Die Wilde Malve (Malva sylvestris)

04.08.2025

Die Wilde Malve (Malva sylvestris), auch Große Käsepappel und Rosspappel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Malven (Malva) innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).  

Ihr deutscher Trivialname Käsepappel hat nichts mit der Pappel zu tun, sondern bezieht sich auf die käselaibförmigen, schleimhaltigen Früchte, aus denen früher Kinderbrei (Papp) zubereitet wurde. Zahlreiche unterschiedliche Volksnamen spiegeln die Popularität und vielseitige Nutzung der Wilden Malve wider. Sie zählt zu den ältesten bekannten Nutzpflanzen und wurde bereits in der Antike als Gemüse- und Heilpflanze angebaut.

Die Wilde Malve wächst als überwinternd grüne, selten ein-, zumeist zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 200 Zentimetern erreicht.

Mit ihrer spindelförmigen, fleischigen, tiefreichenden Pfahlwurzel ist sie fest im Erdreich verankert. Die innen weiße Wurzel zeichnet sich durch zahlreiche Wurzelfasern aus.

Der mit zahlreichen rauen Büschelhaaren besetzte Stängel wächst gewöhnlich aufrecht, jedoch kommen auch Exemplare mit aufsteigendem oder niederliegendem Stängel vor. Der im Querschnitt abgerundete bis kantige Stängel kann in Bodennähe im äußeren Bereich verholzen, innen besitzt er jedoch ein lockeres Mark. Oft stirbt der Stängel nach der Blüte nicht vollständig bis zur Wurzel ab, sondern bildet in den Achseln der untersten, bereits abgestorbenen Laubblätter überwinternde Blattknospen, aus denen die Pflanze im nächsten Jahr neu austreibt.

Bei kräftigen Exemplaren können die Pfahlwurzeln dicht unter dem Boden liegende Adventivknospen entwickeln. Aus einigen treibt im folgenden Jahr ein neuer Blütenstängel. Die oberirdischen Pflanzenteile können behaart sein.

Die wechselständig am Stängel angeordneten 2 bis 4 Zentimeter langen und 2 bis 5 Zentimeter breiten Laubblätter bestehen aus Blattstiel und Blattspreite:

Der 2 bis 6 Zentimeter lange Blattstiel weist eine raue Behaarung auf und sitzt dem Stängel quer auf.

Die beidseitig weich behaarte, grasgrüne Blattspreite ist efeuähnlich rundlich bis herzförmig geformt und fünf- bis siebenlappig. Die Ausgestaltung der Laubblätter hängt von ihrer Stellung an der Sprossachse ab. Die eher rundlichen unteren Stängelblätter besitzen sieben Lappen, die oberen sind spitz-siebenlappig, die obersten Stängelblätter sind gewöhnlich tiefer eingeschnitten und in fünf Lappen unterteilt. Der Blattrand weist eine deutliche Kerbung auf. Die Nebenblätter sind mit einer Länge von etwa 5 mm und einer Breite von etwa 1,5 mm lineal-länglich bis lanzettlich und zugespitzt. Am Grund des Blattstiels sitzen sie dem Stängel quer auf.

Die Blütezeit liegt zwischen Mai und September.

Die Blüten stehen meist zu zweit bis viert (selten bis zu zehnt) in Büscheln in den Laubblattachseln, können jedoch auch einzeln stehen. Die behaarten Blütenstiele sind mit einer Länge von 2 Zentimeter kürzer als die Blattstiele und zur Blüte- und Fruchtzeit aufrecht.

Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten sind mit einem Durchmesser von 2,5 bis 5 Zentimetern radiärsymmetrisch.

Der Außenkelch besteht aus zwei bis drei unverwachsenen, grünen Hüllblättern. Die schmalen Hüllblätter sind bei einer Länge von 2 bis 3 Millimetern sowie einer Breite von etwa 1,5 Millimetern eiförmig bis lanzettlich.

Die fünf 3 bis 6 Millimeter langen Kelchblätter sind bis zur Mitte glockenförmig miteinander verwachsen und enden in fünf breit-dreieckigen, spitzen Kelchzipfeln. Die Breite der Kelchzipfel beträgt 2 bis 3 Millimeter.

Sowohl der Kelch als auch der Außenkelch können eine zottelige Behaarung aufweisen.

Gewöhnlich überragen die Kronblätter den Kelch um das drei- bis vierfache. Die fünf Kronblätter sind mit einer Breite von etwa 1 Zentimeter schmal, verkehrt-eiförmig und deutlich ausgerandet. Die in der Grundfarbe rosavioletten Kronblätter besitzen feine, im Farbton etwas dunklere Längsnerven (Strichsaftmale), die ihnen ihre charakteristische Musterung verleihen. Die violette Farbgebung beruht auf wasserlöslichen Anthocyanen, die sich im Saft der Zellvakuole befinden.

Bei den Blüten handelt es sich blütenökologisch um vormännliche Scheibenblumen.

Nach Entleerung des Pollens tritt die Blüte in die weibliche Phase ein.

Bestäuber sind vor allem Hummeln. Jedoch schätzen auch Bienen, Schwebfliegen und Hummelschweber den reichlich angebotenen Nektar.

Auch werden die Narben mit Pollen einer anderen Pflanze derselben Art bestäubt. Selbstbestäubung kommt nur in Ausnahmefällen vor.

Die bis zu 1 Zentimeter große, scheibenförmige, kahle Spaltfrucht ist in der Mitte vertieft und weist rings um die Längsachse gleichmäßige Linien auf. Nach abgeschlossener Reifung zerfallen die Spaltfrüchte entlang der Scheidewände in zehn bis zwölf einsamige, nierenförmige Teilfrüchte (kleine Nüsschen) von harter Konsistenz. Die langlebigen braunen und nierenförmigen Samen weisen eine Länge und Breite von etwa 2,5 mm auf.

Die Ausbreitung der Teilfrüchte ist eng an Regenwetter gebunden. Bei Nässe quillt der Blüten Kelch aufgrund von Wasseraufnahme auf, öffnet sich und setzt die reife Frucht dem Regen aus. Durch die Kraft der herunterfallenden Regentropfen werden die Teilfrüchte voneinander getrennt und mit dem Wasser verbreitet (Ombrochorie). Da auch die Nüsschen bei Nässe aufquellen und dadurch schleimig-klebrig werden, können sie über Tiere, an deren Fell sie sich heften, verbreitet werden.

Ursprünglich kommt die Wilde Malve aus Asien und Südeuropa. Heute ist sie in ganz Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet.

Wollte man die Fruchtbarkeit einer Frau testen, wurde empfohlen, mit deren Urin die Pflanze zu begießen. Wenn nach drei Tagen keine Anzeichen für Verdorrung erkennbar waren, konnte mit Kindersegen gerechnet werden.

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