
Die Antennen-Harnischwelse (Ancistrus)
Die Antennen-Harnischwelse (Ancistrus, Synonym: Xenocara), kurz auch als Antennenwelse bezeichnet, sind eine Gattung der Harnischwelse und die größte Gruppe innerhalb der Unterfamilie Ancistrinae. ...
Es werden häufig neue Arten beschrieben, derzeit sind etwa 75 Arten bekannt. Typusart ist Ancistrus cirrhosus (ursprünglich Hypostomus cirrhosus).
Wegen ihrer auffälligen Erscheinung, der bei vielen Arten recht unkomplizierten Haltung und der Vermehrung in Gefangenschaft werden Antennen-Harnischwelse gerne in der Aquaristik gehalten.
Verbreitung und Lebensraum
Antennen-Harnischwelse leben im nördlichen und mittleren Südamerika, in südlicher Richtung erstreckt sich ihr Lebensraum bis zum Río de la Plata, im Norden bis zum Suriname. Die meisten Arten leben in Fließgewässern. Insgesamt sind die besiedelten Habitate jedoch vielfältig. Sie reichen von schnell strömenden Flüssen bis hin zu stehenden Gewässern in Überflutungsgebieten und Sümpfen.
Merkmale
Typisch ist ein mehr oder weniger stark dorsoventral abgeplatteter Körperbau und ein Saugmaul mit zahlreichen feinen Zähnen.
Das Interoperculare (ein Knochen des Kiemendeckels) ist mit stachelartigen Hautzähnen, den Odontoden, bedeckt und fast immer ausstülpbar.
Das Operculare (ein weiterer Knochen des Kiemendeckels) ist meist ebenfalls frei beweglich.
Die Körperseiten sind mit Knochenplatten gepanzert, die in vielen Fällen ebenfalls Hautzähnchen tragen.
Der Bauch und das erste Viertel des Kopfes sind nackt.
Das augenfälligste Merkmal sind tentakelartige Vorsätze am vorderen Teil des Kopfes. Bei den Männchen einiger Arten können diese sich auch verzweigen, bei weiblichen Tieren sind sie weniger stark ausgeprägt oder fehlen ganz.
Lebensweise
Antennen-Harnischwelse ernähren sich wie alle Harnischwelse hauptsächlich von Algen und Periphyton, sind aber keine reinen Vegetarier.
Sie leben stark bodenorientiert und schwimmen nur kurze Strecken frei.
Gegenüber gattungsfremden Fischen sind Antennen-Harnischwelse sehr friedlich. Innerartlich können die revierbildenden Männchen besonders zur Laichzeit untereinander sehr aggressiv werden.
Zur Fortpflanzung werden Höhlen bevorzugt, an deren Wänden das Weibchen in einer Traube bis zu 200 orangenfarbene Eier von etwa drei Millimeter Größe anheftet.
Das Gelege wird vom Männchen bewacht.
Nach etwa fünf Tagen schlüpfen die Larven. Sie zehren daraufhin ungefähr fünf weitere Tage von ihrem Dottersack. Dann verlassen sie den Unterschlupf und gehen selbstständig auf Nahrungssuche.
Code-System in der Aquaristik
Für Aquarianer wurde im Jahr 1988 ein Code-System eingeführt, die so genannten L-Nummern. Grund hierfür war der Import höchst verschiedenartiger, noch unbeschriebener Harnischwelse. Das "L" rührt von deren Familiennamen Loricariidae her, die Nummer bezieht sich auf die Reihenfolge der Veröffentlichung in der DATZ.
Pflege
Wie viel Platz braucht ein Wels im Aquarium?
Die Antennenwels-Haltung ist nicht besonders schwierig. Der Fisch fühlt sich in einem Aquarium ab 80 Zentimetern Länge wohl.
Er verträgt sich zudem sehr gut mit verschiedenen Fischarten aus dem Amazonasgebiet.
Der blaue Antennenwels benötigt wie alle L-Welse zahlreiche Verstecke. Besonders wichtig sind außerdem Moorkienwurzeln, die zum Abraspeln dienen. Die Holzfasern dienen dem Fisch dabei als Ballaststoffe für seine Verdauung.
Was muss man beim braunen Antennenwels beachten?
In einem Aquarium mit sauerstoffreichem und klarem Wasser fühlt sich ein brauner Antennenwels wohl. Da es sich um territoriale Tiere handelt, benötigen sie wie auch blaue Antennenwelse ihre eigenen Höhlen sowie genug Platz zum Verstecken. Dabei besetzen Männchen Reviere und verteidigen diese. Deshalb ist eine Haltung von mehreren Männchen nur in einem sehr weitläufigen Becken möglich.
Genau wie sein blauer Kollege benötigt auch der braune Antennenwels Wurzeln für seine Verdauung. Man kann ihn oftmals beim Raspeln beobachten. Ohne diese Wurzeln würde der Fisch nicht die notwendigen Ballaststoffe erhalten und es entstünden Probleme bei der Verdauung. Bei einer Gruppe von Tieren muss man daher darauf achten, genügend Wurzeln im Aquarium zur Verfügung zu stellen.
Anforderungen an die Wasserqualität
Ein blauer Antennenwels ist ab einer gewissen Größe von etwa vier Zentimetern widerstandsfähiger und robuster. Ab diesem Zeitpunkt vereinfacht sich auch die Haltung. Vor allem für Anfänger ist es sinnvoll, bereits ältere Fische zu erwerben. Ein Antennenwels ist bezüglich der Wasserhärte nahezu anspruchslos. Jedoch wurde festgestellt, dass die Fische bei weichem Wasser wesentlich langsamer wachsen. Da blaue Antennenwelse Luft atmen können und eine spezielle Darmatmung besitzen, können die Tiere sogar in trüben Gewässern relativ gut leben. Jedoch sollte man nicht nachlässig sein und den Antennenwelsen klares und sauerstoffreiches Wasser bereitstellen.
Welche Temperatur benötigt der Antenntenwels?
Da der Antennenwels aus dem Amazonasgebiet stammt, legt er auf eine warme Wassertemperatur wert. Die Temperatur sollte von 20 bis 25 Grad reichen.
Ernährung: Was frisst der Antennenwels?
Ein Antennenwels ernährt sich gerne von Überresten seiner Mitbewohner im Aquarium. Diese Eigenschaft ist sehr nützlich, jedoch besitzt der Fisch verschiedene Gewohnheiten. Diese werden alleine mit dem Fressen von Überresten nicht abgedeckt. Denken Sie unbedingt daran, im Wasserbecken Moorkienholz unterzubringen. Es ist für Antennenwelse besonders wichtig, da es zur Verdauung benötigt wird. Durch Abraspeln erhalten die Fische notwendige Ballaststoffe für den Verdauungsapparat.
Man kann diese Art auch gezielt mit pflanzenhaltigen Futtertabletten füttern. Auch überbrühter Spinat oder Salatblättern sind geeignet. Antennenwelse freuen sich auch über Flockenfutter und Granulat. Jedoch sollte man beim Füttern von Granulat die Futtermenge stets sehr reduziert halten, um einen Darmverschluss zu vermeiden.
Hilfe bei der Algenbekämpfung
Um den Welsen eine Freude zu bereiten, können Sie auch etwas Gehölz oder Laub im Wald sammeln. Daneben fressen Antennenwelse auch rohe Karotten, Kartoffeln, Zucchini, Gurken und überbrühten Löwenzahn. Ab und zu vergreifen sich die Saugwelse an den Pflanzen im Aquarium. Daher ist es wichtig, für eine vielfältige pflanzliche Ernährung zu sorgen.
Der braune Antennenwels ist ein typischer Aufwuchs- und Algenfresser. Daher kann er auch bei der Bekämpfung von Algen in einem Aquarium hilfreich sein. Jedoch bieten die Algen meistens nicht ausreichend Nahrung. So muss der Antennenwels meistens zusätzlich gefüttert werden.
Fazit: Friedliche Scheibenputzer
Antennenwelse werden von Aquarianern auch liebevoll Scheibenknutscher, Putzerfisch bzw. Scheibenputzer genannt. Haltung und Zucht dieser friedlichen, robusten Süßwasserfische sind auch für Anfänger gut machbar.