Uganda-Giraffe (Giraffa camelopardalis rothschildi) oder Netzgiraffe (Giraffa camelopardalis reticulata)...

03.08.2025

Nach einer im Jahr 2016 vorgelegte DNA-Studie des Forscherteams um Julian Fennessy und Axel Janke existieren 4 unabhängige Arten (Vier-Arten-Modell) mit der Netzgiraffe (Giraffa reticulata de Winton, 1899) als eigene Art. In einer weiteren umfangreichen genetischen Studie aus dem Jahr 2020 wurde die Netzgiraffe als eine der zuvor anerkannten eigenständigen Arten nun als Unterart der Nord-Giraffe (Giraffa camelopardalis (Linnaeus, 1758)) aufgefasst. ...


Die Nord-Giraffe (Giraffa camelopardalis) ist eine Art aus der Gattung der Giraffen (Giraffa). Sie entspricht der ursprünglich 1758 von Carl von Linné beschriebenen Art. Der wissenschaftliche Name G. camelopardalis galt entsprechend für sämtliche Giraffen, als diese noch als eine Art angesehen wurden. ...

Systematik

Äußere Systematik

Die Giraffen wurden lange als eine Art C. camelopardalis eingestuft. Es wurden anhand von Fleckenzeichnung und Hörnern zahlreiche Unterarten unterschieden.

Die Einteilung in eine Art wurde auch in der Vergangenheit in Frage gestellt, so hielt 1904 Richard Lydekker mit der Netzgiraffe eine Unterart als eigenständig.

Eine im Jahr 2016 vorgelegte DNA-Studie eines Forscherteams um Julian Fennessy und Axel Janke basierend auf 190 Individuen stellte die bis zu diesem Zeitpunkt umfangreichste genetische Analyse dar. In dieser wurden vier monophyletische Gruppen herausgearbeitet, die den Forschern zufolge als eigenständige Arten anerkannt werden sollten.

Vier-Arten-Modell:

  • Nord-Giraffe (Giraffa camelopardalis (Linnaeus, 1758))
  • Netzgiraffe (Giraffa reticulata de Winton, 1899)
  • Süd-Giraffe (Giraffa giraffa von Schreber, 1784)
  • Massai-Giraffe (Giraffa tippelskirchi Matschie, 1898)

In einer weiteren umfangreichen genetischen Studie aus dem Jahr 2020 wurde die Netzgiraffe als eine der zuvor anerkannten eigenständigen Arten nun als Unterart aufgefasst. Für das westliche Afrika wiesen die Wissenschaftler eine zuvor unerkannte Unterart aus, die sich durch eigenständige Haplotypen auszeichnete und die sie mit G. c. senegalensis benannten. Sie ist mit den nördlichen Giraffen näher verwandt, war allerdings bereits Anfang der 1970er Jahre ausgerottet worden. Demzufolge ist die Gattung der Giraffen nach dieser Ansicht in drei Arten mit insgesamt zehn Unterarten aufzugliedern.

Dem gegenüber favorisiert eine im Frühjahr 2021 von Raphael T. F. Coimbra und Kollegen vorgestellte Genanalyse an 50 Individuen aus der Gesamtpopulation wieder das Vier-Arten-Modell.

Innere Systematik

Die Nord-Giraffe wird in mehrere Unterarten unterteilt, über deren Anzahl Uneinigkeit herrscht. Folgende sind allgemein anerkannt:

  • Nubische Giraffe (Giraffa camelopardalis camelopardalis (Linnaeus, 1758))
  • Kordofan-Giraffe (Giraffa camelopardalis antiquorum Jardine, 1835)
  • Westafrikanische Giraffe (Giraffa camelopardalis peralta Thomas, 1898)

Die Studie aus dem Jahr 2020 nennt außerdem die Rothschild-Giraffe oder Uganda-Giraffe (Giraffa camelopardalis rothschildi Lydekker, 1903) als Unterart, die von Raphael T. F. Coimbra und Kollegen 2021 als identisch mit der Nubischen Giraffe beurteilt wird. Zusätzlich wurde die ausgestorbene Unterart G. c. senegalensis beschrieben.

Gefährdung

Die letzte Beurteilung der IUCN für G. camelopardalis ist aus dem Jahr 2016 und listet noch alle Giraffen als eine Art. Demnach gelten die Giraffen im Gesamtbestand als "gefährdet" (vulnerable). Der Gesamtbestand wurde mit ca. 97.000 wildlebenden Exemplaren angegeben, wovon die Nord-Giraffe etwas über 5.000 Individuen ausmacht. Lokal ausgestorben gilt die Nord-Giraffe als seltenste und am stärksten gefährdete Art der Gattung. Während die Westafrikanische Giraffe als "gefährdet" eingestuft wurde, gelten die Nubische Giraffe und die Kordofan-Giraffe jeweils als "vom Aussterben bedroht" (critically endangered). Eine Hauptursache für die Gefährdung ist dabei Wilderei.

Beschreibung

Nord-Giraffen können von den anderen Giraffenarten durch die Form und Größe der beiden charakteristischen hornartigen Ausstülpungen auf ihrer Stirn, die als Ossiconen oder Stirnzapfen bekannt sind, unterschieden werden. Sie sind länger und größer als die der Süd-Giraffen. Bullen haben ein drittes zylindrisches Ossicon in der Mitte des Kopfes direkt über den Augen, das zwischen 7 und 13 cm lang ist.

Lebensraum und Verbreitung

Nord-Giraffen leben in Savannen, Buschland und Wäldern. In Ostafrika kommen sie hauptsächlich in Kenia und im Südwesten Äthiopiens vor, seltener im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan. In Zentralafrika gibt es etwa 2.000 in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad und in Kamerun. Einst in Westafrika weit verbreitet, sind noch einige Hundert Nord-Giraffen in Niger beheimatet. Die Vorkommen im Südsudan, in Kenia, im Tschad und im Niger sind isoliert.

Merkmale

Körperbau

Männchen (Bullen) werden bis zu 6 Meter hoch und wiegen durchschnittlich rund 1600 Kilogramm. Weibchen (Kühe) werden bis zu 4,5 Meter hoch und wiegen etwa 830 Kilogramm bei einer Schulterhöhe zwischen 2 und 3,5 Meter.

Hals

Der Hals der Giraffen ist außergewöhnlich lang. Wie bei fast allen Säugetieren besteht die Halswirbelsäule gleichwohl aus nur sieben Halswirbeln, die aber stark verlängert sind. Zusätzlich ähnelt der erste Brustwirbel einem Halswirbel, so dass der Hals funktional aus acht Wirbeln besteht. Dies hat auch zur Folge, dass einzelne Weichteilbildungen etwas weiter hinten ansetzen als bei den meisten Säugetieren, etwa der Plexus brachialis und Musculus longus colli. Der Hals wird von einer einzigen, sehr starken Sehne in einem Winkel von etwa 55° gehalten. Die Sehne verläuft vom Hinterkopf der Giraffe bis zum Steiß und ist für den "Höcker" zwischen Hals und Körper verantwortlich. Der Ruhezustand hält Hals und Kopf in der aufrechten Position; um den Kopf nach unten zu bewegen, z. B. zum Trinken, muss die Giraffe Muskelarbeit aufbringen.

Haarkleid

Das Muster des Haarkleids besteht aus dunklen Flecken, die sich von der helleren Grundfarbe abheben. Je nach Art variieren Form und Farbe der Flecken.

Die Unterseite der Tiere ist hell und ungefleckt. 

Die Flecken dienen der Tarnung und der Regulierung der Körpertemperatur. Im Unterhautgewebe verläuft um jeden Fleck eine ringförmige Arterie, die Äste in den Fleck hinein aussendet. Über eine stärkere Durchblutung kann die Giraffe so mehr Körperwärme abgeben. Im Bereich der Flecken ist die Haut zudem durchschnittlich dicker und enthält im Vergleich zu anderen Körperpartien größere Schweißdrüsen. Messungen ergaben, dass die Oberflächentemperatur der Flecken niedriger liegt als in den umgebenden Arealen. Insgesamt kommt den Flecken somit eine thermoregulierende Funktion zu.

Daneben haben sie aber auch eine signalisierende Wirkung. Vor allem bei männlichen Giraffen werden die Flecken mit zunehmendem Alter dunkler.  Nach Untersuchungen an Tieren aus dem Etosha-Nationalpark sind dunklere Altbullen häufig einzelgängerisch und zeichnen sich durch ein dominantes Auftreten gegenüber Geschlechtsgenossen bei der Fortpflanzung aus. Gleichalte hellere Individuen führen dagegen häufig ein Leben im Verband und sind weniger dominant, was zu geringeren Erfolgen in der Verpaarung mit Kühen führt. Demnach gibt die Fellfarbe den sozialen Status eines Individuums wieder.

Der Geruch des Haarkleids ist für den Menschen unangenehm. Giraffenbullen riechen stärker als -kühe. An Fäkalien erinnern speziell die Stoffe Indol und Skatol, darüber hinaus finden sich Octan, Benzaldehyd, Heptanal, Octanal, Nonanal, p-Kresol, Tetradecan- und Hexadecansäure im Fell. Die meisten dieser Verbindungen hemmen das Wachstum von Bakterien oder Pilzen, wie sie auf der Haut von Säugetieren vorkommen. Der Gehalt von p-Kresol im Giraffenhaar ist ausreichend, um Zecken abzuschrecken.

Maul

Zunge und Lippen der Giraffe sind zum Greifen fähig. Die Zunge kann 45 Zentimeter lang werden und ist im vorderen Bereich zum Schutz vor Sonnenbrand stark pigmentiert. Giraffen haben die kräftigste Zunge aller Säugetiere. 

Mit ihrer langen, flexiblen Zunge kann eine Giraffe die Blätter eines Astes pflücken, den sie bereits im Maul hält (wo die oberen Schneidezähne fehlen), oder mit der Zunge einen Ast in ihre geöffneten greifenden Lippen heranziehen oder Blätter zwischen Dornen abzupfen. Sobald die Nahrung im Maul ist, wird sie durch Papillen (einige bis zu 1,6 cm lang) und schwielige Fortsätze, welche die Mundhöhle auskleiden, zwischen die Backenzähne geleitet.

Herz-Kreislauf-System

Wegen der Länge des aufrechten Halses führt die Schwerkraft in den Blutgefäßen auf Herzhöhe zu einem ungewöhnlich hohen Druck, dem entgegengewirkt werden muss. Das Herz der Giraffen muss daher besonders leistungsstark sein, um den erforderlichen Blutdruck zu erzeugen. Es wiegt im Durchschnitt ähnlich wie bei anderen Säugern etwa 0,51 % des Körpergewichts.

Verbreitung

Giraffen sind in afrikanischen Savannen verbreitet. Heute leben sie nur noch südlich der Sahara, vor allem in den Grassteppen Ost- und Südafrikas. Die Bestände nördlich der Sahara wurden frühzeitig durch den Menschen ausgerottet: während des frühen Altertums im Niltal und etwa im 7. Jahrhundert in den Küstenebenen Marokkos und Algeriens. Im 20. Jahrhundert verschwanden Giraffen aus vielen weiteren Bereichen ihres Verbreitungsgebiets.

Lebensweise 

Territorial- und Sozialverhalten

Giraffen leben einzelgängerisch oder in losen Verbänden. 

Dabei hängt das Sozialverhalten vom Geschlecht ab: Weibchen tun sich stets zu Herden von 4 bis 32 Tieren zusammen, die jedoch immer wieder in der Zusammensetzung wechseln. Junge oder weniger dominante Männchen formen eigene Verbände, sogenannte Junggesellengruppen, dominante Altbullen sind meist Einzelgänger. Die Gruppengröße ist abhängig vom Lebensraum und wird nicht durch die Anwesenheit größerer Beutegreifer beeinflusst. Auffälligerweise finden sich Kühe mit Nachwuchs häufiger in kleineren Gruppen zusammen.

Treffen zwei Bullen aufeinander, kommt es meistens zu einem ritualisierten Kampf, bei dem die Tiere nebeneinander stehen und ihren Kopf gegen den Hals des Konkurrenten schlagen. Zur Paarungszeit können solche Kämpfe aggressiver ausfallen und eine Heftigkeit annehmen, bei der einer der Konkurrenten bewusstlos geschlagen wird. 

Giraffen erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 55 km/h. Die langen Beine können die Giraffe aber nur auf festem Untergrund tragen. Sumpfige Gegenden werden von den Tieren daher gemieden.  

Giraffen verständigen sich im für Menschen nicht hörbaren Infraschallbereich mit Frequenzen unter 20 Hertz.

Giraffen schlafen mehrmals innerhalb eines 24-Stunden-Tages, dabei liegen sie mit angezogenen Beinen auf dem Bauch, mit dem Kopf nach hinten auf dem Körper. Der Schlaf dauert in der Regel nur kurze Zeit, in mehr als der Hälfte aller Beobachtungen weniger als 11 Minuten, im Maximum bis zu 100 Minuten. 

Ernährung

Giraffen beweiden bevorzugt Akazien. Dabei greifen die Tiere einen Zweig mit ihrer bis zu 50 cm langen Zunge, ziehen ihn ins Maul und streifen durch Zurückziehen des Kopfes die Blätter ab. Zunge und behaarte Lippen sind so beschaffen, dass sie trotz der dornigen Äste keinen Schaden nehmen. Ihr Verdauungssystem ist eher auf Blätter als auf Gras ausgerichtet, was ihre Probleme in den Zoos erklärt, wo sie oft Heu und Futterkonzentrate zu fressen bekommen. 

Fortpflanzung

Die Tragzeit dauert 14 bis 15 Monate. 

In der Regel wird nur ein einziges Kalb geboren. Die Geburt erfolgt im Stehen, so dass die Neugeborenen aus zwei Metern Höhe zu Boden fallen. 

Neugeborene Giraffen sind etwa 50 Kilogramm schwer und 1,8 Meter hoch, erreichen so gerade das Euter der Mutter. Während ihre Beine zu diesem Zeitpunkt schon weit entwickelt sind, wächst ihr Hals postnatal noch auf die fast dreifache Länge an. Sie stehen innerhalb einer Stunde fest auf ihren Beinen und fangen nach wenigen Stunden an zu laufen. Allerdings werden die Kälber erst nach zwei bis drei Wochen mit der Herde vereint.

Ein Kalb bleibt etwa eineinhalb Jahre bei seiner Mutter. Mit vier Jahren wird es geschlechtsreif, mit sechs Jahren erreicht es die volle Größe. 

In Gefangenschaft können Giraffen bis zu 35 Jahre alt werden. Das Maximalalter in freier Wildbahn wird für männliche Tiere auf 22, für weibliche auf 28 Jahre geschätzt, es liegen aber bisher zu wenige Untersuchungen vor.

Gegen Raubtiere verteidigen sich ausgewachsene Giraffen mit Tritten ihrer Vorderhufe. Aufgrund ihrer Größe und Wehrhaftigkeit werden sie allerdings nur selten angegriffen. 

Jungtiere fallen dagegen häufig Löwen, Leoparden, Hyänen und Wildhunden zum Opfer. Trotz des Schutzes durch die Mutter erreichen nur 25 bis 50 Prozent der Jungtiere das Erwachsenenalter.


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