
etwa 800 - 1500 n. Chr. - Das Römisch-Deutsche Reich: ...und die "Ottonen"
Die Zeit des Mittelalters in Europa von etwa 800 bis etwa 1500...
"Keimzellen" Deutschlands
Das karolingische Frankenreich, das um 800 zur neuen Großmacht in Europa aufgestiegen war, zerfiel im 9. Jahrhundert in das Westfranken- und das Ostfrankenreich, die frühmittelalterlichen "Keimzellen" Frankreichs und Deutschlands, wenngleich sich noch lange Zeit danach keine "deutsche Identität" entwickelte.
Historisch-politische Karten Europas:
Die Ostfranken - Liudolfinger (Ottonen), Salier, Staufer und Habsburger - "Ohnmächtig" in Europa
In Ostfranken stiegen im 10. Jahrhundert die Liudolfinger (Ottonen) auf. Sie erlangten die westliche "römische" Kaiserwürde und legten die Grundlage für das römisch-deutsche Reich, das keinen nationalen, sondern vielmehr einen supranationalen Charakter hatte. Es wurde seit dem späten 13. Jahrhundert auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet und umfasste bis in die Frühe Neuzeit das Königreich Italien.
Die römisch-deutschen Könige und Kaiser sahen sich im Rahmen der Translationstheorie in der Tradition des antiken Römischen Reichs.
Ottonen und die nachfolgenden Herrscherhäuser der Salier und Staufer stützten sich in unterschiedlicher Ausprägung auf die Reichskirche und erhoben in Bezug auf das erneuerte Kaisertum einen universalen Geltungsanspruch. Im Verlauf des Mittelalters kam es daher wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Universalgewalten Kaisertum (Imperium) und Papsttum (Sacerdotium). Besonders ausgeprägt waren diese Konflikte während des Investiturstreits im späten 11./frühen 12. Jahrhundert, in spätstaufischer Zeit und dann noch einmal in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
In spätstaufischer Zeit verlor das Königtum an Macht, ebenso ging der Einfluss des Reichs im lateinischen Europa zurück. Die römisch-deutschen Könige verfügten allerdings im Gegensatz zu den westeuropäischen Königen Englands und Frankreichs ohnehin nicht über eine allzu starke zentrale Herrschaftsgewalt, vielmehr wurde der Aspekt konsensualer Herrschaft im Verbund mit den Großen des Reiches betont. Die Stellung der zahlreichen weltlichen und geistlichen Landesherren gegenüber dem Königtum wurde im Spätmittelalter weiter gestärkt, wobei seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Kurfürsten ein exklusives Königswahlrecht beanspruchten. Die Goldene Bulle von 1356 legitimierte endgültig eine kurfürstliche Wahlmonarchie, wenngleich seit Mitte des 15. Jahrhunderts die Habsburger bis zum Ende des Reiches im Jahr 1806 fast kontinuierlich die Kaiser stellten. Das Königtum musste sich im Spätmittelalter vor allem auf die eigene Hausmachtpolitik stützen und konnte effektiv nur noch im Süden und teils dem Rheingebiet eingreifen.
"Das deutsche Volk" - ab wann!?
In der historischen Forschung ist bis heute umstritten, ab wann von Deutschland und ab wann vom deutschen Volk gesprochen werden kann.
Die ältere, stark national geprägte Forschung postulierte die Gleichsetzung von Germanen mit den Deutschen im mittelalterlichen Reich. Dieser Ansatz ist problematisch und die neuere Forschung lehnt ihn ab:
...denn dabei wird eine bewusste Eigenidentität vorausgesetzt. Die moderne Forschung versteht Ethnogenese hingegen nicht als biologischen, sondern als sozialen Prozess, in dessen Verlauf sich eine Identität im Rahmen eines komplexen Entwicklungsprozesses erst langsam herausbildet. Hinzu kommt, dass eine Sprachgemeinschaft nicht einfach mit einer ethnischen Gemeinschaft gleichgesetzt werden kann. Die Auswertung der zeitgenössischen Quellen ergibt denn auch nicht das Bild von "deutschen Stämmen", die sich im 9. Jahrhundert bewusst in einem eigenen Reich (dem Ostfrankenreich) zusammengeschlossen haben. Als Orientierungspunkt diente vielmehr bis weit ins 11. Jahrhundert hinein das Frankenreich.
Erst im 11. Jahrhundert taucht der Begriff rex Teutonicorum ("König der Deutschen") für den ostfränkischen/römisch-deutschen Herrscher auf, allerdings als Fremdbezeichnung durch anti-kaiserliche Kreise, denn die römisch-deutschen Herrscher haben sich selbst nie so bezeichnet, sondern als rex Romanorum ("König der Römer"). Für die mittelalterlichen römisch-deutschen Herrscher waren die deutschsprachigen Gebiete ein wichtiger Teil des Reiches, das aber daneben auch Reichsitalien und das Königreich Burgund umfasste. Aufgrund der Reichsidee, die die Anknüpfung an das antike Römerreich und eine heilsgeschichte Komponente beinhaltete, war der damit einhergehende Herrschaftsanspruch nicht national, sondern (zumindest theoretisch) universal ausgerichtet.
In der folgenden Zeit diente als loser politischer Rahmen des Reichs, als verbindende kulturelle Komponente die deutsche Sprache. Eine "deutsche Identität" – die Idee, zu einer spezifischen, abgegrenzten Gemeinschaft zu gehören – entwickelte sich im allgemeinen Bewusstsein erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Während in England und Frankreich mit ihren zentral organisierten Königsherrschaften die Tendenz zu "nationalen Königreichen" neigte (wobei Benedict Anderson den Begriff Nation als "vorgestellte, begrenzte und souveräne Gemeinschaft" erläutert), dominierte im von partikularen Grundstrukturen geprägten römisch-deutschen Reich die universale Reichsidee, wenngleich Begriffe wie deutsche Lande in späteren Quellen durchaus belegt sind.
Erst im Spätmittelalter begannen deutsche Gelehrte wie z. B. Alexander von Roes und Lupold von Bebenburg sich Gedanken über die Rolle "der Deutschen" im Gefüge Europas und einer politischen Identität (biologische Kategorien spielten hier keine Rolle) zu machen, was aus einer Position politischer Schwäche des Reiches geschah, wobei die Überlegungen weiterhin stark mit der Reichsidee verknüpft blieben. Nun erst setzte der Prozess einer langsamen politischen Identitätsbildung im eigentlichen Sinne ein.
Frühmittelalter in Europa:
Das Frankenreich
Karl der Große - Erster karolingischer Kaiser Westroms
Karl der Große (reg. 768 bis 814) hatte die Grenzen des Frankenreichs stark erweitert, das zur neuen Großmacht neben Byzanz und dem Abbasiden-Kalifat aufstieg.
Es umfasste den Kernteil der frühmittelalterlichen lateinischen Christenheit und war das bis dahin bedeutendste staatliche Gebilde im Westen seit dem Fall Westroms.
Karl hatte für eine effektive Verwaltung gesorgt und eine umfassende Bildungsreform initiiert, die eine kulturelle Neubelebung des Frankenreichs zur Folge hatte.
Politischer Höhepunkt seines Lebens war die zu Weihnachten des Jahres 800 erfolgte Kaiserkrönung. In der Peterskirche in Rom wurde Karl der Große von Papst Leo III. zum weströmischen Kaiser gekrönt. Dieses Ereignis schuf die Grundlage für das westliche mittelalterliche Kaisertum.
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EPILOG: Karl der Große und Widukind
Die Sachsenkriege - Grundstein für eine spätere deutsche Geschichte
KARL DER GROßE - SACHSENKRIEGE 772 bis etwa 804:
Die Sachsenkriege Karls des Großen dauerten von 772 bis etwa 804.
Die brutalen Feldzüge, bei denen auch Massenhinrichtungen und die Zerstörung des sächsischen Heiligtums Irminsul stattfanden, endeten erst nach über 30 Jahren. Durch die Eingliederung des sächsischen Gebiets erweiterte Karl das Frankenreich und legte den Grundstein für eine spätere deutsche Geschichte, da die Nachfahren der Sachsen unter Otto dem Großen die Kaiserkrone erlangten.
VERLAUF:
- 772: Die Zerstörung des germanischen Heiligtums der Irminsul (als ein Sinnbild für die das Himmelsgewölbe tragende Weltsäule) auf dem wichtigsten Versammlungsplatz der Sachsen, führte zum offenen Aufstand gegen die Franken.
- 772: Der fränkische Sommerfeldzug im selben Jahr war zunächst erfolgreich: Karls Heere stießen von linksrheinischen Basen aus in sächsisches Gebiet vor und eroberten unter anderem die Syburg (bei Dortmund) und die Eresburg (heute: Marsberg), wo die Irminsul gestanden haben soll, und stießen bis zur Weser vor, hinter der die sächsischen Siedlungszentren lagen (Weserfestung).
Während Karls Feldzug in Italien gegen die Langobarden setzte ein Teil der Sachsen, vor allem bäuerliche Aufgebote unter Führung Widukinds, eines westfälischen Adligen, den Widerstand fort und zerstörte und plünderte fränkische Siedlungen, Klöster und Kirchen, vornehmlich im heutigen Rheinland.
- 775: Der erneute Feldzug Karls gegen die Sachsen führte das fränkische Heer von Düren über Syburg, Eresburg und Brunsberg bei Höxter in den ostfälischen Raum an die Oker, wo sich Hessi und andere Sachsen dem fränkischen König unterwarfen.
- 777 - 785 Widukind führt den Widerstand der Sachsen gegen Karl den Großen
WIDUKIND - als dux Saxonum:
Widukind (auch Wittekind oder Weking) stammte aus einem westfälischen Adelsgeschlecht und führte als dux Saxonum, also als Herzog der Sachsen, in den Jahren 777 bis 785 den Widerstand gegen Karl den Großen in den Sachsenkriegen.
Angeführt von ihrem Herzog Widukind, stellten sich die Sachsen im Gegensatz zu früheren, eher schlecht organisierten Eroberungszügen, nun in offenen Feldschlachten. Sie verwüsteten die rechte Rheinseite zwischen Deutz und Lahnmündung und bedrohten danach das Kloster Fulda.
DIE RACHE KARLS - ZWANGSUMSIEDLUND VON SACHSEN INS FRANKENREICH
Karl soll auf die hartnäckigen Aufstände der Sachsen mit brutaler Repression geantwortet haben, unter anderem mit dem berüchtigten Blutgericht von Verden noch im selben Jahr (siehe auch Verden (Aller)), bei dem angeblich tausende Sachsen enthauptet wurden. Die in den Quellen genannte Zahl von 4500 Opfern wird in der Forschung als Übertreibung dargestellt.
Karl erließ zudem ein Sondergesetz (Capitulatio de partibus Saxoniae), das die Missachtung der christlichen Reichsordnung – u. a. Verunglimpfung eines Priesters oder einer Kirche, die bei den Heiden übliche Feuerbestattung oder das Essen von Fleisch an Fastentagen – mit der Todesstrafe bedrohte.
Gezielt sollen von Karl auch Deportationen als Mittel der Unterwerfung und Befriedung eingesetzt worden sein. Karl der Große führte im Rahmen der Sachsenkriege Zwangsumsiedlungen in Sachsen durch, bei denen Sachsen ihre Heimat verlassen mussten und fränkische Siedler angesiedelt wurden, um die Herrschaft Karls zu sichern und den Widerstand zu brechen. Die deportierten Sachsen, darunter auch Frauen und Kinder, wurden ins fränkische Kernland verstreut, um ihre Strukturen aufzubrechen.
Sogar in der engsten Umgebung Karls stieß diese Rigorosität auf Vorbehalte: Abt Alkuin – angelsächsischer Gelehrter, ab 796 Abt des Klosters Saint-Martin de Tours und Vertrauter des Frankenkönigs – mahnte in einem Brief Zurückhaltung an: Gemäß den Lehren der Heiligen Schrift und der Kirchenväter solle man das Wort Gottes mit Predigten und nicht mit dem Schwert verbreiten. Karls Brutalität und Kompromisslosigkeit trugen ihm den Beinamen Sachsenschlächter ein.
WIDUKIND LENKT EIN:
Trotz ihrer kämpferischen Einstellung gerieten die Sachsen in der Folge immer mehr in Bedrängnis. Die Wende trat erst ein, als Widukind sich 785, unter dem Druck Karls und zum Wohle seines Volkes, (vermutlich in der Königspfalz Attigny) taufen ließ und den Treueeid auf Karl, der als Taufpate fungierte, leistete. Neben Attigny werden noch elf weitere Tauforte Widukinds in späteren Quellen genannt, so etwa die Hohensyburg, Paderborn und Worms.
Mit den Sachsenkriegen war die Völkerwanderungszeit im Nordwesten des Reiches endgültig zu Ende.
Umsiedlung von Sachsen und Franken
In Folge der Sachsenkriege Karls des Großen (772–804), kam es 794, 804 und 808 zur Umsiedlung von Teilstämmen der Sachsen ins Innere des Frankenreiches und der Verpflanzung fränkischer Siedler ins nördliche Sachsenland bis zur Elbe. Wie den Reichsannalen zu entnehmen ist, erfolgte die Ansiedlung der Sachsen verteilt über das Land. Bei Thomas Ertl heißt es: "Im Kontext dieser Zwistigkeiten lässt sich der Bericht der Reichsannalen über die Zwangsumsiedlung der Sachsen im Jahr 804 gut einfügen. Denn nun handelte Karl der Große offiziell in der Tradition seines byzantinischen Gegenspielers und ordnete als Kaiser eine Zwangsumsiedlung der Sachsen an. So fand diese Praxis, die die Franken gleichsam »inoffiziell« schon seit 794 übten, schließlich Eingang in die offiziösen Reichsannalen. Und auch Einhard, der Biograph Karls des Großen, berichtet, der Sachsenkrieg habe sein Ende genommen, als »er [der Kaiser] alle, die ihm Widerstand geleistet hatten, besiegt und unterjocht hatte, zehntausend Mann mit Weib und Kind, von ihren Wohnsitzen auf beiden Ufern der Elbe wegholte und sie da und dort in Germanien und Gallien in vielen Abteilungen ansiedelte«" (Einhard, Vita Karoli 7, S. 10).[5]
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WEITER: ...mit den Karolingern
Ludwig der Fromme
Nach Karls Tod im Januar 814 folgte ihm sein Sohn Ludwig der Fromme nach, den Karl bereits 813 zum Mitkaiser gekrönt hatte. Die ersten Regierungsjahre Ludwigs waren vor allem von seinem Reformwillen im kirchlichen und weltlichen Bereich geprägt. Ludwig bestimmte 817, dass nach seinem Tod eine Reichsteilung erfolgen sollte. Sein ältester Sohn Lothar sollte eine Vorrangstellung vor seinen anderen Söhnen Ludwig (in Bayern) und Pippin (in Aquitanien) erhalten. Eine schwierige Lage entstand jedoch, als Kaiser Ludwig 829 auch Karl, seinem Sohn aus seiner zweiten Ehe mit der am Hof einflussreichen Judith, einen Anteil am Erbe zusicherte. Bald entbrannte offener Widerstand gegen die Pläne des Kaisers.
Lothar - rebelliert gegen den Vater
Mit der Erhebung der drei ältesten Söhne gegen Ludwig den Frommen im Jahr 830 begann die Krisenzeit des Karolingerreiches, die schließlich zu dessen Auflösung führte.
Die Rebellion führte 833 zur Gefangennahme des Kaisers auf dem "Lügenfeld bei Colmar", wobei das Heer Ludwigs zum Gegner überlief. Anschließend musste Ludwig einer demütigenden Bußhandlung zustimmen. 834 wandten sich jedoch mehrere Anhänger von dem jetzigen Kaiser Lothar ab, der sich nach Italien zurückzog.
Von außen wurde das Reich zunehmend von Wikingern, slawischen Stämmen und sogar von Arabern bedrängt.
Auch die Spannungen im Inneren blieben bestehen. Im Ostteil des Reiches hatte Ludwig der Deutsche seine Stellung gesichert, ähnlich wie Karl im Westen, so dass der Druck auf Kaiser Lothar stieg.
Lothar - wird von seinen Brüdern besiegt
Karl und Ludwig verbündeten sich gegen Lothar und besiegten ihn in der Schlacht von Fontenoy am 25. Juni 841. Im Februar 842 bekräftigten sie ihr Bündnis mit den Straßburger Eiden. Auf Drängen der fränkischen Adeligen kam es 843 zum Vertrag von Verdun: Karl regierte den Westen, Ludwig den Osten, während Lothar ein Mittelreich und Italien erhielt.
Nach Lothars Tod 855 erbte sein ältester Sohn Lothar II. das Mittelreich.
Offenbar grenzten sich jedoch die karolingischen Reichsteile bereits im 9. Jahrhundert immer mehr voneinander ab, die Reichseinheit konnte nur noch vorübergehend wiederhergestellt werden.
Karl und Ludwig - das West- und das Ostfrankenreich
Nach dem Lothar II. Tod 869 kam es zum Konflikt zwischen Karl und Ludwig um das Erbe, was 870 zur Teilung im Vertrag von Meerssen führte.
Damit formierten sich endgültig das West- und das Ostfrankenreich, während in Italien von 888 bis 961 separat Könige regierten.
Karl III. - König der West- und Ostfranken - Kaiser Westroms
Unter Karl III., der 881 die Kaiserkrone errang und seit 882 über ganz Ostfranken herrschte, war das gesamte Imperium für wenige Jahre noch einmal vereint, als er 885 auch die westfränkische Königskrone erwarb.
Doch blieb diese Reichseinigung eine Episode.
Arnulf in Ostfranken und viele "Kleinkönige"
In der "Regensburger Fortsetzung" der Annalen von Fulda ist zum Jahr 888 abschätzig vermerkt, nach dem Tod Karls (im Januar 888) hätten viele reguli (Kleinkönige) in Europa nach der Macht gegriffen, wobei Arnulf, ein Neffe Karls III., in Ostfranken herrschte (reg. 887–899).
Der Zusammenbruch des Karolingerreichs wurde unübersehbar.
ENDE der Karolinger:
Ludwig das Kind - Der letzte karolinger König in Ostfranken
Im Osten starb der letzte Karolinger Ludwig das Kind im Jahr 911.
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Konrad I. - In Ostfranken
Ihm folgte Konrad I. nach. Konrad war bemüht, Ostfranken zu stabilisieren, wobei er sich gegen den mächtigen Adel behaupten und gleichzeitig die Ungarn abwehren musste, die wenige Jahre zuvor ein Reich gegründet hatten.
Die Kapetinger - In Westfranken
In Westfranken traten nach 987 die Kapetinger hervor, die anschließend bis ins 14. Jahrhundert die französischen Könige stellten.
West- und Ostfranken waren nun endgültig voneinander getrennte Reiche.
Ostfränkisches Reichsgebiet - Die ersten sächsischen Könige ("Ottonen")
In der neueren Forschung wird zwar die Bedeutung der Ottonenzeit für die Ausformung Ostfrankens betont, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen "deutschen" Geschichte. Der damit verbundene komplexe Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.
Heinrich I. - der erste König aus sächsischem Hause
Nach dem Tod des ostfränkischen Königs Konrad im Jahr 919 bestieg mit Heinrich I. das erste Mitglied des sächsischen Hauses der Liudolfinger ("Ottonen") den ostfränkischen Königsthron; sie konnten sich in der Folgezeit bis 1024 im Reich behaupten.
Heinrich I. sah sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Die an karolingischen Mustern orientierte Herrschaftsausübung stieß an ihre Grenzen, zumal nun die Schriftlichkeit, ein entscheidender Verwaltungsfaktor, stark zurückging.
- Die karolingische Schriftlichkeit bezieht sich hauptsächlich auf die Einführung der karolingischen Minuskel, einer klaren und einheitlichen Buchschrift, die unter Karl dem Großen im 8. und 9. Jahrhundert im karolingischen Reich entstand und sich europaweit verbreitete.
Gegenüber den Großen des Reiches scheint Heinrich, wie mehrere andere Herrscher nach ihm, eine Form der konsensualen Herrschaftspraxis betrieben zu haben. Dennoch blieben Schwaben und Bayern bis um das Jahr 1000 königsferne Regionen, in denen der Einfluss des Königtums schwach ausgeprägt war.
Das Reich befand sich weiterhin im Abwehrkampf gegen die Ungarn, mit denen 926 ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Heinrich nutzte die Zeit und ließ die Grenzsicherung intensivieren; auch gegen die Elbslawen und gegen Böhmen war der König erfolgreich. 932 verweigerte er die Tributzahlungen an die Ungarn; 933 schlug er sie in der Schlacht bei Riade. Im Westen hatte Heinrich den Anspruch auf das zwischen West- und Ostfranken umstrittene Lothringen zunächst 921 aufgegeben, bevor er es 925 gewinnen konnte.
Ottos I. (reg. 936–973) - hegemonialer Herrscher Ostfrankens und Kaiser Westroms
In der Regierungszeit von Heinrichs Sohn Ottos I. (reg. 936–973) sollte das Ostfrankenreich eine hegemoniale (Vormacht-) Stellung im lateinischen Europa einnehmen.
Otto erwies sich als energischer Herrscher, seine Herrschaftsausübung war allerdings nicht unproblematisch, denn er wich von der konsensualen Herrschaftspraxis seines Vaters ab. Bisweilen verhielt sich Otto rücksichtslos und geriet mehrfach in Konflikt mit engen Verwandten.
SCHLACHT AUF DEM LECHFELD:
Otto gelang es, gegen die Ungarn eine Abwehr zu organisieren und sie 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld vernichtend zu schlagen. Sein Ansehen im Reich wurde durch diesen Erfolg erheblich gesteigert.
SIEGE ÜBER DIE SLAWEN:
Im Osten errang er Siege über die Slawen, womit die elbslawischen Gebiete (Sclavinia) verstärkt in die ottonische Politik eingebunden wurden. Otto trieb die Errichtung des Erzbistums Magdeburg voran, was ihm 968 endgültig gelang. Ziel war die Slawenmission im Osten und die Ausdehnung des ostfränkischen Herrschaftsbereichs, wozu nach karolingischem Vorbild Grenzmarken errichtet wurden.
KAISER WESTROMS:
Er wurde am 2. Februar 962 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt, im Gegenzug bestätigte er die Rechte und Besitzungen der Kirche. Das an die antike römische Kaiserwürde angelehnte westliche Kaisertum wurde nun mit dem ostfränkischen (bzw. römisch-deutschen) Königtum verbunden. Außerdem wurden weite Teile Ober- und Mittelitaliens dem ostfränkischen Reich angegliedert (Reichsitalien). Im Inneren stützte sich Otto, wie generell viele frühmittelalterlichen Herrscher, für Verwaltungsaufgaben vor allem auf die Kirche.
TOD OTTOS:
Beim Tod Ottos am 7. Mai 973 war nach schwierigen Anfängen das Reich konsolidiert und das Kaisertum wieder ein politischer Machtfaktor.
Otto II. (reg. 973–983)
Ottos Sohn Otto II. (reg. 973–983) war bereits sehr jung 961 zum Mitkönig und 967 zum Mitkaiser gekrönt worden.
Im April 972 hatte er die gebildete byzantinische Prinzessin Theophanu geheiratet. Otto war selbst gleichfalls gebildet und wie bei seiner Ehefrau Theophanu galt sein Interesse auch geistigen Angelegenheiten.
OTTO II. VERTEITIGT DAS OSTFRANKENREICH:
Im Norden wehrte er Angriffe der Dänen ab, während in Bayern Heinrich der Zänker (ein Verwandter des Kaisers) erfolglos gegen ihn agierte. Im Westen kam es zu Kampfhandlungen mit Westfranken (Frankreich), bevor 980 eine Übereinkunft erzielt werden konnte.
OTTO II. VERLIERT IN SÜDITALIEN:
Otto plante, anders als noch sein Vater, die Eroberung Süditaliens, wo Byzantiner, Langobarden und Araber herrschten. Ende 981 begann der Feldzug, doch erlitt das kaiserliche Heer im Juli 982 eine vernichtende Niederlage gegen die Araber in der Schlacht am Kap Colonna. Otto gelang nur mit Mühe die Flucht. Im Sommer 983 plante er einen erneuten Feldzug nach Süditalien, als sich unter Führung der Liutizen Teile der Elbslawen erhoben (Slawenaufstand von 983) und somit die ottonische Missions- und Besiedlungspolitik einen schweren Rückschlag erlitt.
OTTO II. STIRBT IN ROM:
Noch in Rom starb der Kaiser am 7. Dezember 983, wo er auch beigesetzt wurde.
Otto III. (reg. 983–1002)
Die Nachfolge trat sein gleichnamiger Sohn an, Otto III. (reg. 983–1002), der noch vor dem Tod seines Vaters als nicht ganz Dreijähriger zum Mitkönig gewählt worden war.
Aufgrund seines jungen Alters übernahm zunächst seine Mutter Theophanu, nach deren Tod 991 dann bis 994 seine Großmutter Adelheid von Burgund die Regentschaft.
Der für seine Zeit hochgebildete Herrscher umgab sich im Laufe der Zeit mit Gelehrten, darunter Gerbert von Aurillac.
OTTO III. INTERVENIERT IN ITALIEN:
Otto interessierte sich besonders für Italien; er griff mehrmals in Italien ein und intervenierte auch im Konflikt des Papsttums mit den einflussreichen stadtrömischen Kreisen. Der Kaiser strebte im Zusammenspiel mit dem Papst eine kirchliche Reform an und hatte bei den Papsternennungen dieser Zeit großen Einfluss.
OTTO III. STIRBT IN ITALIEN:
Otto hielt sich längere Zeit in Italien auf und starb dort Ende Januar 1002.
Heinrich II. (reg. 1002–1024) - Herrscher Ostfrankens und Kaiser Westroms
Nachfolger Ottos III. wurde Heinrich II. (reg. 1002–1024), der aus der bayerischen Nebenlinie der Ottonen stammte und dessen Herrschaftsantritt umstritten war.
Heinrich II. setzte andere Schwerpunkte als sein Vorgänger und konzentrierte sich vor allem auf die Herrschaftsausübung im nördlichen Reichsteil, wenngleich er dreimal nach Italien zog.
AUCH HEINRICH II. ZIEHT GEGEN ITALIEN - KAISER WESTROMS:
Auf seinem zweiten Italienzug 1014 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. Im Süden kam es 1021/22 auch zu Auseinandersetzungen mit den Byzantinern, die letzten Endes ergebnislos verliefen und dem Kaiser keinen Gewinn einbrachten.
FELDZÜGE GEGEN POLEN:
Im Osten führte er vier Feldzüge gegen Bolesław von Polen, bevor 1018 der Frieden von Bautzen geschlossen wurde.
ENDE DER "OTTONEN":
Im Inneren präsentierte sich Heinrich als ein von der sakralen Würde seines Amtes durchdrungener Herrscher. Er gründete das Bistum Bamberg und begünstigte die Reichskirche, wobei Königsherrschaft und Kirche im Reich eng verzahnt agierten.
Seine Ehe blieb kinderlos, statt der Ottonen traten die Salier die Königsherrschaft an.
Hochmittelalter in Europa:
Das römisch-"deutsche" Reich
Das Römisch-Deutsche Reich ist eine kürzere, oft verwendete Bezeichnung für das Heilige Römische Reich, besonders nach seiner Auflösung 1806 und zur Unterscheidung vom deutschen Kaiserreich ab 1871. Die vollständige offizielle Bezeichnung des Reiches bis 1806 war "Heiliges Römisches Reich", und der Zusatz "Deutscher Nation" bürgerte sich vor allem im 19. und 20. Jahrhundert ein.
DIE SALIER:
- Die Salier waren ein ostfränkisches Adelsgeschlecht im römisch-deutschen Reich des 10. bis 12. Jahrhunderts. Ihr Stammgebiet waren der Speyergau, Wormsgau und Nahegau. Die Salier gelten als deutsche Nebenlinie der in Italien mächtig gewordenen Widonen bzw. Lambertiner. Der Salier Konrad der Roten heiratete Liutgard, die Tochter Ottos des Großen, und seine Ernennung zum Herzog von Lothringen brachten Konrad den Roten in den engsten Kreis der Königsfamilie der Liudolfinger (sie sächsischen "Ottonen"). Bei der Königswahl von 1002 galt sein Sohn Otto von Worms als ein möglicher Kandidat. Ottos Enkel Konrad II. wurde 1024 König des ostfränkisch-deutschen Reiches und 1027 erster Kaiser aus dem Geschlecht der Salier. Konrad II. wurde zudem 1026 König von Italien und 1033 König von Burgund. Als er im Jahr 1039 starb, hinterließ er seinem Sohn Heinrich III. eine gefestigte Herrschaft. Die Gründung des Speyerer Doms, der bis 1308 als Grablege der römisch-deutschen Könige diente, geht wahrscheinlich auf Konrad zurück.
- "deutsch" !? Erst im 11. Jahrhundert taucht der Begriff rex Teutonicorum ("König der Deutschen") für den ostfränkischen/römisch-deutschen Herrscher auf, allerdings als Fremdbezeichnung durch anti-kaiserliche Kreise, denn die römisch-deutschen Herrscher haben sich selbst nie so bezeichnet, sondern als rex Romanorum ("König der Römer").
"römisch-deutsches Reich": Im Laufe der Zeit wurde das Reich immer mehr mit der deutschen Kultur und den deutschsprachigen Völkern verbunden. Der Zusatz "deutscher Nation" verdeutlichte die Nationalität der Bevölkerungsmehrheit.
Konrad II. - kauft das Königreich Burgund
1024 wählten die deutschen Fürsten den Salier Konrad II. zum König.
Konrad erwarb 1032/33 das Königreich Burgund (später auch als Arelat bezeichnet), so dass das römisch-deutsche Reich nun aus drei Reichsteilen bestand: Den nordalpinen (deutschen) Reichsteil, Reichsitalien und Burgund. Das mittelalterliche Imperium stand auf dem Höhepunkt seiner Macht. Konrad II. unterstützte die kirchlichen Reformen und förderte die Stadt Speyer, die unter den salischen Herrschern eine besondere Bedeutung erlangte.
Heinrich III. - stärkt die heilige, religiösen Zwecken dienende Komponente der Königsherrschaft
Konrads Sohn Heinrich III. betrieb eine ähnliche Politik im kirchlichen Bereich und griff auch zu Gunsten des Papstes in Rom ein. Auf der Synode von Sutri setzte er 1046 die drei rivalisierenden Päpste ab und erließ kurz darauf auch ein Verbot der Simonie.
- Simonie: ist der Kauf oder Verkauf eines kirchlichen Amtes, einer Pfründe, eines Sakraments oder eines ähnlichen geistlichen Gutes, der nach kirchlichem Recht verboten ist. Der Begriff leitet sich vom biblischen Simon Magus ab, der versuchte, von den Aposteln die Gabe des Heiligen Geistes durch Geld zu kaufen. Diese Praxis ist auch als die Sünde der Simonie bekannt und kann die Exkommunikation zur Folge haben.
Die Investitur (formelle Amtseinführung) von Bischöfen und Äbten übte er weiter selbst aus; generell wurde die Reichskirche unter Heinrich III. noch stärker in die Herrschaftskonzeption eingebunden und die sakrale (heilig; religiösen Zwecken dienend) Komponente der Königsherrschaft besonders betont.
LEHENSHERSCHAFT: über Böhmen, Polen und Ungarn
Heinrich erreichte die Lehnsherrschaft des Reiches über Böhmen, Polen und Ungarn.
- Im Mittelalter war ein Lehen (abgeleitet von mittelhochdeutsch "leihen") ein Gut, das ein Lehnsherr (meist ein König oder Fürst) einem Vasallen (einem treuen Untergebenen) zur Nutzung überließ, meist ein Stück Land, später aber auch ein Amt, Geld oder Rechte. Als Gegenleistung für das Lehen versprach der Vasall seinem Lehnsherrn ewige Treue und Verpflichtungen wie militärische Hilfe. Dieses gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehnsherr und Vasall bildete das Lehnswesen, das eine wichtige Grundlage des mittelalterlichen Gesellschafts und der Herrschaft war.
OPPOSITIONELLE KRÄFTE: Lothringen, Sachsen und Süddeutschland
Im Inneren formierten sich jedoch oppositionelle Kräfte (so in Lothringen, Sachsen und Süddeutschland), die mit der Herrschaftsführung Heinrichs unzufrieden waren. Heinrichs Regierungszeit scheint in gewisser Weise sowohl Höhepunkt als auch Beginn einer Krisenzeit der salischen Herrschaft gewesen zu sein.
Heinrich IV. - Investiturstreit
Heinrich IV. bestieg sehr jung den Königsthron. Während seiner Unmündigkeit nutzten mehrere Große deutsche Fürsten die politische Lage zu ihren Gunsten aus, wodurch die Königsherrschaft Schaden erlitt. Heinrich zog Ministeriale heran und bemühte sich, den fürstlichen Einfluss einzudämmen. Sein Eingreifen in Sachsen führte jedoch zu militärischen Auseinandersetzungen. Fast gleichzeitig eskalierte der sogenannte Investiturstreit.
INVESTITURSTREIT:
1073 wurde der Kirchenreformer Gregor VII. neuer Papst.
Heinrich IV. setzte sich über das Verbot der Laieninvestitur hinweg, so dass es schließlich zum Konflikt zwischen Imperium und Papsttum kam, wobei in diesem Zusammenhang mehrere Streitschriften entstanden.
- "Laieninvestitur": die Einsetzung von Nicht-Geistlichen ins Bischofsamt, die im frühen Mittelalter aufgekommen war. Die Laieninvestitur entstand im Umfeld des Feudalsystems, in dem geistliche Würdenträger oft zugleich weltliche Herrscher und damit Vasallen des Königs waren.
GANG NACH CANOSSA 1077:
Gregor bestrafte den König 1076 mit der Exkommunikation, womit er Heinrich aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausschloss. Mehrere deutsche Fürsten verbündeten sich nun gegen den König. Um einer Absetzung zu entgehen, erreichte Heinrich IV. im berühmten Gang nach Canossa 1077 die Lösung des Kirchenbannes.
GEGENKÖNIGE:
Die Unzufriedenheit mehrerer Großer deutsche Fürsten mit Heinrichs Politik blieb jedoch bestehen. Mit Rudolf von Rheinfelden und (nach Rudolfs Tod im Kampf) mit Hermann von Salm wurden zwei Gegenkönige erhoben, doch Heinrich konnte sich gegen beide durchsetzen.
HEINRICH SETZT PAPST GREGOR VII AB:
Der Konflikt zwischen Heinrich und Gregor spitzte sich wieder zu, doch Heinrich konnte mehrere weltliche und geistliche Fürsten auf seine Seite ziehen, sodass Heinrichs erneute Bannung im Jahr 1080 wirkungslos blieb. Er ließ sich 1084 in Rom zum Kaiser krönen und setzte Papst Gregor VII. ab, der im Exil starb. Heinrich konnte sich 1088 mit den Sachsen und später mit weiteren Großen deutschen Fürsten verständigen, doch bald darauf kam es wieder zu Konflikten im Reich.
Heinrich V.
Sein Sohn Heinrich V. verbündete sich schließlich mit den Fürsten gegen den eigenen Vater und erreichte 1105 die Absetzung des Kaisers Heinrich IV. Unter Heinrich V. kam es 1122 im Wormser Konkordat zum Ausgleich mit der Kirche und der Beendigung des Investiturstreits. Doch wie sein Vater sah sich auch Heinrich V. mit mehreren Konflikten im Reich konfrontiert. Nachdem er zunächst im Konsens mit den Großen deutschen Fürsten agiert hatte, änderte Heinrich 1111 seine Politik und betonte wieder die Königsherrschaft. Heinrich sah sich jedoch schließlich gezwungen einzulenken, auf fürstlichen Druck kehrte er 1121 zur konsensualen Herrschaftsordnung zurück.
ENDE der Salier
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DIE STAUFER:
Konrad III.
Als mit Heinrich V. 1125 der letzte Salier starb, wählten die Fürsten den eher schwachen Sachsenherzog Lothar III. von Supplinburg zum König. Damit nahmen die Fürsten wieder ihr traditionelles Wahlrecht in Anspruch. Ein Teil der Fürsten, die mit der Wahl Lothars III. nicht einverstanden waren, entschieden sich für den Staufer Konrad III., der bis 1135 Gegenkönig blieb. Nach dem Tod Lothars 1138 wurde Konrad III. schließlich König.
Konrad III. erkannte dem Welfen Heinrich dem Stolzen die Herzogtümer Bayern und Sachsen ab, doch die in Sachsen eingesetzten Askanier konnten sich nicht behaupten, so dass der Sohn Heinrich des Stolzen, Heinrich der Löwe, 1142 das Herzogtum Sachsen wieder erhielt. Auch in Bayern kam es zu Kämpfen. Konrad wurde zudem nach dem Zweiten Kreuzzug immer mehr in die europäische Außenpolitik verstrickt.
Friedrich I. - "Barbarossa"
Konrads Neffe Friedrich I. wurde 1152 neuer König.
Er strebte eine Kooperation mit seinem Vetter an, dem Welfen und Sachsenherzog Heinrich dem Löwen, der 1156 mit dem um Österreich verkleinerten Herzogtum Bayern belehnt wurde.
FRIEDRICH I WIRD KAISER:
Im Vertrag von Konstanz 1153 wurde ein Ausgleich mit dem Papst erzielt, wodurch Friedrich seine Kaiserkrönung 1155 erreichte. Friedrich betonte den Honor Imperii, womit die Wahrung von Reichsrechten verbunden war.
FRIEDRICH I GEGEN LOMBARDEN: Kriege um Italien
Im Konflikt mit den nach mehr Selbständigkeit strebenden lombardischen Städten war Friedrich zunächst erfolgreich.Nach einem Aufstand ließ er 1162 Mailand völlig zerstören, doch flammten die Kämpfe später wieder auf.
KAISER GEGEN PAPST: Krieg in Italien
Als Alexander III. Papst wurde und nicht der von Friedrich favorisierte Viktor IV., begann der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Kaiser und Papst erneut. Alexander exkommunizierte Friedrich, nachdem auf der Synode von Pavia von einem prokaiserlichen Gremium Viktor als legitimer Papst anerkannt worden war. Friedrich I. begab sich 1166 auf seinen vierten Italienzug, um die Wahl Viktors militärisch durchzusetzen. 1167 eroberte das kaiserliche Heer Rom, musste die Stadt aber wegen einer Malariaepidemie verlassen. Die norditalienischen Städte schlossen sich daraufhin zum Lombardenbund zusammen und verbündeten sich mit Alexander III. Vor Friedrichs fünftem Italienfeldzug versagten ihm mehrere Fürsten die Waffenhilfe (vor allem Heinrich der Löwe). 1176 unterlag Friedrich I. bei Legnano den Mailändern. Er musste deshalb im Frieden von Venedig Alexander III. als Papst anerkennen. Im Gegenzug erreichte er die Lösung des Banns. Der Friede von Konstanz mit dem Lombardenbund im Jahr 1183 zwang Friedrich zu mehreren Kompromissen, jedoch bedeutete der Friedensvertrag auch ein Ende der Kampfhandlungen in Reichsitalien.
HEINRICH DER LÖWE WIRD ZU MÄCHTIG:
1180 ließ Friedrich I. den immer mächtiger werdenden Heinrich den Löwen, der zudem die Italienpolitik des Kaisers nicht mehr unterstützte, ächten und entzog ihm seine Herzogtümer sowie seine Lehnsherrschaften in Mecklenburg und Pommern. Das Herzogtum Bayern wurde an die Wittelsbacher vergeben, Sachsen wurde aufgeteilt.
HEINRICH VI. - KÖNIG DER LOMBARDEI:
1183 schloss Friedrich Frieden mit den Lombarden, wenngleich der Staufer seine früheren politischen Ziele nicht durchsetzen konnte und einen Kompromiss eingehen musste. So konnte er 1186 die Krönung seines Sohnes Heinrich mit der Krone der Lombardei erreichen.
KREUZFAHRERBEWEGUNG - 3. KREUZZUG IN KLEINARMENIEN:
Ab 1187 übernahm Friedrich I. die Führung der Kreuzfahrerbewegung. Er starb 1190 während des 3. Kreuzzugs in Kleinarmenien.
Im Jahr 1190 erreichte der Zug Friedrich Barbarossas während des 3. Kreuzzugs das christliche Fürstentum Armenien (Kleinasien), welches unter der Herrschaft des mit Barbarossa verbündeten armenischen Fürsten Leon II. stand. Dort überquerten die Kreuzfahrer das Taurus-Gebirge, bevor Barbarossa am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph im heutigen Kleinasien starb.
- Auflösung des Heeres: Ein Großteil des Heeres kehrte über den Seeweg zurück, nachdem sie den Tod ihres Kaisers erlebten.
- Weiterreise: Ein kleiner Rest des Heeres, unter der Führung von Barbarossas Sohn Heinrich VI., zog weiter in Richtung Palästina, erreichte aber Akkon erst Monate später.
- Bedeutung des Kreuzzuges: Obwohl der Kreuzzug das Heilige Land nicht zurückerobern konnte, wurde durch die Ankunft der Kreuzfahrer das Königreich Jerusalem wiederhergestellt und der Kreuzfahrerstaat Zypern gegründet.
Heinrich VI. und der Thronkampf
Friedrichs Sohn Heinrich VI. war mit der normannischen Prinzessin Konstanze verheiratet, der Erbin des Königreichs Sizilien, das auch Unteritalien umfasste. 1194 nahm Heinrich das Königreich Sizilien in Besitz. Damit erreichte das römisch-deutsche Reich einen Höhepunkt seiner Ausdehnung. Heinrich betrieb auch eine ambitionierte Mittelmeerpolitik, sein Versuch, das Reich in eine Erbmonarchie umzugestalten, scheiterte jedoch.
Der Welfe Otto IV wird König
Als Heinrich VI. 1197 mit 32 Jahren an einer Seuche starb, kam es 1198 zu einer Doppelwahl des Staufers Philipp von Schwaben und des Welfen Otto IV.
Papst Innozenz III. favorisierte Otto, doch gelang es Philipp, diesen nach und nach zu isolieren. Nach der Ermordung Philipps 1208 wurde Otto IV. schließlich dennoch König.
Als er jedoch Anspruch auf Sizilien erhob, wurde er 1210 gebannt.
Friedrichs II. - Der Staufer schlägt die Welfen
Der Papst unterstützte nun den Staufer Friedrich II., den Sohn Heinrichs VI. Die folgende Auseinandersetzung zwischen Welfen und Staufern wurde 1214 durch die Schlacht bei Bouvines zugunsten Friedrichs II. entschieden.
Friedrich II. - letzter römisch-deutscher Kaiser für über 60 Jahre
Friedrich II. regierte sein Reich von seiner Heimat Sizilien aus, während im deutschen Reichsteil die weltlichen und geistlichen Landesherren erstarkten.
1220 wurde Friedrich II. zum Kaiser des deutsch-römischen Reiches gekrönt. Er ließ seinen minderjährigen Sohn Heinrich zum römisch-deutschen König wählen, die Regierung dort überließ er Vertrauten, die die Vormundschaft über Heinrich ausübten. Er selbst widmete sich anschließend der Stabilisierung des Königreichs Sizilien, wo er über wesentlich mehr Macht und über einen effektiv organisierten Staatsapparat verfügte. Friedrich, der selbst durchaus gebildet war und sich auch für Kultur interessierte, kam nur noch einmal nach Deutschland, als er 1235 seinen Sohn Heinrich absetzte und dessen Bruder Konrad IV. wählen ließ.
KREUZZUG:
Ende der 1220er Jahre kam es zum Machtkampf zwischen dem Kaiser und Papst Gregor IX. Wegen eines nicht schnell genug erfüllten Kreuzzugsversprechens bannte der Papst den Kaiser 1227.
Dennoch begab sich Friedrich ins heilige Land und erreichte 1229 die kampflose Übergabe Jerusalems.
ZURÜCK IN ITALIEN - ERNEUTER MACHTKAMPF KAISER GEGEN PAPAST:
Zurück in Italien bekämpfte Friedrich erfolgreich die päpstlichen Invasionstruppen und wurde schließlich vom Bann gelöst. Die Spannungen blieben jedoch bestehen, die schließlich 1239 zu einer erneuten Bannung durch Papst Gregor führten. Der Konflikt wurde auch mit propagandistischen Mitteln geführt und weitete sich auf Reichsitalien aus, wo Friedrich seinen Herrschaftsanspruch gegenüber aufständischen lombardischen Städten durchzusetzen versuchte. Die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst setzte sich auch fort, als Innozenz IV. neuer Papst wurde. Innozenz erklärte den Kaiser 1245 sogar für abgesetzt, doch Friedrich konnte sich behaupten. Mit militärischen Mitteln ging er gegen die oberitalienischen Städte vor. Bevor es jedoch zu einer endgültigen militärischen Entscheidung kommen konnte, verstarb Friedrich II. im Dezember 1250. Er sollte der letzte römisch-deutsche Kaiser für über 60 Jahre sein.
Das Ende der Staufer
Die staufische Herrschaft war im deutschen Reichsteil bereits beim Tod Friedrichs nicht mehr haltbar. Konrad IV. konnte die Herrschaft im Königreich Sizilien antreten und sich dort behaupten, doch verstarb er bereits 1254. Der Kampf des Papstes mit Hilfe des französischen Grafen Karl von Anjou gegen die Staufer tobte in den folgenden Jahren weiter, wobei die Staufer 1266 Sizilien verloren. 1268 wurde der letzte Staufer, der sechzehnjährige Konradin, in Neapel öffentlich hingerichtet.
Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500):
Das heilige römische Reich
Interregnum - bis zur Erneuerung des Kaisertums
Schwächung des römisch-deutschen Königtums - Die drei große Familien: Habsburger, Luxemburger und Wittelsbacher
Das Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500) wird in der neueren Forschung im Gegensatz zur älteren Lehrmeinung nicht mehr als Niedergangszeit begriffen.
Die Zeit bis ins späte 14. Jahrhundert war stark vom Wahlkönigtum geprägt: Drei große Familien, die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher, verfügten über den größten Einfluss im Reich und über die größte Hausmacht.
Nach Aussterben der Staufer verfiel die (allerdings ohnehin nicht stark ausgeprägte) Königsmacht. Während des sogenannten Interregnums von 1250 bis 1273 herrschten im Reich teils mehrere Könige gleichzeitig, doch konnte sich keiner von ihnen im gesamten Reich durchsetzen. Eine Folge davon war die weitere Schwächung des römisch-deutschen Königtums.
Das spätmittelalterliche Königtum konnte sich nur noch auf ein verringertes Reichsgut stützen (auch aufgrund der Zunahme von Reichspfandschaften, vor allem im 14. Jahrhundert). Die folgenden Könige musste zur Machtsicherung versuchen, ihre eigene Hausmacht zu erweitern (Hausmachtpolitik). Die Landesherren hingegen erstarkten weiter und genossen eine relativ starke Stellung gegenüber dem Königtum. Die Kurfürsten verfügten seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts über ein exklusives Königswahlrecht; sie achteten bei der Königswahl darauf, dass der neue König ihre Rechte und Ansprüche respektierte. Zudem versuchten teilweise ausländische europäische Mächte, mit der Königswahl Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen (vor allem das Königreich Frankreich, so beispielsweise 1272/73 und 1308).
1273 - Rudolf von Habsburg beendet das Interregnum
Das Interregnum wurde 1273 durch Rudolf von Habsburg beendet.
Rudolf ebnete dem Haus Habsburg mit dem Erwerb von Österreich, Steiermark und der Krain den Weg zu einer der mächtigsten Dynastien im Reich. Ihm gelang auch eine gewisse Konsolidierung der Königsmacht, ohne allerdings die politischen Ansprüche der Kurfürsten einschränken zu können. Das verbliebene Reichsgut wurde geordnet und teils neu eingefordert, Rudolf errichtete zudem die Landvogteien. Trotz intensiver Verhandlungen mit dem Papsttum gelang es ihm aber nicht, die Kaiserkrone zu gewinnen.
- Ein Kurfürst war einer der ursprünglich sieben ranghöchsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, denen seit dem 13. Jahrhundert die Kurwürde und damit das alleinige Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs zustand, mit dessen Herrschaft seit dem 10. Jahrhundert der Anspruch auf das Kaisertum verbunden war.
Die Habsburger und die Kurfürsten
Rudolfs Nachfolger, Adolf von Nassau und Albrecht I., standen im Konflikt mit den Kurfürsten, die Anspruch auf politische Mitwirkung stellten. Adolf von Nassau versuchte ohne großen Erfolg in Thüringen Fuß zu fassen. Seine Politik führte schließlich zu seiner Absetzung von Seiten der Kurfürsten; Adolfs Versuch, diese Entscheidung zu revidieren, endete mit seinem Tod in der Schlacht von Göllheim 1298. Aber auch sein Nachfolger Albrecht I., ein Sohn Rudolfs von Habsburg, unterhielt kein gutes Verhältnis zu den Reichsfürsten, besonders nicht zu den rheinischen Kurfürsten. Ihnen war seine Hausmachtpolitik in Mitteldeutschland sowie seine Annäherung an Frankreich ein Dorn im Auge. Albrecht konnte sich zwar im Kampf behaupten, wurde aber am 1. Mai 1308 von einem Familienangehörigen umgebracht.
Der Luxemburger Heinrich VII.
1308 wurde der Luxemburger Heinrich VII. zum König gewählt. Dieser pflegte ein gutes Verhältnis zu den Kurfürsten, von denen einer sein jüngerer Bruder Balduin von Trier war, einer der bedeutendsten Reichspolitiker des Spätmittelalters. Heinrich konnte 1310 seine Hausmacht um Böhmen erweitern und erlangte 1312 die Kaiserkrönung. Heinrich versuchte ein letztes Mal, das Kaisertum zu erneuern, doch starb er schon im August 1313. In Deutschland hatte er sich gegen die Expansion Frankreichs gestemmt und eine seltene Eintracht der großen Häuser erreicht.
Nach dem Tod Luxemburgers Heinrich VII.
1314 kam es nach dem Tod Heinrichs VII. zu einer Doppelwahl, doch setzte sich der Wittelsbacher Ludwig der Bayer als Nachfolger gegen Friedrich den Schönen aus dem Hause Habsburg durch.
Der Wittelsbacher Ludwig der Bayer
Ludwig stand jedoch bald im folgenschweren Konflikt mit dem Papst, der Ludwig die Approbation verweigerte. Die Kaiserkrönung 1328 musste ohne den Papst als Koronator stattfinden. In seiner Hausmachtspolitik erfolgreich, erwarb Ludwig die Mark Brandenburg, Tirol, Holland, Zeeland und Hennegau für das Haus Wittelsbach. Im Reich formierte sich jedoch eine kurfürstliche Opposition gegen Ludwig, die von den Luxemburgern angeführt wurde. 1338 wurde im Kurverein von Rhense die Forderung nach einer Bestätigung der Königswahl durch den Papst erneut zurückgewiesen. 1346 wurde denn auch der Luxemburger Karl IV., der Enkel Heinrichs VII., zum König gewählt. Zu einer Konfrontation mit Ludwig kam es jedoch nicht mehr, da dieser bald darauf verstarb.
Der Luxemburger Karl IV.
Karl IV., der als bedeutendster römisch-deutscher Herrscher des Spätmittelalters gilt, verlegte seinen Herrschaftsschwerpunkt nach Böhmen, dem Zentrum seiner Hausmacht. Karl gewann in seiner langen Regierungszeit (1346–1378) unter anderem die Mark Brandenburg und die Lausitzen zu seinem Hausmachtkomplex hinzu. Tatsächlich begründete Karl ein Königtum, welches fast ausschließlich Hausmachtpolitik betrieb. Dabei gab er teils Reichsansprüche auf und verpfändete große Teile des noch verfügbaren Reichsguts. Auf diese Weise war jeder nachfolgende König auf sein eigenes Hausgut angewiesen; Karl ging davon aus, dass dies seinem Haus am meisten nutzen würde, doch verkalkulierte er sich damit letztlich.
KARL WIRD KAISER - "Die goldene Bulle":
1348 wurde in Prag die erste deutschsprachige Universität im Heiligen Römischen Reich gegründet.
1355 erfolgt Karls Krönung zum Kaiser, doch vermied er es, die Italienpolitik seiner Vorgänger zu erneuern. Andererseits gab er so teils Reichsrechte (auch im Westen) auf, seine Politik während der Judenpogrome war ebenfalls problematisch, da er nicht zu deren Schutz ausreichend eingriff (wozu er im Rahmen des Judenregal durchaus verpflichtet war) und teils sogar von der Enteignung jüdischer Güter profitierte (so etwa 1349 in Nürnberg). Von besonderer Bedeutung war die Goldene Bulle von 1356; sie stellte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs eine Art Grundgesetz dar.
- Die Goldene Bulle ist ein in Urkundenform verfasstes kaiserliches Gesetzbuch, das von 1356 an das wichtigste der "Grundgesetze" des Heiligen Römischen Reiches war. Auf 86 Seiten regelte es vor allem die Modalitäten der Wahl und der Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser durch die Kurfürsten bis zum Ende des Alten Reiches 1806.
ÜBERBEVÖLKERUNG, AGRARKRISE UND DIE PEST:
Im 14. Jahrhundert führten Überbevölkerung, Missernten und Naturkatastrophen zu Hungersnöten. 1349/50 starb rund ein Drittel der Bevölkerung an der Pest, deren Folgen verheerend waren.
Die Spätmittelalterliche Agrarkrise löste eine Landflucht aus. Es dauerte etwa 100 Jahre, bis die Bevölkerungszahl wieder den Stand vor der Pest erreichte.
DIE HANSE FLORIERT:
Dennoch war das Spätmittelalter keineswegs eine Niedergangs- oder Verfallszeit, da in diesem Zeitraum etwa die Städte und der Handel mit der expandierenden Hanse florierte, ebenso kam es zu grundlegenden politischen Strukturierungen, die für das Reich in der Folgezeit prägend wirkten.
Das Heilige Römische Reich - zerfällt im 15. Jahrhundert:
Im Heiligen Römischen Reich herrschte die Tendenz zur territorialen Zersplitterung und Schaffung zahlreicher, oft nicht zusammenhängender Kleinstaaten, die sich durch Erbschaften und Dynastien bildeten. Diese Zersplitterung führte zu einer Vielzahl von Enklaven und Exklaven, im Gegensatz zu zentralisierten Staaten wie Frankreich. Anstatt zu zentralisieren, war die Macht auf viele Einzelherrscher aufgeteilt, was das Reich zu einer fragmentierten Ansammlung von Staaten machte und die Königsmacht schwächte.
Ursachen der territorialen Zersplitterung
- Erbteilung: Dynastien teilten ihre Territorien oft durch Erbschaft auf, was zu einer Zersplitterung führte.
- Entstehung zahlreicher Herrschaften: Im Heiligen Römischen Reich existierten Hunderte von Herrschaften, die von verschiedenen Herrschern (Königen, Herzögen, Grafen, Bischöfen etc.) regiert wurden.
- Mangelnde Zentralisierung: Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Frankreich konnte sich das Reich nicht zu einem zentralisierten Staat entwickeln, was die politische Macht fragmentierte.
Folgen der Zersplitterung
- Enklaven und Exklaven: Die willkürliche territoriale Bildung führte zu nicht zusammenhängenden Gebieten, die von fremden Herrschaften umschlossen waren.
- Eine Enklave ist ein fremder, vollständig umschlossener Gebietsteil, während eine Exklave ein eigenes, aber vom Mutterland abgetrennter Gebietsteil ist. Die Begriffe sind also aus unterschiedlicher Perspektive zu verstehen: Aus Sicht des umgebenden Staates ist das umschlossene Gebiet eine Enklave; aus Sicht des Mutterlandes, zu dem das Gebiet gehört, ist es eine Exklave.
- Religiöse Spaltung: Nach der Reformation teilte sich das Reich zwischen katholischen und protestantischen Herrschaften auf, was die Fragmentierung weiter verstärkte.
- Vielzahl an politischen Einheiten: Die "gestaltete Verdichtung" resultierte in einer sehr hohen Dichte an einzelnen Staaten, die eine komplexe politische Landschaft bildeten.
Wenzel IV. von Luxemburg
Unter dem Nachfolger Karls verfiel die Königsmacht endgültig.
Wenzel von Luxemburg aus dem Geschlecht der Luxemburger, Sohn Karls IV., Beiname der Faule (auch Wenzeslaus, tschechisch Václav; * 26. Februar 1361 in Nürnberg; † 16. August 1419 auf der Wenzelsburg, tschechisch Nový hrad u Kunratic, heute im Stadtgebiet von Prag), war seit seiner Krönung im Kindesalter 1363 bis zu seinem Tod 1419 als Wenzel IV. König von Böhmen und von 1376 bis zu seiner Absetzung 1400 römisch-deutscher König. Von 1373 bis 1378 war er zudem Markgraf von Brandenburg und von 1383 bis 1388 Herzog seines Stammlandes Luxemburg.
Wenzel, der die Regierungsgeschäfte völlig vernachlässigte, wurde 1400 von den vier rheinischen Kurfürsten abgesetzt.
Der Wittelsbacher Ruprecht III.
Auch sein Nachfolger Ruprecht, der über keine ausreichenden Mittel verfügte, konnte diesen Verfall nicht aufhalten.
Ruprecht (* 5. Mai 1352 in Amberg; † 18. Mai 1410 auf Burg Landskron in Oppenheim) aus der Dynastie der Wittelsbacher war von 1398 bis 1410 als Ruprecht III. Pfalzgraf bei Rhein und von 1400 bis 1410 römisch-deutscher König im Heiligen Römischen Reich.
Der Luxemburger Sigismund
Sigismund von Luxemburg (* 15. Februar 1368 in der Reichsstadt Nürnberg; † 9. Dezember 1437 in Znaim, Mähren) ebenfalls ein Sohn Karls IV., war Kurfürst von Brandenburg von 1378 bis 1388 und von 1411 bis 1415, König von Ungarn und Kroatien seit 1387, römisch-deutscher König seit 1411, König von Böhmen seit 1419 und römisch-deutscher Kaiser von 1433 bis zu seinem Tode.
Sigismund erreicht zwar 1433 die Kaiserkrönung, er war jedoch nicht in der Lage, das Königtum zu stabilisieren und den Verfallsprozess umzukehren. Eine angestrebte Reichsreform scheitert am Widerstand der Landesfürsten.
Durch die Einberufung des Konzils von Konstanz konnte er allerdings das Abendländische Schisma beenden, was einen großen Erfolg Sigismunds darstellte, der ein gebildeter und intelligenter König war.
Die Verurteilung und Hinrichtung von Jan Hus führte jedoch zu andauernden Kriegen gegen die Hussiten.
- Das Abendländische Schisma wollte die katholische Kirche in ihrer Autorität wiederherstellen, da es zu einer Spaltung der Kirche durch gleichzeitige konkurrierende Papstansprüche in Rom und Avignon kam. Der Tiefpunkt der kirchlichen Macht wurde durch das Konzil von Konstanz überwunden, das das Schisma beendete und die Autorität der Kirche wieder stärkte. Hintergrund und Verlauf des Schismas
- Kirchenspaltung: Das Große Abendländische Schisma war eine Spaltung der lateinischen Kirche, in der es zeitweise zwei, später sogar drei Päpste gab, die sich gegenseitig die Legitimität absprachen.
- Ort: Die konkurrierenden Päpste waren in Rom und Avignon ansässig, was zu einem Konflikt zwischen den politischen und religiösen Führern Europas führte.
- Auswirkungen: Das Schisma schwächte die Autorität des Papsttums erheblich, da es das Vertrauen in die Kirche untergrub und zu einem Verfall der kirchlichen Autorität führte.
- Ende: Das Schisma wurde 1417 durch das Konzil von Konstanz beendet, das einen neuen Papst wählte und so die Spaltung überwand.
- Jan Hus (nach seinem wahrscheinlichen Geburtsort Husinec, Böhmen; * um 1370; † 6. Juli 1415 in Konstanz), war ein böhmischer christlicher Theologe, Prediger und Reformator. Er war zeitweise Rektor der Karls-Universität. Nachdem Jan Hus während des Konzils von Konstanz seine Lehre nicht hatte widerrufen wollen, wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die nach Hus benannte Bewegung der Hussiten geht zum Teil auf sein Wirken zurück. In Tschechien gilt Hus noch immer als eine Art Nationalheiliger.
- Die Hussiten wollten eine Kirchenreform im Geiste des Reformators Jan Hus und forderten die Verbreitung seiner Lehren, die Freiheit des Laienkelchs (Abendmahl für alle), die Freiheit der Predigt, eine Befreiung von der kirchlichen Herrschaft sowie eine gerechtere weltliche Ordnung. Diese Reformbestrebungen führten nach der Hinrichtung von Jan Hus zu den Hussitenkriegen, in denen seine Anhänger mit militärischen Mitteln für ihre religiösen und sozialen Ziele kämpften. Die Hauptforderungen der Hussiten:
- Der Laienkelch: Dies war eine zentrale und wichtigste Forderung, die besagte, dass die gesamte Gemeinde am Abendmahl teilnehmen sollte, einschließlich des Weins, der sonst nur Priestern vorbehalten war.
- Die Freiheit der Predigt: Die Hussiten forderten das Recht, die Lehren von Jan Hus und der Bibel frei predigen zu dürfen, auch gegen die kirchliche Hierarchie.
- Befreiung von kirchlicher Herrschaft: Sie wollten die Macht und den Einfluss der katholischen Kirche in weltlichen Angelegenheiten zurückdrängen und sich von ihrer Herrschaft befreien.
- Gerechte weltliche Ordnung: Neben religiösen Reformen strebten die Hussiten auch eine gerechtere politische und soziale Ordnung an, die ihren Forderungen nach Gerechtigkeit und Freiheit entsprach.
Hintergrund und Entwicklung:
- Jan Hus kritisierte Ablasshandel, Machtmissbrauch der Kirche und die Bilderverehrung, was zu seiner Verbrennung als Ketzer auf dem Konzil von Konstanz führte.
- Nach seiner Hinrichtung bildeten seine Anhänger in Böhmen eine Bewegung, die sich militärisch organisierte und als "Hussiten" bekannt wurde.
- Die Hussiten kämpften gegen Kreuzzüge, die von der Kirche gegen sie geführt wurden, und entwickelten dabei innovative Kriegstaktiken wie die Wagenburg.
Bedeutung:
- Die hussitische Bewegung gilt als eine frühe Form der Reformation, die etwa 100 Jahre vor Martin Luther begann.
- Die Hussitenkriege waren ein bedeutender Konflikt, der die Machtverhältnisse in Böhmen und Mähren veränderte und die religiösen und sozialen Spannungen der Zeit widerspiegelte.
Das Haus Habsburg ("Österreich"):
Mit dem Tode Sigismunds erlosch das Haus Luxemburg in männlicher Linie.
Die Habsburger traten die Nachfolge an und stellten fortan die römisch-deutschen Könige.
Doch weder Albrecht II. noch Friedrich III., der teils phlegmatisch agierte und mehr seine Besitztümer als das Reich im Auge hatte, konnten eine Reichsreform durchführen. Anstatt zu zentralisieren, war die Macht auf viele Einzelherrscher aufgeteilt, was das Reich zu einer fragmentierten Ansammlung von Staaten machte.
Das Reich durchlief allerdings durchaus einen Struktur- und Verfassungswandel, wobei in einem Prozess "gestalteter Verdichtung" (Peter Moraw) die Beziehungen zwischen den Reichsgliedern und dem Königtum enger wurden.
Maximilian I. - Ende der Krönungszüge römisch-deutscher Könige nach Rom
Maximilian I., Sohn Friedrichs III., war wegen der Türkenkriege und des Kampfes gegen Frankreich auf die Unterstützung der Reichsstände angewiesen. 1495 wurde auf dem Wormser Reichstag eine Reichsreform beschlossen. Maximilian nahm 1508 ohne päpstliche Krönung den Kaisertitel an und beendete damit die Zeit der Krönungszüge römisch-deutscher Könige nach Rom.
HEIRAT ZUR WELTMACHT:
Durch die Ehe Maximilians I. von Österreich mit Maria von Burgund begann 1477 der Aufstieg des Hauses Habsburg zur europäischen Großmacht.
Als Erbin des Herzogtums Burgund war Maria die reichste Braut ihrer Zeit und erhoffte sich durch die Verbindung mit dem Kaiserhaus Unterstützung im Erbfolgekrieg gegen Frankreich. Maximilian wiederum versprach sich einen großen Machtgewinn für seine Dynastie. Letztlich begründete seine Heirat mit Maria den fast 300 Jahre währenden Habsburgisch-französischen Gegensatz. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Philipp der Schöne und Margarete von Österreich. Maria starb bereits 1482 an den Folgen eines Reitunfalls.
Freigrafschaft Burgund:
Maximilian, ab 1486 als Maximilian I. römisch-deutscher König, war nun Vormund und Regent seines minderjährigen Sohnes Philipp in den burgundischen Territorien. Erst mit dem Vertrag von Senlis (1493) gelang es ihm, den Anspruch seiner Dynastie auf die Erbfolge in Burgund gegenüber Frankreich teilweise durchzusetzen und seinem Sohn die Regierung der Freigrafschaft Burgund zu übertragen.
Spanien:
Als Familienoberhaupt war Maximilian auf eine politisch möglichst vorteilhafte Heirat Philipps bedacht und arrangierte eine Verbindung nach Spanien. Dort herrschten die Katholischen Könige Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Um das Bündnis zu festigen, arrangierten sie 1496/97 eine Doppelhochzeit zwischen Philipp und Johanna, der zweitältesten Tochter des Königspaares, sowie zwischen Margarete und dem spanischen Thronfolger Johann. Nach dem Tod ihrer älteren Geschwister (Johann 1497, Isabella 1498) und ihres Neffen (Miguel da Paz 1500) erkannten die verschiedenen Cortes der spanischen Herrschaftsbereiche Johanna und ihren Ehemann Philipp als Thronfolger der Königreiche Aragón und Kastilien an. In diesen Jahren traten bei Johanna erste Symptome einer Depression auf.
Philipp und Johanna hatten insgesamt sechs Kinder:
- Eleonore (* 15. November 1498; † 18. Februar 1558)
- Karl (* 24. Februar 1500; † 21. September 1558)
- Isabella (* 18. Juli 1501; † 19. Januar 1526)
- Ferdinand (* 10. März 1503; † 25. Juli 1564)
- Maria (* 17. September 1505; † 17. Oktober 1558)
- Katharina (* 14. Januar 1507; † 12. Februar 1578)
Während Karl, Eleonore, Isabella und Maria in den Niederlanden aufwuchsen, lebten Ferdinand und Katharina in Spanien.
Ungarn und Böhmen:
Die Hochzeit von Erzherzog Ferdinand und Anna von Böhmen und Ungarn im Jahr 1521 war entscheidend, da sie, zusammen mit der Doppelhochzeit von 1515, den Grundstein für die habsburgische Herrschaft über Böhmen und Ungarn legte. Nach dem Tod von Annas Bruder Ludwig II. im Jahr 1526 und der darauf folgenden Eroberung des Landes durch die Osmanen (die von den Habsburgern wieder aus dem Land gedrängt wurden unter Kaiser Maximilian I.), fielen die Kronen Böhmens und Ungarns an die Habsburger, was zur Gründung der habsburgischen Donaumonarchie führte.
Die Hintergründe der Heirat (1515)
- Die Jagiellonen-Doppelheirat: Im Jahr 1515 arrangierte Kaiser Maximilian I. auf dem Wiener Fürstentag eine Doppelhochzeit, um die Ansprüche der Habsburger auf Böhmen und Ungarn abzusichern.
- Die Verträge: Es wurden Verträge geschlossen, nach denen Maximilians Enkel Ferdinand die Prinzessin Anna heiraten sollte und seine Enkelin Maria den Thronfolger von Böhmen und Ungarn, Ludwig.
Die Heirat von Ferdinand und Anna (1521)
- Die Linzer Hochzeit: Nach dem Tod von Kaiser Maximilian I. und der Teilung der habsburgischen Erblande fand am 26. Mai 1521 die Heirat Ferdinand I. und Anna von Böhmen und Ungarn in Linz statt.
- Die politische Bedeutung: Die Heirat sollte nicht nur den Frieden sichern, sondern diente auch der Abwehr der expandierenden Osmanen.
Die Folgen der Heirat und des Todes Ludwigs II. (1526)
- Der Tod Ludwigs: Als Annas Bruder Ludwig II. 1526 in der Schlacht von Mohács gegen die Osmanen fiel und kinderlos blieb, fiel die Krone Böhmens und Ungarns an die Habsburger.
- Die habsburgische Donaumonarchie: Durch diesen Erbfolgefall wurde der Grundstein für über 400 Jahre habsburgische Herrschaft in Böhmen und Ungarn gelegt, was zur Gründung der Donaumonarchie führte.
Während Karl, Eleonore, Isabella und Maria in den Niederlanden aufwuchsen, lebten Ferdinand und Katharina in Spanien.
Schlußendlich sicherte die Heiratspolitik Kaiser Maximilians I. den Habsburgern Böhmen und Ungarn und die spanische Krone.
Karl V. - Opfer der Reformation - DAS GETEILTE REICH
Karl V. war ein Angehöriger des Herrscherhauses Habsburg, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und als Karl I. König von Spanien.
Im Jahr 1519 wurde er als Karl V. zum römisch-deutschen König gewählt.
1520 wurde er im Kaiserdom zu Aachen durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied zum König gekrönt und trug danach, wie sein Großvater Maximilian I. und seine künftigen Nachfolger, zunächst den Titel "erwählter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches".
Mit der 1532 verfassten Constitutio Criminalis Carolina erließ Karl V. das erste allgemeine Strafgesetzbuch im Heiligen Römischen Reich.
LETZTE PÄPSTLICHE KAISERKRÖNUNG:
Im Jahre 1530 wurde er in der Basilika San Petronio in Bologna, nicht wie üblich in Rom, als letzter römisch-deutscher König und nach Friedrich III. als zweiter und letzter Habsburger von einem Papst – Clemens VII. – zum Kaiser gekrönt.
UNIVERSALMONARCHIE:
Karl verfolgte den Reichsgedanken der Universalmonarchie, wonach dem Kaiser Vorrang vor allen Königen zukam. Er verstand sich als Friedenswahrer in Europa, Beschützer des Abendlandes vor der Expansion des Osmanischen Reiches ("Türken") unter Süleyman I. und als Verteidiger sowie Erneuerer der römisch-katholischen Kirche.
Kriege gegen Frankreich:
Um seine hegemoniale Herrschaftsidee durchsetzen zu können, führte er gegen den französischen König Franz I. zahlreiche Kriege (Italienische Kriege). Dabei konnte sich Karl finanziell auf seine spanischen Besitzungen in Amerika (Vizekönigreich Neuspanien, Vizekönigreich Peru) stützen, jedoch sein angestrebtes Ziel einer dauerhaften Schwächung des zeitweise mit den Osmanen verbündeten Frankreichs nicht erreichen.
SCHWÄCHUNG DES HEILIGEN RÖMISCHEN REICHES:
Im Heiligen Römischen Reich war Karl V. vergeblich bestrebt, die Macht des Monarchen gegenüber den Reichsständen nachhaltig zu stärken.
1517 Reformation:
Wesentliche Ursache für sein Scheitern in diesem Bemühen war die ab 1517 einsetzende Reformation, die teilweise durch reichsständische Kräfte unterstützt wurde. Karls häufige kriegsbedingte Abwesenheit trug ein Übriges dazu bei, dass sich die Reformationsbewegung ausbreiten konnte. Die konfessionelle Spaltung des Reiches vor Augen, versuchte er ihr durch die Einberufung des Konzils von Trient (1545 bis 1563) entgegenzuwirken, was jedoch nicht zur Versöhnung der Religionsparteien führte, sondern nach Karls Tod zum Ausgangspunkt der katholischen Gegenreformation wurde.
Der Schmalkaldische Krieg von 1546 bis 1547:
Nach dem Scheitern seiner Bemühungen um einen Ausgleich mit den Protestanten versuchte Karl im Zuge des gewonnenen Schmalkaldischen Krieges, den Reichsständen 1548 mit dem Augsburger Interim eine Lösung des Religionskonflikts zu diktieren.
- Der Schmalkaldische Krieg wurde von 1546 bis 1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund, ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte unter der Führung von Kursachsen und Hessen, geführt. Dabei versuchte der Kaiser, im Heiligen Römischen Reich den Protestantismus zurückzudrängen und gegenüber den Reichsständen die kaiserliche Macht zu stärken.
DER FÜRSTENAUFSTAND 1552 - UND DIE FRANZÖSISCHE INVASION:
Der Fürstenaufstand von 1552, angeführt von protestantischen Fürsten gegen Kaiser Karl V., führte zu einer französischen Invasion des Heiligen Römischen Reiches, die in der Unterzeichnung des Vertrags von Chambord gipfelte und Frankreich die Besetzung süddeutscher Territorien ermöglichte. Nach dem Aufstand und der französischen Invasion war Karl V. gezwungen, den Passauer Vertrag von 1552 zu schließen und eine Koexistenz der Konfessionen im Reich zu akzeptieren.
Ursachen und Verlauf des Fürstenaufstands
- Konfessionelle Spannungen: Im Heiligen Römischen Reich herrschten tiefgreifende religiöse und politische Spannungen zwischen dem katholischen Kaiser Karl V. und den protestantischen Fürsten.
- Bündnis mit Frankreich: Aus Protest gegen die Zentralgewalt Kaiser Karls V. schlossen sich die protestantischen Fürsten mit Heinrich II. von Frankreich zusammen.
- Vertrag von Chambord (1552): Auf Schloss Chambord wurde ein Vertrag unterzeichnet, der Frankreich die Kontrolle über die Reichsstädte Metz, Toul und Verdun sicherte.
- Französische Invasion: Im Anschluss an den Vertrag fiel Frankreich in das Heilige Römische Reich ein und besetzte die ihm zugesicherten Gebiete.
Folgen des Aufstands und der Invasion
- Fürstenrevolte: Die Invasion und der Fürstenaufstand zwangen den Kaiser, seine Macht einzuschränken und den Passauer Vertrag zu akzeptieren.
- Religiöse Koexistenz: Der Vertrag von Passau (1552) und der spätere Augsburger Religionsfrieden (1555) führten zu einer Duldung der Konfessionen im Reich.
- Territoriale Zugewinne für Frankreich: Frankreich konnte erste große Gebietsgewinne in Richtung Osten erzielen, die bis 1648 nicht offiziell anerkannt wurden.
- Schwächung des Kaisers: Der Fürstenaufstand schwächte die Universalmonarchie Karls V. maßgeblich und führte zu einer Anerkennung der konfessionellen Vielfalt im Reich.
KARL V. - SPALTUNG DES REICHS:
1556 trat Karl von seinen Herrscherämtern zurück und teilte seine Herrschaftsgebiete zwischen seinem ältesten Sohn Philipp II., der die spanischen und burgundischen Besitzungen erbte, und seinem jüngeren Bruder Ferdinand I. auf, der die österreichischen Erblande bereits 1521 erhalten hatte und dem aufgrund seiner Königswahl 1531 nun auch der Kaisertitel zufiel.
Durch diese Teilung spaltete sich das Haus Habsburg in eine spanische (Casa de Austria) und eine österreichische Linie (Haus Habsburg-Österreich).
Karl verstarb 1558 in seinem Palast neben dem Kloster von Yuste in Spanien.
Das Mittelalter ging zu Ende.
Exkurs: Die Kreuzzüge
Die Kreuzzüge waren von der lateinischen Kirche sanktionierte, strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege zwischen 1095/99 und dem 13. Jahrhundert.
Islamische Expansion
Seit dem 7. Jahrhundert fand die islamische Expansion statt: Die militärische, teilweise mit Übergriffen verbundene Unterwerfung und Besiedlung christlicher Gebiete durch arabisch-muslimische Eroberer im Nahen Osten, in Nordafrika, Italien (Eroberung Sardiniens, der Einfall in Rom und die Zerstörung der Basilika St. Peter durch die Aghlabiden im Jahre 846) sowie (bis zur Rückeroberung im Rahmen der Reconquista) der Einfall in Spanien und Portugal. Seit 638 stand Jerusalem unter muslimischer Herrschaft.
Christliche Seite
Von christlicher Seite wurde die Eroberung des Heiligen Landes und die Zurückdrängung der Sarazenen als Rückeroberung und als ein Akt der Verteidigung des Christentums betrachtet, welcher durch offiziellen Beistand und die Unterstützung der Kirche bekräftigt und angeführt wurde.
Ein weiteres Motiv war die Wiederherstellung des ungehinderten Zugangs der christlichen Pilger zu den heiligen Stätten, der durch muslimische Übergriffe auf die in den levantinischen Häfen ankommenden Pilger unmöglich gemacht wurde. Davon berichtet der Chronist al-Azimi aus Aleppo, der diese Übergriffe auch als den Grund für den ersten Kreuzzug angibt.
Klassische Zählweise der Kreuzzüge:
In der Geschichtswissenschaft werden insgesamt sieben Kreuzzüge (Orientkreuzzüge) als offizielle Kreuzzüge unterschieden, wenn auch weitere kriegerische Handlungen unter dem Namen 'Kreuzzug' stattfanden. Die Zählung ist in der Fachliteratur nicht ganz einheitlich, da manche Kreuzzüge nicht einhellig als eigenständige Kreuzzüge gewertet werden.
1ter Kreuzzug - und Entstehung der Kreuzfahrerstaaten
Zeitleiste Kreuzüge
Erster Kreuzzug: 1096–1099, Ziel: Jerusalem
- Volkskreuzzug: 1096, Ziel: Jerusalem
- Deutscher Kreuzzug von 1096, Ziel: eigentlich Jerusalem
- Kreuzzug von 1101: Ziel: Jerusalem
- Kreuzzug Sigurds von Norwegen: 1108–1111, Ziel: Jerusalem/Sidon
- Venezianischer Kreuzzug: 1122–1124: Tyrus
Kreuzfahrerheere aus Westeuropa und Byzants
Aufgrund der Bedrängung des Byzantinischen Reiches durch die muslimischen Seldschuken infolge der byzantinischen Niederlage in der Schlacht von Mantzikert 1071 hatte der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos im Westen um Hilfe angefragt.
Papst Urban II. hatte 1095 dann auch auf der Synode von Clermont zum ersten Kreuzzug aufgerufen, um die heiligen Stätten der Christenheit zu befreien.
- Urban II., (vormals Bischof Otto von Ostia um 1035 wahrscheinlich in Lagery oder Châtillon-sur-Marne, Königreich Frankreich; † 29. Juli 1099 in Rom, Kirchenstaat) war römisch-katholischer Papst von 1088 bis 1099.
Eine religiöse Begeisterung wurde in Westeuropa hervorgerufen, die teilweise erschreckende Züge annahm: So wurden im Rheinland mehrere jüdische Gemeinden von Christen regelrecht vernichtet, und sogar einfache Leute machten sich mit Peter dem Einsiedler auf ins Heilige Land (so genannter Volkskreuzzug) – sie sollten es jedoch nie erreichen.
Als die verschiedenen Kreuzfahrerheere (geführt von "Franzosen" und Normannen) Ende 1096 die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel erreichten, traten weitere Probleme auf: Obwohl die Byzantiner einen Kreuzzug keineswegs herbeigewünscht hatten (sie hatten vielmehr auf Söldner aus Europa gehofft um die muslimischen Seldschuken in Byzants zu bekämpfen) und den Kreuzfahrern auch nicht ganz grundlos misstrauten – manche von ihnen, wie die unteritalienischen Normannen, hatten zuvor schon gegen Byzanz gekämpft –, unterstützte Alexios sie zunächst, zumal sie ihm einen Treueeid schworen und die Kreuzfahrer ebenfalls auf den Kaiser angewiesen waren.
Eroberung Jerusalems im Juli 1099
Im Frühjahr 1097 machte sich das Heer auf den Weg, und bald schon stellten sich erste Erfolge ein, wie die Eroberung von Nikaia, das vertragsgemäß den Byzantinern überlassen wurde. Nach schweren Kämpfen, unter anderem bei der Einnahme Antiochias, endete dieser Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems im Juli 1099, bei der es zu blutigen Massakern an den verbliebenen Bewohnern kam – ungeachtet der Religionszugehörigkeit.
Nach der Eroberung am 15. Juli 1099 durch die Kreuzfahrer blieb Jerusalem 88 Jahre lang unter christlicher Herrschaft.
Entstehung der Kreuzfahrerstaaten
Es folgte die Entstehung der Kreuzfahrerstaaten. Byzanz hatte zwar Teile Kleinasiens zurückgewonnen, stand der Errichtung von Staaten im Heiligen Land, die von Byzanz unabhängig waren, jedoch mit Misstrauen gegenüber, was bald schon zu Kämpfen mit dem Fürstentum Antiochia führte.
Die Kreuzfahrerstaaten im engeren Sinne sind die als Ergebnis des Ersten Kreuzzugs in Palästina und Syrien errichteten vier Staaten:
- das Königreich Jerusalem mit seinen Vasallen,
- das Fürstentum Antiochia,
- die Grafschaft Edessa und
- die Grafschaft Tripolis
DAS KÖNIGREICH JERUSALEM:
Das Königreich Jerusalem war einer der vier Kreuzfahrerstaaten im Nahen Osten. Es bestand von 1099 bis 1291.
Das Königreich Jerusalem entstand nach der Eroberung Jerusalems durch das Heer des ersten Kreuzzugs am 15. Juli 1099. Als Herrscher kamen unter den zum Bleiben bereiten Führern Raimund von Toulouse (Südfrankreich) und Gottfried von Bouillon (Die Grafschaft Boulogne im heutigen Norden Frankreichs) in Frage. Raimund lehnte die zuerst ihm angetragene Königskrone mit der Begründung ab, in der Stadt, in welcher Jesus Christus die Dornenkrone getragen habe, wolle er nicht die Königskrone tragen. Auch Gottfried lehnte eine Krönung ab, erklärte sich jedoch bereit, dennoch die Herrschaft zu übernehmen. Als Herr über den neuerrichteten Kreuzfahrerstaat wurde Gottfried meist princeps ("Fürst"), selten jedoch auch advocatus sancti sepulchri ("Beschützer" bzw. "Vogt des Heiligen Grabes") genannt. Nach Gottfrieds Tod im Juli 1100 übernahm sein Bruder Balduin I. die Herrschaft und wurde in Bethlehem zum König gekrönt.
DAS FÜRSTENTUM ANTIOCHIA:
Das Fürstentum Antiochia oder Antiochien in Syrien und Teilen der heutigen Türkei war einer der Kreuzfahrerstaaten, die während des Ersten Kreuzzugs entstanden. Das Fürstentum bestand von 1098 bis 1268.
Bohemund von Tarent (* 1051/1052; † 7. März 1111) aus dem normannischen Adelsgeschlecht Hauteville war ab 1085 Fürst von Tarent, ab 1096 einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs und ab 1098 Fürst von Antiochia.
Nach der beschwerlichen Durchquerung Kleinasiens erreichte das Hauptheer des Ersten Kreuzzugs die seit 1085 in seldschukischer Hand befindliche Stadt Antiochia. Bohemund von Tarent kommandierte die Belagerung der Stadt, die im Oktober 1097 begann. Die Stadt war mit ihren mehr als 400 Türmen fast uneinnehmbar. Die Belagerung dauerte den Winter durch, Hungersnot brach unter den Kreuzfahrern aus, die oft gezwungen waren, ihre eigenen Pferde zu essen.
Die Stadt fiel durch Verrat in die Hand der Kreuzritter: Bohemund gelang es, eine Wache in einem der Türme, einen früheren Christen namens Firuz, dazu zu überreden, ihn und einige Begleiter über eine Lederleiter in die Stadt zu lassen. Am 3. Juni 1098 stürmten sie die Stadt, dem Sturm folgte ein Massaker an der muslimischen Bevölkerung, sowie nur vier Tage später die nächste Belagerung: ein vereintes muslimisches Heer traf ein und umzingelte nun seinerseits die Christen in der Stadt. Das muslimische Heer wurde von Kerboga aus Mosul geführt und bestand des Weiteren aus verbündeten Truppen des Duqaq aus Damaskus, des Ridwan aus Aleppo, sowie Truppen aus Persien und Ortoqiden aus Mesopotamien. Alexios I. Komnenos, der byzantinische Kaiser, der auf dem Weg war, um die Kreuzfahrer zu unterstützen, machte kehrt, als er die Nachricht erhielt, die Stadt sei wieder verloren gegangen.
DIE GRAFSCHAFT ODESSA:
Die Grafschaft Edessa war einer der vier ursprünglichen Kreuzfahrerstaaten des 12. Jahrhunderts mit der Hauptstadt Edessa in der Osrhoene als Zentrum. Die kleinasiatische Stadt hat eine lange Geschichte und eine alte christliche Tradition.
Während des Ersten Kreuzzugs verließ Balduin von Boulogne (Graf von Verdun; Verdun = Grafschaft in Lothringen; Lothringen = eine Landschaft im Nordosten Frankreichs) im Jahr 1098 den Hauptteil des Kreuzfahrerheeres, das sich südwärts Richtung Antiochia und Jerusalem bewegte, und wandte sich nach Osten auf Edessa zu, wo er den regionalen Herrscher Thoros dazu brachte, ihn als seinen Sohn und Erben zu adoptieren. Thoros war ein bei seinen armenischen Untertanen unbeliebter griechisch-orthodoxer Christ und fiel kurz nach der Adoption Balduins einem Mordanschlag zum Opfer, bei dem nicht geklärt ist, ob und inwieweit Balduin in ihn verwickelt war. Balduin wurde der neue Herrscher mit dem Titel eines Grafen, so wie er in Boulogne bereits genannt worden war.
DIE GRAFSCHAFT TRIPOLIS:
Die Grafschaft Tripolis erstreckte sich auf den heutigen Libanon und Nordsyrien und war der letzte der vier Kreuzfahrerstaaten, die im Zuge des Ersten Kreuzzugs im Nahen Osten gegründet wurden.
Die Anfänge der Grafschaft fallen ins Jahr 1102, als Graf Raimund von Toulouse (Südfrankreich), einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs, einen langwierigen Krieg mit den Banu Ammar begann, den Emiren von Tripolis, die theoretisch Vasallen der Fatimiden in Ägypten waren, nach und nach deren Gebiet besetzte und sie schließlich in der Stadt selbst belagerte. 1103 erbaute Raimund die mächtige Burg auf dem Mons Peregrinus als Hauptstützpunkt zur Kontrolle des Landes um Tripolis.
Situation der Kreuzfahrerstaaten - 2ter, 3ter und 4ter Kreuzzug
Die so genannten Kreuzfahrerstaaten erwiesen sich jedoch auf die Dauer dem muslimischen Druck nicht gewachsen:
Nach dem Ersten Kreuzzug und 88 jähriger christlicher Herrschaft, wurde Jerusalem durch den muslimischen Herrscher Sultan Saladin am 2. Oktober 1187 zurückerobert.
Nach dem 1ten Kreuzzug - friedliches miteinander von Christen, Moslems und Juden
Die meisten Adligen waren schon kurz nach dem Fall Jerusalems wieder abgereist; zurück blieb keineswegs nur die Elite. Einerseits waren die feudal organisierten Kreuzfahrerstaaten aufgrund der geringen katholisch-christlichen Bevölkerungsanzahl (wo die Mehrheit der Bevölkerung christlich war, war sie nicht katholisch, wie etwa in Syrien) auf Nachschub aus Europa angewiesen, was diesen Staaten einen gewissen "kolonialen" Charakter verlieh. Andererseits kam es zu einem durchaus bemerkenswerten Wandel im Verhältnis zwischen Christen und Moslems: Fortan lebten sie meistens durchaus friedlich miteinander. Den Moslems wurde eine weitgehend freie Religionsausübung gestattet, und es wurde ihnen eine eigene Gerichtsbarkeit zugestanden. Auch gegenüber den anderen christlichen Konfessionen verhielten sich die katholischen "Franken" (so wurden die Kreuzritter vor allem in arabischen Quellen genannt) durchaus tolerant. Diese Entwicklung war ebenfalls eine direkte Konsequenz der zu geringen Zahl zurückgebliebener Kreuzfahrer, die sonst den eroberten Raum nicht zu kontrollieren vermocht hätten – was aber ohnehin nur in gewissen Grenzen möglich war. Auch die Juden hatten in den Kreuzfahrerstaaten eine wesentlich bessere Stellung als in Europa und wurden in Outremer, wieder anders als in Europa, nach der Eroberung Jerusalems auch nie das Opfer von Pogromen.
2ter Kreuzzug (1147–1149)
- Wendenkreuzzug: 1147, Ziel: Germania Slavica
Auch wenn es den Kreuzfahrern teils sogar gelang, die verfeindeten muslimischen Reiche, die sie umgaben, gegeneinander auszuspielen (die Fatimiden in Ägypten waren den Seldschuken beispielsweise feindlich gesinnt), so war die militärische Situation doch immer äußerst schwierig.
Der letztendlich erfolglose Zweite Kreuzzug (1147–1149) hatte bereits das Ziel, die durch die Muslime bedrängten Kreuzfahrerstaaten (nach dem Fall der Grafschaft Edessa) zu entlasten.
Schlacht bei Hattin 1187 - Jerusalem wieder in muslimischen Händen
Nach der Schlacht bei Hattin 1187, in der faktisch das gesamte militärische Aufgebot des Königreichs Jerusalem geschlagen worden war, fiel sogar Jerusalem wieder in muslimische Hände.
3ter Kreuzug (1189–1192)
Zeitleiste Kreuzüge
Dritter Kreuzzug: 1189–1192, Ziel: Jerusalem
- Kreuzzug Heinrichs VI.: 1197–1198, Ziel: Jerusalem
Die nachfolgenden Kreuzzüge, die diese Entwicklung umkehren sollten, hatten wenig Erfolg, teils aufgrund unzureichender Planung oder strategischer Fehler, teils aufgrund der Uneinigkeit bei der Führung des Oberkommandos.
Lediglich im Dritten Kreuzzug konnten Teile der Kreufahrerstaaten entlang der Küste zurückerobert werden. Allerdings waren aufgrund der extremen Bedingungen weitab von Europa die Opfer unter den Kreuzfahrern hoch, allein unter der adligen Elite, für die konkrete Zahlen vorliegen, starben ein Patriarch, sechs Erzbischöfe und zwölf Bischöfe, 40 Grafen und 500 weitere namhafte Edelleute.
Vierter Kreuzzug (1202–1204)
Zeitleiste Kreuzüge
Vierter Kreuzzug: 1202–1204, Ziel: eigentlich Ägypten/Jerusalem, letztlich Konstantinopel
- Kinderkreuzzug: 1212, Ziel: Jerusalem
- Albigenserkreuzzug: 1209–1229, Ziel: Okzitanien
Der Vierte Kreuzzug endete gar 1204 mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels, der damals größten christlichen Stadt der Welt, durch Kreuzritter, die mit einem Teil der gemachten Beute die Verschiffung des Kreuzfahrerheers durch die Flotte Venedigs "bezahlten". Der Papst, der sich angesichts der Gräueltaten der Kreuzfahrer überdies darüber im Klaren war, dass damit eine Kirchenunion mit der Orthodoxie in Byzanz praktisch unmöglich wurde, verurteilte diese Aktion auf das Schärfste, was praktisch jedoch folgenlos blieb.
Die Republik Venedig hatte somit ihren größten Konkurrenten im Orienthandel dauerhaft geschwächt, der Nimbus der Kreuzzüge nahm damit freilich dauerhaft Schaden, zumal in diesem Zusammenhang das Byzantinische Reich von einer intakten Großmacht zu einer (nach der Rückeroberung Konstantinopels 1261) Regionalmacht degradiert wurde. Außerdem wurde das Verhältnis der orthodoxen Völker zu Westeuropa für Jahrhunderte schwer belastet.
Kriegsfolgen und weitere Kreuzzüge im Mittelalter
Zeitleiste Kreuzüge
Fünfter Kreuzzug:
- Kreuzzug von Damiette: 1217–1221, Ziel: eigentlich Jerusalem, letztlich Ägypten
- Kreuzzug Friedrichs II.: 1228–1229, Ziel: Jerusalem
- Kreuzzug Theobalds IV. von Champagne: 1239–1240, Ziel: Askalon/Damaskus
- Kreuzzug Richards von Cornwall: 1240–1241, Ziel: Askalon/Jerusalem
Sechster Kreuzzug: 1248–1254, Ziel: Ägypten/Jerusalem
- Hirtenkreuzzug von 1251: Ziel: eigentlich Ägypten
Siebter Kreuzzug: 1270, Ziel: Tunis/Jerusalem
- Kreuzzug des Prinzen Eduard: 1270–1272, Ziel: Akkon/Jerusalem
- Aragonesischer Kreuzzug: 1284–1285, Ziel: Girona
- Hirtenkreuzzug von 1320: Ziel: eigentlich Andalusien
- Kreuzzug gegen Smyrna: 1343–1347, Ziel: türkische Fürstentümer an der kleinasiatischen Küste, Eindämmung der Piraterie
- Kreuzzug gegen Alexandria: 1365, Ziel: Ägypten
- Kreuzzug gegen Mahdia: 1390, Ziel: Eindämmung der Piraterie
- Kreuzzug von Nikopolis: 1396, Ziel: Eindämmung des osmanischen Vordringens in Europa
Die Kreuzzüge hatten damit endgültig ihr ursprüngliches Motiv, die Rückeroberung des Heiligen Landes, verloren.
Allerdings verlor man dieses Ziel nie ganz aus den Augen, auch wenn alle weiteren Versuche – vom diplomatischen Erfolg des Stauferkaisers Friedrich II. während des Fünften (bzw. nach anderer Zählung Sechsten) Kreuzzugs abgesehen – keinen Erfolg hatten oder sogar in militärischen Katastrophen endeten.
Die Kreuzzüge in die Levante (zu den levantinischen Ländern zählen im engeren Sinne Syrien, der Libanon, Jordanien, Palästina und Israel) endeten 1291 mit dem Fall Akkons.
Im Zuge der Belagerung von Akkon durch die Mamluken ging am 28. Mai 1291 die letzte bedeutsame Bastion des christlichen Königreiches Jerusalem verloren. Jerusalem selbst war bereits seit 1244 endgültig wieder in der Hand der Muslime, Tyros, Sidon und Beirut sollten zwischen Mai und Juli 1291 fallen.
Die späten Kreuzzüge gegen die islamische Welt, die sich nun gegen das nach Europa vordringende Osmanische Reich richteten, endeten schließlich gegen Ende des 14. / Mitte des 15. Jahrhunderts.
Als die beiden letzten Kreuzzüge gegen Muslime gelten die des ungarischen und späteren römisch-deutschen Königs Sigismund (s. o.) und des polnischen Königs Władysław III. Beide endeten mit Niederlagen in der Schlacht bei Nikopolis 1396 und in der Schlacht bei Warna 1444.