
Der Gemeine Efeu (Hedera helix)
Der Gemeine Efeu, auch Gewöhnlicher Efeu oder kurz Efeu (Hedera helix), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Efeu (Hedera) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae). ...
Trivialnamen
"Landschaftliche Namen" sind unter anderem Epheu (p und h getrennt gesprochen), Baumwinde (lateinisch früher Hedera arborea) und, allerdings mehrdeutig, Eppich. Der kletternde bzw. kriechende Efeu wurde im November 2009 zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt.
Beschreibung
Erscheinungsbild und Blatt
Der Gemeine Efeu ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze und ein Klettergehölz.
Sehr variabel ist der Gemeine Efeu in seinen Lebensformen, es liegt Sprossdimorphismus vor.
- Dimorphismus: zwei deutlich verschiedenen Erscheinungsvorkommen bei derselben Art
Die Keimung erfolgt epigäisch.
- Epigäische Keimung: Bei der epigäischen (epi, griech.: über/auf; gae, gr.: Erde) Keimung streckt sich das Hypokotyl (junger Sprossabschnitt) zwischen Wurzel und Keimblättern. Es bildet sich ein typischer Hypokotylhaken, welcher die Erdoberfläche durchbricht und dadurch die Keimblätter (Kotyledonen) empor hebt.
Zuerst entwickelt er sich als ausdauernde, krautige Pflanze. So überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden.
Seine Sprossachsen sind in diesem Stadium niederliegend bis kriechend (plagiotrop). Die Rinde junger Sprossachsen ist mit stern- bis schildförmigen Haaren (Trichomen) flaumig bedeckt. An den Sprossachsen werden im dichten Abstand Adventivwurzeln gebildet.
Sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage, durch Haftwurzeln daran emporzuklettern; dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern.
Der Gemeine Efeu ist der einzige in Mitteleuropa einheimische Wurzelkletterer.
Nach einigen Jahren beginnen die Sprossachsen zu verholzen und der Gemeine Efeu entwickelt sich vom Halbstrauch zum Strauch oder zur Liane, bis er selten auch baumartig wächst.
Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen, Altersformen können etwa 20 Jahre nach der Keimung auftreten. Adulte Exemplare besitzen rundliche und aufrechte, orthotrope Sprossachsen.
- Tropismen: Bei Tropismen (altgriechisch τροπή tropé, deutsch 'Wendung'), den Reizrichtungsreaktionen, bestimmt der Reiz die Bewegungseigenschaften (Ablauf, Orientierung) der Reaktion des Pflanzenorgans.
Wendet sich das Organ zu dem Reiz hin, handelt es sich um einen positiven Tropismus (Pro-, Anatropismus)– wendet es sich ab, handelt es sich um einen negativen Tropismus (Apotropismus).
Orientiert sich das Organ in einem bestimmten Winkel zur Reizrichtung, nennt man den Tropismus plagiotrop (bspw. Seitenzweige), bei einem 90° Winkel dia-, homalotrop bzw. Transversal-Tropismus und orth-, parallelotrop wenn es annähernd senkrecht auf- oder abwärts wächst, bei schiefwinkliger Einstellung klinotrop wobei hier kataklinotrop einen negativen Klinotropismus bedeutet. Als ageotrop bezeichnet man ein Wachstum, das nicht nach der Schwerkraft ausgerichtet ist.
Diese Sprossachsen sind stets wurzellos. Verholzte Stämme können einen Durchmesser von bis zu 30 Zentimeter erreichen.
Beim Gemeinen Efeu liegt Heterophyllie vor.
- Heterophyllie "Verschiedenblättrigkeit"
- Oberbegriff: "Blattpolymorphismus" wird in der Pflanzenkunde die unterschiedliche Ausgestaltung von Blättern an einer Pflanze bezeichnet.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert:
Die einfachen, ledrigen Blattspreiten sind oberseits fast kahl und unterseits mit weißen 5-8-strahligen, nur am Grund verwachsenen Schuppenhaaren bedeckt.
An den Jugendformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von meist 4 bis 10, selten bis zu 25 Zentimetern handförmig gelappt mit drei bis fünf dreieckigen, ganzrandigen Blattlappen.
Bei den blühfähigen Altersformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimeter eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün, oft mit helleren Blattadern, und die Blattunterseite ist heller.
Manchmal werden die Blattspreiten im Spätsommer hellgrün bis gelblich und die Blattoberseite kann im Winter purpurfarben getönt sein.
Es sind keine Nebenblätter vorhanden.
Blütenstand und Blüte
Endständig zu dritt bis sechst in rispigen Gesamtblütenständen oder einzeln stehen auf Blütenstandsschäften in halbkugeligen bis kugeligen, doldigen Blütenständen etwa 20 gestielte, unscheinbare Blüten zusammen.
Die Blütenstandsschäfte und Blütenstiele sind filzig mit Sternhaaren bedeckt.
Die sich im September und Oktober entwickelnden relativ kleinen, gelblich-grünen, etwas unangenehm duftenden Blüten 😱 sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle.
Die fünf Kelchblätter am Blütenbecher sind nur minimal und dreieckig.
Die fünf, selten sechs, freien, gelblich-grünen, leicht fleischigen, außen fein behaarten, spitzen, zurückgelegten Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern dreieckig-eiförmig, innen gekielt und am oberen Ende minimal kapuzenförmig.
Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden.
Fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die fünf kurzen Griffel stehen zu einer Säule zusammen. Die Nektarsekretion erfolgt an einem gewölbten Diskus auf dem Fruchtknoten.
Frucht und Samen
In den Fruchtständen stehen die zwischen Januar und April reifenden Früchte dicht zusammen. Die bei Reife bläulich- oder grünlich-schwarzen, selten gelben oder weißen mehrsamigen Steinfrüchte mit Diskus- und Griffelresten an der Spitze, sind bei einer Länge von 5 bis 9 Millimetern und einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimetern kugelig und besitzen ein Durchschnittsgewicht von 281,5 mg. Die Früchte enthalten im purpurfarbenen Fruchtfleisch ein bis fünf Steinkerne. Die einsamigen Steinkerne besitzen eine Länge von etwa 6 Millimeter sowie einen Durchmesser von 4 Millimeter. Die weißliche, membranöse Schale der Kerne ist runzelig. Der kleine Embryo besitzt zwei Keimblätter (Kotyledonen).
Ökologie und Phänologie
Im Schatten oder bei reichlich Lichteinfall sehen die Laubblätter (Schatten- und Sonnenblätter) unterschiedlich aus.
Laubblätter werden während der ganzen Vegetationszeit von März bis Oktober gebildet, aber zwischen April und Mai entwickeln sich besonders viele.
Ein einzelnes, immergrünes Laubblatt überdauert etwa drei bis vier Jahre, die Hauptzeit des Laubfalles liegt im späten Frühling.
Beim Gemeinen ist Fremdbestäubung erforderlich, die durch eine Vielzahl von Insektenarten sichergestellt wird.
Mit einer späten Blütezeit in den Monaten September bis Oktober ist der Efeu eine Besonderheit innerhalb der mitteleuropäischen Flora mit ihren hauptsächlich in den Frühjahrs- und Sommermonaten blühenden Pflanzen.
Aufgrund dieser späten Blütezeit ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Wespen und Schwebfliegen.
Von den Schmetterlingen besucht der Admiral die Blüten. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert (Monolektie).
In anderen Gebieten als Mitteleuropa liegt die Blütezeit teilweise in anderen Monaten.
Die Früchte werden zwischen Januar und April reif.
Die Beeren werden beispielsweise vom Gartenrotschwanz, der Mönchsgrasmücke, dem Star, der Amsel und dem Rotkehlchen gefressen, die auf diese Weise die Samen ausbreiten (Endochorie, Verdauungsausbreitung).
Vorkommen
Der Gemeine Efeu ist in West-, Mittel- und Südeuropa von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen heimisch, im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Südschweden, im Osten bis zur Türkei.
Verwendung als Zierpflanze
Der gemeine Efeu wird für die Begrünung von Zäunen, Mauern und Fassaden als sehr geeignet betrachtet.
Ein Efeubewuchs schützt die bewachsenen Flächen vor Regen und vor Spannungsrissen durch starke Temperaturschwankungen, und er wirkt als Wärmedämmung.
Daneben wird die ökologische Bedeutung einer Fassadenbegrünung als Lebensraum für Insekten und Nistplatz für Singvögel hervorgehoben.
Efeu benötigt auf nicht zu glattem Untergrund keine Rankhilfe, da er sich mit seinen Haftwurzeln am Mauerwerk verankert.
Die Pflanze reinigt die Luft von Benzol, Formaldehyd, Xylolen und Toluol.
Kulturelle Bedeutung
Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war diese immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens, im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.
Im klassischen Altertum war der Efeu den Göttern des Weines geweiht. Sowohl der altägyptische Osiris als auch der griechische Dionysos und der römische Bacchus wurden mit Wein- und Efeulaub bekränzt dargestellt.
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Pflege
Der Gemeine Efeu (Hedera helix) ist eine relativ pflegeleichte Pflanze, die sich sowohl als Bodendecker als auch als Kletterpflanze eignet. Er bevorzugt halbschattige bis schattige Standorte mit durchlässigem, humosem Boden, verträgt aber auch sonnige Lagen, solange der Boden feucht genug ist.
Regelmäßiges Gießen ist wichtig, besonders bei Trockenheit oder Sonneneinstrahlung, aber Staunässe sollte vermieden werden.
Efeu ist schnittverträglich und kann das ganze Jahr über geschnitten werden, außer bei Frost. Ein Rückschnitt im Frühjahr und Herbst ist empfehlenswert, um die Pflanze in Form zu halten und eine dichte Wuchsform zu fördern.
Standort und Boden
- Licht: Halbschatten bis Schatten ist ideal, aber Efeu verträgt auch Sonne, wenn der Boden feucht ist.
- Boden: Bevorzugt durchlässigen, humosen, leicht sauren bis neutralen Boden (pH-Wert 6,0-7,5).
- Vermeidung von Staunässe: Staunässe sollte unbedingt vermieden werden, da sie zu Wurzelfäule führen kann.
Gießen und Düngen
- Regelmäßiges Gießen: Efeu benötigt regelmäßige Wassergaben, besonders bei Trockenheit und Sonne.
- Vermeidung von Staunässe: Staunässe ist zu vermeiden, daher sollte überschüssiges Wasser gut ablaufen können.
- Kalkarmes Wasser: Efeu als Zimmerpflanze kann gelegentlich mit kalkarmem Wasser besprüht werden.
- Düngen: Efeu kann im Frühjahr mit einem Langzeitdünger versorgt werden, aber im Winter wird weniger gegossen und nicht gedüngt.
Schnitt
- Schnittverträglichkeit: Efeu ist sehr schnittverträglich und kann das ganze Jahr über geschnitten werden, solange es frostfrei ist.
- Zeitpunkt: Ein Rückschnitt im Frühjahr (April/Mai) und Herbst (August/September) ist empfehlenswert.
- Formgebung und Wuchsregulierung: Efeu kann sowohl als Bodendecker als auch als Kletterpflanze durch regelmäßigen Schnitt in Form gehalten werden.
- Vermeidung von Brutzeiten: Efeu sollte während der Brutzeit nicht geschnitten werden, um Vögel nicht zu stören.
Vermehrung
- Stecklinge: Efeu kann leicht durch Stecklinge vermehrt werden, indem im Spätsommer Triebspitzen abgeschnitten und in Anzuchtkästen gesetzt werden.
- Sämlinge: Wilde Sämlinge können einfach ausgegraben und umgepflanzt werden.
Weitere Pflegetipps
- Schädlinge: Efeu kann von Schildläusen befallen werden. Diese können durch Abwischen oder Zurückschneiden bekämpft werden.
- Giftigkeit: Efeu ist giftig für Haustiere und sollte daher nicht in deren Reichweite wachsen.
- Winterruhe: Efeu als Zimmerpflanze sollte im Winter kühler und weniger gegossen werden.
- Aufgrund der Tatsache, dass Efeu winterhart ist, können ihm frostige Temperaturen nichts anhaben. Ein anderes Problem kann jedoch gelegentlich auftreten: Trockenheit. Damit die Pflanzen nicht den Winter über vertrocknen, sollte ihnen an frostfreien Tagen ein wenig Wasser gegeben werden.
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