhr Ortszeit St. Petersburg), obwohl angenommen wurde, dass sie deutlich langsamer verlaufen werde als die deutsche.
Nachdem die Rücknahme ausgeblieben war, gab Wilhelm II. am 1. August (17 Uhr) den Mobilmachungsbefehl und erklärte am selben Tag (19 Uhr Ortszeit St. Petersburg) Russland den Krieg.
Frankreich macht "mobil"
Das mit Russland verbündete Frankreich erließ ebenfalls am 1. August (16 Uhr) den Mobilmachungsbefehl.
Der 1. Weltkrieg: ...Kriegsbegeisterung und Antikriegsdemonstrationen
Zu Kriegsbeginn zeigten die Menschen ein breites Spektrum an ganz unterschiedlichen Reaktionen, die von Protest und Verweigerungshaltung über Ratlosigkeit und Erschütterung bis zum patriotischen Überschwang und Hysterie reichten.
Es gab weder eine allgemeine Kriegsbegeisterung, noch standen die proletarischen und bäuerlichen Schichten dem Krieg geschlossen und konsequent ablehnend gegenüber.
Bürgerlich-akademischen Schichten begrüßen den Krieg:
Vor allem große Teile der bürgerlich-akademischen Schichten begrüßten das kommende Kriegsereignis.
Das konservative Bürgertum reagierte auf das Ultimatum und die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien mit patriotischen Umzügen, so etwa in Berlin-Mitte am 25. Juli 1914 mit etwa 30.000 Teilnehmern.
Pessimismus in Ländlichen Regionen und bei der Arbeiterschaft:
In kleineren Städten und vor allem in ländlichen Regionen herrschte dagegen eine ausgesprochen niedergeschlagene, nachdenkliche und pessimistische Stimmung. Ähnlich verhaltene und gedrückte Reaktionen zeitigte der kommende Krieg in der Arbeiterschaft der Industriezentren.
In keinem der vom Kriegsausbruch betroffenen Länder hat es eine "rauschhafte", sämtliche Bevölkerungsschichten ergreifende Kriegsbegeisterung gegeben.
Anti-Kriegs-Demonstrationen:
Andererseits fanden in Deutschland ähnlich wie in Großbritannien und Frankreich Ende Juli Anti-Kriegs-Demonstrationen statt, so alleine in Deutschland (nach Angaben der SPD) 288 Versammlungen und Aufmärsche in rund 160 Städten, beispielsweise in Berlin-Mitte am 28. Juli 1914 mit mehr als 100.000 Menschen und dies trotz Verbot des Magistrats.
Wendepunkt zum Burgfrieden:
Der Wendepunkt zum Burgfrieden war die Nachricht von der russischen Teilmobilmachung am 28. Juli 1914.
Ähnlich wie die Arbeiterbewegung in anderen Ländern schlossen sich die Sozialdemokraten der politischen Einheitsfront an, obwohl sie sich nur wenige Tage zuvor gegen die "Kriegstreiberei" der eigenen Regierung gewandt hatten.
Am 1. August 1914 versammelten sich vor dem Berliner Stadtschloss zwischen 40.000 und 50.000 Menschen zur zweiten Balkonrede von Wilhelm II., der verkündete, ,,,
...er kenne "keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr".
Reichskanzler Bethmann Hollweg verstand es zudem geschickt, Russland als vermeintlichen Aggressor darzustellen.
SPD-Parteivorstand Hugo Haase, der zahlreiche Antikriegskundgebungen organisiert hatte und noch bis 3. August 1914 innerparteilich gegen die Annahme der Kriegskredite kämpfte, erklärte für die SPD tags darauf: ...
..."Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich".
Breite politische Solidarität in allen Ländern:
In allen kriegsbeteiligten Ländern kam es zu Kriegsbeginn zu einer breiten politischen Solidarität, zu einer besorgten, ernsten und entschlossenen Akzeptanz des Krieges.
Der 1. Weltkrieg: ...Kriegszielpolitik
Das Deutsche Reich
Das zunächst im Vordergrund stehende und nicht unwesentlich zum Kriegsausbruch beitragende militärische Kriegsziel Deutschlands war – entsprechend dem Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 – den für unvermeidlich gehaltenen Krieg gegen die Entente zu einem noch günstigen Zeitpunkt zu führen, wobei schon im Kriegsrat 1912 die Jahresmitte 1914 als günstig erachtet worden war.
Nach Ansicht der deutschen Militärführung entwickelte sich das europäische Kräftegleichgewicht zunehmend ungünstig für Deutschland. Ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug traten als politische Ziele Annexionen in Ost und West zur Sicherung einer Hegemonialstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland hinzu, die sich unter anderem im "Septemberprogramm" 1914 niederschlugen.
Die mit der militärischen Gesamtlage im Kriegsverlauf immer weniger in Einklang zu bringenden Annexionsforderungen waren ein wesentliches Hindernis zu Friedensverhandlungen.
Österreich-Ungarn
Österreich-Ungarn nahm für sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kämpfen.
Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee des Kaisertums und somit am Vielvölkerstaat fest. Das offizielle Kriegsziel der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bildeten damit die Aufrechterhaltung ihres Bestandes und die Stärkung der Stellung als Großmacht. Gleichzeitig strebte Österreich-Ungarn die Eingliederung Serbiens, Montenegros und Rumäniens oder statt letzterem Russisch-Polens an.
Frankreich
Das vorrangige Kriegsziel Frankreichs war die Rückgewinnung Elsass-Lothringens.
Im Herbst 1915 zeichneten sich weitere französische Kriegsziele ab: Die Zurückdrängung Deutschlands an den Rhein durch Annexion oder Neutralisation des Rheinlandes bis hin zur Auflösung der Reichseinheit oder zumindest ihrer Schwächung im föderativen Sinne sowie eine wirtschaftliche und militärische Angliederung Belgiens und Luxemburgs an Frankreich.
Nach dem Kriegszielprogramm der Regierung Briand vom November 1916 sollte Frankreich zumindest die Grenze von 1790 und damit Elsass-Lothringen mit dem Saarland erhalten. Einer dauerhaften Okkupation des Rheinlandes wurde die Errichtung zweier neutraler, unabhängiger Pufferstaaten unter französischem Schutz vorgezogen. Belgien sollte, im Gegensatz zu den Vorstellungen des Generalstabs, in Unabhängigkeit belassen werden.
Russland
Russland sah sich als natürliche Schutzmacht panslawistischer Bestrebungen auf dem Balkan.
Nach dem osmanischen Kriegseintritt erhoffte sich die russische Seite den Gewinn Konstantinopels und der Meerengen zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer (→ Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen).
Die russischen Kriegsziele umfassten neben dem alten Ziel der Meerengen aber auch Galizien und das ins russische Gebiet hineinragende Ostpreußen. Der russische Außenminister Sasonow sah in seinem 13-Punkte-Programm vom 14. September 1914 in erster Linie territoriale Abtretungen Deutschlands, angeblich auf der Basis des Nationalitätenprinzips, vor. Russland würde den Unterlauf des Njemen (Memelland) und den östlichen Teil Galiziens annektieren sowie den Osten der Provinz Posen, (Ober-)Schlesien und Westgalizien Russisch-Polen angliedern.
Großbritannien
Großbritannien forderte zu Beginn des Krieges die Wiederherstellung der jeweiligen Selbständigkeit der kleineren europäischen Nationen, die durch den Angriff der Mittelmächte zerstört worden waren, vor allem jene Belgiens, dessen Invasion der offizielle Grund für den Kriegseintritt war.
Zum Ziel der Befreiung Belgiens trat die Formel der Zerschlagung des preußischen Militarismus.
Italien
Italiens Kriegsziele lagen vor allem in der Annexion italienisch besiedelter Gebiete unter österreichisch-ungarischer Herrschaft. Nach Zustimmung des Russischen Reiches zum italienischen Wunsch, slawisch besiedelte Gebiete zu annektieren und damit die Adria als mare nostro ("unser Meer") zu etablieren, kam der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande.
USA
Die amerikanischen Kriegsziele wurden im 14-Punkte-Programm vom 8. Januar 1918 formuliert. Es enthielt die völlige Wiederherstellung der belgischen Unabhängigkeit, weiter die Rückgabe Elsass-Lothringens, die Festsetzung italienischer Grenzen entlang der Nationalitätengrenzen sowie die weitere Existenz Österreich-Ungarns, dessen Nationen eine freie Entwicklung ermöglicht werden sollte.
Der Türkei wurde Selbständigkeit zugestanden, jedoch ohne Einschluss anderer Nationalitäten, die Meerengen sollten durch internationale Garantien offen gehalten werden.
Gefordert wurde die Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates.
Im Oktober 1918 ergänzten und erweiterten die Amerikaner Wilsons 14 Punkte: Italien wurde aus strategischen Gründen Südtirol sowie ein Protektorat über Albanien zugebilligt, die Befreiung aller slawischen Völker unter der deutschen und österreichisch-ungarischen Herrschaft wurde gefordert und die Teilung des Nahen Ostens zwischen Großbritannien und Frankreich anerkannt.
Der 1. Weltkrieg: ...der Beginn
Es geht los: ...das deutsche Heer marschiert zum 1. Weltkrieg...
Am Vormittag des 2. August 1914 besetzten deutsche Truppen der 16. Division planmäßig die Stadt Luxemburg im Staat Luxemburg, südöstlich von Belgien, nahe der französischen Grenze.
Berittene Patrouillen drangen noch ohne Kriegserklärung in Frankreich ein, wobei ein französischer und ein deutscher Soldat fielen.
Am Abend (20 Uhr) wurde Belgien ultimativ aufgefordert, innerhalb von zwölf Stunden eine Erklärung des Inhalts abzugeben, dass sich die belgische Armee gegenüber einem Durchmarsch deutscher Truppen passiv verhalten werde.
Belgien lehnt am nächsten Morgen ab.
Deutschland erklärt Frankreich den Krieg
Am Abend des 3. August erklärte Deutschland Frankreich wegen angeblicher Grenzverletzungen und erfundener Luftangriffe ("Flugzeug von Nürnberg") den Krieg.
Italienische Neutralitätserklärung
Am gleichen Tag teilte der italienische Außenminister Antonio di San Giuliano dem deutschen Botschafter Hans von Flotow mit, dass nach Ansicht der italienischen Regierung der Casus Foederis nicht gegeben sei, da Österreich und Deutschland die Aggressoren seien. Schon am Nachmittag erfolgte die italienische Neutralitätserklärung.
Das Deutsche Reich besetzt Belgien
Kriegserklärung des Vereinigten Königreichs an Deutschland
Zuvor am 3. August sandte Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg ein Rechtfertigungsschreiben an die britische Regierung.
Deutsche Patrouillen hatten am Morgen dieses Tages bereits die belgische Grenze überschritten; entsprechende Meldungen lagen in London vor.
Bethmann Hollweg stellte hierin die "Neutralitätsverletzung von Belgien" als Konsequenz einer militärischen Zwangslage aufgrund der russischen Mobilmachung dar.
Nach britische Ansicht allerdings verletzte das Deutsche Reich mit dem Einmarsch in Belgien Artikel I des Londoner Vertrages vom 19. April 1839, in dem die europäischen Großmächte die belgische Neutralität garantiert hatten, und gefährde britische Sicherheitsinteressen.
Edward Grey bezeichnete am Nachmittag des 3. August im Unterhaus die Verletzung der belgischen Neutralität sowie die Gefahr einer Niederwerfung Frankreichs als unvereinbar mit den britischen Staatsinteressen, das Parlament folgte dieser Einschätzung.
Noch am Tag des Einmarschs des deutschen Heers in Belgien (4. August) überreichte der britische Botschafter Goschen dem deutschen Reichskanzler Bethmann Hollweg ein auf Mitternacht befristetes Ultimatum, in dem die Zusage verlangt wurde, dass Deutschland die belgische Neutralität entsprechend dem Londoner Vertrag von 1839 achten werde.
Bethmann Hollweg hielt dem Botschafter vor, dass Großbritannien wegen eines "Fetzen Papiers" gegen Deutschland in den Krieg ziehe, was in London mit Empörung aufgenommen wurde.
Nach Ablauf des Ultimatums erfolgte die Kriegserklärung des Vereinigten Königreichs an Deutschland.
Seine Dominions folgten umgehend (zumeist ohne gesonderte Kriegserklärung).
- Die britischen "Dominions" waren selbstverwaltete Kolonien innerhalb des Britischen Weltreichs, wie Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika, deren Status sich ab Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Selbstverwaltungsrecht zu autonomer Herrschaft entwickelte und zur Grundlage des heutigen Commonwealth of Nations wurde. Sie waren nicht Teil des Vereinigten Königreichs selbst, sondern autonome Staaten, die den britischen Monarchen als Staatsoberhaupt behielten, um die Verbundenheit zum Reich auszudrücken.
Österreich-Ungarn erklärte Russland erst am 6. August den Krieg
Österreich-Ungarn erklärte Russland am 6. August den Krieg und beendete erst damit die "groteske Situation, daß Deutschland sich sechs Tage früher im Kriege mit Russland befand als der Verbündete, um dessentwillen es den Kampf überhaupt aufnahm" (Gerhard Ritter).
Fazit des Kriegsbeginns:
Somit hatte sich innerhalb weniger Tage (28ter Juni - 6ter August) aus dem Konflikt in Serbien ein Lokalkrieg ein Kontinentalkrieg und aus diesem der Weltkrieg entwickelt.
Der 1. Weltkrieg: ...Jahr 1914
Die Westfront: ...1914
Deutschland transportierte während des Sommers mit 20.000 Zügen zwei Millionen Männer, 1,189 Millionen Pferde und Ausrüstung an die Westfront. Alle zehn Minuten überquerte auf der Hohenzollernbrücke ein Zug den Rhein.
Lüttich (Belgien) fällt... an die deutsche Armee
Kampf um Lüttich:
Noch bevor die Versammlung des deutschen Heeres an der Westgrenze abgeschlossen war, führte der Kommandierende General des deutschen X. Armee-Korps, Otto von Emmich, einen bereits im Schlieffenplan vorgesehenen handstreichartigen Überfall auf die Zitadelle der belgischen Festung Lüttich.
Die Stadt fiel schnell in die Hände der Angreifer (5.–7. August), während der Gürtel von zwölf Forts zunächst nicht erobert werden konnte.
Erst nach dem Heranschaffen schwerster Artillerie (der Dicken Bertha von Krupp und der weniger bekannten, mobileren Schlanken Emma von Škoda) war es möglich, die Festungen zu besetzen und bis zum 16. August Lüttich vollständig zu erobern.
- Die Dicke Bertha (auch Dicke Berta, im Französischen Grosse Bertha) war der Spitzname mehrerer deutscher Geschütze, die zum ersten Mal im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden und dort zu den bekanntesten Waffen zählten: Mörser (Steilfeuergeschütz) 42-cm Granatwerfer
- Die Schlanke Emma war eine schwere, 305-mm-Haubitze (Artilleriegeschütz), die von der Škoda-Fabrik in Österreich-Ungarn hergestellt wurde und während des Ersten Weltkriegs bei der Belagerung der Festungen von Lüttich eingesetzt wurde. Im Gegensatz zu einer Kanone, die auf flaches Feuer spezialisiert ist, und einem Mörser, der auf kurze Distanzen senkrecht feuert, kann die Haubitze in einem steileren Winkel schießen. Die Haubitze, die in drei Teilen transportiert und vor Ort wieder zusammengebaut wurde, verschoss Geschosse von etwa 380 kg und konnte Ziele in einer Entfernung von bis zu 12 km treffen.
Als Höhepunkt der Kämpfe gilt die Zerstörung von Fort Loncin am 15. August durch einen Volltreffer in der Munitionskammer. Die schnelle Ausschaltung der als uneinnehmbar geltenden Forts führte zu strategischen Änderungen in der weiteren französischen Kriegsplanung.
"Rape of Belgium":
Am 4. August begingen deutsche Soldaten in den belgischen Dörfern Visé, Berneau und Battice bei Lüttich erste gewaltsame Übergriffe auf die Zivilbevölkerung.
In den kommenden Wochen verübten deutsche Truppen zahlreiche Gräueltaten an der Zivilbevölkerung in Belgien und Frankreich, die mit Angriffen von Francs-tireurs begründet wurden.
Als Francs-tireurs [fʁɑ̃tiʁœʁ] bzw. eingedeutscht "Franktireurs" (französisch Frei-Schützen) wurden die während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 aufgestellten französischen Freikorps bezeichnet. Auch während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden französische und belgische Partisanen als Francs-tireurs bezeichnet.
- Ein Partisan (italienisch partigiano "Parteigänger") ist ein bewaffneter Kämpfer, der nicht zu den regulären Streitkräften eines Staates gehört.
Die ersten Massenerschießungen von belgischen Zivilisten erfolgten am 5. August, besonders schwere Kriegsverbrechen verübten deutsche Truppen in Dinant, Tamines, Andenne und Aarschot.
Den Repressalien fielen zwischen August und Oktober 1914 rund 6500 Zivilisten zum Opfer, weltweit besonders beachtet und verurteilt wurden die Brandschatzungen in Löwen.
Die Rezeption von tatsächlichen und erfundenen Übergriffen ging in den noch heute gängigen englischen Propagandabegriff Rape of Belgium (Schändung von Belgien) ein.
Kampf um Mülhausen (Elsass) - deutsche Truppen siegen...
Während die deutschen Truppen im Rahmen des Schlieffen-Plans ihre Bogenbewegung über Belgien entfalteten, wurde auf französischer Seite der Plan XVII vorbereitet, der im Gegensatz zur deutschen Umfassungsstrategie auf die Strategie des Durchstoßes im Zentrum (Lothringen) setzte.
Vor dem eigentlichen Großangriff im Rahmen dieser Strategie erfolgte ein Vorausangriff auf Mülhausen/Mulhouse (Stadt im Elsass).
Am 7. August konnte Mülhausen von dem französischen Heer genommen werden, wobei ein Teil der dortigen Bevölkerung die französischen Soldaten jubelnd begrüßte.
Bereits am 9. August ging es wieder an die deutschen Truppen.
Nach einer erneuten Eroberung fielen die Stadt und alle elsässischen Gebiete mit Ausnahme des Dollertales und einiger Vogesenhöhen am 24. August für den restlichen Krieg wiederum an die Deutschen.
Der den französischen Angriff kommandierende General Louis Bonneau wurde von Befehlshaber Joffre.
Französische Offensive: ... über die deutsche Grenze nach Saarburg (Lothringen)
Joffre hatte zunächst nicht die Absicht, sich in seinem Aufmarsch gemäß Plan XVII von dem deutschen Angriff auf Belgien beeinflussen zu lassen, und konzentrierte 1,7 Millionen französische Soldaten in fünf Armeen für den Angriff.
Er konnte die Bewegung der deutschen Truppen jedoch nicht vollständig ignorieren und verlegte die 5. Armee unter Charles Lanrezac entsprechend weiter nordwestlich.
Das gerade erst in Frankreich gelandete Britische Expeditionskorps unter General John French schloss sich nördlich bei Maubeuge an.
Maubeuge ist eine französische Stadt mit 28.879 Einwohnern (Stand 1. Januar 2022) im Département Nord in der Region Hauts-de-France. Sie liegt auf beiden Seiten des Flusses Sambre, der hier kanalisiert ist.
Die französische Offensive begann zunächst am 14. August: Die 1. Armee unter General Auguste Dubail und die 2. Armee unter General Noël de Castelnau überschritten die deutsche Grenze und rückten unter anderem auf Saarburg (Lothringen) vor. Die deutsche 6. und 7. Armee – beide seinerzeit befehligt von Kronprinz Rupprecht von Bayern – wichen zunächst kämpfend zurück.
Deutsche Offensive: ... Belagerung von Antwerpen (Belgien)
Am 18. August, nach der Niederkämpfung der Festung Lüttich (endgültiger Fall von Lüttich am 16. August), begann die eigentliche Großoffensive des rechten deutschen Flügels zur Umfassung der alliierten Armeen.
Dabei stieß das deutsche Heer sehr schnell nach Brüssel und Namur vor.
Der Hauptteil der belgischen Armee zog sich in die Festung Antwerpen zurück, worauf die zweimonatige Belagerung von Antwerpen begann.
- Antwerpen ist eine Hafenstadt in der belgischen Region Flandern und die Hauptstadt der Provinz Antwerpen.
Französische Offensive und Deutsche Gegenoffensive: ...Verlustreiche "Grenzschlachten"
Am 20. August begann die eigentliche französische Offensive in Richtung Deutsch-Lothringen und Saar-Ruhr-Gebiet,
Gleichzeitig begann der deutsche Gegenangriff.
Verlustreiche "Grenzschlachten":
Daraus und aus einer Reihe von weiteren Schlachten bei Saarburg, bei Longwy, in den Ardennen, an der Maas, zwischen Sambre und Maas und bei Mons entwickelten sich für beide Seiten verlustreiche Kämpfe zwischen den Vogesen und der Schelde, die sogenannten Grenzschlachten.
Die französischen Truppen erlitten außerordentlich große Verluste; zwischen dem 20. und dem 23. August fielen 40.000 Soldaten, allein am 22. August 27.000. Die Verluste wurden vor allem durch Maschinengewehre verursacht.
Geordneter Rückzug der französischen Truppen:
Die französische 1., 2., 3. und 4. Armee wurden von der deutschen 4., 5., 6. und 7. Armee frontal schwer geschlagen, ebenso wie die 5. Armee und das britische Expeditionskorps auf dem linken Flügel.
Den französischen Truppen gelang jedoch ein ausreichend geordneter Rückzug einerseits hinter die Meurthe und den Festungsring um Nancy, andererseits unter Bewahrung der Festung Verdun hinter die Maas, ohne dass den deutschen Truppen eine Umfassung und vollständige Vernichtung großer Truppenteile gelang.
Unter Missachtung des Schlieffen-Plans ersuchte Kronprinz Rupprecht bei Generalstabschef Moltke, den Erfolg ausnützen und selbst in die Offensive gehen zu dürfen, was dieser billigte.
Diese deutsche Offensive zwischen 25. August und 7. September brachte jedoch keinen Durchbruch.
Deutsche Armeen nähern sich Paris...
Die französischen und britischen Armeen auf dem linken Flügel zogen sich durch Nordfrankreich zurück.
Der Rückzug, der durch vereinzelte Schlachten wie die Schlacht von Le Cateau (26. August) und die Schlacht bei St. Quentin (29. August) unterbrochen wurde, brachte die verfolgenden deutschen Armeen des rechten Flügels immer näher an Paris.
Die französische Regierung verlässt Paris...
Die französische Regierung verließ am 2. September die Hauptstadt und zog nach Bordeaux um,
Die Verteidigung von Paris...
Die Verteidigung von Paris wurde dem reaktivierten General Joseph Gallieni anvertraut.
Das französische Oberkommando zog währenddessen Truppen vom rechten Flügel sowie Reserven zusammen, um bei Paris eine neue (6.) Armee unter Joseph Maunoury aufzustellen, die den deutschen Vormarsch in der Flanke bedrohte.
Eine weitere (9.) Armee unter Ferdinand Foch wurde im Zentrum eingeschoben. Joffre plante, die Marne als Auffangstellung zu benutzen, um von hier aus mit einer Offensive an der gesamten Front den deutschen Vormarsch zu stoppen.
Der deutsche Schwenkungsflügel – die 1., 2., 3., 4. und 5. deutsche Armee – hatte schon zuvor mit immer noch hoher Geschwindigkeit seine Drehung Richtung Südwest und Süd vorgenommen; die 1. Armee wich von ihrer planmäßigen Vorstoßrichtung schon nach der Einnahme von Brüssel (20. August) südlich ab, da Befehlshaber Alexander von Kluck die französischen Truppen und das Britische Expeditionskorps verfolgte.
Durch die zunehmende Frontausdehnung schwand der Überraschungseffekt der deutschen Offensive, und die zahlenmäßige Überlegenheit des rechten deutschen Flügels ging mit der Dehnung verloren, die Verbindungslinien der Deutschen wurden immer länger, jene der Franzosen immer kürzer.
Die Einkreisung von Paris wird aufgegeben...
Die auseinandergezogene deutsche Front drohte Ende August zu zerreißen:
Der rechte Flügel musste aufgrund von französischen Gegenangriffen die Stoßrichtung weiter ändern und nach Süden und Südosten einschwenken.
Die Einkreisung von Paris wurde am 30. August aufgegeben, wovon Joffre am 3. September informiert war.
Fehler der Heeresleitung und die Ostfront schwächen die deutsche Westfront...
Die in Luxemburg stationierte Oberste Heeresleitung verlor inzwischen den Überblick über die operative Lage, vor allem fehlte jegliche Fernsprechverbindung zum bedrohten rechten Flügel. Der technisch unzureichende Funkverkehr konnte dies nicht wettmachen, die Fliegermeldungen blieben oft ungenutzt.
Die 1. Armee (320.000 Soldaten) versuchte mit Gewaltmärschen die britische Expeditionsarmee einzuschließen und vernachlässigte dabei den westlichen Flankenschutz.
Die Abgabe von zwei Korps an die Ostfront, zurückgelassene Belagerungstruppen (Antwerpen, Maubeuge), Marsch- und Kampfverluste und Versorgungsschwierigkeiten verursachten Stockungen, die erschöpfte 1. Armee hatte unter schweren Kämpfen über 500 Kilometer zurückgelegt.
"Schlacht an der Marne": Französische Offensive nutzt Schwächung der deutschen Westfront...
Am 6. September begann die französische Offensive gegen die offene westliche Flanke der deutschen Armee ("Schlacht an der Marne").
Die deutsche 1. Armee, die trotz gegenteiliger Weisung noch am 5. September 1914 südlich der Marne vorgestoßen war und als westlichste Punkte die um Paris gelegenen Gemeinden Le Plessis-Belleville, Mortefontaine und Meaux erreicht hatte (weitestes Vordringen: ), musste sich in einem zweitägigen Gewaltmarsch zurückziehen.
Sie verursachte durch ihre plötzliche Kehrtwendung eine etwa 40 Kilometer breite Lücke zwischen der 1. und 2. deutschen Armee, in die starke französische und britische Kräfte gegen Mittag des 8. Septembers 1914 hineinstießen.
Die Erste Schlacht an der Marne war eine entscheidende Schlacht des Ersten Weltkriegs und fand vom 5. bis 12. September 1914 entlang der Marne östlich von Paris statt. Der am 2. August begonnene deutsche Vormarsch der fünf Armeen des rechten deutschen Flügels verlief bis zur Marneschlacht insgesamt erfolgreich, wurde aber am 5. September durch eine überraschende französisch-britische Gegenoffensive unter General Joseph Joffre und Feldmarschall John French gestoppt, ab dem 9. September sogar in einen taktischen Rückzug der Deutschen an die Aisne verwandelt.
Rückzug der deutschen Armeen: ... ein "psychologisches Fiasko"
Der Zusammenhang der deutschen Front war zerrissen, die Gefahr eines operativen Durchbruches und einer Umfassung der deutschen Armeen wuchs Stunde um Stunde, es drohte die Abschnürung und Vernichtung einzelner deutscher Heeresteile, ein fluchtartiger Rückzug und schlimmstenfalls eine rückwärtige Umfassung des gesamten deutschen Westheeres.
Die deutschen Armeen waren nach ihrem pausenlosen Vormarsch am Ende ihrer Kräfte. Der von der Obersten Heeresleitung (OHL) zum Oberkommando der 1. und 2. Armee entsandte Oberstleutnant Richard Hentsch empfahl den Rückzug, der von den Oberbefehlshabern der beiden Armeen am 9. September befohlen wurde, ohne weiteren Kontakt mit den Nachbararmeen oder der OHL aufzunehmen.
Die Notwendigkeit des Rückzuges – vor allem jener der 1. Armee – war später umstritten, überwiegend wird jedoch heute eine Meinung vertreten, wie sie zum Beispiel Holger Afflerbach formulierte: "Operativ war der Rückzugsbefehl richtig und zwingend notwendig, seine psychologischen Auswirkungen waren indes fatal."
Der Schlieffen-Plan war gescheitert, die Einschnürung des französischen Heeres an der Ostgrenze (Lothringen und Elsass) war misslungen.
Am 9. September sah Generalstabschef Moltke den Umschlag, er schrieb an diesem Tage:
"Es geht schlecht … Der so hoffnungsvoll begonnene Anfang des Krieges wird in das Gegenteil umschlagen […] wie anders war es, als wir vor wenigen Wochen den Feldzug so glanzvoll eröffneten […] ich fürchte, unser Volk in seinem Siegestaumel wird das Unglück kaum ertragen können."[65]
Der "Wettlauf zum Meer" war durch erfolglose Versuche gekennzeichnet, die Flügel des Gegners zu umfassen und dessen Front.
Generalstabschef Moltke erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde durch Erich von Falkenhayn ersetzt.
Die 1. und die 2. deutsche Armee mussten die Schlacht abbrechen und sich zurückziehen, die restlichen Angriffsarmeen folgten.
In Frankreich wurde dieser deutsche Rückzug später als "Wunder an der Marne" bezeichnet, in Deutschland fand der Befehl schärfste Kritik. Falkenhayn legte Reichskanzler Bethmann Hollweg nahe, die deutsche Öffentlichkeit über die kritische militärische Lage nach dem Scheitern des Angriffsplanes aufzuklären, was jener jedoch ablehnte.
- Die Marne ist ein Fluss in Frankreich. Sie entspringt am Plateau von Langres, im Gemeindegebiet von Balesmes-sur-Marne, in einer Höhe von etwa 420 Metern. Sie entwässert anfangs nach Nordwesten, dreht später auf West und Südwest und mündet nach rund 514 Kilometern zwischen Charenton-le-Pont und Ivry-sur-Seine, knapp südöstlich von Paris, als rechter Nebenfluss in die Seine.
Der "Stellungskrieg": ...wieder vereinte deutschen Truppen "graben sich ein"...
Der darauf folgende Rückzug des deutschen Angriffsflügels hinter die Aisne mündete in die Erste Schlacht an der Aisne, die den Übergang zum Stellungskrieg einleitete.
Die deutschen Truppen konnten sich jedoch nach ihrem Rückzug an der Aisne eingraben und wieder eine zusammenhängende, widerstandsfähige Front aufbauen.
Am 17. September kam der französische Gegenangriff zum Erliegen.
"Wettlauf zum Meer"...
Zunächst hielt der deutsche Generalstabschef Falkenhayn am bisherigen Konzept fest, dem zufolge die Entscheidung zuerst im Westen gesucht werden sollte.
Im Wettlauf zum Meer (13. September bis 19. Oktober 1914) versuchten beide Seiten, einander zu überflügeln, die Fronten wurden ausgehend von der Aisne bis nach Nieuwpoort an der Nordsee verlängert.
"Bewegungskrieg": ...Frankreich will den Stellungskrieg beenden...
In Nordfrankreich versuchten die Gegner in den ersten Oktoberwochen 1914 wieder den Bewegungskrieg einzuleiten, wobei die deutschen Truppen unter schweren Verlusten einige Erfolge verbuchen konnten (Einnahme von Lille, Gent, Brügge und Ostende), ohne jedoch den Durchbruch zu erreichen.
Deutsche Reservekorps sollen englischen Nachschub stoppen...
Danach verlegte sich der deutsche Schwerpunkt der Kämpfe weiter in den Norden nach Flandern, der englische Nachschub über Dünkirchen und Calais sollte unterbrochen werden.
- Flandern ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates.
Bei Ypern (Belgien) entwickelten sich erbitterte Gefechte (Erste Flandernschlacht vom 20. Oktober bis 18. November 1914).
In aller Eile aufgestellte deutsche Reservekorps erlitten bei Langemarck und Ypern verheerende Verluste:
Ungenügend ausgebildete und von Reserveoffizieren ohne Fronterfahrung geführte junge Soldaten – vereinzelt 15-jährige – gingen hier zu Zehntausenden in den Tod, ohne irgendein nennenswertes Ziel zu erreichen. Dennoch wurde hieraus der Mythos von Langemarck konstruiert – das erste bedeutende Beispiel in diesem Krieg, militärische Niederlagen oder Misserfolge in moralische Siege umzudeuten.
Der Englische Nachschub wird gesichert...
In den Schlachten um Flandern gelang es den Alliierten, die für den britischen Nachschub wichtigen Kanalhäfen Boulogne und Calais und den Eisenbahnknoten Amiens dem deutschen Zugriff zu entziehen.
Mit den Kämpfen bei Ypern endete der Bewegungskrieg.
Ende des Bewegungskrieg: ..."Grabenkrieg" an der Westfront
An der deutschen Westfront entstand ein ausgedehntes System aus Schützengräben (Grabenkrieg).
Alle Durchbruchsversuche beider Seiten schlugen 1914 fehl, eine über 700 Kilometer lange Front von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze erstarrte im Stellungskrieg.
An den Frontabschnitten lagen die vordersten Gräben oft kaum 50 Meter von den feindlichen Stellungen entfernt.
Der deutsche Generalstabschef Falkenhayn: ..."der Krieg ist nicht mehr zu gewinnen...!"
Am 18. November 1914 eröffnete Falkenhayn Reichskanzler Bethmann Hollweg, dass der Krieg gegen die Triple Entente nicht mehr zu gewinnen sei.
Er plädierte für eine diplomatische Liquidierung des Krieges auf dem Kontinent, für einen Verhandlungs- und Separatfrieden mit einem oder mehreren Gegnern, nicht jedoch mit Großbritannien, mit dem er einen politischen Ausgleich nicht für möglich hielt.
Reichskanzler Bethmann Hollweg lehnte dies ab. Der Reichskanzler hatte hierzu vor allem innenpolitische Gründe, er wollte angesichts der großen Opfer des Angriffs auf Annexionen und einen "Siegespreis" für das Volk nicht verzichten.
Hindenburg und Ludendorff gingen vom unbedingten Vernichtungswillen der Gegner aus und hielten zudem einen Siegfrieden nach wie vor für möglich.
Der Reichskanzler und der Generalstab verschwiegen der Nation die Bedeutung der Niederlagen an der Marne und bei Ypern. Auf diese Weise erhielten sie den Kampf- und Durchhaltewillen der Nation.
Die Diskrepanz zwischen der politisch-militärischen Lage und den Kriegszielforderungen der wirtschaftlichen und politischen Eliten vergrößerte sich dadurch im weiteren Verlauf des Krieges zunehmend, was zur gesellschaftlichen Frontenstellung während des Krieges und darüber hinaus beitrug.
Britische Kriegsmarine erklärt die gesamte Nordsee zur Kriegszone...
Im November 1914 erklärte die britische Kriegsmarine die gesamte Nordsee zur Kriegszone und verhängte eine Distanzblockade. Schiffe, die unter der Flagge neutraler Staaten fuhren, konnten in der Nordsee ohne Vorwarnung das Ziel britischer Angriffe werden. Dieses Vorgehen der britischen Regierung verletzte geltendes Völkerrecht, darunter die Deklaration von Paris von 1856, die Großbritannien unterzeichnet hatte.
"Weihnachtsfrieden" an der Westfront
Am 24. Dezember und den beiden folgenden Tagen kam es an einigen Abschnitten der Westfront zum sogenannten Weihnachtsfrieden, einem unautorisierten Waffenstillstand unter den Soldaten. Beteiligt an dieser Weihnachtswaffenruhe, verbunden mit Verbrüderungsgesten, waren vermutlich über 100.000 hauptsächlich deutsche und britische Soldaten.
Die Ostfront: ...1914
Die russische Armee in Ostpreußen...
Da zwei russische Armeen entgegen den Annahmen des Schlieffen-Plans zwei Wochen nach Kriegsausbruch und damit unerwartet früh in Ostpreußen eindrangen, war die Lage an der Ostfront für das Deutsche Reich zunächst äußerst gespannt.
Die Deutschen waren aufgrund des Schlieffen-Plans an ihrer Ostfront eher defensiv eingestellt. Lediglich einige russisch-polnische Grenzstädte waren besetzt worden; dabei wurde Kalisz zerstört.
Nach der Schlacht bei Gumbinnen (19./20. August) musste die Ostpreußen verteidigende 8. Armee weitere Teile des Landes preisgeben.
"Die Russen" werden aus Ostpreußen vertrieben...
Als Folge dessen wurden die Truppen verstärkt und die bisherigen Befehlshaber durch Generalmajor Erich Ludendorff und Generaloberst Paul von Hindenburg ersetzt.
Der Sieg in der Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 31. August leitete die Sicherung Ostpreußens ein.
Dabei gelang deutschen Truppen die Einschließung und weitgehende Vernichtung der russischen 2. Armee (Narew-Armee) unter General Alexander Samsonow.
Vom 6. bis 15. September folgte die Schlacht an den Masurischen Seen, die mit der Niederlage der russischen 1. Armee (Njemen-Armee) unter General Paul von Rennenkampff endete.
Die russischen Truppen räumten daraufhin den größten Teil Ostpreußens.
Russland gegen Österreich-Ungarn
Russische Truppen besetzten nach der Schlacht in Galizien vom 24. August bis 11. September das zu Österreich-Ungarn gehörende Galizien.
Das österreichisch-ungarische Heer musste sich nach einem Vorstoß auf die galizische Hauptstadt Lemberg wegen der erdrückenden russischen Übermacht im September zu den Karpaten zurückziehen (Schlacht von Lemberg 26. August bis 1. September). Die erste Belagerung von Przemyśl vom 24. September bis zum 11. Oktober konnte abgewehrt werden.
Die deutschen 9. Armee eilt Österreich-Ungarns Truppen zur Hilfe...
Eine zur Entlastung der k. u. k. ("kaiserlich und königlich") Truppen Österreich-Ungarns von der neuformierten deutschen 9. Armee begonnene Offensive in Südpolen (vom 29. September bis 31. Oktober) mit dem Ziel, die Weichsel zu erreichen, schlug fehl.
Am 1. November wurde Generaloberst von Hindenburg zum Oberbefehlshaber Ost des deutschen Heeres ernannt.
Die russischen Truppen werden gestoppt...
Am 9. November begann die zweite, am 22. März 1915 für Österreich fatal endende Belagerung von Przemyśl.
- Przemyśl ist eine Stadt mit nahezu 60.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Karpatenvorland im äußersten Südosten Polens am Fluss San. Die Stadt liegt an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine.
Am 11. November die bis 5. Dezember andauernde deutsche Gegenoffensive im Raum Łódź (Polen), nach der die russischen Truppen zur Defensive übergingen.
Vom 5. bis 17. Dezember gelang es österreichisch-ungarischen Truppen, einen russischen Vorstoß auf Krakau aufzuhalten.
Stellungskrieg: ... bis zur Winterschlacht in den Karpaten
Danach verharrten die Gegner in weiten Frontbereichen zunächst im Stellungskrieg.
In der Winterschlacht in den Karpaten (Dezember 1914 bis April 1915) konnten sich die Mittelmächte gegen Russland behaupten.
- Die Karpaten sind ein Hochgebirge in Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa. Insgesamt acht Staaten haben Anteil an den Karpaten: Österreich, Tschechien, die Slowakei, Polen, Ungarn, die Ukraine, Rumänien und Serbien Die größten Anteile entfallen auf die Slowakei und Rumänien.
Österreich-Ungarn gegen Serbien
Der Ausgangspunkt des Krieges, der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, geriet angesichts der großräumigen Eskalation ab August an den Rand der Aufmerksamkeit.
Die drei Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee zwischen August und Dezember 1914 scheiterten überwiegend oder brachten lediglich Teilerfolge; im Dezember konnte Belgrad kurzzeitig eingenommen werden.
Die k. u. k. Armee musste also auch an diesem Kriegsschauplatz einen verheerenden Misserfolg hinnehmen.
Schwere Übergriffe auf die serbische Zivilbevölkerung:
Besonders die ersten k. u. k.-Offensiven waren von schweren Übergriffen gegen die serbische Zivilbevölkerung begleitet. Mehrere Tausend Zivilisten wurden getötet, Dörfer ausgeplündert und niedergebrannt. Die österreichische Armeeführung gestand die Übergriffe zum Teil ein und sprach von "unorganisierten Requisitionen" und "sinnlosen Repressalien".
Die serbische Armee war nach der Kraftanstrengung – gegen einen an Ressourcen mehrfach überlegenen Gegner – im Dezember am Ende ihrer Kräfte.
Außerdem waren in Serbien Seuchen ausgebrochen.
Kriegseintritt des Osmanischen Reiches
Am Morgen des 14. November rief der Scheich des Osmanischen Reiches Ülislam Ürgüplü Mustafa Hayri Efendi vor der Fatih-Moschee in Konstantinopel nach einem Edikt Sultan Mehmeds V. den Dschihad gegen die "Feinde des Osmanischen Reiches" aus.
- Dschihad ist ein arabischer Begriff, der "Anstrengung" oder "Bemühung" bedeutet und im Islam eine Anstrengung auf dem Weg Gottes beschreibt, was von inneren Kämpfen gegen das Böse bis hin zu militärischem Kampf reichen kann. Während der Begriff in seiner breiteren Bedeutung einen inneren Kampf gegen egoistische Triebe umfasst, interpretieren radikale Islamisten den Dschihad als einen gewaltsamen, militärischen "Heiligen Krieg" zur Verbreitung des Islam. Dieser militante Dschihad ist jedoch nicht die traditionelle oder einzige Auslegung des Begriffs.
Der Aufruf zeitigte eine verstärkende Wirkung auf die antibritische Stimmung in Afghanistan, die nach Kriegsende im Dritten Anglo-Afghanischen Krieg aufbrach.
Das Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn...
Die Deutschen Militärmissionen im Osmanischen Reich und der Bau der Bagdadbahn hatten schon vor dem Krieg die Beziehungen zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich intensiviert.
Am 1. August kam es zur brüskierenden Beschlagnahme zweier in Großbritannien bestellter und teilweise schon bezahlter Schlachtschiffe. Die Regierung des Osmanischen Reichs versuchte zunächst, sich in einer "bewaffneten Neutralität" aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Den herrschenden Jungtürken war klar, dass sie sich an eine Großmacht anlehnen mussten, um militärisch standhalten zu können.
Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zum Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das im Kabinett umstritten war.
Die osmanische Flotte überfällt russische Küstenstädte...
Am 27. September wurden offiziell die Dardanellen für die internationale Schifffahrt gesperrt. Nachdem die beiden Schiffe der deutschen Mittelmeerdivision unter Konteradmiral Wilhelm Souchon, Goeben und Breslau, der britischen Mittelmeerflotte entkommen und in Konstantinopel eingelaufen waren, überfiel die osmanische Flotte von Souchon befehligt am 29. Oktober russische Küstenstädte im Schwarzen Meer.
Kriegserklärung Russlands an das Osmanische Reich
Daraufhin erfolgte die Kriegserklärung Russlands an das Osmanische Reich am 2. November.
Auch Frankreich und Großbritannien erklären dem Osmanischen Reich den Krieg
Anfang November erklärten auch Frankreich und Großbritannien dem Osmanischen Reich den Krieg.
Die Mesopotamienfront: ...britisch-indische Truppen landen im Persischen Golf
Bereits kurz nach der Kriegserklärung landeten bereitgehaltene britisch-indische Truppen am 6. November bei Fao im Persischen Golf, um die britischen Erdölkonzessionen der Anglo-Persian Oil Company zu schützen.
Die Mesopotamienfront war damit eröffnet:
Nach mehreren Zusammentreffen mit schwächeren osmanischen Truppen gelang britisch-indische Verbänden bereits am 23. November die Einnahme von Basra.
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Der Aufruf des osmanischen Scheichs am 14. November zum Dschihad gegen die feindlichen Staaten...
... fand im Krieg nur bei einzelnen muslimischen Truppenteilen in britischen Diensten Widerhall, so bei indischen Moslems aus dem Pandschab, die in Singapur am 15. Februar 1915 meuterten.
Die Kaukasusfront: ...russische Offensive
An der Kaukasusfront eröffneten russische Truppen Anfang November die Offensive.
Der Kaukasus ist ein etwa 1100 Kilometer langes, von Westnordwest nach Ostsüdost verlaufendes Hochgebirge in Eurasien zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Er befindet sich auf den Territorien Russlands, Georgiens, Armeniens, Aserbaidschans und der Türkei.
Die Kaukasusfront war ein Nebenkriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg. Die Kriegsfront wurde eröffnet, als russische Truppen am 1. November 1914 die Grenze zur Türkei im Kaukasus überschritten. Das Russische Reich und das Osmanische Reich bildeten die Hauptkonfliktparteien in den Kämpfen im Kaukasus, in Ostanatolien und im Schwarzen Meer.
1917/18 schied Russland aus dem Krieg aus.
Mit Aserbaidschan, Großbritannien, Armenien, der Kommune von Baku und der Zentralkaspischen Diktatur traten im Anschluss neue Parteien in den Konflikt ein.
Osmanischen Gegenoffensive scheitert...
Schlacht von Sarıkamış:
Der Gegenangriff der osmanischen 3. Armee endete in deren ersten schweren Niederlage gegen die offensiv vorrückenden russischen Truppen in der Schlacht von Sarıkamış ("Türkei").
Auf russischer Seite waren armenische Freiwilligenbataillone an den Kampfhandlungen beteiligt, was die Stimmung gegen die Armenier in der jungtürkischen Führung verschärfte, obwohl sich die Volksgruppe mehrheitlich loyal zum Osmanischen Reich verhielt.
Der Erste Weltkrieg in Persien
Der Erste Weltkrieg in Persien war ein Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs.
Die Kampfhandlungen griffen Ende 1914 auf das Gebiet des neutralen Persien (Iran) über und dauerten in der Folge bis 1921 an.
Auf Seiten der Entente nahmen Truppen des britischen Empire und des Russischen Kaiserreiches teil.
Seitens der Mittelmächte waren in erster Linie osmanische Truppen sowie deutsche und österreichische Offiziere beteiligt, die als Militärberater persische Truppenteile befehligten.
Das einheimische Militär, vor allem die persische Kosakenbrigade und die persische Gendarmerie, kämpfte gegen die russischen und britischen Einheiten.
Irreguläre Stammesmilizen griffen regional in die Auseinandersetzungen ein.
Die Palästinafront
An der Palästinafront kam es vorerst zu keinen größeren Kampfhandlungen.
Die Palästinafront bzw. Sinaifront war ein Nebenkriegsschauplatz während des Ersten Weltkriegs. Von 1915 bis 1918 standen sich die Truppen des Britischen Empire und der Mittelmächte, die aus der osmanischen Armee, dem deutschen Asien-Korps und österreichisch-ungarischen Verbänden zusammengesetzt waren, in wechselvollen Kämpfen gegenüber.
Krieg in den Kolonien
Bereits am 5. August 1914 hatte das Londoner Committee of Imperial Defence beschlossen, unter einseitiger Interpretation der Verträge der Berliner Afrikakonferenz von 1884/85 ("Kongokonferenz") den Krieg auszudehnen und alle deutschen Kolonien anzugreifen oder durch französische, indische, südafrikanische, australische oder neuseeländische oder Truppen angreifen zu lassen.
Dabei kam es besonders in Afrika zu teils schweren Kämpfen.
Die von allen Seiten umzingelte Kolonie Togo wurde sofort eingenommen.
Kamerun war ebenfalls schwer zu halten: Bis zum Ende des Jahres 1914 zogen sich die deutschen Truppen in das Hinterland zurück. Dort entwickelte sich ein zermürbender Kleinkrieg, der sich bis 1916 hinzog.
Die Südafrikanische Union griff Deutsch-Südwestafrika an, das sich in der Schlacht bei Sandfontein vom 24. bis 26. September zunächst behaupten konnte. Bei den Angriffen der Südafrikanischen Union wirkte sich der antibritische Aufstand eines Teils der burischen Bevölkerung, der erst im Februar 1915 endgültig niedergeschlagen werden konnte, verzögernd aus.
Deutsch-Ostafrika verteidigte sich unter Paul von Lettow-Vorbeck verbissen und zwang die britischen Truppen in der Schlacht bei Tanga (2./4. November 1914) zunächst zum Rückzug.
Dank der deutschen Strategie von Rückzügen und Guerilla-Taktiken konnte sich die Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika bis zum Kriegsende halten.
Kriegserklärung Japans an Deutschland:
Am 23. August erfolgte die Kriegserklärung Japans an Deutschland. Die deutschen Kolonien im Pazifik, in denen keine Schutztruppen stationiert waren, wurden nahezu kampflos an Japan, Australien und Neuseeland übergeben.
Die deutsche Kolonie Kiautschou wurde während der Belagerung von Tsingtau erbittert verteidigt, bis Material und Munition aufgebraucht waren (Kapitulation 7. November 1914).
Der 1. Weltkrieg: ...Jahr 1915
Der U-Boot-Krieg ...des Deutschen Reiches
Am 4. Februar kündigte das Deutsche Reich offiziell den Beginn des U-Boot-Krieges gegen Handelsschiffe zum 18. Februar an.
See-Blockade Großbritanniens...
Die Gewässer um Großbritannien und Irland wurden gegen den Protest neutraler Staaten zum Kriegsgebiet erklärt, obwohl zur effektiven Blockade Großbritanniens nicht genügend U-Boote zur Verfügung standen.
Abschreckung von Handelsschiffen...
Mit dem Einsatz von U-Booten gegen Handelsschiffe beschritt Deutschland militärisch und völkerrechtlich neue Wege. U-Boote konnten die Regeln des Prisenrechts nur unvollkommen einhalten, zumal die zunehmende Bewaffnung der britischen Handelsschiffe die Sicherheit der Boote gefährdete.
- Das Prisenrecht (französisch prise 'Wegnahme') ist der Teil des Seekriegsrechts und damit auch des Kriegsvölkerrechts, der die Maßnahmen von Kriegsschiffen gegenüber neutralen und feindlichen Handelsschiffen – einschließlich Passagierschiffen – regelt.
Hinzu kam, dass den U-Boot-Kommandanten keine klaren Ausführungsanweisungen gegeben wurden. Die Marineführung ging offensichtlich davon aus, dass die meisten Versenkungen warnungslos erfolgen würden und dadurch gegenüber der neutralen Schifffahrt eine Abschreckung erzielt werde. Aufgrund der Proteste neutraler Staaten nach der deutschen Ankündigung wurde der U-Boot-Krieg jedoch insofern formell eingeschränkt, als keine neutralen Schiffe angegriffen werden durften.
Das britische Passagierschiff "Lusitania":
Am 7. Mai versenkte das deutsche U-Boot U 20 das britische Passagierschiff Lusitania, was eine Protestwelle vor allem in den USA auslöste.
Über 200 US-Amerikaner waren an Bord der Lusitania, als diese am 1. Mai 1915 den Hafen von New York City verließ...
...obwohl die deutsche Botschaft in Washington in Anzeigen davor gewarnt hatte, britische Schiffe zur Überfahrt zum Vereinigten Königreich zu benutzen.
Geschocktes "Amerika":
Für die Amerikaner bedeutete der Untergang der Lusitania und der Tod der vielen Amerikaner einen Schock, der ihnen deutlich machte, wie schwer es war, sich aus dem Weltkrieg herauszuhalten.
Als der Passagierdampfer am 7. Mai versenkt wurde, starben 1198 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter fast 100 Kinder und 127 US-Amerikaner.
Deutsche Regierung "gelobt Besserung"...
Deutschland versuchte, die Situation zu entschärfen, indem es bedauerte, dass amerikanische Staatsbürger gestorben waren, eine Entschädigung anbot und eine vorläufige Zusage machte, unbewaffnete Passagierschiffe nicht mehr ohne Vorwarnung zu versenken.
Der Kaiser stimmte am 1. und 6. Juni dem Ansinnen des Reichskanzlers zu (seinerzeit in dieser Frage noch unterstützt von der OHL), dem zufolge deutsche U-Boote keine neutralen Schiffe und generell keine großen Fahrgastdampfer versenken (eingeschränkter U-Boot-Krieg) sollten.
Großadmiral Tirpitz und Admiral Gustav Bachmann waren mit dieser Einschränkung des U-Kriegs nicht einverstanden (Verfechter des uneingeschränkter U-Boot-Krieg) und reichten deswegen umgehend Abschiedsgesuche ein, die der Kaiser in schroffer Form zurückwies.
Nach der Versenkung des Dampfers Arabic am 19. August 1915 durch U 24, bei der erneut Amerikaner ums Leben kamen, machte Botschafter Johann Heinrich von Bernstorff die nun geltenden Einschränkungen (eingeschränkter U-Boot-Krieg) der amerikanischen Regierung deutlich (Arabic pledge).
- "Arabic pledge " ("arabisches Pfand") bezieht sich typischerweise auf Ein Versprechen Deutschlands an die Vereinigten Staaten während des Ersten Weltkriegs nach der Torpedierung des Schiffes Arabic durch ein deutsches U-Boot im Jahr 1915: das Versenken von Passagierschiffen ohne Vorwarnung sollte eingestellt werden. Im Islam bezieht sich "Arabic pledge" auf die Bai'ah (Geständnis der Treue), eine Verpflichtung gegenüber Gott und einem Führer, die islamischen Prinzipien aufrechtzuerhalten und dem Herrscher zu gehorchen.
Die deutsche Presse wurde Ende August informiert und deren Chefredakteure – explizit Ernst Graf zu Reventlow, aber auch Georg Bernhard – vom Generalstab angewiesen, die von einigen Zeitungen geführten Kampagnen für den unbegrenzten U-Boot-Krieg und gegen die USA (aufgrund deren Noten) umgehend einzustellen.
Die Ostfront: ...1915
"Russen" in Ostpreußen endgültig besiegt...
An der Ostfront siegte das deutsche Heer vom 2. bis 27. Februar mit Hilfe der neu eingetroffenen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren über die Russen.
Die russischen Truppen zogen sich daraufhin endgültig aus Ostpreußen zurück.
Das Deutsche Reich sucht die Kriegsentscheidung im Osten...
Im November 1914 hatten Paul von Hindenburg und Erich von Ludendorff als sein Chef des Stabes das Oberkommando über alle deutschen Truppen der Ostfront erhalten und sich seitdem erfolgreich für den Versuch einer Kriegsentscheidung im Osten 1915 eingesetzt.
Ziel der deutschen Führung war es, die Sprengung der gegnerischen Koalition durch eine Schwächung Russlands vorzubereiten.
See-Blockade Großbritanniens...
Die Gewässer um Großbritannien und Irland wurden gegen den Protest neutraler Staaten zum Kriegsgebiet erklärt, obwohl zur effektiven Blockade Großbritanniens nicht genügend U-Boote zur Verfügung standen.
Abschreckung von Handelsschiffen...
Mit dem Einsatz von U-Booten gegen Handelsschiffe beschritt Deutschland militärisch und völkerrechtlich neue Wege. U-Boote konnten die Regeln des Prisenrechts nur unvollkommen einhalten, zumal die zunehmende Bewaffnung der britischen Handelsschiffe die Sicherheit der Boote gefährdete.
- Das Prisenrecht (französisch prise 'Wegnahme') ist der Teil des Seekriegsrechts und damit auch des Kriegsvölkerrechts, der die Maßnahmen von Kriegsschiffen gegenüber neutralen und feindlichen Handelsschiffen – einschließlich Passagierschiffen – regelt.
Hinzu kam, dass den U-Boot-Kommandanten keine klaren Ausführungsanweisungen gegeben wurden. Die Marineführung ging offensichtlich davon aus, dass die meisten Versenkungen warnungslos erfolgen würden und dadurch gegenüber der neutralen Schifffahrt eine Abschreckung erzielt werde. Aufgrund der Proteste neutraler Staaten nach der deutschen Ankündigung wurde der U-Boot-Krieg jedoch insofern formell eingeschränkt, als keine neutralen Schiffe angegriffen werden durften.
Das britische Passagierschiff "Lusitania":
Am 7. Mai versenkte das deutsche U-Boot U 20 das britische Passagierschiff Lusitania, was eine Protestwelle vor allem in den USA auslöste.
Über 200 US-Amerikaner waren an Bord der Lusitania, als diese am 1. Mai 1915 den Hafen von New York City verließ...
...obwohl die deutsche Botschaft in Washington in Anzeigen davor gewarnt hatte, britische Schiffe zur Überfahrt zum Vereinigten Königreich zu benutzen.
Geschocktes "Amerika":
Für die Amerikaner bedeutete der Untergang der Lusitania und der Tod der vielen Amerikaner einen Schock, der ihnen deutlich machte, wie schwer es war, sich aus dem Weltkrieg herauszuhalten.
Als der Passagierdampfer am 7. Mai versenkt wurde, starben 1198 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter fast 100 Kinder und 127 US-Amerikaner.
Deutsche Regierung "gelobt Besserung"...
Deutschland versuchte, die Situation zu entschärfen, indem es bedauerte, dass amerikanische Staatsbürger gestorben waren, eine Entschädigung anbot und eine vorläufige Zusage machte, unbewaffnete Passagierschiffe nicht mehr ohne Vorwarnung zu versenken.
Der Kaiser stimmte am 1. und 6. Juni dem Ansinnen des Reichskanzlers zu (seinerzeit in dieser Frage noch unterstützt von der OHL), dem zufolge deutsche U-Boote keine neutralen Schiffe und generell keine großen Fahrgastdampfer versenken (eingeschränkter U-Boot-Krieg) sollten.
Großadmiral Tirpitz und Admiral Gustav Bachmann waren mit dieser Einschränkung des U-Kriegs nicht einverstanden (Verfechter des uneingeschränkter U-Boot-Krieg) und reichten deswegen umgehend Abschiedsgesuche ein, die der Kaiser in schroffer Form zurückwies.
Nach der Versenkung des Dampfers Arabic am 19. August 1915 durch U 24, bei der erneut Amerikaner ums Leben kamen, machte Botschafter Johann Heinrich von Bernstorff die nun geltenden Einschränkungen (eingeschränkter U-Boot-Krieg) der amerikanischen Regierung deutlich (Arabic pledge).
- "Arabic pledge " ("arabisches Pfand") bezieht sich typischerweise auf Ein Versprechen Deutschlands an die Vereinigten Staaten während des Ersten Weltkriegs nach der Torpedierung des Schiffes Arabic durch ein deutsches U-Boot im Jahr 1915: das Versenken von Passagierschiffen ohne Vorwarnung sollte eingestellt werden. Im Islam bezieht sich "Arabic pledge" auf die Bai'ah (Geständnis der Treue), eine Verpflichtung gegenüber Gott und einem Führer, die islamischen Prinzipien aufrechtzuerhalten und dem Herrscher zu gehorchen.
Die deutsche Presse wurde Ende August informiert und deren Chefredakteure – explizit Ernst Graf zu Reventlow, aber auch Georg Bernhard – vom Generalstab angewiesen, die von einigen Zeitungen geführten Kampagnen für den unbegrenzten U-Boot-Krieg und gegen die USA (aufgrund deren Noten) umgehend einzustellen.
Die Ostfront: ...1915
"Russen" in Ostpreußen endgültig besiegt...
An der Ostfront siegte das deutsche Heer vom 2. bis 27. Februar mit Hilfe der neu eingetroffenen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren über die Russen.
Die russischen Truppen zogen sich daraufhin endgültig aus Ostpreußen zurück.
Das Deutsche Reich sucht die Kriegsentscheidung im Osten...
Im November 1914 hatten Paul von Hindenburg und Erich von Ludendorff als sein Chef des Stabes das Oberkommando über alle deutschen Truppen der Ostfront erhalten und sich seitdem erfolgreich für den Versuch einer Kriegsentscheidung im Osten 1915 eingesetzt.
Ziel der deutschen Führung war es, die Sprengung der gegnerischen Koalition durch eine Schwächung Russlands vorzubereiten.
Russland zum Separat-Frieden zwingen...
Da die allgemeine Lage im Osten – fast ganz Galizien war russisch besetzt – einen Separatfriedensvorstoß von Seiten der Mittelmächte vorerst wenig aussichtsreich erscheinen ließ, sollte mit militärischen Mitteln der Druck auf Russland erhöht werden.
- Der Begriff "Galizien" bezeichnet ein historisches Gebiet im heutigen Polen und der Ukraine. Das historische Galizien, auch Königreich Galizien und Lodomerien genannt, war ein Kronland der Habsburgermonarchie von 1772 bis 1918.
Zudem sollten neutrale Staaten, insbesondere auf dem Balkan (Griechenland und Rumänien!?), mutmaßlich zum Kriegseintritt auf Seiten der Mittelmächte bewogen werden.
Die Balkanhalbinsel (auch kurz Balkan, oft synonym mit Südosteuropa verwendet) ist eine geographisch nicht eindeutig definierte Halbinsel im Südosten Europas. Sie ragt in das Mittelmeer und ist nach dem Balkangebirge benannt. Der größte Staat auf der Halbinsel ist Griechenland, gefolgt von Bulgarien (in dem sich der Großteil des Balkangebirges befindet), Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Montenegro und dem Kosovo.
Der Kriegseintritt Italiens wird befürchtet:
Vor allem drohte mit dem zu erwartenden Kriegseintritt Italiens eine gefährliche strategische Situation für Österreich-Ungarn:
Die Russen hatten sich in der Winterschlacht in den Karpaten behaupten können, beim Kriegseintritt Italiens hätte einegroßräumige Zangenbewegung (zwischen dem Isonzo und den Karpaten) das militärische Ende der Donaumonarchie bedeuten können.
Ein Durchbruch in Westgalizien bis zum San sollte die russischen Verbände zum Rückzug aus den Bergen zwingen, da sie sonst ihrerseits die Einschließung fürchten mussten. Hierfür wurden im Frühjahr 1915 Teile des Westheers (die 11. Armee unter August von Mackensen) an die Ostfront verlegt.
Schlacht von Gorlice-Tarnów:
Vom 1. bis zum 10. Mai fand östlich von Krakau die Schlacht von Gorlice-Tarnów statt, in deren Verlauf den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen (4. Armee) ein unerwartet tiefer Einbruch in die russischen Stellungen gelang, schon Mitte Mai erreichten sie den San.
Die Schlacht markierte einen Wendepunkt an der Ostfront.
Der Erfolg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich-Ungarn vom Kriegsbeginn bis März 1915 Verluste von annähernd 2 Millionen Mann zu tragen hatte und zunehmend auf massive deutsche Hilfe angewiesen war.
Die "Bug-Offensive": ... "Großen Rückzug" Russlands
Ende Juni setzten die Mittelmächte ihren Angriff mit der Bug-Offensive fort.
Nach der Rückeroberung von Przemyśl am 4. Juni und Lemberg am 22. Juni schien die Abschnürung des Frontbogens in Russisch-Polen greifbar. Mit koordinierten Angriffen von Norden und Süden sollten die russischen Verbände dort eingeschlossen werden.
Die Oberste Heeresleitung stellte – einen solchen Erfolg vor Augen – Angriffe an anderen Fronten zurück.
Diese Planung von Ludendorff erschien Falkenhayn und Mackensen jedoch – angesichts der Erfahrungen in der Marneschlacht – als zu ambitioniert und wurde reduziert.
"Großer Rückzug" der Russischen Armee:
Die Bug-Offensive (29. Juni bis 30. September) und die Narew-Offensive (13. Juli bis 24. August) führten letztlich nicht zur Einschließung großer russischer Truppenteile, die russische Armee konnte aber zum "Großen Rückzug" gezwungen werden,
"Großen Rückzug": Räumung Polens, Litauens sowie großer Teile Kurlands und Verkürzung der russischen Front von 1600 auf 1000 Kilometer.
Einzelerfolge in Polen und Russland:
Bis zum September gelang den Mittelmächten die Einnahme wichtiger Städte wie Warschau (4. August), Brest-Litowsk ("Belarus") und Vilnius (Litauens).
In Russisch-Polen entstanden durch die Mittelmächte zwei Generalgouvernements: ein österreichisches in Lublin (Polen) und ein deutsches mit Sitz in Warschau.
In "Ober Ost", den Gebieten unter deutschem Oberbefehl (außer Russisch-Polen), wurde im Folgenden eine Besatzungspolitik zur intensiven wirtschaftlichen Ausbeutung des Landes und seiner personellen Ressourcen betrieben.
- "Ober Ost" ist eine Kurzfassung für "Oberbefehlshaber der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten" im Ersten Weltkrieg und bezeichnet somit ebenso eine Person beziehungsweise Institution wie das unter deren Herrschaft stehende besetzte Gebiet.
Die Ostfront: ... "Bilanz 1915"
Gegen Ende Septemberscheiterten weitere Offensiven der 10. Armee unter Ludendorff gegen Minsk und der österreichischen Truppen gegen Rowno.
Trotz der insgesamt höheren Verluste der russischen Armee blieb diese nach Abschluss des Großen Rückzuges (September 1915) weiterhin zahlenmäßig überlegen.
Die geplante Rückverlagerung großer Teile der deutschen Truppen an die Westfront konnte nicht im erhofften Ausmaße erfolgen.
Die Westfront: ... 1915
An der Westfront verfolgten die Alliierten zunächst die klassische Strategie, den großen deutschen Frontbogen zwischen Lille im Norden und Verdun im Süden durch Eindrücken der beiden Flanken abzuschnüren und dabei möglichst die für den Nachschub wichtigen Eisenbahnlinien zu unterbrechen.
Winterschlacht in der Champagne: ...deutsche Truppen halten die Front
Im Rahmen dieser Strategie kam es zunächst zur schon Ende 1914 vorbereiteten Winterschlacht in der Champagne (bis Ende März), bei der sich der Typus der Materialschlacht (in diesem Fall auf alliierter Seite) herausbildete: ...
...tagelanger, zum Trommelfeuer eskalierender Artilleriebeschuss, der die massive Demoralisierung und materielle Abnutzung des Gegners beabsichtigte, woraufhin der massive Angriff der Infanterie folgte.
Diese Taktik führte jedoch nicht zum Erfolg, da die Deutschen durch den Beschuss auf den Angriff gefasst waren und ihn aufgrund struktureller Vorteile des Verteidigers im Grabenkrieg aus den gut ausgebauten Unterständen mit Sperrfeuer und Maschinengewehr abweisen konnten.
Alliierte Angriffe auf den kleinen, strategisch bedrohlichen Frontbogen von Saint-Mihiel (Osterschlacht oder Erste Woëvre-Schlacht zwischen Maas und Mosel) schlugen ebenfalls fehl.
2te Flandernschlacht: ... deutsches "Giftgas"
Der Einsatz von Giftgas am ersten Tag der Zweiten Flandernschlacht, dem 22. April, gilt als "neues Kapitel in der Geschichte der Kriegsführung" und als:
"Geburtsstunde von modernen Massenvernichtungswaffen"
Im Gaskrieg während des Ersten Weltkrieges wurden zwar auch schon zuvor von den Alliierten Reizstoffe verwendet...
...am 22. April jedoch kam tödliches Chlorgas von Seiten der Mittelmächte zum Einsatz. Der Angriff galt international als klarer Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung und wurde propagandistisch entsprechend verwertet.
DEUTSCHER GASANGRIFF: ...per "Haberschen Blasverfahren"
Der Gasangriff wurde mit dem von der Windrichtung abhängigen Haberschen Blasverfahren geführt.
Das Habersche Blasverfahren ist eine Methode, die während des Ersten Weltkriegs von den Deutschen zur Freisetzung von Giftgas eingesetzt wurde, um den Feind zu attackieren. Hierbei wurden etwa 150 Tonnen Chlorgas aus Flaschen entlassen, das dann in die Gräben des Gegners wehte und dort zu schweren Verletzungen und Todesfällen führte.
Schon im März bauten Pioniere in den vordersten Gräben bei Ypern verdeckte Gasflaschen ein, aus denen das Gas abgeblasen werden sollte. Da Ostwind in Westflandern relativ selten ist, musste der Angriff mehrfach verschoben werden.
Am 22. April wehte beständiger Nordwind, so wurde das Gas am Nordteil des alliierten Frontbogens um Ypern abgeblasen.
Die Wirkung war deutlich gravierender als erwartet: Die französische 87. sowie die 45. (algerische) Division flohen in Panik, womit sich eine sechs Kilometer breite Lücke in der alliierten Front auftat. Die Zahl der Toten dieses Gasangriffes wurde zeitgenössisch mit bis zu 5000 angegeben, heutige Schätzungen liegen bei etwa 1200 Toten und 3000 Verwundeten.
Die deutsche Führung hatte eine solche Wirkung nicht erwartet und vermutlich deswegen nicht ausreichend Reserven für einen weiteren Vorstoß bereitgestellt, abgesehen davon beeinträchtigte das Gas die Angreifer.
Der Frontbogen wird von den Alliierten gehalten...
Der Frontbogen von Ypern (Ypern = Stadt in Belgien) wurde im Rahmen der Zweiten Flandernschlacht lediglich verkleinert und konnte von den britischen Truppen und der neu an der Front eingetroffenen kanadischen Division gehalten werden.
Aufgrund des Gaseinsatzes lagen die Verluste in der Zweiten Flandernschlacht bei den Verteidigern (etwa 70.000 zu 35.000 Alliierte Opfer) deutlich höher als bei den Angreifern, was für den Grabenkrieg im Ersten Weltkrieg ungewöhnlich war.
Die Lorettoschlacht:
Am 9. Mai versuchten Briten und Franzosen einen Durchbruch im Artois in der Lorettoschlacht.
Diese erbrachte trotz enormer Verluste (111.000 alliierte und 75.000 deutsche Soldaten) nur Teilerfolge und wurde Mitte Juni abgebrochen.
Vorteile des deutschen Grabenkampfs:
Auf der deutschen Seite gelang es zunehmend, die strukturellen Vorteile des Verteidigers im Grabenkrieg durch taktische Veränderungen weiter auszubauen:
Während traditionell die Verteidigung auf eine erste Linie in Vorderhangstellung konzentriert worden war (beste Übersicht und weites Schussfeld), gingen die deutschen Truppen aufgrund der materiellen Überlegenheit der Alliierten zunehmend dazu über, den Schwerpunkt der Verteidigung auf die zweite Linie in Hinterhangstellung zu verlegen. Damit blieb einerseits beim alliierten Durchbruch genug Zeit für die Heranführung von Reserven, andererseits war die überlegene alliierte Artillerie mangels direkter Sicht nicht mehr treffsicher genug, um die deutschen Stellungen auszuschalten.
Die Herbstschlachten: ... in der Champagne, bei La Bassée und Arras
Die letzten größeren Kampfhandlungen an der Westfront des Kriegsjahres 1915 waren alliierte Offensiven zwischen dem 22. September und dem 14. Oktober wiederum im Artois und in der Champagne.
Die Herbstschlacht in der Champagne und die Herbstschlacht bei La Bassée und Arras brachten bei hohen Verlusten und sukzessive steigendem Materialeinsatz kaum Ergebnisse: "Die Truppen der Entente mussten mit Verlusten von bis zu einer Viertelmillion Mann für minimale Geländegewinne bezahlen."
Die Mesopotanienfront: ... 1915
Am 19. Februar begann die Dardanellen-Operation der Alliierten mit dem Beschuss der türkischen Küstenforts entlang der Dardanellen (Meerenge in der Türkei) durch britische und französische Kriegsschiffe.
Ziel Konstantinopel:
Zunächst versuchten Minenräumer, die türkischen Minensperren in der Meerenge (Dardanellen) zu räumen, um das Ziel Konstantinopel direkt erreichen zu können.
Absicht der Alliierten war, das Osmanische Reich durch Bedrohung seiner Hauptstadt aus dem Krieg zu drängen und die Nachschubroute nach Russland durch die Dardanellen zu öffnen.
Landung an den Küsten der Dardanellen...
Am 18. März wurde ein Durchbruchsversuch durch die britisch -französischen Marinestreitkräfte unter Admiral John de Robeck unternommen, dabei wurden drei alliierte Schlachtschiffe versenkt und weitere beschädigt.
In der Folge beschlossen die alliierten Regierungen, die Öffnung der Dardanellen mit der Landung von Bodentruppen zu erzwingen. Zuvor hatten britische Militärs Truppenlandungen bei Alexandretta erwogen, um die südlichen Gebiete des Osmanischen Reichs vom anatolischen Kernland abzutrennen.
- İskenderun (historisch Alexandretta; nach Alexander dem Großen) ist eine Stadtgemeinde in der türkischen Mittelmeerregion.
- Das "anatolische Kernland" ist kein exakt definierter Begriff, wird aber im Allgemeinen für Zentralanatolien verwendet, die Region in der heutigen Türkei, die das Ursprungsgebiet der heutigen türkischen Staatsnation bildet. Geografisch entspricht es dem zentralen asiatischen Teil der Türkei, der auch die Landeshauptstadt Ankara umfasst.
Am 25. April begann die Landung der Alliierten auf der Halbinsel Gallipoli und an der gegenüberliegenden asiatischen Küste bei Kum Kale (gegenüberliegende Küsten der Dardanellen).
Alliierte Truppen hatten zuvor unter Missachtung der griechischen Neutralität unter anderen die Insel Limnos besetzt, um sie als Ausgangspunkt für Angriffe gegen das Osmanische Reich zu nutzen.
200 Handelsschiffe – gedeckt von 11 Kriegsschiffen – setzten 78.000 britische Soldaten der Mediterranean Expeditionary Force und 17.000 französische Soldaten des Corps expéditionnaire d'Orient an den Küsten der Dardanellen ab, darunter das Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) in seinem ersten Kriegseinsatz.
Schlacht um die Dardanellen...
Der Angriff der britisch -französischen Marinestreitkräfte schlug aufgrund des unerwartet heftigen türkischen Widerstandes fehl, wobei sich in der 5. Osmanischen Armee unter dem Oberbefehl von Otto Liman von Sanders insbesondere Mustafa Kemal als Kommandant der 19. Division hervortat und den Grundstein zu seinem Ruf als Volksheld legte.
Die Operation, in der insgesamt über 500.000 Soldaten der Alliierten eingesetzt wurden, musste bis zum 9. Januar 1916 mit einer umfassenden amphibischen Evakuierung abgebrochen werden. In der Schlacht verloren 110.000 Soldaten beider Seiten das Leben.
Völkermord an den Armeniern
Seit der Schlacht von Sarıkamış verdächtigte die jungtürkische Führung die Armenier zunehmend der Sabotage.
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- Die Armenier sind eine ethnische Gruppe, die überwiegend im armenischen Hochland zwischen Kleinasien und dem Südkaukasus lebt und eine eigene indogermanische Sprache spricht. Die größte armenische Bevölkerung lebt in der Republik Armenien, wo die Armenisch-Apostolische Kirche (Christen: altorientalischen Kirche) die dominierende Religion ist. Aufgrund von Verfolgung und Flucht, unter anderem während des Völkermords an den Armeniern, haben sich armenische Gemeinschaften weltweit, auch in Deutschland, verbreitet.
- Die Schlacht von Sarıkamış oder Sarikamisch war eine Schlacht an der Kaukasusfront des Ersten Weltkrieges. Sie endete mit einem entscheidenden Sieg des Russischen Kaiserreichs über das Osmanische Reich. Der Schlacht von Sarıkamış ging die Schlacht von Köprüköy voraus.
Die Kaukasusfront war ein Nebenkriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg. Die Kriegsfront wurde eröffnet, als russische Truppen am 1. November 1914 die Grenze zur Türkei im Kaukasus überschritten.
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Am 24. April begann in Konstantinopel eine Verhaftungswelle armenischer Intellektueller (heute nationaler Gedenktag in Armenien).
Der russische Außenminister Sasonow veröffentlichte am 24. Mai eine (schon am 27. April vorbereitete) internationale Protestnote, in der behauptet wurde, die Bevölkerung von mehr als 100 armenischen Dörfern sei massakriert worden. Vertreter der türkischen Regierung hätten das Morden koordiniert.
Am Tag darauf (25. Mai) verkündete der osmanische Innenminister Talât Pascha, die Armenier würden aus dem Kriegsgebiet nach Syrien und Mosul deportiert.
Am 27. und am 30. Mai erließ die Regierung des Osmanischen Reiches ein Deportationsgesetz, womit die systematische Phase des Völkermords an den Armeniern und des Völkermords an den Assyrern begann.
Reaktionen im Deutschen Reich:
Der deutsche Botschafter Hans von Wangenheim berichtete Kanzler Bethmann Hollweg schon im Juni von Talât Paschas Auffassung, dass "die Pforte den Weltkrieg dazu benutzen wollte, um mit ihren inneren Feinden – den einheimischen Christen – gründlich aufzuräumen, ohne dabei durch die diplomatische Intervention des Auslandes gestört zu werden".
Max Erwin von Scheubner-Richter, deutscher Vizekonsul in Erzurum, berichtete zudem Ende Juli, "dass das Endziel [des] Vorgehens gegen die Armenier die gänzliche Ausrottung derselben in der Türkei" sei.
- Ein Vizekonsul ist der Stellvertreter eines Konsuls und gehört zu den konsularischen Vertretungen eines Staates im Ausland. Er ist nicht primär ein Diplomat, sondern kümmert sich um verwaltende Aufgaben und die Interessen seiner Staatsangehörigen im Ausland, zum Beispiel bei Pass-, Visa- oder Rechtsangelegenheiten. Konsulate werden nach diplomatischem Rang in Generalkonsulate, Konsulate und Vizekonsulate eingeteilt.
Der deutsche Botschafter und Nachfolger Wangenheims, Paul Metternich, versuchte im Dezember 1915 bei der türkischen Regierung zugunsten der Armenier zu intervenieren und schlug der deutschen Reichsregierung vor, die Deportationen und Ausschreitungen öffentlich zu machen.
Dies wurde von Reichskanzler Bethmann Hollweg jedoch nicht gebilligt, er vermerkte hierzu vielmehr: "Die vorgeschlagene öffentliche Koramierung eines Bundesgenossen während laufenden Krieges wäre eine Maßregel, wie sie in der Geschichte noch nicht dagewesen ist. Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht."
Auch eine Intervention Papst Benedikts XV., der sich direkt brieflich an Mohammed V., den Sultan des Osmanischen Reiches, wandte, kam zu spät.
Der Genozid forderte bis Kriegsende schätzungsweise eine Million Todesopfer und wurde zeitgenössisch schon in seinen Vorläufern (Massaker und Pogrome 1895/96 und das Massaker von Adana 1909) als "Holocaust" bezeichnet.
- Der Begriff Holocaust stammt vom griechischen Adjektiv ὁλόκαυστος holókaustos, das "vollständig verbrannt" bedeutet und seit etwa 2500 Jahren bekannt ist.
Kriegseintritt Italiens
Am 23. Mai 1915 erklärte Italien Österreich-Ungarn den Krieg.
Das Deutsche Reich will Neutralität Italiens sichern...
Deutschland hatte zuvor seit Januar Österreich dahingehend unter Druck gesetzt, Italien das Trentino und weitere Gebiete abzutreten, um zumindest dessen Neutralität zu gewährleisten.
Auch nach der Kündigung des Dreibundes am 4. Mai wurden Italien immer umfangreichere Angebote unterbreitet, so am 10. Mai unter anderem die Abtretung des Trentino sowie des Isonzogebietes, weitgehend freie Hand in Albanien und anderes mehr.
- Dreibund: Der Dreibund war ein geheimes Defensivbündnis zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Italien, das am 20. Mai 1882 geschlossen wurde.
Öffentlicher Druck in Italien...
Andererseits hatte Italien mit den Alliierten verhandelt und im Londoner Vertrag am 26. April für den Fall eines Kriegseintrittes auf Seiten der Alliierten weiterreichende Zusagen erlangt.
Premierminister Antonio Salandra und Außenminister Sidney Sonnino hatten sich nach Monaten des Taktierens mit ausdrücklicher Zustimmung von König Viktor Emanuel III. für die Kriegserklärung an Österreich entschlossen.
Sie folgten dabei dem Druck der öffentlichen Meinung, wenngleich es weder in der Bevölkerung noch im Parlament zum Zeitpunkt der Kriegserklärung eine Mehrheit für den Krieg gab. Die Befürworter des Krieges gegen Österreich waren weit aktiver und konnten die wichtigsten italienischen Meinungsführer aus allen politischen Richtungen auf sich vereinen.
Der italienische Irredentismus konnte zum Beispiel auf Cesare Battisti zurückgreifen. Gabriele D'Annunzio – Schriftsteller und später Pionier des europäischen Faschismus – organisierte in Rom publikumswirksame Veranstaltungen und Massendemonstrationen für den Krieg.
- Der italienische Irredentismus (italienisch irredentismo von redenzione "Erlösung"; auch Panitalianismus genannt) zielte nach der Gründung des italienischen Nationalstaates 1861 darauf ab, im Rahmen der italienischen Einigung alle Gebiete, die ganz oder teilweise von einer italienischsprachigen Bevölkerung bewohnt waren bzw. südlich des Alpenhauptkamms lagen, in den neuen Staat einzugliedern. Zunächst konzentrierten sich die Bemühungen auf das Trentino und Triest, ab dem Ende des 19. Jahrhunderts aber auch Dalmatien, das Tessin und Istrien. Im Trentino wohnte eine kleine deutsche Minderheit, und Istrien und Dalmatien waren vor allem auf dem Land mehrheitlich von Kroaten besiedelt; alle drei Gebiete befanden sich damals unter der Herrschaft der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.
Der sozialistische Publizist Benito Mussolini plädierte schon seit Oktober 1914 für den Krieg, was zu seinem Parteiausschluss aus der Partito Socialista Italiano führte. Mussolini gründete daraufhin – vermutlich finanziert von Frankreich – seine eigene Zeitung Il Popolo d'Italia, mit der er weiterhin den Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente forderte.
Die Italienfront - 1915
Die Italienfront verlief vom Stilfser Joch an der Schweizer Grenze über Tirol entlang der Dolomiten, der Karnischen Alpen und des Isonzo bis zur Küste der Adria.
- Tirol ist sowohl in Österreich als auch in Italien zu finden, allerdings als zwei unterschiedliche Regionen: Das österreichische Bundesland Tirol umfasst Nord- und Osttirol, während Südtirol in Italien liegt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die historische Region Tirol 1919 durch den Friedensvertrag von Saint-Germain geteilt, wodurch Südtirol an Italien abgetreten wurde.
Damit befand sich Österreich-Ungarn ab sofort in einem Dreifrontenkrieg, was die Lage der Mittelmächte erschwerte.
Die Österreicher konnten zudem Teile der Italienfront zu Beginn der Kampfhandlungen nur ungenügend absichern, es kamen vielfach lediglich örtliche Milizen und Landsturm zum Einsatz, darunter 30.000 Standschützen.
1te - 4te "Isonzoschlacht" und 1te Dolomitenoffensive: ... Italien Misslingt der Durchbruch
Die Kampfhandlungen begannen am Isonzo unmittelbar nach der Kriegserklärung.
- Der Isonzo (italienisch), Soča (slowenisch), auch Sontig (historischer deutscher Name), Lusinç (furlanisch), ist ein Fluss in der historischen slowenischen Region Goriška und in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien.
Der eigentliche Beginn der Ersten Isonzoschlacht wird auf den 23. Juni angesetzt.
Trotz großer Überlegenheit und Gebietsgewinnen gelang den Italienern weder in dieser Schlacht (bis 7. Juli) noch in der unmittelbar darauf folgenden Zweiten Isonzoschlacht (17. Juli bis 3. August) ein entscheidender Durchbruch.
Dies gilt ebenfalls für die Dritte und Vierte Isonzoschlacht, hohe Verluste an Menschen und Material gingen ohne Änderungen am strategischen Gesamtbild einher.
Die Erste Dolomitenoffensive (5. Juli bis 4. August) als eigentlicher Beginn des Alpenkriegs passte sich ebenfalls in dieses Bild ein, sie bildete zudem ein weiteres Novum in der Militärgeschichte: Nie zuvor hatte es langdauernde Kampfhandlungen im Hochgebirge gegeben, die bis auf eine Meereshöhe von 3900 Metern stattfanden (Ortlerstellung).
- Die Ortlerstellung ist der Name einer strategischen Verteidigungslinie im Ersten Weltkrieg, die nach dem höchsten Berg Südtirols, dem Ortler (3905 m), benannt ist und in den Dolomiten verlief. Diese Gebirgsgruppe, auch bekannt als Ortler-Alpen oder Ortler-Cevedale-Gruppe, war ein zentraler Schauplatz des Gebirgskriegs zwischen Italien und Österreich-Ungarn.
Kriegseintritt Bulgariens
Verstärkung erhielten die Mittelmächte am 14. Oktober 1915 durch den Kriegseintritt Bulgariens.
Bulgarien hatte in den Balkankriegen seine Gebietsansprüche zur Schaffung eines "ethnischen Bulgarien" nicht durchsetzen können, praktisch alle im Ersten Balkankrieg gemachten Eroberungen mussten im Frieden von Bukarest 1913 wieder abgegeben werden, das Land war durch die Kriege zudem erheblich geschwächt.
_______________
- Die Balkankriege waren zwei Kriege der Staaten der Balkanhalbinsel in den Jahren 1912 und 1913 im Vorfeld des Ersten Weltkriegs. Als Folge wurde das Osmanische Reich in Europa bis in die heutigen Grenzen der Türkei verdrängt und musste große Gebiete an die Nachbarländer abtreten.
- Die Balkanhalbinsel (auch kurz Balkan, oft synonym mit Südosteuropa verwendet) ist eine geographisch nicht eindeutig definierte Halbinsel im Südosten Europas. Sie ragt in das Mittelmeer und ist nach dem Balkangebirge benannt. Der größte Staat auf der Halbinsel ist Griechenland, gefolgt von Bulgarien (in dem sich der Großteil des Balkangebirges befindet), Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Montenegro und dem Kosovo.
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Die Regierung von Wassil Radoslawow hatte so am 1. August 1914 zunächst die strikte Neutralität Bulgariens erklärt.
Die Mittelmächte und die Alliierten bemühten sich in der Folgezeit um Bulgarien, das wiederum seine Kriegsbeteiligung vom jeweiligen Angebot abhängig machen konnte.
Hierbei waren die Mittelmächte in der besseren Ausgangssituation, sie konnten den territorialen Interessen auf Kosten Serbiens und gegebenenfalls Rumäniens und Griechenlands (deren Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten erwartet wurde) leichter entgegenkommen als die Alliierten, so wurde den Bulgaren Makedonien, die Dobrudscha und Ostthrakien versprochen.
Die Mittelmächte bedrängten das Osmanische Reich, Bulgarien einen Grenzstreifen an der bulgarisch-osmanischen Grenze abzutreten, was in der Konvention von Sofia 6. September 1915 auch geschah.
Daraufhin und aufgrund des im Herbst 1915 relativ günstigen Kriegsverlaufs erklärte sich Bulgarien zu einer Zusammenarbeit mit den Mittelmächten bereit.
Die Kriegsbeteiligung war in Bulgarien äußerst umstritten, nach dem Beschluss der Regierung zum Kriegseintritt trugen die Oppositionsparteien – mit Ausnahme von Teilen der Sozialdemokraten – den Kriegskurs mit.
Bulgarien erklärt Serbien den Krieg
Die Mittelmächte wollten durch einen Angriff auf Serbien eine Landverbindung zum Osmanischen Reich herstellen.
Am 6. Oktober begann unter dem Kommando von Mackensen die Offensive der Mittelmächte gegen Serbien, am 14. Oktober erklärte Bulgarien Serbien den Krieg.
Damit stand den Serben eine erhebliche Übermacht gegenüber, die von den Alliierten mit einer Landung von Truppen nördlich von Thessaloniki nicht ausgeglichen werden konnte.
Griechenland verweigerte einen Kriegseintritt auf Seiten Serbiens mit Hinweis auf die unzureichende alliierte Unterstützung, obwohl es sich am 1. Juni 1913 in einem bilateralen Vertrag zur Unterstützung Serbiens verpflichtet hatte.
Nach dem Fall von Belgrad (9. Oktober) und Niš (5. November) zogen sich die Reste der serbischen Armee (etwa 150.000 Mann; bei Kriegsbeginn: 360.000 Mann) unter der Führung von Radomir Putnik mit etwa 20.000 Kriegsgefangenen in die albanischen und montenegrinischen Berge zurück.
Die serbischen Armee kam nach ihrer Neuformierung auf Korfu später an der Salonikifront wieder zum Einsatz.
Das besetzte Serbien wurde zwischen Österreich-Ungarn und Bulgarien aufgeteilt.
Andere Nebenfronten im Jahre 1915
Die Schlacht von Sarıkamış an der Kaukasusfront endet am 5. Januar 1915 mit einer schweren Niederlage für das Osmanische Reich.
An der Palästinafront unternahmen osmanische Truppen unter Friedrich Freiherr Kreß von Kressenstein ab Ende Januar eine erfolglose Offensive gegen den Suezkanal.
Die Kapitulation der deutschen Schutztruppe im Juli 1915 beendeten die Kämpfe im Südwesten Afrikas.
Ende November konnte der britische Vormarsch an der Mesopotamienfront (heute irakisches Gebiet) in der Schlacht von Ktesiphon (22.–25. November) von der osmanischen Armee unter dem faktischen Befehl von Colmar Freiherr von der Goltz gestoppt und das Expeditionskorps der British Indian Army am 7. Dezember in Kut eingeschlossen werden.
Politische und gesellschaftliche Entwicklungen - 1915
Die Alliierten: ...Ziel koordinierte Angriffe an allen Fronten 1916
Joseph Joffre, seit Anfang Dezember Oberbefehlshaber aller französischen Truppen, berief vom 6. bis 8. Dezember eine Konferenz der Alliierten in Chantilly ein, wo seit Oktober 1914 das Grand Quartier Général seinen Sitz hatte.
Um den Mittelmächten die Vorteile der "Inneren Linie" zu nehmen, wurden für Mitte 1916 koordinierte Angriffe an allen Fronten verabredet.
Die britische Regierung unter Herbert Henry Asquith musste im Mai des Jahres aufgrund der ungünstigen Kriegslage, insbesondere an den Dardanellen, unter Einbeziehung der bis dahin oppositionellen Konservativen umgebildet werden. Die Koalitionsregierung unter Asquith umfasste ein Munitionsministerium als Reaktion auf die Munitionskrise des Frühjahrs 1915.
Deutsches Reich: ...Versorgungskrise und Aufrufe zum Frieden
Im Oktober und November kam es in Deutschland angesichts der verschärften Lebensmittelbeschränkungen vor Lebensmittelläden, Ausgabestellen und Freibänken zunächst zu Krawallen, zunehmend aber auch zu Protestversammlungen ganz überwiegend weiblicher Demonstranten. Am 30. November wurden in Berlin bei einer Protestversammlung Unter den Linden 58 Frauen verhaftet, die Presse durfte darüber nicht berichten.
Schon im November 1914 waren die Preise für Getreide, Brot, Butter und Kartoffeln stark angestiegen, die städtischen Märkte wurden zu diesem Zeitpunkt von den Landwirten nur noch zögerlich oder überhaupt nicht beliefert.
Die Gründe der Versorgungsprobleme lagen im organisatorischen Unvermögen der Behörden – niemand hatte einen langen Krieg erwartet und vorbereitet – sowie im Wegfall des Lebensmittel- und des Salpeterimports (letzterer zur Düngerherstellung), zudem wurden der Landwirtschaft Pferde und Arbeitskräfte durch den Krieg entzogen.
Der Bundesrat legte Ende 1914 Höchstpreise für Brot, Kartoffeln und Zucker fest, im Januar 1915 folgten weitere Grundnahrungsmittel, sodass die Landwirte immer mehr versuchten, ihre Waren im "Schleichhandel" zu vermarkten. Ende 1915 notierte ein Beobachter: "Die Teuerung hat einen bedrohlichen Charakter angenommen […] Der Stimmungswandel in den letzten Wochen, seit Beginn der schärferen Lebensmittelbeschränkungen, ist sehr stark. Besonders die Frauen werden rabiat […] die Frauen rufen 'Gebt uns zu essen!' und 'wir wollen unsere Männer'".
Angesichts des florierenden Schwarzmarktes glaubte die Bevölkerung immer weniger der offiziellen Propaganda, der zufolge alleine die englische Seeblockade für die schlechte Lebensmittelversorgung verantwortlich sei. Die Folge der Unfähigkeit des Staates in der Ernährungsfrage war eine spätestens Ende 1915 beginnende schrittweise "Entfremdung der Bürger vom Staat, ja eine tatsächliche 'Delegitimierung' des Staates".
Die Reichstagsfraktion und der Parteivorstand der SPD beschlossen am 27. November, im Reichstag eine "Friedensinterpellation" mit der Frage einzubringen, wann und unter welchen Bedingungen Reichskanzler Bethmann Hollweg Friedensverhandlungen einzuleiten gedenke.
Bethmann Hollweg bemühte sich erfolglos um Rücknahme der Interpellation, am 9. Dezember wurde sie im Reichstag behandelt. Der Reichskanzler beantwortete die von Philipp Scheidemann vorgetragene Anfrage insofern, als "Sicherungen" (Annexionen) in Ost und West für den Frieden unabdingbar seien, im Ausland wurde dies als "Hegemonierede" gewertet.
Daraufhin lehnten 20 sozialdemokratische Abgeordnete in der Reichstagssitzung vom 21. Dezember die neuerliche Bewilligung von Kriegskrediten ab und gaben eine Erklärung ab, der zufolge Bethmann Hollweg "Annexionstreiber" begünstige.
Der 1. Weltkrieg: ...Jahr 1916
Balkanfront
Besetzung von Montenegro und Albanien:
Am 4. Januar griffen österreichische Truppen das Königreich Montenegro an, schon am 23. Januar kapitulierte König Nikola und ging nach Frankreich ins Exil
Das Fürstentum Albanien wurde ebenfalls zu etwa zwei Drittel durch das österreichisch-ungarische Heer besetzt.
Rückzug nach Korfu...
Die nach Montenegro und Albanien geflohenen serbischen Truppen zogen sich größtenteils nach Durrës (Stadt in Albanien) zurück, wo im Dezember 1915 ein italienisches Expeditionskorps gelandet war.
Im März 1916 evakuierten die Italiener von diesem Hafen 260.000 Menschen.
Darunter waren 140.000 serbische Soldaten, die auf die von den Franzosen zuvor annektierte Insel Korfu eingeschifft wurden und sich dort militärisch reorganisierten (im Juni Verlegung zur Orientarmee nach Thessaloniki). Die serbische Exilregierung unter Leitung von Nikola Pašić richtete auf Korfu ihren Sitz ein.
Unter den aus Durrës Evakuierten befanden sich 24.000 österreichische Kriegsgefangene, die zur sardischen Insel Asinara verbracht wurden, wo etwa 5.000 starben.
Die Italiener konnten in Albanien die Hafenstadt Vlora halten und damit ihr Machtgebiet in Südalbanien ausweiten.
In Montenegro war Viktor Weber Edler von Webenau vom 26. Februar 1916 bis zum 10. Juli 1917 Militär-General-Gouverneur.
In Albanien, das kein aktiver Kriegsteilnehmer war, wurde unter dem Vorsitz des Generalkonsuls August Ritter von Kral ein ziviler Verwaltungsrat eingerichtet. Durch die Beteiligung albanischer Führer und den Ausbau von Schulen und Infrastruktur versuchte die Besatzungsmacht, die Albaner für sich einzunehmen.
Westfront
Exkurs: Kriegstaktiken
Wendepunkt der Kriegsführung - "Schlüssel" zum Sieg
Die Belagerung von Port Arthur (Russisch-Japanischen Krieg):
Das an der Südspitze der chinesischen Halbinsel Liaodong gelegene Port Arthur, eigentlich Lüshunkou, war als einziger eisfreier Tiefwasserhafen Russlands im Fernen Osten die Basis des 1. Pazifischen Geschwaders und dadurch von strategischer Bedeutung für militärische Aktionen der russischen Pazifikflotte im Gelben Meer.
Der Verlust des Hafens und damit einer der wichtigsten Operationsbasen der Russen machte die Pläne einer Vereinigung des 1. und 2. Pazifischen Geschwaders zunichte und gilt als vorentscheidend für die Niederlage Russlands.
"Verdun- Schlüssel zum Sieg an der Westfront!?"
(Vorbild: Belagerung von Port Arthur)
Am 21. Februar begann die Schlacht um Verdun.
Ziel: Belagerung und Einnahme der Festungen auf den Höhen östlich der Maas
Die Einnahme der Stadt Verdun selbst war nicht das primäre Ziel der Operation, sondern die der Höhen des Ostufers der Maas (nach dem Vorbild der "Belagerung von Port Arthur"), die die eigene Artillerie in eine beherrschende Situation bringen und damit Verdun für Frankreich unhaltbar zu machen.
Die Schlacht um das Ostufer der Maas verlief in vier Phasen:
1te Phase:
Die erste Phase endete am 4. März, da der französische Artilleriebeschuss von den Höhen westlich der Maas das deutsche Vordringen an das Ostufer zum Stocken brachte.
2te Phase: "Hölle von Verdun"
In der zweiten Phase gab Falkenhayn dem Drängen der 5. Armee nach und ließ den erneuten Angriff auf das Ostufer der Maas unternehmen.
Die Höhe "Le Mort Homme" ("Toter Mann") wurde mehrfach eingenommen, jedoch nicht sehr lange gehalten. Le Mort Homme und die Höhe 304 gelten wegen der brutal geführten Kämpfe als Symbol für die "Hölle von Verdun", Le Mort Homme verlor durch den Beschuss sechs Meter an Höhe.
3te Phase:
In einer dritten Phase legten die Angreifer den Schwerpunkt wieder auf die Einnahme von Verdun selbst. Am 7. Juni frühmorgens kapitulierte Fort Vaux wegen Wassermangels, am 23. Juni begann mit 78.000 Mann ein Angriff auf der Linie Vaux-Fleury, der allerdings wiederum steckenblieb.
Mit der Verteidigung der Stadt Verdun wurde General Pétain beauftragt. Über die einzige Verbindungsstraße von Bar-le-Duc nach Verdun (zur "Voie Sacrée" - "Heilige Straße" - stilisiert) gelang es, die sogenannte Noria aufzubauen – der Nachschub über diese Straße wurde mit größtem Aufwand betrieben.
4te Phase:
Kurzfristig gelang den deutschen Truppen in einer vierten Phase bis zum 11. Juli einige Vorstöße in Richtung Ostufer der Maas. Es entbrannten heftige Kämpfe um die Ouvrage de Thiaumont (unmittelbar südwestlich von Douaumont).
Am Fort de Souville (etwa fünf Kilometer nordöstlich Verdun) blieb der deutsche Angriff endgültig stecken.
Falkenhayn befahl angesichts dessen und eingedenk des am 1. Juli begonnenen alliierten Angriffs an der Somme am Nachmittag des 12. Juli die Einstellung der Offensive.
Französiche Gegenoffensive:
Im Herbst ging die französische Armee bei Verdun zur Gegenoffensive über. Bis zum 16. Dezember eroberten die Franzosen fast sämtliche Gebiete zurück, die die Deutschen bei ihrer Offensive im Frühjahr eingenommen hatten.
Fazit:
Die Schlacht vor Verdun forderte 337.000 Mann Verluste bei den Deutschen (darunter 143.000 Tote), 377.000 Mann bei den Franzosen (162.000 Tote). Auf dem etwa 30 Kilometer breiten und 10 Kilometer tiefen Schlachtfeld waren mindestens 36 Millionen Granaten niedergegangen.
U-Boot-Krieg gegen Großbritannien: ...der Kaiser wird verärgert
Zu Beginn des Jahres 1916 wurde in der deutschen Führung erneut die Frage eines intensivierten U-Boot-Kriegs gegen Großbritannien diskutiert.
Nach der Ausschaltung Serbiens hielt Falkenhayn (Chef des Deutschen Generalstabs) den Moment für gekommen, flankierend zur Verdun-Offensive aktiver gegen Großbritannien vorzugehen, unter Inkaufnahme eines Bruchs mit den USA.
Vorläufiger Kompromiss...
In Verhandlungen erreichte der Reichskanzler Bethmann eine Aufschiebung der Entscheidung durch den Kaiser und einen vorläufigen Kompromiss: Intensivierung des U-Boot-Kriegs (u. a. Versenkung bewaffneter Handelsschiffe ohne Vorwarnung), aber keine Rückkehr zum uneingeschränkten U-Boot-Krieg.
"Unerhörte" Kampanne: ... Tirpitz wird entlassen
Anfang März begann eine vom Reichsmarineamt initiierte Kampagne von Teilen der Presse zugunsten eines uneingeschränkten U-Boot-Krieges ("Lieber Krieg mit Amerika als verhungern"), die den Kaiser jedoch schwer verärgerte ("Seine Majestät erblicken hierin ein unerhörtes, in letzter Stelle die Person des Kaisers als obersten Leiter der Reichspolitik und der Kriegführung vor dem ganzen Volke bloßstellendes Verfahren"), sodass Alfred von Tirpitz am 15. März von seinem Posten zurücktreten musste. Die Verschärfung des U-Boot-Kriegs wurde schon im April nach dem Sussex-Zwischenfall wieder rückgängig gemacht.
Skagerrakschlacht:
Am 31. Mai und 1. Juni kam es eher unabsichtlich zur Skagerrakschlacht (englisch: Battle of Jutland) und damit zur – gemessen an der Tonnage der beteiligten Schiffe (etwa 1,8 Mio. Tonnen Verdrängung) – "größten Seeschlacht der Weltgeschichte". Mehr als 8600 Seeleute starben, darunter der Schriftsteller Gorch Fock. Die deutsche Hochseeflotte entging mit Glück und taktischem Geschick der Vernichtung durch die britische Übermacht und konnte den Briten deutlich höhere Verluste beibringen als umgekehrt. An der strategischen Lage änderte dies indes nichts und bestätigte damit nur die britische Seeherrschaft.
Die Alliierten Großoffensiven: ... Mitte 1916
Entsprechend der Absprache in der Konferenz von Chantilly waren für Mitte 1916 drei alliierte Großoffensiven geplant:
- Der Angriff an der Somme
- Die Brussilow-Offensive
- eine weitere Isonzoschlacht.
Angriff an der Somme:
Der Angriff an der Somme am 1. Juli war ursprünglich unter französischer Führung geplant, aufgrund der Schlacht von Verdun übernahmen ihn weitgehend die Briten.
6. Isonzoschlacht:
An der Italienfront begann die 6. Isonzoschlacht erst am 4. August, da wegen des deutschen Angriffs auf Verdun auf Verlangen der Alliierten schon am 11. März ein Angriff (5. Isonzoschlacht) erfolgte und die Österreicher am 15. Mai die Südtiroloffensive (bis 18. Juni) eröffnet hatten, deretwegen die Brussilow-Offensive vorgezogen wurde und schon am 4. Juni begann.
- Der Isonzo (italienisch), ist ein Fluss in der historischen slowenischen Region Goriška und in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien.
Brussilow-Offensive - Ostfront: ...der erfolgreichste alliierte Großangriff
Mit der Brussilow-Offensive begann am 4. Juni der bis dahin erfolgreichste alliierte Großangriff.
Taktische Konsequenzen aus Misserfolgen...
Alexei Brussilow, seit März neuer Oberbefehlshaber der russischen Südarmee, hatte aus den bisherigen Misserfolgen taktische Konsequenzen gezogen: der Angriff erfolgte im Gegensatz zur bisherigen Vorgehensweise auf einer breiten Front (400 Kilometer Luftlinie), damit der Gegner nicht an einem vorhersehbaren entscheidenden Punkt Truppen konzentrieren konnte; die angreifende Infanterie wurde durch tiefe Unterstände geschützt, die bis zu 50 Meter an die feindlichen Linien vorgetrieben wurden (zuvor waren Angriffe über bis zu 1600 Meter Niemandsland üblich, was zu erheblichen Verlusten führte).
Zerschlagung von Österreich–Ungarischen k. u. k. Armeen:
Obwohl Brussilows zahlenmäßige Überlegenheit nicht groß war (für einen Angriff zu gering), konnte die 8. russische Armee bis zum 8. Juni östlich Kowel die 4. k. u. k. Armee nahezu vollständig zerschlagen, die 9. russische Armee rieb im Süden zwischen dem Dnjestr und den Karpaten die 7. k. u. k. Armee auf und eroberte wichtige Städte wie Czernowitz und Kolomea. Die Verluste für Österreich–Ungarn betrugen 624.000 Mann.
Rumänien schließt sich den Allierten an....
Brussilow konnte vor allem nahe der rumänischen Grenze weit vorstoßen (bis zu 120 Kilometer), was in Rumänien den Ausschlag zum Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten gab.
Kleinere Rückschläge...
Logistische Probleme verhinderten jedoch ein noch weiteres Vordringen, zudem schlugen unterstützende Angriffe nach altem Muster (auf engem Frontabschnitt) im Bereich der Pripjetsümpfe und bei Baranawitschy fehl, ebenfalls der Versuch, den Verkehrsknotenpunkt Kowel einzunehmen.
Fazit:
"Dennoch war die Brussilow-Offensive – nach dem Maßstab des Ersten Weltkriegs, in dem um jeden Meter Boden gekämpft wurde – der größte Sieg, den die Alliierten an irgendeiner Front errangen, seit an der Aisne der Stellungskrieg begonnen hatte."
Angriff an der Somme - Westfront: ...Massensterben und erste Panzer
Das BEF (British Expeditionary Force) unter dem Kommando von Douglas Haig übernahm die Führung des Angriffes an der Somme, da aufgrund der Schlacht von Verdun das französische Kontingent von 40 auf 11 Divisionen verringert worden war.
Der blutigsten Tag für die britischen Armee...
Nach achttägiger, ununterbrochener Artillerievorbereitung durch über 1500 Geschütze, bei der etwa anderthalb Millionen Granaten verschossen wurden, begann am 1. Juli 1916 der Angriff auf die deutschen Stellungen.
Der erste Tag der Somme-Schlacht wurde zum blutigsten Tag in der Geschichte der britischen Armee. Trotz des schweren Geschützfeuers waren zahlreiche deutsche Unterstände intakt geblieben, sodass die deutschen Soldaten dem britischen Angriff mit MG-Feuer begegnen konnten. Allein am ersten Tag der Somme-Schlacht starben 19.240 britische Soldaten, davon 8.000 in der ersten halben Stunde.
Die ersten Panzer...
Trotz der enormen Verluste ließ Haig die Offensive weiterführen. Am 15. September kam es dabei zum kriegshistorisch ersten Einsatz von Tanks (Panzer) seitens der Briten.
Die Kämpfe dauerten bis 25. November an, die Alliierten konnten im Brennpunkt der (in Luftlinie) etwa 30 Kilometer breiten Angriffsfront die deutsche Front um 8 bis 10 Kilometer eindrücken.
Die britischen und französischen Verluste für diesen bescheidenen Geländegewinn betrugen 624.000 Mann, auf deutscher Seite lagen die Verluste bei 420.000 Mann.
Die Zahlen der deutschen Verluste sind umstritten, britische Autoren rechnen die – vom deutschen Sanitätsbericht (dortige Verlustzahl: 335.688) angeblich nicht gleichermaßen wie in den entsprechenden alliierten Berichten erfasste – Zahl der Leichtverletzten hoch und kommen auf deutsche Verluste von bis zu 650.000 Mann.
Die Schlacht an der Somme war in jedem Fall die verlustreichste Einzelschlacht des Ersten Weltkriegs. Der 1. Juli als Beginn der Schlacht hat heute noch in Großbritannien eine gewisse Bedeutung als Gedenktag. Der britische Historiker John Keegan resümierte noch im Jahre 1998: "Für die Briten bedeutete die Somme-Schlacht ihre größte militärischen Tragödie im 20. Jahrhundert, ja in ihrer Geschichte überhaupt […]. Die Somme bedeutete für Großbritannien das Ende einer Epoche des lebensprühenden Optimismus, zu dem es nie wieder zurückgefunden hat". Das Bekanntwerden des Ausmaßes der Verluste an der Somme im Spätjahr 1916 war mitausschlaggebend für den Wechsel in der britischen Regierungsführung im Dezember von Herbert Henry Asquith zu David Lloyd George.
Südtiroloffensive und Isonzoschlachten:
Von Mai bis Juni führte die österreichisch-ungarische Armee in Südtirol eine Offensive gegen die italienischen Stellungen, die nach geringen Anfangserfolgen aufgrund der Lage an der Ostfront (Brussilow-Offensive) abgebrochen werden musste.
Die italienische Armee unternahm von März bis November mehrere Großangriffe am Isonzo (5., 6., 7. 8. und 9. Isonzoschlacht).
Dabei eroberten die Italiener die Stadt Görz und die Hochebene von Doberdò, weitere Erfolge der italienischen Armee blieben aus.
Italien erklärt nun auch dem Deutschen Reich den Krieg...
Am 28. August 1916 erklärte Italien auch dem Deutschen Reich den Krieg. Bereits von Mai bis November 1915 war eine verstärkte deutsche Division (Alpenkorps) zur Unterstützung des österreichisch-ungarischen Verbündeten an die Front in Südtirol verlegt worden, da die OHL Süddeutschland gefährdet sah.
Das Wetter kämpft mit...
Während des Gebirgskriegs in den Südalpen starben am 13. Dezember 1916 bei Dutzenden von Lawinenabgängen insgesamt mehrere 1000 italienische und österreichisch-ungarische Soldaten. Die Lawinenkatastrophe vom 13. Dezember 1916 gilt als eine der schlimmsten wetterbedingten Katastrophen in Europa.
Kriegseintritt Rumäniens
Am 27. August 1916 erklärte Rumänien Österreich-Ungarn den Krieg und hatte faktisch schon einige Tage zuvor den rumänischen Kriegsschauplatz eröffnet.
Rumänien war zwar 1883 dem Dreibund beigetreten, zu Kriegsbeginn blieb Rumänien in wortgetreuer Auslegung des Bündnisvertrages jedoch neutral.
- Als Dreibund wird ein geheimes Defensivbündnis zwischen dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien bezeichnet.
Innenpolitisch war Rumänien zunächst gespalten, die Liberalen unter dem Ministerpräsident Ion Brătianu favorisierten die Annäherung an die Entente, während die Mehrheit der Konservativen eher für Neutralität eintrat.
Die "großrumänische Einigung" in Form des Einschlusses der zu Österreich gehörenden Gebiete Siebenbürgens, des Banat und der Bukowina war zudem nur bei einem Kriegsbündnis gegen Wien zu erreichen.
Die Entente machte die gewünschten territorialen Avancen (ohne diese vollständig erfüllen zu wollen), sodass sich Rumänien auch angesichts der Erfolge der Brussilow-Offensive am 17. August 1916 vertraglich der Entente anschloss.
Rumänien verliert: ...das Deutsche Reich profitiert...
Zunächst konnte die zahlenmäßig weit überlegene, jedoch schlecht ausgerüstete rumänische Armee in Siebenbürgen einen umfangreichen Einbruch nach Ungarn erzielen.
Die 9. deutsche Armee unter dem Kommando des ehemaligen Chefs der OHL Falkenhayn schlug die Rumänen in der Schlacht bei Hermannstadt (26.–29. September). In einem – für den Ersten Weltkrieg eher untypischen – großflächigen Häuserkampf konnte bis zum 8. Oktober Kronstadt zurückerobert werden. Die Mittelmächte bauten eine klassische Zangenbewegung auf: Am 23. November überschritten bulgarische, türkische und deutsche Truppen ("Donau-Armee") von Südwesten her die Donau. Das mehrfach durch Luftschiffe und Schlachtflugzeuge bombardierte Bukarest wurde am 6. Dezember erobert.
Rumäniens Kriegseintritt brachte den Mittelmächten Vorteile, da sie im Verlaufe des Jahres 1916 die Erdölfelder von Ploiești und große landwirtschaftliche Kapazitäten übernehmen konnten, was Versorgungsmängel in Deutschland zunächst spürbar linderte.
Die Rumänen konnten mit russischer Hilfe lediglich den Nordosten ihres Landes halten, König Ferdinand wich mit der Regierung nach Iași aus.
Krise im Deutschen Reich: ...Folgen der Alliierte Großoffensiven
Während der schweren Krise, in die die deutsche Kriegsführung im Sommer 1916 durch den Allfrontenkrieg der Entente geriet, wurde Kaiser Wilhelm zunehmend bestürmt, sich endlich von Generalstabschef Erich von Falkenhayn zu trennen.
Der Kriegseintritt Rumäniens am 27. August bot den Anlass.
Die neue Führung (ab 29. August) mit Paul von Hindenburg und dessen Stabschef Erich Ludendorff - das "3. OHL" :
- brach die Offensivaktionen gegen Verdun ab
- und leitete umgehend Maßnahmen zur verstärkten wirtschaftlichen Mobilisierung ein (Hindenburg-Programm)
Die Ernennung der 3. OHL bedeutete aber auch eine politische Wende, die hin zur faktischen Militärdiktatur führte:
"Der Monarch rückte mit der Berufung des durch ihren Nimbus quasi unabsetzbaren Feldherrenduos Hindenburg/Ludendorff nicht nur noch weiter als bisher im Krieg in den Hintergrund, sondern geriet auch in den politischen Sog der OHL. […] Das unentbehrliche Feldherrenduo […] war […] bereit, weit über die militärischen Kompetenzen in die Politik einzugreifen, den Kaiser unter Druck zu setzen und selbst auf die Personalauswahl – dem Zentrum kaiserlicher Macht – entscheidenden Einfluß auszuüben."
Polnischen "Untertanen" in Kriegführenden Armeen...
Am 5. November wurde der bis 1915 russische Teil Polens von den Mittelmächten zum unabhängigen Königreich proklamiert. Erwartungen im Hinblick auf eine wesentliche militärische Unterstützung durch Polen erfüllten sich jedoch nicht, nur ein kleines nationalpolnisches Freiwilligen-Kontingent – bis Juli unter Führung von Józef Piłsudski – kämpfte auf Seiten der Mittelmächte.
Dieses Kontingent wurde zur Polnischen Wehrmacht erklärt.
Hunderttausende Soldaten polnischer Nationalität dienten zudem als jeweilige "Untertanen" in den deutschen, österreichisch-ungarischen und in den russischen Streitkräften, ohne dabei gesonderte nationale Verbände zu bilden.
Friedensangebot an die Alliierten
Nach der Einnahme Bukarests richteten die Mittelmächte am 12. Dezember ein Friedensangebot an die Alliierten, das Letztere am 30. Dezember ablehnten.
US Präsident Woodrow Wilson versucht erfolglos zu vermitteln...
Noch während die Überlegungen der Entente andauerten, die ihrer Antwort vorausgingen, richtete der amerikanische Präsident Woodrow Wilson am 21. Dezember 1916 überraschend eine eigene Friedensnote an die Kriegsparteien. Er versuchte, dem Friedensprozess eine klarere Richtung zu geben, indem er die kriegführenden Mächte aufforderte, ihre Kriegsziele zu präzisieren und öffentlich bekanntzugeben und auf dieser Basis eine Verständigung auszuloten.
Sowohl die Alliierten als auch Deutschland reagierten verhalten bis abweisend auf den Vermittlungsversuch. Während die Entente die Alleinschuld Deutschlands und seiner Verbündeten betonte, mit denen sie nicht auf eine Stufe gestellt werden wollte, und einige für die Mittelmächte kaum annehmbare Ziele aufzählte, lehnte die deutsche Regierung eine Beteiligung Amerikas an Friedensverhandlungen und die Veröffentlichung von Bedingungen ab.
Der 1. Weltkrieg: ...Jahr 1917
Verschärfung des U-Boot-Kriegs und Kriegseintritt der Vereinigten Staaten
Uneingeschränkter U-Boot-Krieg:
"U 35": Beschuss eines britischen Frachtschiffs im Mittelmeer durch das U-Boot U 35 im Frühjahr 1917. U 35 versenkte mindestens 226 Schiffe und ist damit das erfolgreichste Kriegsschiff der Weltgeschichte.
Am 8. und 9. Januar 1917 erreichte die Oberste Heeresleitung nach langem Drängen (seit Januar 1916, ultimativ seit Dezember 1916) die Zustimmung des Kaisers, den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zum 1. Februar wieder aufzunehmen.
Das vorausgegangene Friedensangebot der Mittelmächte (siehe oben) und dessen erwartete Ablehnung dienten auch der innen- und außenpolitischen Vorbereitung dieses Schrittes.
Aber erst die Antwortnote der Alliierten auf das unerwartete Vermittlungsangebot von Woodrow Wilson (vom 18. Dezember 1916), die am 12. Januar bekannt wurde, bewirkte einen weitgehenden innenpolitischen Schulterschluss. Wilson hatte darin unter anderem die Offenlegung der jeweiligen Kriegsziele erbeten. Der ansonsten durchaus regierungskritische Chefredakteur des Berliner Tageblatt, Theodor Wolff, notierte am 12. und 13. Januar: "Die Antwortnote der Entente an Wilson ist veröffentlicht." Sie gibt die Kriegsziele der Entente bekannt:
Lostrennung der früher eroberten Provinzen u. Gebiete von Deutschland, völlige Auflösung Österreich-Ungarns nach dem Nationalitätenprinzip, Verjagung der Türkei aus Europa etc.
Tiefes Entzücken bei den Alldeutschen u. ähnlichen Elementen:
Niemand kann noch behaupten, die Entente wolle nicht den Vernichtungskrieg u. sei zu Verhandlungen bereit. ...
Der Alldeutsche Verband (bis 1894 Allgemeiner Deutscher Verband) bestand von 1891 bis 1939. In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs zählte er zeitweise zu den größten und bekanntesten Agitationsverbänden. Er wurde als eine der lautstärksten, mächtigsten und einflussreichsten Organisationen des völkischen Spektrums wahrgenommen. Sein Programm war expansionistisch, pangermanisch, militaristisch, nationalistisch sowie von rassistischen und antisemitischen Denkweisen bestimmt. Regional war der Alldeutsche Verband in Ortsgruppen organisiert, die auch im Ausland existierten.
[…] Der Kaiser richtet infolge der Entente-Antwort einen Appell an das Volk. Alles ist jetzt in Vorbereitung für den unbeschränkten U-Boot-Krieg." Die Mittelmächte lehnten den Vermittlungsvorschlag Wilsons ab und teilten den USA am 31. Januar gleichzeitig die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Bootkrieges mit.
Am 3. Februar beantworteten die USA dies mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland.
Die USA erklärt dem Deutschen Reich den Krieg
Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg,
Nachdem Präsident Wilson vier Tage vorher den US-Kongress zur Teilnahme am Kreuzzug der "friedensliebenden" Demokratien gegen die "militärisch-aggressiven" Autokratien der Erde aufgefordert hatte.
Beide Häuser des Kongresses stimmten mit überwältigender Mehrheit zu. Die tieferen Ursachen für diese Entwicklung lagen zunächst in der Auffassung, dass sich die jeweiligen Vorstellungen einer globalen Nachkriegsordnung gegenseitig ausschlossen und die deutschen kontinentaleuropäischen Hegemonialabsichten und weltpolitischen Ambitionen mit den amerikanischen Interessen nicht in Einklang zu bringen waren.
Schon vor dem Krieg war man in den Vereinigten Staaten zunehmend zu der Ansicht gekommen, dass die mit dem Tirpitz-Plan verbundene politische Strategie langfristig den amerikanischen Interessen – unter anderem der Monroe-Doktrin – widersprach.
- 1897 wurde von Tirpitz Staatssekretär im Reichsmarineamt. In dieser Funktion konnte er wichtige Entscheidungen mittragen. So hoffte Wilhelm II, dass Alfred von Tirpitz ihn beim Plan, die Flotte auszubauen, unterstützen würde. Dieser Plan wurde auch "Tirpitz-Plan" genannt.
Die Monroe-Doktrin ist eine außenpolitische Strategie der USA aus dem Jahr 1823, die besagt, dass die Westliche Hemisphäre für europäische Kolonisierung oder Einmischung nicht offen ist. Sie war eine Reaktion auf die Unabhängigkeitskriege in Lateinamerika und diente dazu, die Unabhängigkeit der neuen amerikanischen Staaten zu sichern, indem sie jeden Versuch Europas, das monarchische System auf die Amerikas auszudehnen, als feindlich ansah.
Weiterhin war die Einstellung führender amerikanischer Gelehrter und Politiker Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt von tiefem Misstrauen gegenüber dem deutschen kulturellen Überlegenheitsanspruch und der deutschen Staatsidee.
Die zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtungen mit der Entente seit Kriegsbeginn, Berichte über tatsächliche und angebliche deutsche Kriegsgräuel wie der Bryce-Report und Schiffsversenkungen mit amerikanischen Opfern – namentlich jene der Lusitania – verstärkten die antideutsche Stimmung.
Zunächst galten die zunehmenden Rüstungsanstrengungen seit Kriegsbeginn jedoch nicht einem Kriegseintritt, sondern dem potenziellen Kriege nach diesem Krieg.
Noch in der Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl vom 7. November 1916 setzte Wilson einen Schwerpunkt auf die Aufrechterhaltung der amerikanischen Neutralität, was nach Wilsons Wahlsieg dem Entschluss der deutschen Reichsleitung zuträglich war, die Kriegsführung weiter zu eskalieren.
Entscheidend für die Entwicklung zum Kriegseintritt war die deutsche Reaktion auf Wilsons Friedensinitiative vom 18. Dezember 1916 (siehe oben). Die vertrauliche und sogleich relativierte Übermittlung der deutschen Friedensbedingungen – de facto eine Ablehnung des Vermittlungsangebotes – erfolgte gleichzeitig mit der Ankündigung der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Reich.
Dabei erklärte Deutschland, dass auch Schiffe neutraler Staaten, also auch der USA, in einer von Deutschland definierten Kriegszone versenkt würden. Wilson nahm dies zunächst ungläubig und dann mit tiefer Enttäuschung auf.
Obwohl die Mehrzahl von Wilsons Beratern – vor allem Robert Lansing und Edward Mandell House – nun definitiv zum Krieg drängten, brach Wilson am 3. Februar 1917 lediglich die diplomatischen Beziehungen zum Kaiserreich ab und wollte zunächst abwarten, ob die Reichsleitung ihre Drohung wahr machte.
Am 24. Februar 1917 erhielt die amerikanische Regierung Kenntnis von einem abgefangenen Telegramm des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, der Zimmermann-Depesche, die am 1. März 1917 in der The New York Times veröffentlicht wurde. Darin unterbreitete Deutschland der Regierung von Mexiko ein Bündnisangebot für den Kriegsfall und signalisierte "reichlich finanzielle Unterstützung und Einverständnis", wenn Mexiko "in Texas, Neu-Mexiko, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert".
Nach dieser Neuigkeit konnte an der Kriegsbereitschaft der amerikanischen Bevölkerung kein Zweifel mehr bestehen, im März waren zudem durch deutsche U-Boot-Angriffe erneut amerikanische Staatsbürger ums Leben gekommen.
Kriegserklärung an Österreich-Ungarn:
Nach der Kriegserklärung an Deutschland erfolgte im Dezember 1917 jene an Österreich-Ungarn.
"Steckrübenwinter" in Deutschland:
Im Winter 1916/17 kamen mehrere Entwicklungen zusammen, die zum sogenannten Steckrübenwinter führten, unter anderem eine wetterbedingt besonders schlechte Ernte.
Das verzerrte Preisgefüge (siehe oben) brachte es mit sich, dass es für Produzenten profitabler war, Kartoffeln und Brotgetreide als Futtermittel zu verwenden oder an Brennereien zu verkaufen.
Im Februar sank die durchschnittliche Tagesration auf 1.000 Kilokalorien pro Tag (Durchschnittsbedarf: 2.410 Kilokalorien), die Schwierigkeiten in der Nahrungsmittelversorgung eskalierten.
Der Steckrübenwinter verursachte zugleich einen tiefen Einschnitt in der kollektiven Wahrnehmung der gesellschaftlichen Solidarität (Produzenten gegenüber Konsumenten) und der Fähigkeiten des Staates bei der Ernährungsversorgung.
"Februarrevolution" in Russland: ...der Zar dankt ab
Die Anforderungen des ersten "industriellen" Krieges überstiegen zunehmend die Kräfte des weitgehend von der Agrarwirtschaft geprägten Russischen Kaiserreiches und führten zu einer Zuspitzung der ohnehin gravierenden sozialen Probleme.
Hinzu kam die Seeblockade der Ostsee und der Dardanellen, sie hatte wesentlichen Anteil an der Erschöpfung Russlands im Laufe des Krieges: Durch die Ostsee gingen vor dem Krieg 70 Prozent der Importe in das Zarenreich, die restlichen 30 Prozent liefen ganz überwiegend über das Schwarze Meer.
Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen, zunehmender Inflation und vor allem aufgrund des starken Nahrungsmangels organisierten in erster Linie Arbeiter- und Soldatenfrauen und erstmals auch Bauernfrauen am 23. Februar (deswegen später Datum des Internationalen Frauentages) in Petrograd Massendemonstrationen, die bereits am 26. Februar auf die Petrograder Garnisonstruppen übergriffen und sich zur Februarrevolution ausweiteten.
Aus Arbeiterkomitees bildeten sich wie schon 1905 Räte (Sowjets), die die Forderungen der Demonstranten vertraten und politisch durchzusetzen versuchten. An der Spitze der Räte stand ein Exekutivkomitee, das zunächst mehrheitlich aus Menschewiki und Sozialrevolutionären zusammengesetzt war. Am 1. März erließ der Petrograder Sowjet den Befehl Nr. 1, dem zufolge nur Befehle der Regierung zu befolgen seien, die nicht jenen des Sowjets widersprachen – was der Sowjet auch durchsetzen konnte.
- Die Menschewiki (wörtlich "Minderheitler") waren eine Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR).
Der Zar dankt ab:
Die in der Duma vertretenen bürgerlichen Parteien bildeten parallel eine provisorische Regierung unter Ministerpräsident Georgi Lwow und konnten den Zaren zur Abdankung überreden (3. Mär).
- Die Duma ("Judikative") ist das direkt gewählte Unterhaus der Föderationsversammlung Russlands. Neben dem Föderationsrat, dem Oberhaus im russischen Zweikammersystem, ist sie das höchste gesetzgebende Organ Russlands. Ihr rechtlicher Status ist in Kapitel 5 der Verfassung der Russischen Föderation geregelt. Formal beschließt die Duma die bundesweit geltenden Bundesgesetze und leitet diese zur Zustimmung an den Präsidenten weiter. Sie hat de jure das Recht, der Regierung das Vertrauen zu entziehen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einzuleiten. Heute: Allerdings sind die realen Kompetenzen des Parlaments durch die starke präsidiale Machtstruktur begrenzt. Alle derzeit in der Duma vertretenen Parteien gelten als kremltreu, dementsprechend werden viele Gesetze einstimmig verabschiedet.
- Eine Föderation ist ein politisches oder organisatorisches Bündnis, bei dem mehrere autonome Einheiten wie Staaten oder Organisationen einen Gesamtstaat oder eine Dachorganisation bilden. Die Gliedstaaten behalten eine begrenzte Eigenständigkeit, während sie für gemeinsame Ziele zusammenarbeiten. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind Beispiele für föderale Staaten (Bundesstaaten).
Dadurch kam es zu einem als "Doppelherrschaft" bezeichneten Schwebezustand zwischen der provisorischen Regierung und den Sowjets.
Zur Enttäuschung großer Teile der russischen Bevölkerung entschied sich die provisorische Regierung zur Weiterführung des Krieges, die Sowjets in ihrer damaligen Zusammensetzung folgten in diesem Punkt dem Kurs der Regierung.
Die Alliierten werteten die Vorgänge in Russland überwiegend positiv, denn Russland stellte als antidemokratischer Staat ein Problem für die alliierte Propaganda dar, die stets den Kampf der Demokratie gegen die Willkürherrschaft betonte.
Lenin kehrt zurück nach Russland... Aprilthesen: Schluss mit dem Krieg!
Die deutsche Führung ermöglichte es, dass am 21. Märzjul. / 3. Aprilgreg. Lenin und 30 weitere führende Bolschewiki – streckenweise in einem deutschen Zug – aus dem Schweizer Exil über Finnland nach Russland zurückkehren konnten.
- Die Bolschewiki (wörtlich übersetzt "die Mehrheitler"), eingedeutscht auch Bolschewiken oder Bolschewisten, waren eine radikale Fraktion unter der Führung von Wladimir Lenin innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR).
Der "bolschewistische" (Mehrheits-) Flügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands, dessen Führer seit der Revolution von 1905 zumeist im Exil lebten, hatte von Kriegsbeginn an gegen die Kriegspolitik der eigenen Regierung zu mobilisieren versucht und die "Umwandlung des gegenwärtigen imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg" propagiert, jedoch zunächst ohne großen Erfolg.
Die Reichsregierung, die über den Mittelsmann Alexander Parvus Kontakt zu dem in der Schweiz lebenden Lenin hergestellt hatte, unterstützte in der Folge die Revolutionäre mit großen Geldmengen (vermutlich mehrere Millionen Mark), um den russischen Staat zu destabilisieren.
Unmittelbar nach seiner Rückkehr veröffentlichte Lenin am 7. April seine Aprilthesen, in denen er seine Ansichten zur weiteren Entwicklung der Revolution darlegte und die sofortige Beendigung des Krieges forderte, was in der kriegsmüden Bevölkerung auf große Zustimmung stieß.
Russisches Regierungs-Konzept: ... "Frieden ohne Niederlage" - Die Kerenski-Offensive
Die Veröffentlichung der Miljukow-Note (Fortführung des Krieges, kein Sonderfrieden) ausgerechnet am "Kampftag der Arbeiterbewegung" (18. Apri) fachte die ohnehin angeheizte Stimmung der demonstrierenden Massen weiter an und löste die "April-Krise" aus, die zu einer Regierungsumbildung unter Beteiligung der in den Sowjets vertretenen gemäßigt-linken Parteien führte.
Kerenski-Offensive:
Alexander Kerenski – Kriegsminister in der am 6. Mai gebildeten ersten Koalitionsregierung und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatensowjets – setzte seinem Konzept des "Friedens ohne Niederlage" gemäß die Durchführung einer später nach ihm benannten Kerenski-Offensive mit den Zielen Brzezany, Lemberg und Wilna durch.
Der Angriff begann am 29. Juni mit Artilleriebeschuss in an der Ostfront bis dahin ungekannter Intensität, sein Schwerpunkt lag im Bereich Stanislau, über das hinaus die russische Armee bis nach Kalusz vordrang (11. Juli), um sich daraufhin festzulaufen.
Auch an den anderen Frontabschnitten misslang der Angriff.
In der Folge kam es zu Massendesertationen und Auflösungserscheinungen der russischen Armee, Kerenski stellte am 25. Juli die Offensive ein.
Gegenangriff der Mittelmächte...
Im Gegenangriff drangen die Mittelmächte bis nach Tarnopol und Czernowitz (3. August) vor, womit die Rückeroberung von Ost-Galizien und der Bukowina einherging.
In Russland selbst kam es Anfang Juli zu einem Putschversuch der Bolschewiki, der durch das Militär niedergeschlagen wurde.
Lenin floh daraufhin nach Finnland.
Im September eroberten deutsche Truppen die Stadt Riga und im Oktober im Unternehmen Albion die baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon, woraufhin der militärische Widerstand der russischen Armee nahezu zusammenbrach.
Als Ende September General Kornilow einen Putschversuch unternahm, musste Kerenski zur Verteidigung der Revolution auf die Bolschewiki zurückgreifen, was mit der faktischen und rechtlichen Rehabilitation einherging.
Anfang November eskalierte die Situation in Russland.
Lenin und die Oktoberrevolution: ...Friedensvertrag von Brest-Litowsk
Durch die von dem inzwischen aus Finnland zurückgekehrten Lenin geführte Oktoberrevolution vom 24. Oktober bis 25. Oktober wurde die provisorische Regierung gestürzt und die Macht von den Bolschewiki übernommen.
Bereits am 26. Oktober wurde von den neuen russischen Machthabern das Dekret über den Frieden erlassen, wodurch sich für die Mittelmächte eine starke militärische Entlastung an ihrer Ostfront anbahnte.
Am 5. Dezember wurde ein später mehrfach verlängerter zehntägiger Waffenstillstand zwischen den Mittelmächten und Russland vereinbart und am 22. Dezember in Brest-Litowsk die zunächst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet, die am 3. März 1918 mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk endeten.
Westfront: ...Das Deutsche Reich in der Defensive
Im März 1917 zogen sich die im mittleren Abschnitt der Westfront an der Somme stehenden deutschen Truppen im Unternehmen Alberich in die stark ausgebaute Siegfriedstellung zurück.
Dies verkürzte die Frontlinie um 50 Kilometer.
Die eigentliche Bewegung wurde innerhalb von drei Tagen, vom 16. bis 19. März, durchgeführt. Dieser Rückzug und die Verschärfung des Seekrieges waren Konsequenzen der Großschlachten des Jahres 1916 bei Verdun und an der Somme; die deutschen Truppen waren angeschlagen.
Die Initiative ging von der Heeresgruppe "Kronprinz Rupprecht" aus, die sich gegen den Widerstand von Ludendorff durchsetzte.
Die Siegfriedstellung:
Der Bau der Siegfriedstellung war die wohl größte Baumaßnahme des Ersten Weltkrieges; die Arbeit wurde vorwiegend von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern geleistet.
Deutsche Truppen verwüsteten weisungsgemäß vor dem taktischen Rückzug das freizugebende Gebiet systematisch ("Verbrannte Erde"), verminten es teilweise (auch mit Sprengfallen) und deportierten seine Bewohner. Ortschaften wie zum Beispiel Bapaume wurden gesprengt, insgesamt 150.000 Personen deportiert, so etwa alle 40.000 Einwohner von Saint-Quentin.
Militärisch war die Operation ein Erfolg: sie verbesserte die Lage der deutschen Truppen durch die Verkürzung der Front und den Rückzug auf die gut ausgebaute Siegfriedstellung, die Angriffsplanungen der überraschten Alliierten für das Frühjahr 1917 liefen zunächst ins Leere.
Die Wirkung auf die öffentliche Meinung im Ausland war dagegen ähnlich verheerend wie die Operation, die im betroffenen Gebiet "das zivile Leben vollständig zerschlug und eine historische Landschaft zu einer Wüste werden ließ".
Die Alliierten: ...kombinierte Offensive
In der zweiten Konferenz in Chantilly (Standort des französischen Hauptquartiers) hatten die Alliierten im November 1916 wiederum eine kombinierte Offensive vereinbart.
Schlacht bei Arras:
Der für diese Offensive zum gemeinsamen Oberbefehlshaber bestimmte Robert Nivelle wählte die nordfranzösische Stadt Arras als Ausgangspunkt eines am 9. April begonnenen Angriffs (Schlacht bei Arras) durch das britische Heer (darunter kanadische und neuseeländische Einheiten).
Nach dem Fehlschlag an der Somme kehrten die Alliierten zum taktischen Konzept von 1915 zurück: Der immer noch große deutsche Frontbogen zwischen Lille im Norden und Verdun im Süden sollte durch Eindrücken der beiden Flanken abgeschnürt werden. Hauptziel der Franzosen war dabei die Einnahme des Chemin des Dames. Der Angriff bei Arras überraschte die deutschen Truppen unter dem in der Folge abgelösten General Ludwig von Falkenhausen. Das Ausmaß des bevorstehenden Angriffs war der deutschen Aufklärung, nicht zuletzt aufgrund von 24.000 in der "Tunnelstadt" von Arras versteckten Soldaten, verborgen geblieben.
Abgesehen davon war der Materialeinsatz deutlich höher als an der Somme im Vorjahr. Den Kanadiern gelang die Einnahme eines strategisch wichtigen Höhenzuges bei Vimy, der Vormarsch blieb danach aber stecken.
Schlacht an der Aisne:
Der Hauptangriff der französischen Armee folgte wenig später an der Aisne (Fluß im Nordosten Frankreichs) (Schlacht an der Aisne) und in der Champagne.
Der französische Angriff 130 Kilometer weiter südlich war trotz Geländegewinnen ein Fehlschlag, der Chemin des Dames als Operationsziel konnte nicht genommen werden.
Fazit:
Beide Offensiven mussten bereits im Mai nach hohen Verlusten abgebrochen werden.
Das deutsche Heer war nach einer von Fritz von Loßberg entwickelten flexiblen Verteidigungsstrategie ("Verteidigung in der Tiefe") dazu übergegangen, die Abwehrkräfte tiefer und komplexer zu staffeln.
Die von den Briten und von den Franzosen eingesetzten Panzer (insgesamt 170) konnten aufgrund technischer Probleme und zu geringer Zahl noch keine größere Wirkung entfachen.
Giftgas wurde von beiden Seiten angewandt, wobei mit diesen beiden Schlachten zunehmend die Gasgranate das Blasverfahren ablöste.
Französische und russische Soldaten meutern...
Die gescheiterte Offensive am Chemin des Dames (Schlacht an der Aisne) war Anlass für Meutereien in 68 Divisionen der französischen Armee, insgesamt etwa 40.000 Mann (von 2 Millionen). Fünf Divisionen waren ernsthaft betroffen; diese lagen direkt im Süden der Angriffszone der Offensive am Chemin des Dames, zwischen Soissons und Reims.
Beim ebenfalls dort eingesetzten russischen Expeditionskorps kam es zu ähnlichen Problemen. Angesichts der anfänglichen britischen Erfolge bei Arras waren vor allem dort die hohen Erwartungen besonders enttäuscht worden.
In der Regel begannen die Meutereien nicht bei den Truppen in vorderster Front, sondern bei jenen in der Kampfpause anlässlich des Befehls zur Rückkehr an die Front.
Die konkreten Forderungen waren mehr Fronturlaub, bessere Ernährung, Besserstellung der Familien der Soldaten, Beendigung des "Gemetzels" (Protest gegen die Methoden der Kriegsführung) sowie vereinzelt auch generell "Frieden" und Beendigung der "Ungerechtigkeit" (in erster Linie im Sinne von Wehrgerechtigkeit gemeint).
"Ganz überwiegend hatten die meuternden Soldaten nicht den Krieg selber in Frage gestellt, sondern nur dagegen protestiert, nutzlos hingeschlachtet zu werden."
Am 29. April wurde der französische Oberbefehlshaber Nivelle durch General Pétain abgelöst, der die Verteidigung Verduns organisiert hatte. Durch den Übergang zu einer Defensivhaltung konnte Pétain die Unruhe in der französischen Armee eindämmen. Er führte eine neue Kampfweise ein, die der deutschen "Verteidigung in der Tiefe" ähnelte.
Abgesehen von zwei begrenzten, erfolgreichen Operationen bei Verdun im August und an der Aisne im Oktober (wo die Deutschen hinter die Ailette zurückgeworfen wurden), unternahm das französische Heer zwischen Juni 1917 und Juli 1918 keine Offensiven mehr.
Zudem sorgte Pétain für Verbesserungen der Verpflegung und bei den Ruhezeiten der Truppen.
Etwa 10 Prozent der Meuterer wurden vor Gericht gestellt, 3427 Soldaten verurteilt, die Kriegsgerichte fällten 554 Todesurteile, davon wurden 49 vollstreckt.
Die deutschen Truppen begnügten sich während der Hochphase der Meuterei zwischen Mai und Juni damit, die Passivität des Gegners hinzunehmen, da sie deren Ursachen nicht durchschauten und an anderen Fronten gebunden waren.
Britische Offensive: ...Schlacht von Messines:
In der Schlacht von Messines (21. Mai bis 7. Juni) gelang es den Briten, einen strategisch wichtigen Höhenzug im Süden von Ypern (Belgien) zu erobern.
Mineure aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland hatten in eineinhalb Jahren Arbeit 21 große Minen unter den deutschen Stellungen platziert, deren Zündung die effektivste nichtnukleare Explosion der Kriegsgeschichte einleitete (10.000 Tote, 6.400 Betäubte).
Die Eroberung des Höhenzuges sicherte die rechte Flanke und ermöglichte eine alliierte Großoffensive unter britischer Führung, die Dritte Flandernschlacht (31. Juli bis 6. November).
Die 3te Flandernschlacht:
Ziele eines erhofften Durchbruchs waren unter anderem die deutschen U-Boot Stützpunkte Ostende und Zeebrügge.
Der Angriff blieb nach einigen Erfolgen am 9. Oktober bei Langemark-Poelkapelle stecken; außerdem misslang der Hauptstoß gegen das strategisch wichtige Plateau von Geluveld, wodurch die alliierten Truppen ständigem Flankenfeuer ausgesetzt waren.
Nach der Einnahme der Ruinen von Passchendaele durch kanadische Truppen am 6. November flauten die Kämpfe ab – die Alliierten konnten die deutsche Front selbst hier und damit am erfolgreichsten Abschnitt nur um 8 Kilometer zurückdrängen. Die Verluste auf beiden Seiten betrugen etwa 585.000 Soldaten.
Schlacht von Cambrai: ...erster Einsatz von geschlossenen (alliierten) Panzerverbänden
In der Schlacht von Cambrai (20. November bis 6. Dezember) kam es zum ersten operativen Einsatz von geschlossenen Panzerverbänden, ... ein "Markstein in der Geschichte der Kriegsführung."
Etwa 320 einsatzfähige Panzer des Royal Tank Regiments – unterstützt von 400 Flugzeugen und sechs Infanterie- sowie drei Kavalleriedivisionen – durchstießen nach kurzer Artillerievorbereitung auf einer 15 Kilometer breiten Front im Bereich von Havrincourt die Siegfriedstellung und drangen etwa sieben Kilometer vor.
Das neue Angriffsverfahren war überraschend, da bei Angriffsabsichten aufgrund der tief gegliederten Stellungen die übliche tagelange Artillerievorbereitung erwartet wurde.
Der Durchbruch zum Eisenbahnknotenpunkt Cambrai gelang jedoch nicht, gut ein Drittel der angreifenden Panzer wurde vernichtet, in einer am 30. November gestarteten Gegenoffensive gelang es den deutschen Truppen, den größten Teil des verlorengegangenen Geländes zurückzuerobern.
Dieser Abwehrerfolg bestärkte die deutsche Heeresleitung in ihrer Fehleinschätzung, dass der Aufbau einer eigenen Panzertruppe nicht vordringlich sei.
Die Nebenfronten - 1917
Mesopotamienfront
Die Briten erneuerten zu Jahresbeginn an der Mesopotamienfront ihre Offensive Richtung Bagdad, am 24. Februar erreichten sie Kut al-Amara und nahmen überraschend noch vor Beginn der Regenzeit am 11. März Bagdad ein, die Türken mussten sich nach Mossul zurückziehen.
Der Fall Bagdads war ein schwerer Schlag für die Türkei und die Mittelmächte, da damit alle – unter anderem mit der Bagdadbahn verbundenen – Pläne im Orient in Frage gestellt wurden. Deshalb wurde der frühere Generalstabschef Falkenhayn damit beauftragt, zusammen mit Enver Pascha unter dem Codenamen "Jilderim" (Blitz) die Rückeroberung Bagdads vorzubereiten.
Kriiegseintritt Griechenlands auf Seiten der Alliierten
Am 29. Juni 1917 trat das Königreich Griechenland auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein, nachdem schon zuvor griechische Freiwilligenverbände auf deren Seite an der Salonikifront mitkämpften.
Seit der Landung alliierter Truppen in Griechenland Ende 1915 war es zu einem "Nationalen Schisma" gekommen, in dem sich die der Entente zugewandte provisorische Gegenregierung von Eleftherios Venizelos schließlich dank zunehmender britisch-französischer Interventionen gegen das regierende "germanophile Lager" um Konstantin I. durchsetzte.
"Nationales Schisma" (Nationaler Schisma): bezieht sich in der Regel auf eine Spaltung innerhalb einer Nation, die durch tiefgreifende politische oder gesellschaftliche Meinungsverschiedenheiten entsteht.
Nach der Besetzung fast aller strategisch wichtigen Landesteile einschließlich Athens durch die Alliierten und einem Ultimatum des französischen Oberkommissars Jonnart dankte Konstantin im Juni 1917 ab und ging ins Exil.
Venizelos kehrte im Gegenzug von Saloniki nach Athen zurück, rief das 1915 gewählte Parlament zusammen und bildete eine Regierung, die umgehend den Mittelmächten den Krieg erklärte. Neuer König wurde Alexander I.
11. Isonzoschlacht (Nordost Italien):
In der 11. Isonzoschlacht (17. August bis 12. September) entging Österreich-Ungarn nur knapp einer schweren Niederlage.
Da Kaiser Karl I. befürchtete, dem nächsten italienischen Angriff nicht mehr standhalten zu können, forderten er und das österreichische Oberkommando deutsche Unterstützung an, die in Form der für diesen Einsatz neu aufgestellten 14. Armee (darunter das Deutsche Alpenkorps) geleistet wurde.
Dem erwarteten Angriff der Italiener wurde mit einer eigenen Offensive zuvorgekommen, in der Zwölften Isonzoschlacht (auch "Schlacht von Karfreit", italienisch "Battaglia di Caporetto", 24. bis 27. Oktober/11. November) gelang überraschend der Durchbruch: ...
... in elf Tagen drangen die Mittelmächte um 130 Kilometer vor, besetzten mit Udine die erste italienische Großstadt und standen 30 Kilometer vor Venedig. Die Italiener verloren mehr als 305.000 Mann (Mittelmächte: 70.000), davon 265.000 Kriegsgefangene.
Der Erfolg basierte vor allem auf dem aus den Erfahrungen der ersten Kriegsjahre entwickelten, erstmals im großen Stil in der Schlacht um Riga angewandten "Stoßtruppverfahren" (schneller Vorstoß von Sturmbataillonen auf schmalem Korridor ohne besondere Beachtung des Flankenschutzes).
Die alliierte Front konnte mit Mühe am Piave und am Monte Grappa stabilisiert werden. Die Alliierten entsandten fünf britische und sechs französische Divisionen zur Unterstützung.
Die ansatzweise revolutionäre Situation in Italien (Streiks, Massendesertation) flaute durch das Desaster jedoch ab, denn: "Aus dem Angriffs- wurde ein Verteidigungskrieg". In Reaktion auf diese Niederlage gründete sich am 7. November auf der Konferenz von Rapallo der Alliierte Oberste Kriegsrat, zudem wurde der italienische Chef des Generalstabes Luigi Cadorna durch Armando Diaz ersetzt.
November 1917: Deutsche Soldaten in Jerusalem
Die letzte größere Offensive des Kriegsjahres 1917 war gleichzeitig der letzte große Kavallerieangriff der Militärgeschichte: Am 31. Oktober 1917 griffen die australische 4th Light Horse Brigade mit 12.000 Kavalleristen und die britische 5th Mounted Brigade unter dem Kommando von General Edmund Allenby das von osmanischen und deutschen Truppen gehaltene Beʾer Scheva an und konnten es erobern.
Falkenhayn bezog daraufhin am 5. November sein Hauptquartier in Jerusalem und wollte die Stadt um jeden Preis verteidigen. Die OHL befahl jedoch die Räumung, um nicht bei einer eventuellen Zerstörung der heiligen Stätten das Ansehen der Mittelmächte in der Weltöffentlichkeit noch weiter zu beschädigen. Die Schlacht um Jerusalem mit Unterstützung aufständischer Araber (T. E. Lawrence) endete somit am 9. Dezember vorerst mit der kampflosen Einnahme Jerusalems durch britische Truppen.
Politik und Friedensinitiativen - 1917
In der Osterbotschaft vom 7. April stellte Wilhelm II. vage demokratische Reformen nach dem Krieg in Aussicht.
Am 11. April gründete sich in Gotha die USPD als Abspaltung von der SPD, Hintergrund waren die eskalierte Disziplinierung von Parteilinken in der SPD zur Wahrung der Burgfriedenspolitik, die russische Februarrevolution und die Aprilstreiks.
Eine Woche später, am 19. April, forderte die SPD (im weiteren Verlauf des Jahres zunehmend als MSPD bezeichnet) gleiche Staatsbürgerrechte sowie Schritte hin zum parlamentarischen System ("Parlamentarisierung") und erklärte ihre Zustimmung zur Forderung der Petrograder Sowjets von Ende März: Frieden ohne Annexionen und Reparationen, freie nationale Entwicklung aller Völker.
Reichskanzler Bethmann Hollweg, der sich schon zuvor mit seiner indifferenten Haltung zu den Kriegszielen und zu politischen Reformen zunehmend isoliert hatte, kam damit in Bedrängnis: Da er nun angesichts der MSPD-Erklärung aus Sicht der OHL "die Sozialdemokratie nicht mehr meistern könne", verlangten Hindenburg und Ludendorff beim Kaiser – zunächst noch erfolglos – die Entlassung des Kanzlers.
In der Kriegszielkonferenz von Bad Kreuznach am 23. April leistete der Kanzler jedoch auf Druck der OHL seine Unterschrift unter ein Protokoll, das selbst nach Ansicht von Admiral Müller ein Dokument "völliger Maßlosigkeit" der Annexionsziele war.
Vom 2. Juni bis zum 19. Juni fand die Stockholmer Konferenz der zweiten Internationale statt, die jedoch ebenso wirkungslos blieb wie verschiedene Sondierungen zu einem Separatfrieden vor allem seitens des neuen österreichisch-ungarischen Kaisers Karl I. Versuche zu einem Frieden mit Russland im Frühjahr scheiterten zunächst aufgrund der inakzeptablen deutschen Forderungen.
Am 6. Juli löste die Reichstagsrede von Matthias Erzberger (Deutsche Zentrumspartei) eine "Sensation in allen politischen Kreisen" aus: Der konservative Politiker, ursprünglich Verfechter eines "Siegfriedens", wies den Militärs falsche Angaben über die Effektivität des U-Boot-Krieges nach und setzte sich für einen "Verständigungsfrieden" ein: Deutschland müsse auf Annexionen verzichten.
Noch am selben Tag vereinbarten führende Abgeordnete von MSPD, Zentrum und liberaler Fortschrittspartei zudem den Interfraktionellen Ausschuss als Koordinationsgremium der Mehrheitsfraktionen, was als Auftakt der Parlamentarisierung Deutschlands gilt und zeitgenössisch von Konservativen als "Beginn der Revolution" interpretiert wurde.
Aufgrund Erzbergers Rede sprachen Hindenburg und Ludendorff am 7. Juli beim Kaiser vor und forderten die Ablösung des Kanzlers, was der Kaiser wiederum ablehnte.
Der Kanzler erreichte beim Kaiser am 10. Juli die Zusage des gleichen Wahlrechts in Preußen nach dem Krieg (im Gegensatz zum Dreiklassenwahlrecht), was am 12. Juli der Öffentlichkeit bekannt wurde.
Am selben Abend drohten Hindenburg und Ludendorff mit ihrem Rücktritt, sollte der Kanzler nicht abberufen werden, was den Kaiser zurückweichen ließ. Am Morgen des 13. Juli reichte der hiervon informierte Bethmann Hollweg sein Rücktrittsgesuch ein, als Nachfolger wurde der weitgehend unbekannte Georg Michaelis bestellt.
Am 19. Juli 1917 stimmte die Mehrheit des Reichstags der von Erzberger eingereichten, sehr allgemein gehaltenen Friedensresolution zu, die entsprechend folgenlos blieb.
Innenpolitisch hatte die Friedensresolution des Reichstags jedoch unter anderem insofern Auswirkungen, als sich am 2. September aus diesem Anlass als Gegenreaktion die annexionistische, völkisch-nationalistische Deutsche Vaterlandspartei gründete.
Die Friedensnote Dès le début von Papst Benedikt XV. am 1. August an die Staatsführungen der kriegführenden Länder blieb gleichfalls folgenlos. Der Papst schlug hier unter anderem einen Frieden ohne Annexionen und Reparationen, freie Seewege und eine Regelung der strittigen Fragen mithilfe des Völkerrechts vor. Diese Initiative, verbunden mit humanitären Aktivitäten (z. B. Anbahnung eines Verwundetenaustauschs und eines Vermisstensuchdienstes) und einer wiederholten Verurteilung des Krieges ("unnützes Blutvergießen"), gilt als Auftakt der modernen Außenpolitik des Heiligen Stuhles.
Da sich Reichskanzler Michaelis offenkundig weitgehend als Erfüllungsgehilfe der OHL verstand, drängte die Reichstagsmehrheit seit Ende Oktober auf seine Entlassung und konnte dies auch durchsetzen, Nachfolger wurde am 1. November Georg von Hertling.[186]
Am 3. Dezember begannen die Verhandlungen zwischen Russland und den Mittelmächten über einen Separatfrieden,
Am 6. Dezember proklamierte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland.
Der 1. Weltkrieg: ...Jahr 1918
Wilsons 14 Punkte und Massenstreiks
US Präsident Woodrow Wilson: ... 14-Punkte-Programm
Präsident Woodrow Wilson stellte am 8. Januar in einer programmatischen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses sein 14-Punkte-Programm vor.
Wilson nahm dabei in Anspruch, freiheitliche politische Prinzipien global verwirklichen zu wollen, als wichtigstes Ziel proklamierte Wilson das Selbstbestimmungsrecht der Völker.
Unter anderem in den 14 Punkten gefordert wurden:
- die Räumung und Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und Montenegros
- Räumung und Aufgabe von Elsass-Lothringen
- ein eigener polnischer Staat
- die Freiheit der Meere,
- Rüstungsbeschränkungen und die "autonome Entwicklung" für die Völker Österreich-Ungarns gefordert.
Am 24. Januar lehnten Deutschland und Österreich-Ungarn die Forderungen ab.
Streikfronten: ... in Deutschland und Österreich-Ungarn
Am 14. Januar begannen die Jännerstreiks bei den Rüstungsbetrieben in und um Wiener Neustadt, die Streikfront weitete sich aus und bröckelte erst angesichts massiver militärischer Gewalt ab, am 23. Januar wurde die Arbeit wieder aufgenommen.
In Deutschland kam es zwischen dem 28. Januar und dem 2. Februar in Berlin und anderen industriellen Zentren zu Massenprotesten und Streikaktionen mit mehr als eine Million Arbeitern (Januarstreik), die im Gegensatz zu früheren Aktionen in erster Linie politisch motiviert waren und sich für den "allgemeinen Frieden" und gegen "Annexionen und Kontributionen" aussprachen, was vor allem auf die annexionistische Haltung der OHL in Brest-Litowsk abzielte.
Die MSPD entsandte Friedrich Ebert, Otto Braun und Philipp Scheidemann in den Aktionsausschuss, um "die Bewegung in geordneten Bahnen zu halten".
Ähnlich wie in Österreich konnte die Bewegung jedoch nur mit militärischen Repressionen unterdrückt werden, am 31. Januar riefen die Behörden in Berlin den verschärften Belagerungszustand aus, verhafteten Mitglieder der Streikleitung und schickten in der Folge 50.000 beteiligte Arbeiter an die Front.
Ab dem 3. Februar nahmen die meisten Betriebe ihre Arbeit wieder auf.
Frieden mit Russland:
In den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk forderte die deutsche Seite am 19. Januar 1918 in ultimativer Form einen Verzicht Russlands auf Polen, Litauen und das westliche Lettland, woraufhin der sowjetische Verhandlungsführer Leo Trotzki eine Verhandlungspause erwirkte.
In Petrograd entschieden sich die Regierung und das Zentralkomitee für Trotzkis Vorschlag, die Verhandlungen in Erwartung auf die baldige Erhebung des westeuropäischen Proletariats hinauszuzögern.
"Brotfrieden" mit der Ukraine:
Am 25. Januar hatte sich die Ukraine auf Beschluss der nicht-bolschewistischen Zentralna Rada für unabhängig erklärt, am 9. Februar schlossen die Mittelmächte einen Sonderfrieden ("Brotfrieden") mit der Ukraine.
Als Gegenleistung für die großzügige Grenzziehung im Westen der Ukraine verlangten die Mittelmächte von der ukrainischen Regierung umfangreiche Getreidelieferungen, gleichzeitig stellten sie Russland ein Ultimatum zur Annahme der Friedensbedingungen, worauf Trotzki – weiterhin in Hoffnung auf die baldige Revolution in Deutschland – ohne den Vertrag zu unterschreiben einseitig die Demobilisierung verkündete.
Unternehmen "Faustschlag":
Die Mittelmächte rückten deswegen ab 18. Februar im Unternehmen Faustschlag vor und besetzten in wenigen Wochen weite Teile der westlichen Grenzgebiete im Baltikum, in der westlichen Ukraine, auf der Krim, im Industriegebiet am Donez und in Weißrussland.
Friedensvertrag von Brest-Litowsk: ...Russland unterzeichnet
Ohne erneut in Verhandlungen einzutreten, musste die sowjetische Delegation die erheblich verschärften deutschen Bedingungen akzeptieren, der Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde am 3. März unterzeichnet.
Die Mittelmächte verpflichteten sich hierin zwar zur Räumung der besetzten Gebiete mit Ausnahme von Livland, Russland musste aber auf territoriale Ansprüche in Polen, Litauen und Kurland sowie auf von der Türkei beanspruchtes Gebiet im Kaukasus verzichten.
Selbstständigkeit Litauens, Finnlands und der Ukraine:
Im Zusammenhang mit dem Vertrag stimmte Deutschland im März einem eng an Deutschland gebundenen, eigenständigen Litauen zu (Unabhängigkeitserklärung am 16. Februar).
Ein am 27. August unterzeichneter Ergänzungsvertrag legte den russischen Verzicht auf Livland und die Anerkennung der Selbständigkeit Finnlands und der Ukraine fest.
- Livland, ist der Name einer historischen Landschaft im Baltikum. Er leitet sich vom Namen des finno-ugrischen mit den Esten und Finnen verwandten Volkes der Liven her Livland im weiteren Sinne umfasste die Territorien des heutigen Staates Estland und den größten Teil des heutigen Staates Lettland (ohne Lettgallen).
Das Deutsche Reich hatte zuvor (28. Juni) die folgenreiche Entscheidung getroffen, nicht nach Petrograd vorzustoßen und trotz ideologischer Vorbehalte den Bolschewismus am Leben zu erhalten, da die anderen Gruppen im Russischen Bürgerkrieg den Friedensvertrag von Brest-Litowsk nicht akzeptierten.
Fazit:
Russland gab mit dem Vertrag ein Drittel seiner Bevölkerung und den größten Teil seines Rohstoff- und Industriepotenzials preis.
Entlastung der Ostfront - Offensive an der Westfront
Die schon Ende 1917 absehbare Entlastung der Ostfront führte dazu, dass am 11. November 1917 in Mons seitens der deutschen Armeeführung eine Offensive an der Westfront beschlossen wurde, für die verschiedene konkurrierende Pläne ausgearbeitet wurden und die dem Krieg vor dem Eintreffen der Amerikaner eine Wendung geben sollte. Ein weiterer Aspekt war die schlechte Versorgungslage in der Heimat, die eine rasche militärische Entscheidung notwendig erscheinen ließ.
Am 21. Januar 1918 entschieden sich Hindenburg und Ludendorff für eine Variante unter dem Decknamen "Michael": Eine Offensive im Bereich von St. Quentin entlang der Somme, die nach Nordwesten schwenken, die britische Armee umfassen und zum Rückzug auf die Kanalhäfen zwingen sollte.
Durch den Abzug von Truppen vor allem aus Russland konnte die Anzahl der deutschen Divisionen im Westen von 147 auf 191 erhöht werden, denen nur 178 alliierte gegenüberstanden – erstmals seit 1914 hatte die deutsche Armee wieder eine zahlenmäßige Überlegenheit erreicht, nach wie vor jedoch keine materielle.
Die deutsche Frühjahrsoffensive scheitert:
Am 10. März erließ Hindenburg den Angriffsbefehl für den 21. März.
Am frühen Morgen des 21. März 1918 begann die deutsche Frühjahrsoffensive.
Nach vergleichsweise kurzer Artillerievorbereitung – über fünf Stunden – erzielten die deutschen Sturmtruppen mit ihrer Infiltrations-Taktik (geprägt von Herman Geyer) einen tiefen Einbruch in die britische Front.
Eine neuartige, deutsche Infanteriewaffe – die Maschinenpistole MP18 – trug zum Erfolg bei.
Die OHL verlagerte jedoch in den Folgetagen mehrfach Schwerpunkte und Richtung des Angriffes. Vor allem gab Ludendorff "die Strategie eines einzigen, massiven Vorstoßes auf und entschied sich für einen Angriff mit drei Spitzen, von denen keine stark genug war, einen Durchbruch zu erzielen", was ihm erhebliche Kritik im Generalstab einbrachte und die Offensive schwächte: "Wie 1914 beim Vormarsch auf Paris reagierte das deutsche Heer auf die Ereignisse und folgte der Linie des geringsten Widerstands, statt das Gesetz des Handelns an sich zu reißen."
Hinzu kamen logistische Schwierigkeiten im verwüsteten Somme-Gebiet. Angriffe wurden zudem nicht zuletzt dadurch aufgehalten, dass die schlecht versorgten deutschen Truppen die britischen Depots plünderten.
Weiterhin konnte die materielle Überlegenheit der Alliierten durch die überraschende Schwerpunktsetzung nicht dauerhaft ausgeglichen werden.
Als Novum in der Kriegsgeschichte kann gelten, dass erstmals an längeren Frontabschnitten die deutschen Verluste mehrheitlich auf Fliegerangriffe zurückzuführen waren.
Die Alliierten einigten sich am 3. April unter dem Druck der Ereignisse auf Ferdinand Foch als gemeinsamen Oberbefehlshaber. Zwar waren die deutschen Truppen auf einer 80 Kilometer breiten Front bis zu 60 Kilometer tief vorgestoßen (von St. Quentin bis westlich Montdidier), die Offensive hatte jedoch bei hohen, nicht mehr ausgleichbaren Verlusten einen großen neuen Frontbogen geschaffen und keinerlei strategische Ziele erreicht.
Nach einem Gegenangriff australischer Truppen vor Amiens wurde das Unternehmen Michael am 5. April eingestellt.
"Operation Georg": ...Angriff auf Flandern
- Flandern ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates.
Ludendorff, dem inzwischen im Generalstab offen Führungsfehler vorgeworfen wurden, griff auf eine Alternativplanung zur Michaelsoffensive zurück: die Operation Georg, ein Angriff in Flandern entlang des Flusses Leie auf einer Frontbreite von 30 Kilometern mit dem Ziel der Kanalküste westlich von Ypern (Vierte Flandernschlacht).
Aufgrund der Operation Michael konnte die Aktion nur noch in verminderten Umfang durchgeführt werden und wurde von Georg in Georgette umbenannt. Nach einigen Anfangserfolgen wie der Eroberung des strategisch wichtigen Kemmelbergs am 25. April lief sich Georgette fest.
Erstes großes Panzergefecht der Kriegsgeschichte:
Im Rahmen der Offensive kam es zum ersten größeren Panzergefecht der Kriegsgeschichte, bekanntestes Ereignis ist jedoch der Tod von Manfred von Richthofen.
Erschöpfte und enttäuschte deutsche Truppen:
Gravierender für das deutsche Heer war jedoch die zunehmende Verweigerung von Angriffsbefehlen bei den erschöpften und enttäuschten Truppen ab etwa Mitte April.
Stärkster Artillerieeinsatz des Krieges:
Der OHL war die schwindende Moral der eigenen Truppen nicht verborgen geblieben und sie eröffnete deswegen umgehend am 27. Mai eine neue Offensive (Schlacht an der Aisne oder Operation Blücher-Yorck) mit dem bis dahin stärksten Artillerieeinsatz des Krieges, fast 6000 Geschütze verschossen innerhalb von vier Stunden zwei Millionen Granaten.
Paris "zum Greifen nah"...
Am 29. Mai standen die Deutschen wiederum an der Marne, am 3. Juni kurz vor Villers-Cotterêts, damit war Paris nur 90 Straßenkilometer und 62 Kilometer Luftlinie von der deutschen Front entfernt – Granaten des Paris-Geschützes schlugen in der französischen Hauptstadt ein, das britische Kabinett diskutierte am 5. Juni die Evakuierung des britischen Expeditionsheeres.
US Truppen helfen...
Die Marne-Linie konnte jedoch mit Hilfe der amerikanischen Truppen stabilisiert werden.
Die OHL brach den Angriff wegen der Verluste, der alliierten Gegenangriffe und logistischer Probleme am 5./6. Juni ab.
Im Rahmen der Kampfhandlungen kam es zur Schlacht im Wald von Belleau unter Beteiligung des United States Marine Corps.
Schon am 9. Juni eröffnete Ludendorff einen weiteren Angriff am Matz (Operation Gneisenau), der am 14. Juni wegen amerikanisch-französischer Gegenangriffe ebenfalls abgebrochen werden musste.
Kurz darauf endete ein letzter Angriff der österreich-ungarischen Truppen an der Italienfront ebenfalls mit einem Misserfolg (Zweite Piaveschlacht vom 15. bis 22. Juni).
Wendepunkt des Krieges an der Westfront: ...der kleine, wendige Panzer (Renault FT)
Der eigentliche Wendepunkt des Krieges an der Westfront war die zweite Schlacht an der Marne: Der am 15. Juli begonnene deutsche Angriff mit allen noch zur Verfügung stehenden Truppen kam zunächst gut voran; am 18. Juli führten Franzosen und Amerikaner jedoch einen Gegenangriff mit massivem Einsatz kleiner und wendiger Panzer (Renault FT).
Die abgekämpften, schlecht versorgten und deshalb (einigen Autoren zufolge) von der ersten Welle der Spanischen Grippe stärker als die Alliierten betroffenen deutschen Truppen wurden überrascht und zogen sich wieder über die erst drei Tage zuvor überschrittene Marne zurück.
Die rückwärtigen Verbindungen der 7. Armee waren gefährdet; nahezu das gesamte im Mai und Juni eroberte Gebiet musste aufgegeben werden.
Der 18. Juli galt in der zeitgenössischen offiziellen Kriegsgeschichtsschreibung als eigentliche "Schicksalswende des Krieges".
Die Alliierten gewannen an diesem Tag die Initiative, um sie bis Ende des Krieges nicht mehr abzugeben.
Hunderttageoffensive der Alliierten:
In der am 8. August 1918 begonnenen Schlacht bei Amiens musste die deutsche Armee eine schwere Niederlage hinnehmen ("Schwarzer Tag des deutschen Heeres"), die Schlacht leitete die Hunderttageoffensive ein.
Begünstigt durch starken Nebel stießen östlich von Villers-Bretonneux 530 britische und 70 französische Tanks – gefolgt von australischer und kanadischer Infanterie – durch die überraschten und unterbesetzten Linien.
Die betroffene 2. Armee befand sich nach der Frühjahrsoffensive in einem desolaten Zustand ("Schattenarmee" mit "milizartigem" Charakter). Die deutschen Verluste betrugen alleine am 8. August etwa 27.000 Mann, davon mindestens 12.000 Gefangene, am Ende der Schlacht 75.000 Mann, davon 50.000 Gefangene.
Der operative Erfolg (Einbruch maximal 20 Kilometer bis vor Bray-sur-Somme und Chaulnes) war zwar im Vergleich mit den deutschen Angriffen im März eher durchschnittlich, der moralische Effekt dagegen enorm, vor allem da erhebliche Teile der Armee offensichtlich den Willen zum Weiterkämpfen verloren hatten.
Am 13. August kam die OHL zur Einsicht, dass die Initiative im Krieg nicht mehr wiedergewonnen werden könne.
In der Konferenz von Spa am 13. und 14. August vertrat die OHL gegenüber dem Kaiser und Reichskanzler Hertling jedoch die Meinung, dass Defensivoperationen den alliierten Kampfeswillen lähmen würden und Deutschland erst nach dem nächsten Erfolg im Westen Friedensgespräche anbieten solle. Einwände von Hertling, Außenminister Paul von Hintze und Kaiser Karl kamen nicht zur Geltung, die Auffassung der OHL war nach wie vor ausschlaggebend.
Bis Mitte September konnten die Alliierten schrittweise Gelände gewinnen, am 21. August griffen die Briten bei Albert an. Anfang September waren die Deutschen wieder auf die Ausgangsstellung ihrer Märzoffensive zurückgedrängt, die OHL befahl am 2. September widerwillig den Rückzug auf die Siegfriedstellung.
1te US Offensive:
Am 12. September begannen die Amerikaner mit der Schlacht von St. Mihiel ihre erste selbständige Offensive.
Darauf folgte am 26. September die groß angelegte und bis zum Kriegsende andauernde Maas-Argonnen-Offensive.
Siegfriedstellung erstmals durchbrochen:
Am 29. September wurde die Siegfriedstellung (militärische Befestigung in Nordfrankreich) erstmals durchbrochen.
Die deutschen Truppen konnten zwar vor allem den unerfahrenen Amerikanern anfänglich noch hohe Verluste beibringen, zeigten sich aber zunehmend demoralisiert.
Die Mannschaftsstärke war wegen kumulierender Verluste, Desertion, Gefangennahme und Krankheit drastisch gesunken, Reserven waren nicht mehr vorhanden. Hinzu kamen die schlechte Verpflegung – namentlich der Mangel an Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln – und sonstige Versorgungsprobleme.
Die Alliierten spielten ihre materielle und personelle Überlegenheit zunehmend aus, zudem wirkten sich taktische Verbesserungen in ihrer Kriegsführung aus.
Obwohl die Alliierten und vor allem die USA von der zweiten Welle der Spanischen Grippe stärker betroffen waren als Deutschland – die Amerikaner verloren durch sie mehr Soldaten als durch Kampfhandlungen –, wirkte sie sich aufgrund der Gesamtsituation für Deutschland schwerwiegender aus.
"Dolchstoßlegende"
Die deutsche Front brach bis zum Waffenstillstand am 11. November jedoch nicht vollständig zusammen, was der sogenannten Dolchstoßlegende nach dem Krieg zu Auftrieb verhalf.
Im November 1918 hielten die deutschen Truppen nur noch einen kleinen Teil Nordostfrankreichs und gut die Hälfte Belgiens sowie Luxemburg besetzt, die Alliierten besetzten nach wie vor kaum deutsches Gebiet.
Zusammenbruch der deutschen Verbündeten und Oktoberreform
In der Palästinaschlacht vom 19. bis 21. September kam es zur endgültigen Niederlage der osmanischen Armee.
Wichtiger war jedoch, dass Mitte September der Widerstand der bulgarischen Armee zusammenbrach und Bulgarien am 26. September um einen bedingungslosen Waffenstillstand nachsuchte.
Mit dessen Abschluss am 29. September waren Rumänien als zentraler Öllieferant sowie Ungarn und die k. u. k. Truppenteile in Albanien und Serbien bedroht.
Schon zuvor, am 14. September, hatte Österreich-Ungarn eine (zunächst unbeantwortete) Note an die Alliierten gesandt, in der um Frieden gebeten wurde.
Diese Entwicklung und die umfassenden Angriffe an der Westfront führten dazu, dass Ludendorff am 28. September im Großen Hauptquartier (zu der Zeit in Spa) einen Nervenzusammenbruch erlitt.
Die OHL legte dem Kaiser die militärische Lage dar...
Die OHL legte am Morgen des 29. September Außenminister Paul von Hintze die militärische Lage dar, unmittelbar daraufhin Wilhelm II.
Man vereinbarte eine "Revolution von oben" in Form einer breiten nationalen Regierung unter Einbeziehung aller im Reichstag vertretenen Parteien, von einer ebenfalls diskutierten Militärdiktatur sollte abgesehen werden.
Als Reichskanzler Georg von Hertling – der demokratische Reformen ablehnte – verspätet nach Spa kam, sah er sich vor vollendete Tatsachen gestellt und trat zurück. Nachfolger wurde am 3. Oktober Max von Baden, der ein neues Kabinett bildete, in das erstmals mit Philipp Scheidemann und Gustav Bauer Sozialdemokraten berufen wurden.
Am Vortag, 2. Oktober, hatte Major von dem Bussche den fassungslosen Parteiführern des Reichstages die militärisch aussichtslose Lage erläutert.
US Präsident Wilson soll "Herstellung des Friedens in die Hand nehmen"...
Ludendorff ließ Bedenken des neuen Reichskanzlers und der Regierung gegen ein sofortiges Waffenstillstandsangebot nicht gelten, so dass das neue Kabinett in der Nacht vom 4. auf 5. Oktober eine Note an Präsident Wilson sandte: Wilson wurde gebeten, auf der Grundlage seiner 14 Punkte sowie der ergänzenden 5 Punkte vom 27. September 1918 die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen und einen sofortigen Waffenstillstand herbeizuführen.
Zur Unzeit versenkte kurz darauf ein deutsches U-Boot das britische Passagierschiff Leinster (10. Oktober), was sich unmittelbar in den amerikanischen Noten vom 14. und vom 23. Oktober niederschlug. Wilson forderte eine Garantie der fortwährenden militärischen Überlegenheit der Alliierten (also eine weitgehende Entwaffnung Deutschlands) und eine parlamentarische Kontrolle von Politik und Militär als Bedingungen für Friedensverhandlungen (aber nicht unbedingt für den Waffenstillstand).
Ludendorff und Hindenburg nahmen angesichts der amerikanischen Noten vom 14. und 23. Oktober wieder eine ablehnende Haltung gegen Friedensverhandlungen ein, fuhren ohne kaiserliche Erlaubnis vom Hauptquartier nach Berlin und erklärten in einem Armeebefehl (24. Oktober), dass die letzten Wilson-Noten (Entwaffnung) unannehmbar seien.
Entlassung Ludendorffs:
Reichskanzler Max von Baden konnte die Insubordination (vorsätzliche Ungehorsam) der OHL nachweisen und bestand auf einen personellen Wechsel.
Ludendorff und Hindenburg mussten Kaiser Wilhelm am 26. Oktober um ihre Entlassung bitten, der Kaiser nahm Ludendorffs Entlassungsgesuch an, nicht jedoch jenes von Hindenburg.
Deutsches Reich: ... Weg zur parlamentarische Monarchie
Mit den Oktoberreformen kam es zu einem Wandel des Regierungssystems, Deutschland war formal vom 28. Oktober bis zum 9. November einmalig in seiner Geschichte eine parlamentarische Monarchie.
Österreich-Ungarn löst sich auf: ...Ende der Habsburgermonarchie
Die Situation in Österreich-Ungarn hatte sich 1918 dramatisch zugespitzt.
Die Soldaten waren unterernährt, Desertion, Selbstmorde und Seuchen nahmen rapide zu.
Die Armee zerfiel zusehends, die Rüstungsindustrie war dem Zusammenbruch nahe.
Böhmen, Galizien, Ungarn und Oberösterreich stellten die Nahrungsmittellieferungen an andere Landesteile ein, in denen Hunger herrschte.
Zudem hatten spektakuläre Skandale und Misserfolge wie die Sixtus-Affäre (April 1918), die Versenkung der Szent István (10. Juni), die Zweite Schlacht am Piave (15. bis 22. Juni) und der ungestörte Propagandaflug über Wien von Gabriele D'Annunzio (9. August) Österreich-Ungarn erschüttert.
Am 21. August erläuterte der stellvertretende Chef des Generalstabes Alfred von Waldstätten auf der Besprechung von Belluno den fassungslosen Generälen aller Armeen die aussichtslose Lage.
Der ersten Friedensdemarche vom 14. September folgte eine weitere am 4. Oktober.
Im Oktober 1918 begann sich Österreich-Ungarn aufzulösen, der Gesamtstaat wurde zunehmend zu einer "Scheinwelt", woran das Völkermanifest vom 16. Oktober seitens Kaiser Karl nichts mehr ändern konnte, sondern die Auflösung weiter beschleunigte.
Am 6. Oktober konstituierte sich in Agram der Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben,
In Budapest bildete sich am 25. Oktober im Rahmen der Asternrevolution der Ungarische Nationalrat. Schon am Tag zuvor erging eine Weisung der ungarischen Regierung an die Soldaten im k. u. k. Heer, unverzüglich nach Hause zu kehren.
Gleichzeitig begann in dieser Situation der Großangriff der Alliierten bei Vittorio, am 27. Oktober gewannen die Angreifer Brückenköpfe östlich des Piave. Die österreich-ungarischen Truppen verweigerten den Befehl zum Gegenangriff, damit war die Lage hoffnungslos geworden.
Am 28. Oktober erging eine Bitte um den Waffenstillstand.
Am selben Tag wurde in Prag die Republik ausgerufen und die Tschechoslowakei gegründet.
Am 29. Oktober der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben.
Schon am 7. Oktober war vom polnischen Regentschaftsrat ein Aufruf zur Gründung eines polnischen Staates erfolgt, zudem übernahm er am 11. Oktober die militärische Befehlsgewalt.
Am 30. Oktober konstituierte sich in Reaktion auf den Abfall aller nichtdeutschen Gebiete der Staat Deutschösterreich.
Am 1. November bildete sich eine unabhängige Regierung in Ungarn, nachdem Ungarn am 31. Oktober die Realunion mit Österreich aufgekündigt hatte.
Damit war die Österreichisch-Ungarische Monarchie aufgelöst.
Der Versuch, die Verantwortung für die Annahme der Waffenstillstandsbedingungen auf die Parteien des Parlaments abzuwälzen, scheiterte im Gegensatz zu Deutschland an deren Weigerung, einen vom Kaiser begonnenen Krieg zu beenden (so explizit Victor Adler im Staatsrat).
Am 3. November unterzeichnete General Weber den Waffenstillstand von Villa Giusti mit den Alliierten.
Am 11. November verzichtete Karl I./IV. als Kaiser von Österreich auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften, am 13. November in gleicher Weise als König von Ungarn, womit die Habsburgermonarchie endete.
Alliierte Waffenstillstandsbedingungen:
Vom 29. Oktober bis zum 4. November fand in Paris eine Konferenz der alliierten Kriegskoalition statt, in der über die Waffenstillstandsbedingungen beraten wurde.
Die deutsche Kombination von Friedensangebot und Waffenstillstandsersuchen wurde als Eingeständnis der Niederlage gedeutet. Der amerikanische Vertreter Edward Mandell House konnte auch deswegen die Premierminister Georges Clemenceau und David Lloyd George nicht mehr vollständig auf das 14-Punkte-Programm festlegen, so dass in der sogenannten Lansing-Note vom 5. November zwei gravierende Verschärfungen formuliert wurden: die Freiheit der Meere (damit auch die Aufhebung der Blockade) werde erst in späteren Verhandlungen geregelt und die "Wiederherstellung der besetzten Gebiete" beinhalte die Forderung nach umfassenden Reparationen.
In Berlin traf die Antwort am 6. November ein, wo angesichts der um sich greifenden Novemberrevolution und aufgrund des Druckes aus der OHL schon daran gedacht wurde, auch ohne Antwort eine Delegation mit weißer Fahne über die Frontlinie zu schicken, um zu kapitulieren. Ursprünglich war General Erich von Gündell als Erster Bevollmächtigter der Waffenstillstandskommission vorgesehen, in Spa kamen Staatssekretär Matthias Erzberger (Deutsche Zentrumspartei) und Paul von Hintze kurzfristig überein, dass Erzberger die Leitung übernehme, wofür Erzberger noch in Berlin vorsorglich mit einer Blankovollmacht ausgestattet worden war. Die folgenreiche, erstmals in der Kabinettssitzung vom 2. November formulierte Idee, der Waffenstillstandskommission überhaupt einen zivilen Staatssekretär (de facto: Minister) beizugeben, stammte von Erzberger selbst.
Der "Wagen von Compiègne": ..."Wiege" des II. Weltkriegs
Die vierköpfige Delegation, bestehend aus Erzberger, General Detlof von Winterfeldt, Kapitän zur See Ernst Vanselow und dem Diplomaten Alfred von Oberndorff, überschritt auf dem heutigen Gemeindegebiet von La Flamengrie am 7. November am heutigen Monument de la Pierre d'Haudroy die Frontlinie und traf am frühen Morgen des 8. Novembers auf der Lichtung von Compiègne im Wald von Compiègne ein, wo Marschall Ferdinand Foch im "Wagen von Compiègne" die als sehr hart empfundenen Waffenstillstandsbedingungen verlesen ließ.
Hindenburg forderte die deutsche Delegation am Abend des 8. November in zwei – teilweise unverschlüsselten – Depeschen ausdrücklich auf, die Bedingungen auch dann zu akzeptieren, wenn keine Verbesserungen möglich seien.
In den folgenden Verhandlungen konnten nur geringfügige Erleichterungen erreicht werden.
Am Morgen des 11. November zwischen 5:12 Uhr und 5:20 Uhr französischer Zeit: ... Waffenstillstand von Compiègne
Dieser sah unter anderem vor:
- die Räumung der von der deutschen Armee besetzten Gebiete binnen 14 Tage
- sowie des linken Rheinufers und dreier Brückenköpfe in Mainz, Koblenz und Köln innerhalb von 25 Tagen
- Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk und der Friede von Bukarest mussten aufgehoben sowie große Mengen von Transportmitteln, Waffen und erhebliche Teile der Flotte abgegeben werden, um dem Reich die Weiterführung des Krieges praktisch zu verwehren.
- Deutsche Truppen, die sich auf (vor dem Kriege) zu Russland gehörigen Gebieten befanden, sollten erst zu einem späteren, von den Alliierten zu bestimmenden Zeitpunkt zurückgezogen werden.
Der Waffenstillstand trat um 11 Uhr französischer Zeit in Kraft (12 Uhr deutscher Zeit) und war zunächst auf 36 Tage begrenzt.
Damit verzichtete das Deutsche Reich auf die Möglichkeit, den Krieg fortzusetzen, selbst wenn es dies gewollt hätte.
Der Jubel der Sieger
Die Nachricht vom Waffenstillstand wurde in Frankreich mit äußerster Begeisterung gefeiert. Die Freude darüber, dass das Grauen des Krieges vorbei war, verband sich mit dem Stolz über den Sieg, der die gesamte Nation umschloss.
Bilanz: ...Die Opfer
Soldaten
Weltweit waren mehr als 60 Millionen Soldaten unter Waffen, davon kamen nahezu 9 Millionen und damit 14 Prozent ums Leben, pro Tag etwa 6.000.
Bei den Mittelmächten betrug das entsprechende Verhältnis etwa 25 Millionen Soldaten zu 3,5 Millionen Todesfällen, bei der Entente 40 Millionen zu 5 Millionen.
Die Todesquote war in den Armeen unterschiedlich und schwankte zwischen 6 und 30 Prozent, wobei besonders hohe Zahlen die südosteuropäischen Länder und das Osmanische Reich aufwiesen. Dies lag daran, dass die hochgerüsteten westlichen Truppen gegen alle gängigen Krankheiten geimpft waren und dass es – abgesehen von der Spanischen Grippe – kaum mehr zu tödlich verlaufenden Seuchen unter den Soldaten kam.
Bei den absoluten Todeszahlen wirken sich dagegen die unterschiedliche Intensität der Kriegsführung aus. Der Hauptgrund für die Zunahme von tödlichen Verwundungen gegenüber früheren Kriegen waren Artilleriegeschosse.
Die Sterberate der Kriegsgefangenen lag mit 5 bis 10 Prozent deutlich niedriger als bei früheren Kriegen.
Zivile Verluste
Die zivilen Verluste scheinen mit ca. 6 Millionen Toten deutlich unter den militärischen zu liegen, doch ist die Zahl nur ein Annäherungswert.
Die Zivilbevölkerung wurde nicht in dem Maße in die Kriegsführung einbezogen wie im Zweiten Weltkrieg, so gab es Bombenangriffe gegen Städte vergleichsweise selten und hatten eher geringe Menschenopfer zur Folge.
Ähnliches gilt für die noch eher seltenen Massenerschießungen von Zivilisten und ähnliche Verbrechen.
Die Verluste an zivilen Leben im Weltkrieg sind vor allem auf die kriegsbedingte Mangelernährung zurückzuführen, die in Deutschland durch die britische Seeblockade verschärft wurde. Zu den Verlusten werden mitunter auch die gerade in europäischen Ländern während des Krieges stark gesunkenen Geburtenraten gezählt. Der Krieg verursachte einen dramatischen Rückgang der Bevölkerungszahlen vieler beteiligter Länder. In die Demografie Deutschlands und Frankreichs riss der Krieg eine tiefe Lücke und erzeugte eine noch nicht gekannte soziale Not bei Kriegswaisen und -witwen.
Bilanz: ...gesellschaftlich, politische Nachwirkungen
Der Erste Weltkrieg gilt manchen Autoren als "Epochenschwelle". Durch ihn ordneten sich die internationalen Beziehungen neu.
Er zerstörte bestehende gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen und in den meisten der besiegten Staaten die nationalen politischen Systeme.
Der Krieg nahm die gesamte Gesellschaft eines Staates in Anspruch, er ließ keinen Lebensbereich unberührt und änderte somit die Lebensumstände der Menschen gravierend.
"Der Krieg […] wirkte als eine Art 'Veränderungsraum', innerhalb dessen alte Ordnungen delegitimert werden konnten und neue möglich wurden."
Bilanz: ...Friedensverträge
Die nach dem Krieg zu vertraglichen Regelungen anstehenden Fragen wurden im Rahmen der Pariser Vorortverträge entschieden.
Am 18. Januar 1919 begann die Pariser Friedenskonferenz, nicht zufällig am deutschen Reichsgründungstag.
Wiederum nicht zufällig wurde der Vertragsentwurf zum Versailler Vertrag an die deutschen Vertreter am 7. Mai 1919, dem vierten Jahrestag der Versenkung der Lusitania übergeben.
Der Versailler Vertrag: ...die Alliierten Forderungen
Der Versailler Vertrag beantwortet in Artikel 231 die Kriegsschuldfrage insofern, als Deutschland und seine Verbündeten "Urheber aller Verluste und aller Schäden" seien, was in Deutschland ganz überwiegend als "Kriegsschuldlüge" aufgefasst wurde, Revisionsabsichten und Geschichtsrevisionismus zur Folge hatte und dazu beitrug, die innenpolitische Atmosphäre in der jungen Weimarer Republik zu vergiften.
Tatsächlich war jedoch der moralische Begriff "Schuld" im Vertragstext nicht enthalten, sodass ein offizielles Schuldeingeständnis nicht erforderlich war. In erster Linie aufgrund der deutschen Insistenz auf diese Frage wurde er jedoch in eine Mantelnote aufgenommen, die am 16. Juni 1919 mit dem endgültigen Vertragstext überreicht wurde, aber kein Bestandteil des Vertrages war. Hierin heißt es: Die "Regierenden Deutschlands" hätten beabsichtigt
"[…] ihre Vorherrschaft mit Gewalt zu begründen. Sobald ihre Vorbereitungen vollendet waren, haben sie einen in Abhängigkeit gehaltenen Bundesgenossen [Österreich-Ungarn] dazu ermuntert, Serbien innerhalb von achtundvierzig Stunden den Krieg zu erklären. Von diesem Kriege […] wussten sie recht wohl, er könne nicht lokalisiert werden und würde den allgemeinen Krieg entfesseln. Um diesen allgemeinen Krieg doppelt sicher zu machen, haben sie sich jedem Versuche der Versöhnung und Beratung entzogen, bis es zu spät war […] Indessen beschränkt sich die Verantwortlichkeit nicht auf die Tatsache, den Krieg gewollt und entfesselt zu haben. Deutschland ist in gleicher Weise für die rohe und unmenschliche Art, auf die er geführt wurde, verantwortlich."
Reparationszahlungen:
Die Höhe der deutschen Reparationszahlungen blieb zunächst offen. Die Reparationskommission einigte sich auf 226 Milliarden Goldmark, reduzierte sie im April 1921 auf 132 Milliarden Goldmark, die entsprechend dem Londoner Zahlungsplan von 1921 mit jährlich 2 Milliarden Goldmark und 26 Prozent aller deutscher Ausfuhrerlöse (etwa eine Milliarde Goldmark) bezahlt werden sollten.
Die immense deutsche Reparationsschuld war unter anderem durch das historische Novum entstanden, dass entsprechend den Forderungen von Lloyd George und der Ministerpräsidenten der Dominions Militärpensionen und die finanzielle Unterstützung von Kriegsbeschädigten sowie Hinterbliebenen zu den wiedergutmachungspflichtigen Kriegsschäden zählten.
Revisionen des Zahlungsplans erfolgten 1924 mit dem Dawes-Plan und 1929 mit dem Young-Plan, 1932 wurden die Zahlungen zunächst eingestellt.
Letzte Rate deutscher Reparationzahlungen: ... 2010
Die 1930 zur Zahlung aufgenommene Young-Anleihe wurde nach dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 bis etwa 1988 zurückgezahlt, eine letzte Rate aufgelaufener Schulden erst im Jahre 2010.
Gebietsverluste:
Deutschland musste Gebiete im Umfang von 70.570 km² und Einwohnerverluste von 7,3 Millionen Einwohnern hinnehmen sowie alle Kolonien abgeben, der Vertrag bekräftige die auf 15 Jahre befristete Rheinlandbesetzung und eine daran anschließende zehn Kilometer tiefe entmilitarisierte Zone.
Ein Anschluss Österreichs an Deutschland wurde unter den Vorbehalt des Völkerbundrates gestellt.
Rüstungsbeschränkungen
Hinzu traten Rüstungsbeschränkungen wie die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht, Auflösung des Generalstabes, Schleifung der Festungen in der neutralen Zone, Verbot moderner Waffen (Panzer, U-Boote, Luftwaffe), Reduzierung des Landheers auf 100.000 und der Marine auf 15.000 Mann.
Deutsche Gegenvorschläge lehnten die Sieger ab.
Vom 16. bis zum 22. Juni 1919 kam es zu dramatischen und ununterbrochenen Beratungen der relevanten politischen Gremien, die Regierung Scheidemann trat am 19./20. Juni zurück, am 21. Juni versenkte sich die deutsche Hochseeflotte anlässlich der Friedensbedingungen.
Der Versailler Vertrag: ...die Unterzeichnung
Die Nationalversammlung nahm angesichts der ultimativen Haltung der Siegermächte tags darauf, am 22. Juni 1919, mit 237 gegen 138 Stimmen bei 6 Enthaltungen den Vertrag an, sodass die Regierung Bauer am 28. Juni 1919 den Versailler Vertrag ohne Abstriche unterzeichnen musste.
Das Ende des Deutschen Reichs
Soldaten- und Arbeiteraufstände in Deutschland:
Der Kieler Matrosenaufstand:
Schon am 30. September, einen Tag nach der Forderung nach Waffenstillstand seitens Ludendorff, hatte Admiral Reinhard Scheer, der Leiter der im August gebildeten Seekriegsleitung, die Hochseeflotte ohne Angaben von Gründen auf Reede bei Schillig nahe Wilhelmshaven zusammengezogen.
Dem Flottenkommando wurde signalisiert, dass einer Forderung auf Auslieferung der deutschen Flotte nachgekommen werden müsse.
Konteradmiral Adolf von Trotha entwickelte daraufhin auf der Basis vorausgegangener, im Frühjahr 1917 und im April 1918 aufgestellter Planungen einen Angriffsplan auf die mehr als doppelt so starke Grand Fleet.
Der Operationsplan sah am 30. Oktober einen Nachtvorstoß der gesamten Flotte in die Hoofden vor. Bei Tagesanbruch sollten die flandrische Küste und die Themsemündung angegriffen werden. Da die britische Flotte mit großer Wahrscheinlichkeit den Rückzug zur Deutschen Bucht abschneiden würde, erwartete die Marineführung am Spätnachmittag des zweiten Operationstages die große Seeschlacht bei Terschelling.
Die Admiräle sahen eine gewisse Siegeschance, planten also nicht von vorneherein eine "Todesfahrt" für 80.000 Seeleute, eine solche wurde jedoch als wahrscheinlichere Variante billigend in Kauf genommen.
Weder der Kaiser noch der Reichskanzler wurden informiert, sehr wohl jedoch Ludendorff. Die Motive des Flottenvorstoßes lagen in Ehren- und Existenzfragen der Admiräle: Man glaubte, ohne einen letzten Einsatz sei der kommende Wiederaufbau der Flotte gefährdet.
Nach dem entsprechenden Flottenbefehl vom 24. Oktober kam es am 27. Oktober zu Befehlsverweigerungen auf einigen der größten Schiffe. Admiral Franz von Hipper stellte am 29. Oktober den Befehl zum Auslaufen zurück und beorderte die Flottengeschwader zu ihren jeweiligen Standorten. Das besonders unruhige III. Flottengeschwader lief am 1. November in Kiel ein, wo 47 Matrosen, die als Haupträdelsführer galten, in Haft genommen wurden. Aus Protestaktionen gegen diese Maßnahme, bei denen am 3. November sieben demonstrierende Arbeiter und Soldaten erschossen wurden, entwickelte sich der Kieler Matrosenaufstand.
Die Novemberrevolution
Die MSPD, deren Führung die Oktoberreformen ausreichten und die Revolution ablehnte, konnte die Weiterentwicklung nicht aufhalten.
Die Novemberrevolution erfasste in rascher Folge Stadt um Stadt.
Überall im Reich bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die bereits am 6. November in Hamburg und am 7. November in München die Macht übernahmen.
Kaiser Wilhelm, der sich seit dem 29. Oktober im Großen Hauptquartier im belgischen Spa aufhielt, sah sich am 1. November aufgrund einer Note von US-Präsident Wilson erstmals offiziell mit der Forderung nach seiner Abdankung konfrontiert.
Nach einer Befragung von 39 Kommandeuren an der Westfront erhielt er am 9. November die Antwort, dass die Truppen bei einem Einsatz gegen die Revolution den Befehl überwiegend verweigern würden.
Die MSPD forderte den Reichskanzler am 7. November ultimativ auf, den Kaiser zur Abdankung zu bewegen, ansonsten werde sie aus der Regierung austreten. Die MSPD befürchtete, dass sie andernfalls die Revolution nicht mehr aufhalten könne. Da trotz einer vagen Zusage des Kaisers die konkrete Abdankung nicht folgte, gingen am 9. November die Berliner Großbetriebe in den Generalstreik, große Menschenmassen mit roten Fahnen zogen in Berlin durch die Straßen, die auf vielen öffentlichen Gebäuden – wie dem Brandenburger Tor – gehisst wurden.
Der 9. November:
Um 11:30 Uhr verkündet der Reichskanzler die Abdankung des Kaisers...
Die MSPD trat um 9 Uhr aus der Regierung aus, Reichskanzler Max von Baden gab gegen 11:30 Uhr eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen bekannt...
...und übergab kurz darauf sein Amt an Friedrich Ebert.
Um 14 Uhr ruft Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus...
Um 14 Uhr rief Philipp Scheidemann – ohne Abstimmung mit Friedrich Ebert, der darüber sehr verärgert war – die deutsche Republik aus.
Um 16 Uhr proklamierte Karl Liebknecht die freie sozialistische Republik Deutschland...
Karl Liebknecht vom Spartakusbund proklamierte um 16 Uhr die freie sozialistische Republik Deutschland.
Der 10. November:
Auf Druck der Basis konstituierten die bisher verfeindeten sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD am 10. November einen gemeinsamen Rat der Volksbeauftragten...
...Liebknecht stieß mit seiner Forderung auf eine Frontstellung gegen die MSPD praktisch nur auf Proteste.
Wilhelm II. flüchtet unehrenhaft...
Wilhelm II., der das Schicksal der Zarenfamilie fürchtete, flüchtete am selben Tag von Spa aus in die Niederlande, wo er erst am 28. November förmlich und "für alle Zukunft" auf die Krone Preußens und die deutsche Kaiserkrone verzichtete.
Wilhelm II. verließ das Land ohne Dankesworte an das Volk und die Truppen, die in seinem Namen gekämpft hatten, noch gedachte er der Gefallenen.
Selbst viele Anhänger aus dem konservativen Milieu empfanden den Gang ins Exil ohne vorherige Abdankung als Fahnenflucht.
Der Spartakusaufstand
Als Spartakusaufstand, Januarkämpfe oder Januaraufstand bezeichnet man den Generalstreik und die bewaffneten Kämpfe in Berlin vom 5. bis 12. Januar 1919 im Zusammenhang mit der Novemberrevolution. Der erste Begriff hat sich dafür eingebürgert, obwohl der Spartakusbund beziehungsweise die KPD diesen Aufstand weder plante und auslöste noch führte und erst nach seinem Beginn daran mitwirkte.
Ursachen:
Auslöser des Aufstands war die Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD) durch den Rat der Volksbeauftragten unter Führung Friedrich Eberts am 4. Januar 1919.
Rat der Volksbeauftragten: ...provisorische Reichsregierung
Eichhorn war vom ersten Rat der Volksbeauftragten ernannt worden. Dieser war am 9. November 1918 aus je drei Vertretern der MSPD und USPD als provisorische Reichsregierung gebildet und von der Obersten Heeresleitung im geheimen Ebert-Groener-Pakt akzeptiert worden.
Bei den Weihnachtskämpfen hatte die Volksmarinedivision, die zum Schutz der Übergangsregierung beauftragt war, Otto Wels (MSPD) am 23. Dezember 1918 als Geisel genommen, um ihrer Forderung nach Auszahlung des ausstehenden Solds Nachdruck zu verleihen.
- Die Weihnachtskämpfe waren militärische Auseinandersetzungen in Berlin während der Novemberrevolution zwischen der Volksmarinedivision und regulären Truppen, die am 24. Dezember 1918 ihren Höhepunkt erreichten. Die Auseinandersetzungen entzündeten sich an nicht ausgezahlter Löhnung und an angeblichen Diebstählen der im Berliner Stadtschloss und im Neuen Marstall einquartierten Matrosen. Sie bildeten den äußeren Anlass zum Zerbrechen der Koalition der beiden sozialdemokratischen Parteien MSPD und USPD im Rat der Volksbeauftragten.
Polizeipräsident Eichhorn (USPD) verweigert den Befehl...
Polizeipräsident Eichhorn hatte sich am 24. Dezember gegen den Befehl der drei MSPD-Volksbeauftragten Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg geweigert, die ihm unterstehende Sicherheitswehr gegen die im Berliner Schloss einquartierte Volksmarinedivision einzusetzen, um Wels zu befreien.
Seitdem hatte Ebert ihn als unzuverlässig angesehen.
Die USPD verläßt den Rat der Volksbeauftragten...
Die drei USPD-Vertreter (Hugo Haase, Wilhelm Dittmann, Emil Barth) hatten den Rat der Volksbeauftragten am 29. Dezember 1918 aus Protest gegen Eberts Schießbefehl und die Todesopfer bei den Weihnachtsunruhen verlassen. Die MSPD-Vertreter beriefen daraufhin die MSPD-Mitglieder Gustav Noske und Rudolf Wissell als Ersatz in den restlichen Rat.
Die USPD betrachtete diesen nicht mehr als rechtmäßige Übergangsregierung. MSPD-Mehrheiten im Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte Großberlin und im Zentralrat der Deutschen Sozialistischen Republik stimmten Eberts Wunsch, Eichhorn abzusetzen und auch den preußischen Ministerpräsidenten Paul Hirsch (MSPD) zu entlassen, jedoch zu.
Die Spaltung der "Novemberrevolution"
Die eigentliche Ursache des Januaraufstands waren die gegensätzlichen politischen Ziele und Methoden der an der Novemberrevolution beteiligten Gruppen.
Die MSPD:
Die MSPD-Führung um Ebert, Scheidemann und Noske strebte eine rasche Rückkehr zu "geordneten Verhältnissen" über rasche Wahlen zur Nationalversammlung an. Dem stimmte am 19. Dezember 1918 auf dem Reichsrätekongress eine übergroße Mehrheit von 400 gegen 50 Stimmen zu. Selbst mehrere USPD-Räte votierten für baldige Wahlen und damit für ein Ende der bestehenden Räteherrschaft.
Die KPD:
Die KPD, die am 1. Januar 1919 gegründet worden war, Teile der USPD und vor allem die Revolutionären Obleute[4] wollten die Fortsetzung und Absicherung ihrer Revolutionsziele (Sozialisierung, Entmachtung der Militärs, Diktatur des Proletariats) nach dem Vorbild der Oktoberrevolution in Russland. Am 20. November 1918 hatte Rosa Luxemburg in der Roten Fahne der mehrheitssozialdemokratischen Hoffnung, auf parlamentarischem Wege eine Änderung der bestehenden Verhältnisse herbeizuführen, eine entschiedene Absage erteilt. Aufgabe des Proletariats sei es, die Revolution weiterzutreiben, was ohne Gewaltanwendung nicht möglich sei:
Rosa Luxemburg - 20. November 1918:
"Der 'Bürgerkrieg', den man aus der Revolution mit ängstlicher Sorge zu verbannen sucht, läßt sich nicht verbannen. Denn Bürgerkrieg ist nur ein anderer Name für Klassenkampf, und der Gedanke, den Sozialismus ohne Klassenkampf, durch parlamentarischen Mehrheitsbeschluß einführen zu können, ist eine lächerliche kleinbürgerliche Illusion."
Ab Anfang Dezember 1918 wurden in und um Berlin Freikorps aus ehemaligen Frontsoldaten und Freiwilligen gebildet.
Ab Jahresbeginn 1919 ließen Ebert und Noske sie zusammen mit republiktreuen Verbänden wie der republikanischen Soldatenwehr und kaiserlichen, teils loyalen, meist aber republikfeindlichen Regimentern um Berlin zusammenziehen.
Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
- Der Spartakusaufstand in Berlin wurde im Januar 1919 durch Regierungstruppen und Freikorps blutig niedergeschlagen, wobei Hunderte von Menschen starben. Die Kämpfe begannen am 11. Januar, als Freikorps das Zeitungsviertel unter Einsatz von Maschinengewehren, Flammenwerfern und Mörsern zurückeroberten, und endeten am 12. Januar. Die Anführer des Aufstands, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, wurden kurz darauf gefangen genommen und ermordet.
Seit Anfang Dezember 1918 hatte die Antibolschewistische Liga Plakate und Aufrufe an die Berliner Bevölkerung drucken lassen, die dazu aufforderten, die "Rädelsführer" ausfindig zu machen und den Militärs zu übergeben. Dafür hatte sie eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein in hoher Auflage verbreitetes Flugblatt forderte:
"Das Vaterland ist dem Untergang nahe. Rettet es! Es wird nicht von außen bedroht, sondern von innen: Von der Spartakusgruppe. Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben. Die Frontsoldaten."
Nach dem Niederschlagen des Aufstands mussten die Führer der Spartakisten um ihr Leben fürchten und untertauchen. Nun suchte auch die reguläre Regierung sie als vermeintliche Putschisten, um sie wegen des Umsturzversuchs kurz vor den freien Wahlen zu belangen. Im Berliner Vorwärts erschien am 13. Januar 1919 ein Gedicht von Artur Zickler, das mit den Zeilen endete:
"Viel Hundert Tote in einer Reih' –
Proletarier!
Karl, Rosa, Radek und Kumpanei –
es ist keiner dabei, es ist keiner dabei!
Proletarier!"
Fritz Henck, der Schwiegersohn Philipp Scheidemanns, versicherte am 14. Januar in Berlin öffentlich, die Anführer des Aufstands würden "nicht ungeschoren davonkommen". Schon in wenigen Tagen werde sich zeigen, "daß auch mit ihnen Ernst gemacht wird."
Am 15. Januar abends wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in der Wohnung eines Freundes, Dr. Markussohn, in Berlin-Wilmersdorf von der Wilmersdorfer Bürgerwehr entdeckt, verhaftet und in das Eden-Hotel gebracht. Ihr Aufenthaltsort war wahrscheinlich durch die von Noske befohlene Telefonüberwachung bekannt geworden. Waldemar Pabst ließ die Gefangenen stundenlang verhören und misshandeln. Der beim Besuch in der Wohnung am gleichen Abend ebenfalls verhaftete KPD-Führer Wilhelm Pieck wurde Zeuge dieser Misshandlungen sowie von Telefonaten; eines davon führte Pabst wahrscheinlich mit der Reichskanzlei.
Der Mord sollte wie ein Attentat aussehen. Der Soldat Otto Runge (1875–1945) versetzte aus der Menge heraus Rosa Luxemburg beim Abtransport vom Hotel einen schweren Kolbenschlag. Bereits bewusstlos, wurde sie dann unterwegs im Wagen von Leutnant zur See Hermann Souchon mit einem aufgesetzten Schläfenschuss erschossen. Die Tote wurde in den Berliner Landwehrkanal geworfen, wo man die Leiche erst am 31. Mai 1919 fand. Liebknecht wurde kurz nach Rosa Luxemburg ebenfalls vom Hotel abtransportiert und fast bewusstlos geschlagen; er musste unterwegs aussteigen und wurde dann als "Flüchtender" von hinten erschossen. Der Tote wurde einer Berliner Polizeistation als "unbekannte Leiche" übergeben. Pieck erreichte, dass er in ein Gefängnis verlegt werden sollte; auf dem Weg dorthin gelang ihm die Flucht.
