Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis)

02.08.2025

Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis), auch Indisches Panzernashorn und Indisches Nashorn genannt, gehört zur Familie der Nashörner in Asien und Afrika. ...  

Das einhörnige Nashorn ist auf dem Indischen Subkontinent beheimatet und heute nur noch im Nordosten Indiens und in geschützten Gebieten im Terai Nepals zu finden. Im Jahr 2008 hat die IUCN das Panzernashorn als gefährdet eingestuft, wobei die Population durch Schutzmaßnahmen zunimmt.

Merkmale

Allgemein

Mit einer Kopfrumpflänge von 368 bis 380 cm bei Bullen (Kühe 310 bis 340 cm), einer Schulterhöhe von 170 bis 186 cm (Kühe 148 bis 173 cm) und einem Gewicht von 2,2 t (Kühe 1,6 t) ist das Panzernashorn die größte der drei Nashornarten Asiens und die zweitgrößte rezente nach dem Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum). Große Bullen können auch ein Gewicht von bis zu 2,7 t erreichen und eine Schulterhöhe von 193 cm aufweisen. Der Körper ist sehr kräftig gebaut, wobei die Gliedmaßen relativ kurz und breit sind. Der Schwanz wird durchschnittlich 66 cm lang.

Die im Maximum bis zu 4 cm dicke Haut ist grau-braun gefärbt und fest, nur im Bereich der Falten, der Bauchgegend und am Kopf ist sie weicher und dünner.

Das Panzernashorn weist kaum Behaarung auf. Haare finden sich nur an den Ohren, der Schwanzspitze und als Augenwimpern. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die fingerförmige und teils sehr bewegliche Oberlippe, die allen asiatischen Nashörnern zu eigen ist. Sie ist aber nicht ganz so deutlich ausgeprägt wie beim Java-Nashorn. Verwendet wird die Lippe zum Abrupfen der Nahrung. Namensgebend ist das einzelne Horn, welches auf der Nase sitzt und eine dunkelgraue bis schwarze Färbung aufweist. 

Sinnesleistungen und Lautäußerungen

Das Panzernashorn hat wie alle rezenten Nashörner ein schlechtes Sehvermögen. Die eingeschränkte Sehleistung führt dabei manchmal zu spontanen Angriffen auf Eindringlinge oder bewegliche Objekte. Dafür besitzt das Panzernashorn wie auch andere Nashornarten einen ausgezeichneten Geruchs- und Hörsinn. Die Hauptkommunikation untereinander findet dabei olfaktorisch über die Sekrete statt, die intensiv beschnüffelt werden. Des Weiteren sind mindestens ein Dutzend Lautäußerungen bekannt, die in unterschiedlichen Situationen ausgestoßen werden. Am häufigsten ist ein Schnauben zu vernehmen, es stellt den ersten Kontaktruf zu Artgenossen dar, während ein Blöken oder Röhren bei aggressiven Handlungen verwendet wird. Bullen geben ein Quietschen von sich, wenn sie Interesse an Kühen haben, und einen dem Muh-Laut der Rinder ähnlichen Laut benutzen Kälber gegenüber den Muttertieren, um auf sich aufmerksam zu machen.

Verbreitung und Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste den gesamten Norden des Indischen Subkontinents, entlang des Indus in Pakistan über die Flussebenen von Ganges und Brahmaputra in Indien und Bangladesch bis hin zur Grenze zwischen Indien und Burma, einschließlich der südlichen Landesteile von Nepal und Bhutan. 

Nach Angaben aus dem Jahr 2022 lebten 2613 Tiere und damit gut 65 % der heutigen Gesamtpopulation im indischen Kaziranga-Nationalpark. Bereits im Frühjahr 2011 wurden mehr als 2000 Individuen im Schutzgebiet gezählt, womit sich die dortige Population fast verdoppelt hatte verglichen zum gleichen Zeitraum 2007.

Lebensweise

Territorialverhalten

Das Panzernashorn ist ein überwiegend nacht- bis dämmerungsaktiver Einzelgänger, Bullen und Kühe kommen in der Regel nur zur Paarungszeit zueinander. Die Tiere unterhalten Eigenbezirke, die aber an den Grenzen einander überlappen können. Die Größe dieser Territorien schwankt zwischen 2 und 8 km², die Ausdehnung und Grenzverläufe eines einzelnen Reviers können aber je nach Nahrungsangebot über das Jahr verteilt variieren. Die Tiere gehen sich meistens aus dem Wege; nur selten kommt es zu Kämpfen. Dies geschieht vor allem dann, wenn dominante Bullen auf Jungbullen oder Alttiere treffen. Dabei wird das Horn nur in Form von Fechtaktionen eingesetzt, zur Schwächung des gegnerischen Tiers dienen eher die scharfen spitzen Schneidezähne des Unterkiefers. Diese können gefährliche Wunden reißen, die das verletzte Tier zwar nicht gleich töten, aber manchmal aufgrund von nachfolgenden Infektionen zum Ableben führen können.

Markiert werden die Territorien durch gezieltes Spritzen von Urin auf Büsche und Sträucher. Die begangenen Pfade können teilweise auch mit Ausscheidungen aus den Duftdrüsen an den Füßen gekennzeichnet werden. 

Ernährungsweise

Das Panzernashorn braucht bis zu 150 kg Nahrung am Tag und ernährt sich sowohl von Gräsern (grazing) als auch weicher Pflanzennahrung (browsing), wie Blätter, Zweige, Äste, Rinde und Früchte. Insgesamt sind über 180 Pflanzenarten bekannt, die vom Panzernashorn verzehrt werden. Die unterschiedlichen Ernährungsstrategien sind aber weitgehend jahreszeitlich getrennt. In Trockenzeiten frisst es überwiegend Gras, was bis zu 80 % seiner gesamten Nahrung ausmacht. Diese weidet das Tier am Boden mit gesenktem Kopf und benutzt dazu seine spitze Oberlippe. Bevorzugt werden dann vor allem Süßgräser, z. B. Saccharum spontaneum, Narenga porphyrocoma und Cynodon dactylon. Während der Trockenzeiten werden aber auch Zweige nicht verschmäht. Zu den Monsunzeiten verzehrt das Panzernashorn häufig Blätter und Früchte. Hier gehören vor allem Bambus und Feigen dazu, wobei das Tier mit erhobenem Kopf und unter Zuhilfenahme der Schneidezähne die Nahrung aufnimmt.

Im Gegensatz zu den anderen rezenten Nashornarten ist das Panzernashorn ein sehr guter Schwimmer und verbringt längere Zeit im Wasser, häufig vor allem während der Monsunzeit. Dabei scheut es auch tiefes Wasser nicht und vermag unter Wasser zu grasen, wobei die Pflanzen erst über Wasser zerkaut werden. Dadurch gehören Wasserpflanzen wie Hydrilla, Vallisneria und Pistia ebenfalls zu seinem Nahrungsspektrum. Ausgedehnte Schwimmausflüge werden meist während des Tages durchgeführt. 

Des Weiteren gehören Salz- und Bodenlecken zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährungsweise. Zusätzlich sind Schlammlöcher wichtig für das Wohlbefinden der Tiere, in denen sie einen Großteil der Tageszeit – bis zu 60 % – verbringen und sich dort ausgiebig suhlen und wälzen. Die Schlammbäder dienen einerseits der Thermoregulierung des Körpers, andererseits auch zur Entfernung von Parasiten.

Fortpflanzung

Weibliche Tiere erreichen mit 5 bis 7 Jahren die Geschlechtsreife, männliche mit 8 bis 10. Die Tiere sind ganzjährig paarungsbereit, bei Kühen kommt es alle 27 bis 42 Tage zur Brunft. Anzeichen dafür sind verminderte Nahrungsaufnahme, Ruhelosigkeit, häufiges Urinieren oder rhythmische Rufe. Außerdem schwillt die Vulva deutlich an und färbt sich rötlich bis purpur. In den Zeiten der Brunft sind vor allem Bullen untereinander sehr aggressiv, und es kommt häufig zu gefährlichen Beißduellen. Will sich ein Bulle mit einer Kuh paaren, macht er sie über Berührungen, Lecken oder Verfolgungsjagden auf sich aufmerksam. 

Der Paarungsakt beginnt mit einem mehrmaligen Aufsitzen des Bullen auf der Kuh und kann bis zu zwei Stunden dauern. Dabei kommt es häufig zum ritualisierten Harnlassen beider Tiere. Nach dem Ende der Paarung trennen sich die Tiere wieder.

Die Tragzeit beträgt etwa 16 Monate und variiert zwischen 465 und 490 Tage, anschließend kommt ein einziges Kalb zur Welt. Dieses ist bei der Geburt bereits 60 bis 75 kg schwer und kann nach 30 Minuten stehen. 

In der Regel werden mehr männliche als weibliche Kälber geboren. Das Kalb wird rund anderthalb Jahre gesäugt, wobei es in der Anfangszeit knapp 30 l Milch trinkt und täglich zwischen 1 und 2 kg an Gewicht zunimmt. Noch während der Saugphase beginnt das Kalb aber vom dritten bis fünften Monat an, pflanzliche Nahrung zu sich zu nehmen. 

Insgesamt verbleibt das Kalb drei Jahre bei der Mutter, ehe es vor der Geburt eines weiteren Kalbes endgültig vertrieben wird. 

Die Lebenserwartung des Panzernashorns beträgt in freier Wildbahn rund 40 Jahre. Bei in Gefangenschaft lebenden Tieren wurde bisher ein Rekordalter von 47 Jahren registriert, liegt aber ansonsten nicht weit über dem der ältesten freilebenden Artgenossen.

Interaktion mit anderen Tierarten

Ausgewachsene Tiere haben keine natürlichen Feinde. Kälber werden jedoch Opfer von Tigern, die sie bei Unachtsamkeit des Muttertieres reißen. Dabei kann teilweise eine beträchtliche Anzahl von Jungtieren sterben. Allein im Kaziranga-Nationalpark wurden zwischen 1985 und 2000 mehr als 200 derartig getötete Individuen registriert.

Wie bei den afrikanischen Nashornarten besteht beim Panzernashorn eine enge ökologische Gemeinschaft mit dem – in diesem Fall Asiatischen – Elefanten, wobei es selten zu aggressivem Verhalten gegenüber der anderen Tierart kommt. Die Beziehung zeigt sich vor allem darin, dass die Elefanten durch ihre Lebensstrategie Landschaften häufig offen halten oder auch in die Waldfront einbrechen und so offene Gebiete schaffen, die später auch vom Panzernashorn genutzt werden können. 

Eine lockere Beziehung gibt es auch zu den koexistierenden Wildrinderarten, dem Wasserbüffel und dem Gaur. 

Des Weiteren duldet das Panzernashorn die Anwesenheit von Kuhreihern, Hirtenstaren und Schwarzen Drongos auf seinem Rücken, die Parasiten aus der Haut herauspicken. Die Vögel scheinen aber im Gegensatz zu jenen bei den afrikanischen Nashörnern keine Alarmfunktion bei aufziehender Gefahr zu haben.

Panzernashörner werden in Gefangenschaft sehr zahm und entwickeln dabei einen festen Bezug zu ihren jeweiligen Pflegern.

Systematik

Zusammen mit seinem nächsten Verwandten, dem Java-Nashorn, gehört das Panzernashorn zur Gattung Rhinoceros, welche durch ein einzelnes Horn auf der Nase charakterisiert ist. Innerhalb der Gattung Rhinoceros stellt das Panzernashorn aufgrund der Zahnmorphologie die etwas modernere Form dar. Die stammesgeschichtlichen Linien von Panzer- und Java-Nashorn trennten sich molekulargenetischen Untersuchungen zufolge bereits vor etwa 11,7 Millionen Jahren. 

Das Panzernashorn war das erste asiatische Nashorn, das in Europa am Anfang des 16. Jahrhunderts bekannt und mehrfach beschrieben wurde. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte von Linnaeus 1758.

Stammesgeschichte

Die Gattung Rhinoceros ist seit dem oberen Pliozän vor rund 3,3 Millionen Jahren nachgewiesen und ging vermutlich aus dem im Miozän lebenden Gaindatherium oder dem Punjabitherium hervor.

Noch im mittleren Holozän war die Art weit über den Indischen Subkontinent bis nach Pakistan verbreitet. 

Das Holozän (populärwissenschaftlich auch Nacheiszeitalter genannt) ist der gegenwärtige Zeitabschnitt der Erdgeschichte.  

Funde von verschiedenen Fundstellen aus der Zeit der Indus-Kultur (ca. 2600 bis 1900 v. Chr.) zeigen, dass die Tiere damals durchschnittlich größer waren als heutige Vertreter.[36] Erst die massenhafte Tötung der Tiere hauptsächlich in der europäischen Kolonialzeit drängte das Panzernashorn auf die heutigen Restgebiete zurück.


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